Photovoltaikanlage mit oder ohne Batteriespeicher?

Viele stellen sich bei der Planung einer Photovoltaikanlage die Frage, ob sie die Anlage mit einem Batteriespeicher versehen sollen oder nicht. Wie so oft im Leben kann man diese Frage nicht so einfach mit ja oder nein beantworten. Die Erwartungen an eine solche Anlage und die Vorstellungen, was man damit bezwecken will, sind so verschieden wie die Menschen selbst. Um die richtige Entscheidung zu treffen, ist es wichtig, im Vorfeld alle Informationen, die eine solche Entscheidung beeinflussen zusammenzutragen. Einige Aspekte, die häufig bei der Entscheidung für oder gegen einen Batteriespeicher eine Rolle spielen, habe ich an dieser Stelle mal etwas näher betrachtet.


Ökonomische Aspekte

Ich bin davon überzeugt, dass sich bis heute kein einziges Batteriespeichersystem wirtschaftlich gerechnet hat und dass auch in den nächsten 10 bis 20 Jahren Batteriespeichersysteme wirtschaftlich ein Verlustgeschäft bleiben werden. Die Anschaffungskosten sind viel zu hoch gegenüber dem, was man durch Einsparung am Strompreis mit einem solchen System gewinnen kann. Das liegt daran, dass die Differenz zwischen der Einspeisevergütung und dem Strompreis auch in den nächsten Jahren nicht die 50 Cent/kWh übersteigen wird und dass ein Batteriespeichersystem eine deutlich kürzere Lebensdauer als eine Photovoltaikanlage hat. Wenn man bei einer Photovoltaikanlage von einer Lebensdauer von 25 und mehr Jahren ausgehen kann, so würde ich davon abraten, bei einem Batteriespeichersystem mit einer Lebensdauer von mehr als zehn Jahren zu rechnen. Selbst bei modernen Lithium-Ionen-Akkus unterliegt die nutzbare Kapazität, der sogenannte „State of Health“ (SOH), sowohl einer kalendarischen als auch einer zyklischen Alterung. Das heißt, man kann die Batterie intensiv nutzen, dann wird sie schneller an Kapazität verlieren oder man nutzt sie nur sehr wenig, dann wird sie auch Kapazität verlieren, nur nicht so schnell. Die Vorhersage, wie schnell der Alterungsprozess tatsächlich abläuft ist äußerst schwierig, da die Alterung von noch weiteren Faktoren (z.B. Lade- und Entladetiefe, Lade- und Entladestrom, Temperatur, Zell-Balancing) abhängt, die in einem sehr komplexen Zusammenhang stehen. Irgendwann wird bei jedem Speicher der Punkt erreicht sein, wo er nur noch 50% seiner ursprünglichen Kapazität hat. Aus diesem Grund halte ich Aussagen wie „Grob gerechnet gehe ich davon aus, dass sich mein Speichersystem nach 12 Jahren rechnet.“ für sehr gewagt.


Ökologische Aspekte

Als ich begonnen habe, mich mit dem Thema Photovoltaikanlage zu beschäftigen, liebäugelte auch ich zunächst mit der Idee eines Batteriespeichers. Der Gedanke, die am Tage erzeugte überschüssige Elektroenergie zu speichern und in der Nacht zu benutzen, begeisterte mich und ich glaubte, so Tag und Nacht sauberen Ökostrom nutzen zu können. Wenn man sich aber mal etwas tiefgehender mit der Materie beschäftigt, so sieht die Ökobilanz ganz anders aus. Die meisten kleinen Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden befinden sich in Siedlungsgebieten und speisen in das dortige Niederspannungsnetz ein. Selbst in den Mittagsstunden sonnenreicher Tage wird aber der Energieverbrauch in einem solchen Strang des Niederspannungsnetz nicht vollständig durch Photovoltaikanlagen gedeckt. Das heißt, es wird Energie aus konventioneller Energieerzeugung in diese Niederspannungsnetzstränge eingespeist oder anders gesagt, der in einer kleinen Photovoltaikanlage überschüssige Strom wird, wenn er ins Netz eingespeist wird, mit geringsten Leitungsverlusten vollständig in nächster Nachbarschaft verbraucht. Wenn man dagegen den überschüssigen Strom in einem Batteriespeichersystem zwischenspeichert, um ihn später zu verbrauchen, entstehen dabei Verluste im Speicher selbst und in den Wechselrichtern von 10 – 30% (Wie von einem anderen Forummitglied angemerkt wurde, kann aufgrund des Energieerhaltungssatzes Energie nicht verloren gehen, sondern wird nur in Wärme umgewandelt und dient damit zum Heizen der Räume. Da das Speichern von Energie aus Photovoltaik aber am allermeisten im Sommer stattfindet ist diese Heizung der Räume völlig überflüssig und die Verlustleistung meines Netzwechselrichters liefert mir auch ganz ohne Batteriespeicher mehr Wärme als mir lieb ist.). Der Bedarf an zusätzlicher Leistung aus Photovoltaik in den Tagesstunden ist fast immer gegeben. Das zeigt sich sehr deutlich daran, dass der Strompreis an der Strombörse am Tage deutlich höher ist, als in der Nacht. Es ist also ökologisch sehr sinnvoll am Tage, wenn ein hoher Leistungsbedarf besteht, Photovoltaikstrom ins Netz einzuspeisen und nachts, wenn ein Überschuss an Leistung im Netz besteht, Strom aus dem Netz zu entnehmen. Wenn ich dagegen meinen am Tage erzeugten Strom in einer Batterie speichere und in der Nacht entnehme, mache ich genau das Gegenteil. Ich bewirke damit, dass die konventionellen Stromerzeuger (und dabei machen in Deutschland die Kohlekraftwerke mit 39% an der Gesamterzeugung den größten Anteil aus) ihren Strom am Tage an der Strombörse zu einem hohen Preis verkaufen können. Durch den Einsatz eines Batteriespeichers an einer Photovoltaikanlage subventioniert man also die Umsätze die mit Kohlestrom erzielt werden. Auch die Tatsache, dass Batteriespeichersysteme in Verbindung mit Photovoltaikanlagen staatlich gefördert werden, könnte vermuten lassen, dass es ökologische Gründe für Batteriespeichersysteme gibt. Tatsächlich ist es aber so, dass auch Politiker bei der Gesetzgebung durch Lobbyisten oft genauso schlecht beraten sind, wie Kunden durch Verkäufer von Batteriespeichersystemen. Die Förderungen für Batteriespeichersysteme sind keineswegs eine Förderungen für die Betreiber dieser Systeme, sondern eine direkte Förderung für die Hersteller der Batteriespeichersysteme und eine indirekte Förderung für die großen Energiekonzerne. Oft ist es auch beides das Gleiche, wie zum Beispiel bei SENEC, was ein 100%iges Tochterunternehmen des EnBW-Konzerns ist. Die pauschale Leistungsreduzierung von Photovoltaikanlagen auf 70% der installierten Generatorleistung (oder sogar 60% bei der Inanspruchnahme von Förderung für ein Batteriespeichersystem) tragen nicht zur Verbesserung der Netzstabilität bei, da nur geregelte Lasten oder eine geregelte Einspeisebegrenzung im Bedarfsfall das Netz stabilisieren können. Diese und viele andere Punkte im EEG zeigen die deutliche Handschrift der großen Energiekonzerne die unter fadenscheinigen Gründen in diesem Gesetz stehen, jedoch einzig dazu dienen, die Pfründe der Energiekonzerne zukünftig zu sichern.

Auf die begrenzten Ressourcen an Rohstoffen zur Herstellung von Speicherbatterien, die Umweltschäden beim Abbau dieser Rohstoffe und der Herstellung der Batterien möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen, da dies dem an der Energiewende interessierten Bürger aus der Diskussion um die Elektromobilität bestens bekannt sein sollte.


Notstromversorgung

Ein Grund, der für ein Batteriespeichersystem an einer Photovoltaikanlage sprechen kann, ist die Notstromversorgung. Allerdings setzt das voraus, dass die Anlage notstromfähig ist. Im schlimmsten Fall ist das nämlich nicht gegeben und bei einem Netzausfall schaltet die Anlage ab und die in den Batterien gespeicherte Energie ist nicht nutzbar. Im zweiten fast genauso schlimmen Fall ermöglicht die Notstromversorgung lediglich die Entnahme der Energie aus dem Batteriespeicher, aber nur so lange, bis die Batterien leer sind. Selbst an sonnigen Tagen wäre damit eine Notstromversorgung nur für eine kurze Zeit möglich. Deshalb ist es für eine Notstromversorgung wichtig, dass der Wechselrichter „schwarzstartfähig“ ist, das heißt der Wechselrichter kann auch ohne das Vorhandensein des öffentlichen Stromnetzes betrieben werden (selbstverständlich muss der Netzausgang des Wechselrichters bei Netzausfall spannungsfrei geschaltet werden - VDE-AR-N 4105). Der größte Teil der in Photovoltaikanlagen verwendeten Wechselrichter kann nur bei Vorhandensein des öffentlichen Stromnetzes betrieben werden. Wenn der Wechselrichter ohne das Vorhandensein des öffentlichen Stromnetzes betrieben werden kann, ist in Verbindung mit einem Batteriespeicher eine eingeschränkte Notstromversorgung zumindest an sonnigen Tagen im Sommerhalbjahr möglich. Wenn man eine zuverlässige Notstromversorgung erreichen möchte, ist dies nur mit einem Generator oder in Verbindung mit einer KWK-Anlage möglich.


Leidenschaft – Lust – Liebhaberei

Auch wenn man in der heutigen Leistungsgesellschaft zum rationalen und ökonomischen Handeln erzogen wird, wage ich zu behaupten, dass alle Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind, mit Rationalität und Ökonomie nichts zu tun haben. Wenn man ins Theater oder in die Oper geht, wenn man eine Kreuzfahrt oder eine Flugreise in die Karibik unternimmt, wenn man sich im Garten einen Pool baut, wenn man sich einen SUV kauft usw. usf. dann sind das alles Dinge, die sich in keiner Weise wirtschaftlich rechnen und auch zum Teil nicht besonders umweltverträglich sind, die aber unser Leben bereichern und für einige lebenswert machen. Wenn man sich von vorn herein darüber im Klaren ist, dass auch ein Batteriespeichersystem in diese Kategorie fällt, dann ist alles in Ordnung. Der Käufer eines SUV weiß meist sehr genau, was er vor hat und was das für seinen Geldbeutel und die Umwelt bedeutet und trifft die Kaufentscheidung sehr bewusst. Leider ist es aber häufig so, dass einigen beim Kauf einer Photovoltaikanlage, die zweifellos eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Investition ist, der Batteriespeicher untergejubelt wird. Für viele die sich im Vorfeld nicht tiefgehend mit der Materie beschäftigen, weil sie z. B. gerade ein Haus bauen und daher ganz andere Probleme haben, kommt hinterher das böse Erwachen, dass eine Photovoltaikanlage ohne Batteriespeicher die bessere und lukrativere Entscheidung gewesen wäre. Diese Erkenntnis ist für manche bitter, sie nehmen sie aber hin. Andere versuchen sich die Entscheidung, einen Batteriespeicher gekauft zu haben, irgendwie schön zu reden. Und noch andere glauben, der Speicher, der ihnen aufgeschwatzt wurde, ist einfach nur zu klein, um den gewünschten Effekt zu bringen und entscheiden sich in ihrer Verzweiflung für eine Speichervergrößerung. Das löst zwar nicht das Problem, sondern macht es proportional zur Kapazität der Speichervergrößerung nur größer. Es gibt ihnen aber das Gefühl, jetzt selbstbestimmt diese Entscheidung getroffen zu haben. In einer Diskussion in diesem Forum (Stromspeicher bei PV-Anlagen ja oder nein - die etwas andere Studie) sucht ein junger Wissenschaftler poldip gerade Teilnehmer für eine Umfrage, um im Rahmen seiner Dissertation die Kaufentscheidung von Käufern von Batteriespeichersystemen an Photovoltaikanlagen zu untersuchen.


Ich wünsche allen eine sonnige Zeit und gute Erträge, egal ob ihr diese ins Netz einspeist oder im Keller verheizt.

Kommentare 15

  • Ob Akkus wirtschaftlich sind hängt vor allem von ihrer Gebrauchsdauer ab. Die Erfahrungen mit Starter- und Notstromakkus helfen bei zyklisch genutzten Akkus wenig. Mit modernem Wissen lässt sich PV-Energie durchaus wirtschaftlich speichern:

    Lang lebe der Bleiakku. Aber wie?


    Garantie gibt es keine, aber nach fünf Jahren sieht frau/man ob das angeschaffte Fabrikat was taugt und ob frau/man alles richtig gemacht hat. 30 Jahre Gebrauchsdauer sind möglich und damit ca. 1,5 c/kWh gespeicherter Energie. ... und wer nur 10 Jahre erreicht, hat gegenüber Netzstrom immer noch was gespart.


    Akkuverkäufern ist natürlich ihr Umsatz wichtiger als die mögliche Betriebsdauer des Akkus beim Kunden.

  • Allen die sich an dieser Art der Diskussion weiter beteiligen möchten empfehle ich den Thread


    "Speicherhasser vs. Speicherfanatiker"


    Und weil wir hier gerade wieder schön alle Vorurteile auspacken:


    Einzig interessant für eine Betriebswirtschaftliche Betrachtung ist der Einstandspreis der Anlage und ob es sich um eine Neu Installation oder eine Bestandsanlage handelt.


    Wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt mit einem Speicher irgendwann mal in die Gewinnzone zu kommen (und ja das geht) - darf diesen nur im Rahmen der Erstinstallation kaufen - möglichst mit Förderung und nur innerhalb sehr enger Preis Parameter - ansonsten ist das eine nette Spielerei die durchaus Spaß machen kann....


    Genau das sollte man auch so in eine so genannte "FAQ" aufnehmen - und zwar ganz Nüchtern ...

    Dabei sollte die persönliche Einstellung des Verfassers keine Rolle spielen was durchaus schwierig ist.


    BTW: Auch wenn ich hier wieder einigen auf die Füße trete - sofern eine Notstrom Funktion "kostenfrei und ohne Mehraufwand" dabei ist dann ok - aber wenn das nur 500 Euro mehr kostet halte ich das in DE für Humbug

    • Die Diskussion mit oder ohne Speicher ist schon schwierig genug. Aber die Aussage "Wenn ... Speicher ... , dann möglichst mit Förderung." Ist mindestens genau so spannend. Da mit der Förderung eine zusätzliche Reduzierung der maximalen Einspeiseleistung von 70 auf 60% verbunden ist, glaube ich, dass die Förderung die Bilanz eines Batteriespeichersystems noch weiter verschlechtert, als verbessert. Das hat jetzt nichts mit Speicherhasser oder Speicherbefürworter zu tun, sondern basiert ganz einfach auf den Fakten. Wenn es eine Rechnung gibt, die meine These widerlegt, bin ich daran sehr interessiert.

    • Zum einen gibt es Förderungen die ohne Leistungsbegrenzung arbeiten (z.b: 10.000 Häuser Programm) - zum anderen ist das wie schon erwähnt alles eine Frage der Kosten.

      Gleiches gilt für die Erstanschaffung und die damit im Zusammenhang stehende MWST...

      Zudem auch was so ein Gesamt System kostet. Machen wir mal ein Beispiel: Nehmen wir mal an wir nehmen ein Kostal WR System - dann macht der Aufpreis für ein Hybrid System ca. 500 Euro aus - Energy Meter würde ich in jedem Fall nehmen wegen 70%soft. Sagen wir mal weiter wir nehmen ne 10kwh BYD für 5900 Euro - sagen wir mal noch 300 Euro installation. Sind dann also ca. 6700,- Euro Mehrkosten gegenüber klassischer PV. - Dann ziehen wir mal 1100 Euro Förderung und 19% ab sind wir bei 4630,- Euro für den Speicher.

      Jetzt machen wir mal ne Milchmädchen Rechnung ohne Steuerliche Betrachtung - bei ca. 10 Cent Einspeisevergütung und einem Strompreis von ca. 29Cent kostete eine aus dem Speicher bezogene KWH ca. 19Cent = ca. 24400kwh die durch die Speicher laufen müssten - dann rechen wir da noch 10% Verlust dazu 26805 kwh - Bei meinem Jahresverbrauch/Nutzungsverhalten wird sich der Speicher nach ca. 6-7 Jahren amortisiert haben.


      Und genau so individuell wie das hier dargestellt ist - genau so individuell muss jeder der sich dafür interessiert rechnen - oder eben auch nicht ...

    • Ich gebe zu, dass man das immer sehr individuell betrachten muss. Ich habe im Jahresdurchschnitt einen Energiebezug von 2 - 4 kWh pro Tag. Wenn man davon ausgeht, dass an 200 bis 300 Tagen im Jahr dieser Energiebezug durch den Speicher gedeckt wird, habe ich eine Amortisationszeit von 20 bis 60 Jahren. Oder habe ich jetzt einen Rechenfehler gemacht?

    • Nein - hast du vermutlich nicht - und du hast vermutlich ein anderes Nutzungsverhalten als ich ...


      Und jeder der sich die Frage stellt müsste erst mal seinen Bezug kennen - sein Nutzungsverhalten - usw..... - sonst Ist die Frage an sich rein "geschätzt"

    • Einzig interessant für eine Betriebswirtschaftliche Betrachtung ist der Einstandspreis der Anlage


      Das ist zwar alles schön und gut (= legitim), aber da muss man dann schon mal die Frage in den Raum werfen, wer diese Beschränkung auf "eine betriebswirtschaftliche Betrachtung" eigentlich gesetzt hat.


      Ich bin weit davon entfernt "Speicherfanatiker" zu sein. Im Gegenteil, einigen Leuten versuche ich Speichersysteme auszureden, aber wenn es rein um betriebswirtschaftliche Aspekte geht, dann muss ich doch den Einwand loswerden dass die meisten Häuschen auf denen so PV Anlagen kleben und in denen ggf. Speichersysteme werkeln (sollen) weit jenseits betriebswirtschaftlichem Gut und Böse sind.


      Wenn es nur danach ginge, dann sollten nämlich 80% der Leute die ein Häusle bauen oder kaufen/renovieren wollen die Finger davon lassen.


      Sobald ich mit Föderung anfange, bzw. gewerblichem Betrieb, dann ist das nicht mehr meine Anlage. Ggf. muss ich mir die per Rundsteuerempfänger abschalten lassen, USt auf Eigenverbrauch bezahlen etc. pp. Kann man alles machen, muss jeder selbst wissen.


      Ich melde mich dann nur mehr oder minder lautstark, wenn solche Leute dann was von Unabhängigkeit faseln, weil ich Heuchelei nicht so gut abkann.

  • Viel Text, bei dem man leider nur sehr wenigen Aussagen zustimmen kann - und dann auch nur in eingeschränktem Umfang.


    Zunächst einmal wäre da das übliche "zweierlei Maß": Man kann nicht hergehen und eine Einschätzung abgeben dass "auch in den nächsten 10 bis 20 Jahren Batteriespeichersysteme wirtschaftlich ein Verlustgeschäft bleiben werden" - aber im gleichen Absatz anderen die Glaubwürdigkeit für Aussagen "dass sich mein Speichersystem nach 12 Jahren rechnet." absprechen.


    Naja - man kann schon, kommt aber nicht gut.


    Zunächst einmal behaupte ich, dass jeder, der Aussagen der Art "in 20 Jahren" tätigt, zu Hause entweder eine Kristallkugel besitzt, oder Experte im sich-aus-den-Fingern-saugen ist.


    Zum anderen - und das erscheint mir wichtiger - habe ich nirgends so oft und so gründlich fehlgeleitete Kosten-Nutzen Überlegungen gesehen wie im Bereich Energie-Speichersysteme. Und das wird auch im obigen Text ersichtlich.


    Vorab ein Disclaimer: ich bin bei unserem Unternehmen Systemarchitekt für Off-Grid, bzw. On-Grid Systeme ohne Rückeinspeisung - ohne Speichersysteme läuft bei uns also gar nix. Daher kann es sein, dass auch ich in der Hinsicht einen kognitiven Bias habe. Des weiteren bin ich eher für technische Aspekte verantwortlich, man lässt mich nicht auf Kunden los weil ich im Zweifelsfall lieber "die Wahrheit" sage als der Diplomatie zu fröhnen. Bitte beides im Hinterkopf behalten.


    Wenn jemand anfängt mit ökonomischen Überlegungen zu Kosten-Nutzen-Verhältnis von Stomspeichersystemen und ich dann sehe wie vereinfacht an die Sache herangegangen wird (in den Geschmacksrichtungen: sehr vereinfacht, grob vereinfacht und unzulässig vereinfacht), dann geht mir schon manchmal die Hutkrempe hoch. Mein Favorit ist das auch oben gelesene: "Die Anschaffungskosten sind viel zu hoch gegenüber dem, was man durch Einsparung am Strompreis mit einem solchen System gewinnen kann."


    Da weiß man gar nicht wo man anfangen soll diese Aussage zu demontieren. Aber ich greife vor.


    Jeder, der die Anschaffung eines ESS (Mit Verlaub nutze ich diese Abkürzung für Energy Storage System) unter einem Investitionsaspekt sieht, der für eine Investitionssumme A innerhalb von B Jahren eine Einsparung (oder gar Gewinn) C und somit einen ROI (Return on Investment) D betrachtet ... naja, der kann sicher auf sein BWL Studium stolz sein, hat aber schon verloren.


    Warum?


    Zunächst einmal ist es unzulässig den heutigen Strompreis mit dem heutigen Anschaffungspreis und einer bestimmten Betriebsdauer aufzurechnen. Wenn ich oben schrieb "man weiß gar nicht wo man anfangen soll", dann geht das schon hier los:


    1. wie sieht der Strompreis heute aus ist eine Sache, aber wie sieht er über die nächsten 20 Jahre aus?
    2. kann ich als Grundlage den Strompreis sehen, den ich bei Abnahme zahle, oder muss ich von einem Strompreis ausgehen den ich zu zahlen bereit wäre wenn ich den Strom nicht hätte? (Häh?)
    3. Habe ich 08/15 Konsument (= am Rockzipfel der Stromerzeuger hängend) überhaupt eine Ahnung was es für den Lebensstil bedeutet mit einem Stromüberschuss zu leben, oder extrapoliere ich da nur meine bisherige Lebensweise?
    4. Die ganze emotionale Ebene (Gefühl der Unabhängigkeit) gibt es auch, lasse ich aber weitestgehend außen vor, da schwer bezifferbar.


    99% der potentiellen Kunden (die dann keine Kunden werden), welche sich in ein Gespräch mit mir verirren und so eine Aussage loslassen wie "Naja, aber wenn ich da jetzt 30k EUR für so ein System in die Hand nehme - wann fährt das Gewinn ein?" laufen ziemlich rot an wenn ich dann irgendwas in der Art entgegne "Wieviel Gewinn fährt eigentlich Ihr XXk EUR Audi/BMW/Mercedes/Volvo ein?"


    Ich gehe auch davon aus, dass selbst hier nur wenige den Denkanstoss, der hinter so einer - zugegebenermaßen - provokativen Frage steckt, verstehen werden. Ein Speichersystem ist NICHT dazu da um aus seinem Besitzer einen Konkurrenten zu den (mit dem Verkauf von Energie wirtschaftlich agierenden) Energierzeugern zu machen. Wer diesen Gedanken in die Welt gesetzt hat gehört vielleicht nicht gerade erschossen, aber dann doch "umerzogen".


    Die Autoindustrie hat es irgendwie - magischerweise - geschafft die Kunden dazu zu bekommen, dass ein Fahrzeug für 70k EUR, welches meinen Allerwertesten ebenso von A nach B bringt wie ein 20k EUR Fahrzeug dennoch Abnehmer findet, denn immerhin sitzt darin der Allerwerteste vielleicht auf durchlüftetem Leder und wird vom Massagesystem durchgeknetet.


    Wir armen Schlucker, Anbieter von Speichersystemen, sind da wohl noch nicht so weit. Lifestyle? Häh? "Ich zahle 30ct pro KWh, es gibt keinen Qualitätsstrom, der 50ct/KWh wert wäre."

    Siehe Punkt 2) Sicher? Also wenn es mal einen Stromausfall gibt und man den Inhalt vom Kühlschrank wegschmeissen kann - wieviel hätte man in diesem Fall pro KWh ausgegeben? Mindestens den Gegenwert der weggeschmissenen Sachen oder? Oder man fährt zum Baumarkt und holt sich einen Notstromgenerator. Ok, der sollte etwas besser = teurer sein (mit Sinusinverter), sonst kann man sich auch gleich von ein paar anderen Verbrauchern verabschieden, aber hey für 40-50ct die KWh bekomme ich da ein wenig Strom auch raus. Ja ne - is klar.


    Das lasse ich mal gut sein - ist sicher klar wo ich mit meinen Ansichten stehe.


    Die obigen Ausführungen zu "Notstromversorgung" kann ich eigentlich nur mit Kopfschütteln quittieren, denn entweder weiß der Verfasser nicht wovon er redet, oder er geht von Speichersystemen aus, die mutwillig schlecht/falsch designed worden sind. Bzw. alles was aufgeführt ist als "sollte/muss" ist heute m.E. Standard - wenn man sein Speichersystem nicht gerade bei OBI kauft. Außerdem verstehe ich den Begriff "eingeschränkte Notstromversorgung" nicht. Das hört sich an wie "ein bisschen schwanger".


    Notstrom ist definiert als der zur Deckung des Bedarfs wichtiger technischer Einrichtungen benötigte Strom. Was ist ne wichtige technische Einrichtung? Manche sagen "Inkubator für Frühgeborene", andere wiederum sehen ihren Kühlschrank mit dem Bier darin als existentiell wichtig an.


    Meine Frau wäre ziemlich sauer auf mich, wenn bei einem Stromausfall der Backofen ausgeht. Für mich ist es wichtig, dass meine Frau nicht sauer auf mich ist. Ja, bei uns zu Hause wird auch gebacken, wenn die Inverter den Strom aus den Batterien ziehen. ;-)


    Ich muss auch mal einigen Aussagen zustimmen, das wäre der beispielsweise der gesamte Themenkomplex Förderungsgelder - und an wen die eigentlich fliessen. Eigentlich muss man heute schon fast derart entscheiden, dass wenn ein System angeboten wird und es wird mit Förderungen in der Kalkulation hantiert: Finger weg! Das sind Nebelkerzen.


    Heftigen Widerspruch gibt es allerdings von mir zu den Aussagen hinsichtlich Einspeisung am Tag/Bezug bei Nacht. Hier wird mit den Bezugspreisen, bzw. den Preisen an der Strombörse argumentiert und aus diesen Preisen der - unzulässige - Schluss gezogen in der Nacht gäbe es einen Stromüberschuss und am Tag einen Bedarfsüberschuss. Das ist schlicht und ergreifend falsch. In der Nacht gibt es keinen Stromüberschuss, es gibt einen geringen Bedarf und somit Kapazitätsüberschuss. Natürlich gehen da die Preise runter, denn es ist billiger den Strom vom Kohlekraftwerk für "besser als Nichts" zu verkaufen als das Kohlekraftwerk über Nacht runterzufahren. Das im Abschnitt "ökologische Aspekte" aufzuführen entbehrt nicht einer gewissen Ironie.


    Generell kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier zwar einerseits ein wenig auf die Energiekonzerne geschimpft wird, andererseits aber die signifikante Preisasymmetrie (Ich speise ein und bekomme 10ct, ich beziehe und zahle 30ct) nicht nur akzeptiert wird, sie schwingt sich sogar als Stütze von ökologisch zweifelhaften Behauptungen auf. Leute - das geht nicht!


    Ich möchte abschliessend noch folgendes sagen. Diese Diskussionen über Sinn/Unsinn (ökonomisch und ökologisch) hatten wir schon bei reinen PV Anlagen. Wer erinnert sich nicht an:

    "Die PV Module brauchen mehr Strom zur Herstellung als sie in ihrem Leben einfahren."
    "Kosten mehr als sie in ihrem Leben einbringen/sparen."

    Naja - das ist wohl heutzutage gegessen, jetzt sind die Batteriesysteme dran. Dann lehne ich mich auch mal aus dem Fenster und sage: In 20 Jahren lachen wir da alle drüber.

    • Ich schätze dieses Forum sehr, weil in Diskussionen verschiedene Meinungen, unter Umständen auch kontroverse Auffassungen, gegenübergestellt werden können. Diese Diskussionen sollten sachlich geführt werden und auf Fakten beruhen. Wenn hier für Vertreter anderer Meinungen "Umerziehung" oder gar "Erschießung" gefordert wird, dann ist in meinen Augen eine Grenze der Verrohung überschritten, die ich nicht akzeptieren kann. Ich verweigere mich daher dieser Diskussion und werde mich nicht länger daran beteiligen.

    • Wenn hier für Vertreter anderer Meinungen "Umerziehung" oder gar "Erschießung" gefordert wird...


      Die Grenze zur Verrohung besteht darin, wenn man dank Schnappatmung nicht mehr Willens oder in der Lage ist den Text eigentlich richtig zu lesen und dann dem Gegenüber etwas unterstellt was gar nicht da steht. Wir erinnern uns:


      Wer diesen Gedanken in die Welt gesetzt hat gehört vielleicht nicht gerade erschossen, aber dann doch "umerzogen".


      Also gerade NICHT Erschiessung (a.k.a. Gegenteil), und die Umerziehung in Anführungszeichen. Aber schon klar ... Verrohung.

  • Ich sehe das weitgehend genauso wie du.

    Allerdings nicht ganz so negativ.

    Liebhaberei, Spass etc. muss man nicht kommentieren dazu taugen Speicher auf jeden Fall. Andere kaufen ein "tolles" Auto das nach 15 Jahren auch Schrottwert hat... und einen nur von a nach b bringt wie ein billiges...

    Ökonomisch: Die Akkuhersteller geben 20 Jahre Garantie. Und je mehr man den Akku verwendet, desto schneller ist er finanziell amortisiert. Dazu darf er aber nicht zu gross sein. Das beisst sich mit Unabhängigkeit oder gar Notstrom etc.
    Auch wenn die Kapazität geringer ist, kann man ja Geld verdienen, weil man Überschuss speichert...
    Aber 15 Jahre braucht es auch bei optimistischen Berechnungen... Ganz zu scheigen, dass zusätzliche Module statt Akkus Strom produzieren...!

    Ökologisch: Wie du zu recht schreibt an sich Unsinn.
    ABER es gibt Zeiten zu denen (grosse) Anlagen runter geregelt werden - vor allem Windkraft -, hier sind Akkus sinnvoll, weil der Strom den sie speichern sonst gar nicht produziert wird.
    UND je höher der Unabhägigkeitsgrad, desto mehr Drecksanlagen kann man abschalten.

    Notstrom: Achtung die meisten wollen nicht Notstrom sondern eigentlich eine Art USV mit PV Nutzung. Und genau das ist fast nie möglich oder nur sehr teuer. 1000ende extra... für nix, falls die Welt untergeht :-D

    • Wer gibt 20 Jahre Garantie ?


      BZW: welcher GmbH oder welchem Importeur soll ich vertrauen dass es ihn in 20 Jahren noch gibt ?

    • Kann man nicht. Vielleicht so Firmen wie IBM, LG, Samsung. Ansonsten kann man bei so langen Zeiträumen wirklich nur GmbHs glauben die es mindestens so lange gibt, oder wo man Insiderinfos über die betreffende Firma hat und selbst dann ist es "thick milky".

    • Als Verkäufer eine ehrliche Antwort?


      Die Garantien in der Solarbranche sind vor allem Papier und Marketing. Jedenfalls soweit es kleine Kunden betrifft....


      Bei Batterien sind die Garantien fast immer gestaffelt. Heisst 10 Jahre Garantie nach 9 Jahren 10% Ersatz.

      Das kann man sich schenken....

      Bei Modulen solange sie nicht ganz ganz deutlich defekt sind, der Trouble in 20 Jahren nach zu weisen was nicht OK ist? Ich glaube da ist ein Neukauf in 20 Jahren ohne Ärger rentabler...

      Ganz zu schweigen davon ob die Hersteller noch existieren...