Zähler abgelesen, Schreck gekriegt und den Hintern bewegt...

Hi,

am 23.07.2019 kam ich aus dem Urlaub zurück und fand in der aufgelaufenen Post ein Schreiben meines EVU, ich möge doch bitte den Stromzähler im Keller zwecks Jahresabrechnung ablesen und das Ableseergebnis online im Portal eintragen.


Habe ich gemacht und mich erschreckt. 3.985 kWh Verbrauch. Huch - 600 kWh mehr als letztes Jahr. Dabei habe ich kein einziges neues Elektrogerät gekauft, meine inzwischen erwachsene Tochter ist letzten Herbst ausgezogen und eigentlich hätte sich dadurch unser Verbrauch doch reduzieren müssen.

Verflixt, wo kommt der erhöhte Stromverbrauch her?


Ich habe mir dann für ein paar Euro ein Energiemeßgerät im Baumarkt um die Ecke geholt, und bei allen Elektrogeräten, die per Stecker in der Steckdose angeschlossen sind, gemessen. Die Geräte hatten alle einen Verbrauch, wie in der Bedienungsanleitung angegeben. Dabei ist mir aufgefallen, daß der Getränkekühler nur mit 5 Flaschen Bier befüllt war, aber die ganze Woche auf "Vollast" mit 5°C durchlief, damit mein Göttergatte abends sein Feierabendbier trinken konnte.


Als erste Sofortmaßnahme hab ich jeden Morgen 1 Flasche Bier in den Kühlschrank geschoben und den Getränkekühler einfach ausgeschaltet. Dadurch sank der Stromverbrauch beim täglichen Zählerablesen um 1,56 kWh. Pro Woche also eine Ersparnis um 7,8 kWh. Macht im Jahr 405,6 kWh. Oder in Geld ausgedrückt 121,68 €. Boa.


Freitag Nachmittag hab ich dann den Getränkekühler mit Bierflaschen voll gemacht und eingeschaltet. Der Kompressor lief an und nach 2,5 Stunden zeigte die digitale Temperaturanzeige 10°C an. Ich dachte mir, 10 °C ist kalt genug und änderte die Solltemperatur von 5°C auf 10 °C. Der Kompressor schaltete sich sofort aus und meinem Göttergatten ist nichts an seinem Feierabendbier "aufgefallen".


Bei 10 statt 5°C läuft der Kompressor nicht mehr kontinuierlich durch. Er schaltet sich ab und an ein und nach 15-20 Minuten wieder aus. Auf das Wochenende hochgerechnet war das eine weitere Stromeinsparung von 1,56 kWh. Also noch ein Tag. Aufs Jahr umgerechnet 486,72 kWh. Oder in Geld ausgedrückt: 146 €. :mrgreen:


Die einzigen Geräte, die ich nicht messen konnte, waren Kühlschrank und Tiefkühlschrank. Denn die sind Einbaugeräte und ich hätte beide leermachen müssen, einen Nachbar bitten, sie aus den Einbauschränken zu wuchten und dann wieder befüllen und das Energiemeßgerät zwischen die Steckdose an der Wand und deren Schukostecker stöpseln müssen. Das erschien mir zu aufwändig. Ich habe statt dessen am Abend, ehe ich ins Bett ging, den Zähler im Keller abgelesen und am nächsten Morgen direkt nach dem Aufstehen nochmal abgelesen. Das Spiel 1 Woche lang jeden Werktag wiederholt und einen Mittelwert aus den 5 Ablesungen gebildet.


Pro Nacht (= 8 Stunden) haben Kühlschrank und Tiefkühlschrank zusammen rund 2,5 kWh verbraucht. Das war deutlich zu viel.


Also habe ich die Gummiedichtung an den Tühren beider Geräte überprüft. Alles in Ordnung. Dann wollte ich die Temperatureinstellung überprüfen. Die Wahlschalter hatten jedoch keine Angabe in °C, sondern blos Zahlen von 0 (= Aus) bis 6.


Daraufhin habe ich ein Funkthermometer mit 2 externen Sensoren gekauft und gestaunt. Der Kühlschrank stand auf "3" und hatte laut Funkthermometer Temperaturen zwischen -1°C und 3°C, der Tiefkühlschrank brachte es gar auf Temperaturen zwischen -26 °C und -24 °C. Dabei waren beide Geräte gut gefüllt und wurden nur zum Frühstück und Fesper am Abend kurz aufgemacht. Kein lautes Kompressorgeräusch, kein Scheppern oder Rattern.


Schrittweise habe ich die beiden Wählschalter auf immer niedrigere Zahlen gestellt. Jetzt stehen beide Schalter auf "1". Der Kühlschrank pendelt zwischen 4 und 6°C, der Tiefkühler zwischen -21 und -18°C. Der Stromverbrauch ging bei dieser Schalterstellung pro Nacht auf 1,2 kWh zurück. Einsparung pro Woche: 9,1 kWh. Aufs Jahr hochgerechnet: 473 kWh bzw. 142 €. Gesamtersparnis: 146 + 142 = 288 €.

Inzwischen war es der 7. August und ich war richtig "angefixt". Wo kann ich noch Strom sparen ohne größeren Komfortverlußt? Welche Geräte sind "Stromfresser"? Schnell erkannte ich, daß Wäschetrockner und Geschirrspülmaschine die Geräte waren, die am meisten verbrauchten.


Draußen rekordverdächtige "Backofentemperaturen" mit fast 40°C im Schatten, warum stopf ich eigentlich die Wäsche in den Wäschetrockner und verbrate 2,1 kWh pro Ladung? Aus purer Gewohnheit!


Bei den Temperaturen trocknet die Wäsche doch auch auf nem Wäscheständer auf dem Balkon. Also im Supermarkt 2 Beutel Wäscheklammern gekauft und den Wäscheständer aus dem Keller in die Wohnung geholt. Schau mer mal, ob ich ne komplette Waschmaschinenladung auf meinen Wäscheständer bekomme... Nö, nur 2/3, aber ich hab ja auch noch ne kleine, ausklappbare Wäschespinne an der Wand vom Balkon. Völlig eingestaubt und seit Jahren nicht mal mehr zum Lüften einer verqualmten Jacke nach nem Kneipenbesuch benutzt. Denn inzwischen herrscht ja überall Rauchverbot... Die Verblendung abgestaubt, dann mit Spüliwasser und nem Schwämmchen hartnäckigeren Schmutz entfernt. Und die kunststoffummantelten Ausziehstreben ebenfalls gereinigt. Da paßt der Rest aus ner Waschmaschinenladung locker drauf.


Morgens nach dem Frühstück die Wäsche vom Vorabend aus der Waschmaschine auf den Wäscheständer und die Spinne verfrachtet, mit den Wäscheklemmerlies gegen Wegfliegen gesichert und ab ins Geschäft. Als ich Nachmittags nach Hause kam, war die Wäsche knochentrocken. Schnell abgenommen, zusammengelegt und der Göga bekam rein garnix mit von der Sparaktion, da er 30 Minuten nach mir nach Hause kommt, obwol wir morgends beide gleichzeitig losgehen.


Bei stabilem, schönen Wetter pro Woche 6,3 kWh eingespart. Sagt die Wettervorhersage Regen an, kann ich den Wäscheständer in meinem Arbeitszimmer hinstellen. Da dauert es etwas länger, aber am nächsten Morgen ist die Wäsche dann auch trocken... Ich muß dann halt darauf achten, daß ich gut lüfte, sonst gibt es wegen erhöhter Luftfeuchtigkeit eventuell Schimmel. Bei den derzeitigen Temperaturen besteht dafür absolut keine Gefahr, ich habe nachts das Fenster eh offen, damit die kühle Nachtluft in die Wohnung kommt... Jepp, so wird ein Schuh draus. Der 10 Jahre alte Wäschetrockner darf "in Rente". Aber ich werfe ihn nicht weg - für "Notfälle" wird er in der Wohnung bleiben...


Zwischen 8. August und heute, 22. September habe ich bereits 18 Wäschetrocknerladungen gespart, macht rund 38 kWh. Geht es auch im Winter, wären das weitere 327 kWh Einsparung...


Nun zum letzten "Stromfresser". Dem Geschirrspüler. Wir sind ja nun ein 2-Personenhaushalt. Und ich bin ab Oktober im Ruhestand. Wozu brauch ich da eigentlich noch nen Geschirrspüler? Aus reiner Gewohnheit hab ich den auch nach dem Auszug unserer Tochter jeden Tag befüllt und jeden 2. Tag laufen lassen. Mensch, die 2 Frühstücksbrettle, 2 Kaffetassen, Besteck und das Geschirr vom Abendessen kann ich doch in Zukunft auch von Hand spülen. Geht fix und Geschirrtücher sind eh

vorhanden. Als zukünftige Rentnerin muß ich mir doch nimmer jede Minute extra abknapsen. Ich werde eh meinen Tagesablauf ändern...


Zudem ist Spüli wesentlich billiger als Salz, Klarspüler und Geschirrspültabs zusammen. Und tut der Kläranlage gut. Weniger Chemie im Abwasser... Mein Küchenablauf gluckert inzwischen nimmer, er riecht jetzt auch neutral. Ist auch was positives...


Ich habe also seit dem 8. August meine 13 Jahre alte Spülmaschine ebenfalls "in Rente" geschickt und von Hand abgespült. 15 € an Chemie eingespart und 21 mal den Strom für die Geschirrspülmaschine. Macht 19 kWh in 6 Wochen. Aufs Jahr hochgerechnet sind das 165 kWh.


Alles zusammen sollte das einen zukünftigen Jahresverbrauch von ca. 2.500 kWh ergeben. Das wäre rund 1/3 meines diesjährigen Stromverbrauchs. :love:


Seit dem Ablesetag am 23.07.2019 habe ich bis heute (62 Tage später) nur noch 460 kWh verbraucht. Den Stromverbrauch schrittweise von 10,9 auf 6,6 kWh pro 24 Stunden gedrückt.


Und wenn mein Messtellenbetreiber in die Puschen kommt und den Anschluß meines steckerfertigen 0,2 kWp Balkonkraftwerkes genehmigt, kann ich noch ein bissy mehr einsparen...


Derzeit fehlt mir das OK, und so betreibe ich vorläufig die beiden 100 Wp Module mit einem vorhandenen Akku als Insel, habe aber leider nicht genügend Verbraucher, die mit 12 V oder einem modifizierten Sinus aus nem Inverter laufen, um den kompletten Ertrag selber zu verbrauchen...


Meine Maßnahmen sind kein "Allheilmittel", jeder Mensch muß für sich entscheiden, ob er in seinem Haushalt und an seinem Verbraucherverhalten etwas verändern möchte. Dieser Beitrag soll lediglich aufzeigen, daß es prinzipiell geht...


Grüße
Großmutter


Merci für Eure Kommentare. Ich spül im Moment 1x pro Tag, dazu brauch ich ca. 3 Liter warmes Wasser und 3 Liter kaltes Wasser. Das Geschirr wird in einer Plastikschüssel mit Deckel gesammelt, nach dem Abendesser wird alles gespült. Zuerst alle Gläser/Tassen, dann Besteck und Teller, zum Schluß dann Töpfe/Pfannen. Sauber gespültes Geschirr raus aus der "warmen" Schüssel, rein in die "kalte", um das Spüli abzuwaschen, dann landet es im Abtropfkorb. Das dreckige, warme Spülwasser wird weggegossen, das kalte, saubere bleibt in der Schüssel. Da landet dann die nächste Ladung an Geschirr drin, damit nix festbappt oder stinkt. Deckel drauf und gut ists. Wart Ihr nie Campen? Man muß nicht unter fließendem Wasser aus dem Hahn spülen...


09.10.2019

Zitat User schmantibus


"Schön geschrieben. Ja du hast recht - das alles macht Sinn


Genau weil ich dass alles nicht machen wollte habe ich mir eine riesige PV Anlage auf das Dach gesetzt und freue mich jeden Tag, für nix und wieder nix Strom in Hülle und Fülle zu haben. Es reicht sogar zum Betreiben eines Elektroautos.

Vielleicht hier, im PV Forum die falschen Ansprechpartner?"


Zitat Ende


Ich gönn Dir jede kWh, die Dein Dach liefert. Prima.

Aber: mir war nicht bewußt, daß dieses Forum sich als elitärer Häuslesbesitzerclub versteht, der keinerlei Empathie für andere, nicht so privilegierte Menschen aufbringen möchte. Es gibt auch jenseits Deiner Filterblase Menschen, die von PV profitieren möchten. Die kein eigenes Dach "vollklatschen" können. Sollen die sich alle erschießen, damit Deine egoistische Häuslesbesitzerwelt heile bleibt?


Deine PV-Anlage greift Einspeisevergütung ab, die ich mit meinem erzwungenen Strombezug subventionieren muß, ob ich will oder nicht. Schon mal drüber nachgedacht? Schon mal meinen anderen Beitrag gelesen?


Wenn das PV-Forum der falsche Ansprechpartner ist, wer wäre denn aus Deiner Sicht der richtige?


Not amused
Großmutter

Kommentare 9

  • Sehr schön geschrieben und das meiste - wenn nicht gar alles - macht ja auch Sinn. Also eine detailierte Untersuchung der Verbraucher und Verbrauchssituation im Haushalt.


    Ich muss mich allerdings als Komfortmuffel outen.


    Ich kann Wäsche - getrocknet auf der Leine - nicht mehr anziehen. Der Wäschetrockner schlägt sie ja gleichzeitig windelweich. Die T-Shirt Bretter die da von der Leine kommen - das geht ja gar nicht.

    Spülmaschine ersetzen: sicher auch nicht. Oft sind die modernen sparsamer als "Handbetrieb".

    Wenn Du 10-13 Jahre alte Geräte hast, schau Dich mal nach neuen um. A++(+) ist schon ein himmelweiter Unterschied.


    Kurze Anmerkung zu Deinem Kommentar an schmantibus:


    Nicht so gereizt sein. Das Forum hier ist sicher kein elitärer Club, elitäre Clubs sehen ganz anders aus und in elitären Clubs will auch niemand, dass sich arme Schlucker erschiessen. Dort ist man zufrieden, wenn einen die armen Schlucker in Ruhe lassen.


    Deine PV-Anlage greift Einspeisevergütung ab,


    Das ist eine Unterstellung. Von den paar Megawatt an PV Leistung die ich für Wohlhabende realisiert habe, greift nicht ein Wp Einspeisevergütung ab. Von daher unterstelle ich das auch Niemandem.


    Man muss aber auch dazu sagen, dass der Kommentar von schmantibus auch nicht komplett koscher ist, denn natürlich arbeitet man zunächst an Einsparungen, bevor man sich zu Hause ein Kraftwerk hinstellt.

  • Schön geschrieben, nur den Teil mit der Spülmaschine unterschreibe ich nicht. Die braucht weniger Energie als tägliches Handspülen. Du unterschätzt den Energiebedarf zur WW-Bereitung.

    • Und zu bedenken sei dabei auch der Wasserverbrauch, der durch die Spülmaschine deutlich geringer ausfällt als jedes mal per Hand ca 5-10 Liter und das 2-3x am Tag zu verbrauchen.

    • Ich liege jetzt bei 1.600KWh Pro Jahr, mit 2 Personen, und WP-Trockner

      bei 50% Kauf, und 50% EV, also da geht noch was.

      Ich habe Beide EVU Zähler mit vzlogger ausgelesen, und dann die entsprechenden konsequenzen gezogen

    • Wie spült ihr den von Hand? 10 Liter verbrauch ich nicht beim Duschen.

    • Von Hand spülen würde mir nicht mehr einfallen (Zeit ist Geld). Allerdings lege ich Wert auf effinziente Bestückung des Geschirrspülers. Bei anderen sehe ich immer nur mehr oder weniger halbvolle Spüler. Dazu versuche ich Tassen und Gläser mehrmals zu benutzen und zwischen durch nur mal mit Wasser ausspülen. Wichtig auch das man genug Teller und Besteck hat damit nicht den Spüler anmachen muß nur weil irgendwas sonst ausgeht. Schade man hier keine Bilder einstellen kann, die Leute sind immer erstaunt wieviel doch in so einen Spüler passt - 30 Teller sind kein Problem. Wird auch aller immer blitzblank sauber.

    • Und dann erwartest du von deinem Balkonkraftwerk Wunder. September 20 kw/h, August 28 kw/h und July 31 kw/h nur mal so am Rande. habe schon 3 Jahre sowas am Mobilheim bei 58 Cent die kw/h. Nur ob es sich rechnet wirst du uns bestimmt verraten.