Beiträge von P.Voltologe im Thema „Überspannungsschutz ja oder nein ?“

    Zitat von michi_k

    Auch wenn es so aussieht, als ob der WR das schützende Gerät ist, er ist es nicht nur... alle anderen Geräte im Haus können auch draufgehen. Schon nur wenn das EVU die Häuserzeile abstellt, gibt es teilweise Überspannungen. Oder wenn es beim Nachbarn einschlägt... da sind dann schnell mal ein paar Geräte defekt. Meist die Heizungssteuerung, die PCs, TV, halt alles was Geld kostet. Darum gehört heute ein Klasse 1-2 eigentlich in jede Verteilung, der filtert dann alles in der UV Raus, der Schutzleiter muss aber dann auch auf den Erder/Fundament.


    Ich hoffe wir sind uns einig, dass der Anbieter einer PV-Anlage nicht das neue Blitz- und Überspannungsschutzkonzept für die Gesamtliegenschaft mit allen Gerätschaften anbieten sollte - obwohl für spezielle Nutzer dies die einzig sinnvolle Möglichkeit zum Erreichen der erforderlichen Schutzziele bedeutet würde.
    Der PV-Anbieter würde sicher nicht bevorzugt ausgewählt. Im Sinne des TS würde ich jetzt nicht noch weitere Komplexitätsstufen (Fundamenterder z.B.) einbauen wollen.
    Wenn es ein normaler EFH Haushalt sein sollte und die Versicherung das Risiko des Überspannungsschaden (Schaltspitzen auf AC-Seite kommen auch von außen) explizit tragen sollte, dann kann ein Privatmann den Verlust der Anlagenverfügbarkeit zu Lasten einer Betriebsunterbrechung (insbesondere wenn dort auch noch eine BU-Versicherung besteht) als akzeptabel einstufen.
    Grüße

    Zitat von michi_k

    Wenn Du einen Kombiableiter 1-2-3 verbaust, dann kommt der zentral hin, in die Elektroverteilung nach dem Zähler auf die Hauptklemmen (Wenn Du keine Freileitung hast). Wenn der WR dann 10m weit weg ist, dann sollte auch noch ein Ableiter beim WR montiert werden. Das ganze ist nicht ganz einfach, aber der in der Elektroverteilung hilft schon bei 90% der Fälle.


    Thema in der Antwort nicht adressiert.
    Zunächst zum Verständnis, dass zu schützende Gerät ist in deinem Fall der Wechselrichter und ggf. auch noch der drahtgebunden dort angeschlossene Datenlogger (auch Leitungen, Optimierer Anschlussdosen o.ä.).
    Genormt? Ja ist es, war es aber auch schon immer. Jedoch jede Normenänderung/-erweiterung (da war eine im letzten Jahr) wird von den Herstellern der Überspannungsableiter (ob rot, grau, blau oder sonstwas) als willkommene Vorlage genommen, um JEDEM, egal vom realen Bedarf die einfache Botschaft "einzupflanzen", ...jetzt ist es normativ gefordert". Paradebeispiel hier: https://www.dehn.de/sites/defa…utz-ist-pflicht_sd_89.pdf
    Was steht aber dort auch drin: "Die Notwendigkeit der Installation von Überspannungs-Schutzeinrichtungen regeln die DIN
    VDE 0100-443 und die Blitzschutznormen der Reihe VDE 0185-305
    "
    Gefordert ist sich angemessen mit den spezifischen Risiken der Elektroinstallation an dem Ort zu beschäftigen. Das Ergebnis der Risikoanalyse kann keiner pauschal vorhersehen, der den Ort und die Spezifika der Anlagenintegration nicht persönlich kennt, am besten besichtigt hat. Dies ist die Sicht der Normen.
    Jedoch mag es für den bestimmungsgemäßen Gebrauch von Betriebsmitteln auch noch Anforderungen des Geräteherstellers geben, die den Erhalt der Herstellergarantie betreffen. Welches Risiko hier ein Nutzer gehen möchte, ist individuell verschieden.
    Eventuell auch dadurch beeinflusst, wenn die Versicherung Schäden an Betriebsmitteln durch extern einwirkende Überspannung regulieren (Risikoverlagerung).


    Deshalb wird dir niemand aus der Ferne für dein Objekt sagen können, ob in der konkreten Einbausituation ein Überspannungsschutz zur Wahrung aller Obliegenheiten ("Versicherungsdeutsch") zwanghaft gefordert ist oder wird.
    Falls der, der das Angebot mit Überspannungsableitern abgegeben hat, sagen kann, was das Ergebnis seiner Risikoanalyse war mag dies bei plausiblen Antworten dessen Kompetenz nachweisen und das Vertrauen steigt, dass er angemessen reagiert hat.
    Falls du auf konkrete Nachfrage von deiner Versicherung alternativ die schriftliche Auskunft erhältst, dass die Gerätschaften der PV-Anlage an deinem Standort ohne externe Überspannungsschutzmaßnahmen gegen das Risiko von extern einwirkender Überspannung finanziell abgedeckt sind, dann kann man den Hardware-Mehraufwand mit hoher Wahrscheinlichkeit sparen, außer die Risikoanalyse stellt bei dir eine feuergefährdete Betriebsstätte und eine exponierte Lage fest, die ein so hohes Schadenspotenzial (Umfang) darstellt, das die Komponenten deiner PV-Anlage im Wert eher homöopathisch anzusehen sind. Auch Träger öffentlicher Gebäude sind laut Landesbauordnung zwanghaft aufgefordert sich der Sachlage über eine schriftlich dokumentierte Risikoanalyse anzunähern, die im Regelfall nur ein dafür Zertifizierter anfertigen darf.


    Ich denke, diese diversen Spannungsfelder zwischen Risiko, Gefährdungslage, Nutzung und Schadenumfang sowie Vorgabensteller ist genau das, was andere als "schwierig" und auslegungsbedürftig gemeint haben könnten.


    Deshalb ist es nie verkehrt sich von dem, der anscheinend vorsichtiger in der Einschätzung zu sein scheint, seine technischen Argumente anzuhören, bevor man seine eigene Risikobereitschaft dem überlagert.
    Pauschale, einfache Antworten (und dann noch aus der Ferne) gibt es jedenfalls nicht. Hingegen eine Pauschalpflicht gibt es, so wie aus Herstellersicht dargestellt, auch nicht.
    Grüße