Beiträge von Ritchey

    Ich bezog mich auf das letzte Bild und hatte die ausgewiesenen Steuern abgezogen. Was kostet denn PV in Texas so in der Praxis? Hier in Deutschland kann man ja netto rechnen wegen der Bürokratie, hat dafür Steuern auf Eigenverbrauch. Alle stöhnen, weil die Preise momentan nach oben gehen und die Einspeisevergütung weiter fällt. Bei kleinen Anlagen mit Gestehungskosten von 1400€ netto/kWp kommt das investierte Geld in 15 Jahren zurück, ja nach Eigenverbrauch. Wenn ich Eure Strompreise mit 13ct/kWh mit Netmetering plus Auszahlung oder 7ct ohne PV sehe fällt es mir gerade schwer, ein Gefühl für die Wirtschaftlichkeit zu entwickeln. Lohnt es sich, sehr groß zu bauen? Oder bleibt man bei gut 10kWh für Eigenverbrauch?

    Ich habe ja das erste System des ersten angehängten Angebots gewählt. Nach Tax Credit waren das ziemlich genau $2/W installed.

    Ich schätze, viel tiefer ging es nicht mehr runter. Wenn ich so die Angebote meiner Nachbarn sehe, sind die mindestens 50% teurer. Die Steuererleichterung is aktuell auf 22%.

    Wie „man“ hier so baut weiß ich gar nicht genau. Das Thema ist einfach noch nicht so im Mainstream angekommen. Ich denke, die meisten nehmen das, was sie vom Solarteur aufgeschwatzt bekommen. Und, wie gesagt, das dürfte in den meisten Fällen nur reichen, einen Teil des Verbrauchs zu decken.

    Ich habe für mich ausgerechnet, dass ich in ca. 10 Jahren amortisiert bin. Nächstes Jahr wird mein alternder Chevy Malibu noch durch einen Q4 ersetzt. Dann rechnet es sich noch etwas schneller.

    Sind das 3400$/kWp netto?

    Auf welches Angebot beziehst du das genau?

    In der Regel ist die Steuer per Angebot (sind ja mehrere verschiedene angehängt) ausgewiesen oder im Preis enthalten. Allerdings war da nur Steuer auf die Installationsarbeiten drauf. Die Hardware war insgesamt mit 30% vom Weißen Haus bezuschusst.

    Beantwortet das die Frage?

    Solar Forum


    Hallo allerseits, ich bin der Neue… :)

    Anbei eine Vorstellung meines Systems und der Lebensumstände ringsherum.


    Ich lebe mit meiner Frau und unserer Tochter (sowie ab März 2022 unserem Sohnemann) in Texas.

    Ich habe das Gefühl, in meinem Text könnte ab und zu die Hass-Liebe mit den USA und speziell Texas rauslesbar sein.

    Dazu auch gleich die Anmerkung, dass ich dieses Forum gesucht und gefunden habe, weil ich grundsätzlich mit der Idee spiele, irgendwann wieder nach Deutschland zurück zu ziehen.

    Und in diesem Zusammenhang wollte ich ein Gefühl dafür bekommen, wie Unterschiedlich die Solarerträge zwischen Texas und Deutschland im wahren Leben so sind.


    Ursprünglich aus Worms in Rheinhessen (ich würde mir denken, dass es in die Gegend wieder zurück gehen würde), bin ich mit kurzer Unterbrechung seit 2006 in der südlichen Region um Houston zu Hause.

    Geographisch wohnen wir noch ein kleines Stückchen mehr südlich als z.B. Kairo in Ägypten und wir sind schon recht sonnenverwöhnt hier.


    Wir haben 2016 ein Häuschen in einer sogenannten “Master Planned Community” gebaut.

    In Deutschland würde man sowas wohl als Neubaugebiet bezeichnen.

    Wen’s interessiert, so sieht’s da aus: https://www.neighborhoods.com/sedona-lakes-manvel-tx


    Die Häuser sind alle aus dem Katalog. Man sucht sich was passendes aus und kann dann in recht engen Maßstäben Variationen oder Änderungen einfließen lassen. Echte Individualität gibt’s allerdings nur bei den Innenraumfarben, Fußbodenbelägen, usw. (wobei auch hier, nur das was im Katalog der Baufirma steht).

    Ich konnte unseren Bauherrn zumindest davon überzeugen, dass alle Ventilationsöffnungen auf der Westseite des Dachs nach Norden gezogen werden.

    Außerdem hat er mir Leerrohre aus dem Dachstuhl bis in die Garage gelegt, wo sich die Sicherungskästen befinden.

    Ich hatte von Anfang an vor, eine PV-Anlage anzuschaffen.


    Wenn jemand sehen will, wie so ein Hausbau hier abläuft, ich hab fast jeden Tag Fotos gemacht, die hier zu sehen sind: https://www.icloud.com/sharedalbum/#B0YGQOeMmGhfMfZ (das Onlinealbum zeigt die neusten Bilder ganz oben, also ganz unten sind die Anfänge zu sehen. Dabei sind die ersten Bilder noch vom Auswahlprozess. Z.B. ein schon im Bau befindliches Haus mit gleichem Grundriss, dann Mobiliar im baufirmaeigenen Interieur-Studio. Erst ab Januar 2016 sind die Bilder dann von unserem eigenen Haus, bzw. dessen Baufortschritt.).


    Ende 2016 war dann die Entscheidung getroffen, das PV-System in Angriff zu nehmen.

    Ich habe hier auch ein paar Bilder von den Angeboten der hiesigen Solarteure, die ich angefragt hatte, angehängt.

    Letztendlich habe ich mich für ein 11,7 kWp System mit 39 300W Solarworld (Friede ihrer Asche) Modulen und S280 Microinvertern von Enphase entschieden.

    Zu dem Zeitpunkt gab es vom Staat noch 30% auf alle Teile per Steuerermäßigung.

    Leider ging nach einiger Zeit auch der Installateur (Adaptive Solar Design) bankrott. Ich hatte insgesamt 3 Microinverter, die nach einiger Zeit den Geist aufgegeben haben, die aber kostenlos geordert und ausgetauscht wurden - bis auf den Letzten. Der kam zwar noch bei mir an, aber zum Austausch ist es dann aus besagtem Grund nicht mehr gekommen. Und da das einer ist, der ziemlich in der Mitte meines Systems liegt, hab ich mich selbst noch nicht drangewagt…

    Meine Ertragsdaten sind öffentlich einsehbar: https://enlighten.enphaseenerg…systems/CAx81168069/stats

    Recht komfortabel ist, dass hier


    Noch ein paar Sätze bzgl. der Steuererleichterung und der generellen Behandlung von PV-Systemen in Texas;

    Zwar gibt es hier keine EEG-Umlage, aber dafür ist das Ganze (bisher) sehr, sehr einfach gestrickt. Man sucht sich einen Stromanbieter raus, der auch Rückeinspeisung zulässt und das wars. Da sind die Tarife zwar meist etwas teurer - Vorsicht, festhalten! Ich zahle für einen dieser etwas teureren Tarife aktuell 13,9 Cent (US Dollar) pro kWh. Genau das Gleiche bekomme ich aber pro kWh zurück, sobald ich einspeise.

    10 Cent und weniger sind für Normaltarife durchaus geläufig.

    Das Coole ist jetzt noch, dass jegliche Gutschrift wegen Überproduktion an Solarstrom steuerfrei ist. Allerdings bekommt man hier nicht monatlich einen Scheck über die angelaufenen Rückerstattungen, sondern man sammelt das an und erhält das erst mit einem Wechsel zu einem anderen Anbieter zurück. Das habe ich seit 2017 nach zwei Jahren einmal gemacht und dabei ca. $1000 bekommen.


    Jetzt mal zum üblichen Konsum hier.

    Das Standardhaus, wie oben beschrieben, heizt mit Erdgas, hat einen Warmwasserboiler, ebenfalls erdgasbetrieben und gekocht wird auch mit diesem Medium. Teilweise haben die Leute hier sogar gasbeheizte Wäschetrockner.

    Ich hab das alles ändern lassen und die Heizung via Wärmepumpe ausgeführt, einen elektrischen Boiler installieren und eine Ceranfeld Kochplatte einbauen lassen. Gasleitungen liegen zwar im Haus, aber die haben noch nie ein Molekül Methan gesehen.


    In Texas ist die Heizung nur recht selten an. Dafür läuft ¾ vom Jahr die Klimaanlage. Bei uns ist die auf 25,5°C eingestellt. Wenn es draußen an die 40°C hat, hört sich das nach einem gewaltigen Unterschied an. Der Normaltexaner kühlt die Hütte auf 18-19°C runter. Dazu später mehr.

    Ein wichtiger Punkt neben der Temperatur ist dabei noch die Luftfeuchte. Hier am Golf von Mexiko haben wir in den warmen Monaten eigentlich immer relative Feuchten oberhalb von 80% (oft sogar mehr als 90%). Außer, dass das super unangenehm ist (was hat Leute im frühen 19. Jahrhundert geritten, hier zu siedeln???), modert und verschimmelt hier einem alles, wenn man nicht die Feuchte in Zaum hält.

    Übrigens wird auch über die Klimaanlage geheizt. Erwärmte Luft wird also in die teilweise 6m hohen Räume geblasen. Wie in den Bildern des Hausbaus ersichtlich, gibt es darüber hinaus auch keinerlei thermische Masse.

    Auch sind den Klimaanlagen (und in meinem Fall darüber hinaus auch der Heizung) nach den Kompressoren bzw. Kondensatoren einfache Luftwärmetauscher nachgeschaltet (anstatt eine Sole im Erdreich auf annähernd konstanter Temperatur zu halten und als Wärme/Kälte-Medium zu nutzen).

    Beim Ausfall der Heizung/Kühlung nähert sich die Raumtemperatur wegen der fehlenden Masse und ungenügender Isolierung innerhalb weniger Stunden der Außentemperatur an.

    Woher weiß ich das? Im Schnitt haben wir in diesem Neubaugebiet ca. 1x im Monat Stromausfall. Normalerweise sind die nur so kurz, dass alle Uhren an den Küchengeräten blinken und Modem für Internet und Set Top Box für TV neu starten. Wenn's aber zu heiß wird und das Netz die vielen Klimaanlagen nicht mehr bedienen kann, oder ein Hurrikan durchzieht, oder (wie im Februar diesen Jahres erlitten) es zu einem Wintereinbruch mit -15°C kommt, dann ist der Strom für Tage weg.

    Da stellt sich die Frage bzgl. Batteriespeicher aus einer ganz anderen Richtung. Zeitweise verhält es sich eben leider so, dass man für eine Insellösung planen müsste.

    Ich habe nur kleine Akku-USVs für die das Modem und die Set Top Boxen. In letzter Zeit wünschte ich aber immer öfter, eine größere Lösung zu besitzen.

    Mir ist schon klar, dass eine elektrische Heizung bzw. die Klimaanlage damit nur schwer zu betreiben ist, aber wenigstens den Kühlschrank und Licht in einigen Räumen weiter zu versorgen, wäre schon nicht schlecht.


    Ich habe nach vielen Nachfragen von Nachbarn ein eigenes kleines Nachbarschaftsforum in Facebook gestartet.

    Mein Haus war das erste von ca. 900 in diesem Gebiet, das über eine Solaranlage verfügte. Heute haben wir insgesamt 20 Häuser und mein System zählt zu den Kleineren.

    Wenn ich Nachbarn geholfen habe, die ersten richtigen Fragen zu stellen, bin ich teilweise vom Stuhl gekippt.

    Mein täglicher Stromverbrauch liegt im Jahresschnitt bei ca. 30 kWh (bei ca. 40 kWh Produktion).

    Oben genannte 18-19°C Nachbarn mit eigenem Swimming Pool haben bis zu 100 kWh Verbrauch pro Tag! Ich will garnicht wissen, wo da die Reise hin geht, sobald da noch zwei EVs in der Garage stehen. In Texas sind recht lange Pendlerwege normal (bei gleichzeitiger Abwesenheit öffentlicher Verkehrsmittel). Die zwei Autos in meinem Haushalt haben einen kombinierten Arbeitsweg von täglich 270 km (ich würde sagen, wir liegen da im Durchschnitt).


    Immerhin sind Smartmeter Standard und mein erster Tipp ist demnach immer, sich mal ein Bilder des eigenen Konsums zu machen.

    Das Alles führt jetzt zu weit, aber generell maße ich mir an, für zumindest einen Teil der Solarinstallationen hier mit einen Beitrag geleistet zu haben.


    Ich hoffe, es war halbwegs unterhaltsam.

    Wer mehr wissen will, immer gerne fragen.

    Und, ich würde mich freuen, wenn jemand auch um die 40 kWh pro Tag im Jahresschnitt erzeugt, mich auf deren System aufmerksam macht (ich habe mal den Ertragsstammtisch angeklickt, scheine da aber nicht recht durchzusteigen).


    Viele Grüße,

    Ritchey