Beiträge von Kollektor

    In der vergangenen Woche hatte die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen ein Rekordtief von minus 0,275 Prozent erreicht.. Anlässlich dieses historischen Ereignisses hat Deutschland seine erste zinslose 30-jährige Bundesanleihe aufgelegt -> Börse ARD

    Welche Szenarien rund um den Euro hälst Du für wahrscheinlich ?

    Ich bin Amateur in Finanzdingen, beobachte und organisiere meine eigenen Finanzen und teils in meinem Umfeld. Finanzen sind für mich kein Selbstzweck sondern Helfer um Ziele zu erreichen oder Gefahren zu vermeiden. Ich halte mich für sozial aus der Erkenntnis, dass es mir nur gut gehen kann wenn es auch meinem erweiterten Umfeld gut geht.


    Eine Währung ist für mich primär ein Zahlungsmittel um Leistungen zu vergleichen und eintauschen zu können. Wenn eine Währung langzeitstabil ist finde ich das schön, wenn sie dazu noch was abwirft (Zinsen, Wertzuwachs etc.) wäre das perfekt. Ich frage mich aber auch, woher dieser Zuwachs kommen soll, wer ihn bezahlt, wer dafür arbeitet und wer ihn garantiert. Klassischerweise investiert man sein Geld (oder leiht es sich gegen Zinsen) um damit einen Mehrwert zu schaffen. Nur so auf dem Konto liegen lassen und erwarten dass sich die Kaufkraft automatisch erhöht ist in Zeiten ohne großem Wachstum wirklichkeitsfremd.


    Kommen wir zum Euro, ein visionäres und mutiges Experiment. Das Kriterium Zahlungsmittel ist erfüllt. Firmen aber auch Privatpersonen wie Touristen profitieren aus einem großen Währungsraum ohne Umtauschverluste und Kursabsicherungen. Wer im Grenzgebiet wohnt wie ich freut das ganz besonders. Ohne einheitliche Währung bleibt Europa ein lockerer Staatenbund der nicht alle möglichen Vorteile eines größeren Wirtschafts- und Lebensraums ausschöpfen kann, auf Dauer aber Gefahr läuft von den großen anderen Volkswirtschaften der Erde abgehängt zu werden (selbst bei Kleinigkeiten wie Normen etc). Um aus einem Staatenbund wie der EU einen einheitlichen Staat zu machen braucht es aber mehr als nur eine einheitliche Währung, insbesondere aber eine gelebte Solidarität mit großem gegenseitigen Respekt. Ohne bessere Strukturhilfen geht es nicht die Lebensverhältnisse anzugleichen. Deutschland hat mit der Wiedervereinigung Erfahrungen wie man sowas angeht, es gab hier viele die das damals nicht für möglich gehalten haben dass sowas klappen könnte, es gibt auch heute viele die sich beklagen dass die Unterschiede zwischen Ost und West noch zu groß sind, sowas braucht einfach zwei bis drei Generationen. Aber reiche und arme Regionen wir es auch dann geben aber nicht so krass.


    Viel zu meiner Auffassung geschrieben aber fast die Frage nicht beantwortet wie es mit dem Euro weitergeht. Ich bin tatsächlich leicht pessimistisch ob es den Euro in der heutigen Form noch in einer Generation so geben wird. Die Politik hat es bisher nicht geschafft das Vertrauen EU-weit dauerhaft zu etablieren. Die Wirkungen zur Rückkehr zu nationalen Währungen, bei uns zur DM, kann man sich am besten in der Schweiz anschauen. Den dortigen Wohlstand bekommen wir deutschlandweit trotzdem nicht, dafür ist Deutschland zu inhomogen.


    Bleibt die Frage wie man sich auf mehrere Szenarien am besten vorbereitet. Auf Anhieb fallen mir z.B. langlaufende Kredite zu fast null Zinsen ein mit denen man ein gutes Geschäft aufbaut. Die Idee dazu muss man erst einmal haben, das Geld tatsächlich bekommen und vital genug sein das noch zu wollen und zu managen. Eigenes Geld geht natürlich auch. Dann kann alles kommen wie es will, mit Euro oder DM. Nur am Kapital- oder Rohstoffmarkt zu handeln ist spekulativ und kann nach hinten losgehen.


    Übrigens ist es völlig legal sein Geld in anderen Währungssystemen arbeiten zu lassen wenn einem der Euro missfällt. Das wohl größere Problem liegt mehr an den Abgaben als an der Währung, dann hilft nur die persönliche Flucht wenn man das nicht will. In meinem Bekanntenkreis haben das schon mehrere gemacht, praktisch alle sind nach Fernost gezogen um mit ihrem Geld besser zurechtzukommen. Der erste wird wohl zurücksiedeln weil ihm die Mentalität dort nicht mehr liegt, das Geld trotz dem Preisniveau dort knapp wird und er im Fall der Fälle dort keine staatliche Unterstützung bekommt. Mein Mitleid und meine Solidarität hält sich bei solchen Leuten allerdings in Grenzen.


    Anderes Thema: Als junger "Besitzloser" war ich sozialistischen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Durch die Durchlässigkeit in unserem Land und Akzeptieren der Spielregeln des Marktes konnte ich studieren, wirtschaftlich aufholen und mich etablieren. Als Betriebsrat habe ich gelernt verschiedene Interessen zu respektieren und die maximal mögliche Annäherung der Interessen zu erreichen. Unsoziale Leute gibt es in allen Schichten, oben und unten. Heute habe ich selbst keine Geldsorgen mehr, aber sehe die Probleme junger Menschen um mich herum irgendwo richtig Fuß zu fassen. Hier ist die Gesellschaft gefordert denen eine Orientierung zu geben und sie so ins Arbeitsleben zu integrieren, dass sie von ihrem Einkommen so leben können wie wir es früher auch konnten.. Wenn wir das nicht schaffen fördern wir die Radikalisierung von Teilen einer ganzen Generation.

    Vielen Dank dass ihr das ansprecht! Der persönlich werdendere (komisches Wort) Umgangston stört mich auch ganz gewaltig. Sowas passiert meistens wenn Sachthemen politisiert werden. Als Moderator müsste ich eingreifen, tue mir aber leichter in Threads wo ich nicht selbst beteiligt bin, weil es sonst sehr nach Zensur aussieht. Außerdem fehlt mir oft die Zeit, so auch jetzt wo ich gleich aus dem Haus gehe.


    Schönen und friedlichen Tag noch:)

    Es wird immer gruseliger:

    Fallende Zinsen sind ein weltweites Phänomen. An der langfristigen Grafik sehen wir, dass die Zinsen schon seit den DM-Zeiten fallen. Mit Einführung des Euro stiegen sie zunächst um dann wieder den alten Abwärtstrend fortzusetzen. Langsam befürchte ich, dass die EZB garnicht mehr in der Lage ist die fallenden Zinsen aufzuhalten selbst wenn sie wollte. Ich glaube dass derzeit ein Zins von etwa 1 % p.a. gesund ist, damit kann jeder leben, auch die Südländer. Strukturelle Defizite kann man besser angehen mit Direkthilfen gegen Zugeständnisse, Niedrigzinsen alleine bewegen nichts.


    Der Bundfuture legt gegen Abend weiter zu auf 179,67.=O


    Gesund ist das nicht. Ich bin gespannt wie lange die Banken und Sparkassen Gelder von Privatkunden noch kostenlos verwahren und wie sich die Kundern orientieren wenn sie es nicht mehr tun. Ein neuer Run auf Aktien, Immobilien, Gold etc.? Oder gar auf Bundesanleihen, die Topperformer der letzten Jahre?

    Bemerkungswert: Zum Zeitpunkt des ersten Beitrags dieses Threads vor 11 Jahren hatten wir ebenfalls eine inverse Zinslage!


    Sorgen soll man sich immer machen, die größten Sorgen mache ich mir aber über das Klima, verursacht durch die nichtnachhaltige Ausbeutung unseres einzigen Planeten Erde, politische Veränderungen hin zu mehr nationalen Egoismen, die besonders für Europa gefährliche Kündigung des INF-Vertrags oder auch hunderte Gefahren z.B. durch Bildung resistenter Keime aufgrund sorgenlosem Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung.


    Bei der Lohndiskussion habe ich emotionale Schwierigkeiten mich zu beteiligen weil ich noch die Zeit erlebt habe wo man im ersten Lehrjahr monatlich 55 DM erhielt und sein Werkzeug und den Arbeitskittel selbst kaufen musste. Von meinem ersten Facharbeiterlohn konnte ich mir mit Personalrabatt gerade ein Kofferradio kaufen bei dem ich selbst mitgearbeitet hatte. Zur Arbeit war ich mit Bus und 3 km zu Fuß unterwegs, anfangs wurde noch Samstags gearbeitet, es gab 3 Wochen Urlaub und Weiterbildung war abends. Im Vergleich zu damals leben heute die meisten Arbeitenden in einem Wohlfühlwellnessresort. Die Verteilung ist allerdings unsozialer geworden, besonders junge Leute tun sich oft schwer gegen die etablierten Kollegen die ihre Privilegien und Besitzstände verteidigen. Auch die Rente ist ungleich verteilt -> Lebenserwartung von Erwerbstätigen wird durch hohe Belastung im Beruf verringert.


    Wer heute die Welt verbessern will muss auch die Mahnungen aus der Vergangenheit kennen! Vor genau 100 Jahren trat die Weimarer Reichsverfassung in Kraft. Diese Verfassung war damals eine der modernsten und fortschrittlichsten der Welt. Sie bescherte den Deutschen nicht nur eine parlamentarische Demokratie, sie schrieb auch Rechtsgleichheit und Gewaltenteilung, Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer und Sozialstaatlichkeit sowie einen breiten Grundrechtekatalog fest. Als erster souveräner Staat Europas führte Deutschland zudem das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht ein. Schon 11 Jahre später übernahmen die Nationalsozialisten die Macht, die heute unvorstellbare Verbrechen und den Völkermord an europäischen Juden zu verantworten hatten.


    Die Zinsen, der Euro und die sozialen Konflikte sind angesichts dessen was war und der kommenden Umwelt- und Kriegsbedrohungen lösbare und fast kleine Probleme, die aber auch gelöst werden müssen. Speziell bei den Zinsen denke ich auch -> Ein tieferes Zinstal ist durchaus vorstellbar


    Die Umlaufrendite war nie negativer als heute: -0.64 % p.a. Morgen wird sie weiter sinken, der Bundfuture schloss bei nie dagewesenen 178,4 Punkten. Einfach verrückt, wenn es nicht so ernst wäre...

    Willkommen im Forum!


    Pacht ist absetzbar, muss aber in einem von der Wohnungsmiete unabhängigen Vertrag geregelt sein. Der Vermieter muss die Pacht versteuern. Da heutige PV-Anlagen steuerlich im Grenzbereich zur Liebhaberei betrieben werden, sollte die Pacht "im Rahmen" bleiben, da sonst kein Totalgewinn über die Laufzeit der Anlage mehr möglich ist. Eine Spanne von 50 € bis 100 € im Jahr ist denkbar. Bei Fremden sollte man noch eine Grunddienstbarkeit eintragen lassen, was aber weitere Kosten nach sich zieht und die Wirtschaftlichkeit weiter beeinträchtigt.