Vom Stromerzeuger zum Energieversorger

  • Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, kann den Strom selbst verbrauchen, ins öffentliche Netz einspeisen oder direkt verkaufen. Für letztere Option entscheidet sich eine wachsende Zahl von Anlagenbetreibern. Sie liefern die elektrische Energie an Nachbarn, Mieter im Haus oder Betriebe in der näheren Umgebung. Damit werden sie rein rechtlich zu Energieversorgern und unterliegen bestimmten gesetzlichen Pflichten.
    Im September vorigen Jahres begann es. Photovoltaikanlagenbetreiber riefen bei Andreas Kretzschmar an und erkundigten sich, was sie tun sollten. Kretzschmar ist beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH für die Abrechnung der EEG-Umlage zuständig. Gewöhnlich schickte er bisher Stadtwerken und großen Stromversorgern Rechnungen in sechs- bis achtstelliger Höhe, um die EEG-Umlage einzutreiben. Seit sieben Monaten betreut Kretzschmar auch Versorger, die fünf bis 100 Euro pro Monat abführen. Es handelt sich dabei um Solaranlagenbetreiber, die ihren Strom direkt an Dritte verkaufen. Denn nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist auf Strom, der an Letztverbraucher geliefert wird, EEG-Umlage zu zahlen. Rein rechtlich werden aus diesen Anlagenbetreibern dann Elektrizitätsversorgungsunternehmen. Und damit unterliegen die Betreiber bestimmten gesetzlichen Pflichten.



    Weiterlesen...

  • Hallo Elektron,
    wieder mal ein sehr informativer Artikel, danke!


    Den Unsinn der EEG Umlage auf Solarstrom sieht man schön an diesem Satz "Den Aufwand für den Betreiber zur Übermittlung aller Daten beziffert Kretzschmar mit etwa fünf Stunden im Jahr." Wer das zu normalen Stundensätzen abrechnen muss liegt also im Jahr bei 200 bis 250 Euro. Bei den Übertragungsnetzbetreibern ist der Aufwand bestimmt auch erheblich. Ich würde mal sagen die kostet das Erstellen und Verschicken der Rechnungen bestimmt 5 bis 10 Euro, also nochmal ca. 100 Euro/a pro Betreiber. Dann sind wir schon bei Kosten weit über 300 Euro/a, und da ist das Erstellen und Betreuen des Meldesystems noch gar nicht mitgerechnet.


    Für 46 kWp auf 2 gepachteten Dächern zahle ich zur Zeit 21,2 Euro pro Monat an verminderter EEG Umlage, also etwa 250 Euro im Jahr. Die hätte man lieber durch stärkere Degression von der Einspeisevergütung abziehen sollen als mich und die ÜNB diesem Unsinn auszusetzen.


    Hier werden volkswirtschaftliche Ressourcen ohne Ziel und Plan verbrannt!


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Zitat von JayM

    Hier werden volkswirtschaftliche Ressourcen ohne Ziel und Plan verbrannt!


    Letzendlich hat da keiner etwas davon außer den EE-Gegnern.


    P.S. und Deine persönliche Rechnung ist ja schon fast ein optimaler Fall. Bei kleineren Anlagen sieht es ja noch schlimmer aus

    Elektromobile: Renault ZOE ZE40 Car Sharing und Pedelec

  • Dann sollte man genauso tricksen wie Vattenfall :
    http://www.photovoltaik.eu/Reg…A88CEF2C644CDC45CD764450B


    Zitat

    Bei 50Hertz und beim BSW-Solar geht man davon aus, dass es weit mehr Solarstromerzeuger gibt, die Energie direkt an Dritte liefern, ohne bislang EEG-Umlage zu zahlen. „Wenn der Strom nicht in der eigenen Wohnung verbraucht wird, sondern an Eltern im Haus geliefert, oder wenn Firmen an eigene Tochterunternehmen verkaufen – da kann die Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage bestehen, ohne dass es den Betreibern bewusst ist“, sagt BSW-Sprecherin Eva Bretschneider. Wer elektrische Energie an Dritte gegen Geld oder auch andere Güter liefert, muss auf den Strom EEG-Umlage abführen, die er seinen Kunden natürlich wiederum über den vereinbarten Preis in Rechnung stellen kann.


    Die PV-Anlage (oder Teile) an den Wohnungsmieter vermieten. Der Mieter ist dann sein eigener Stromproduzent.
    Oder halt überhaupt keine Stromrechnung stellen und die Kosten pauschal in der Miete unterbringen.

    • 31x Sovello SV-T-190 fa1B (Low-Voltage; Qualität: B-Module); SMA SB5000TL-20
    • Ausrichtung -85°, bei 0° Süd, also "fast" ein Ostdach; Inbetriebnahme 09/2010
  • Danke Elektron,
    man kann doch schön erkennen ,wohin der Weg geht und wie konform ich da Schritt fūr Schritt mitgehe.
    Endlich gibt es anscheinend auch einen Mustervertrag vom BSW ,sehr teuer,aber wohl unausweichlich,diesen zu ordern.
    Das hier wieder einige um die EEG Umlage "herumkommen" ist halt typisch .


    Gruss ZST

  • Klasse Artikel, so gut recherchiert habe ich das noch nirgendwo gelesen. :danke:
    Ich würde meine Zähler am liebsten wieder auf Volleinspeisung umbauen lassen, das ist mir viel zu umständlich mit dem Eigenverbrauch.
    Angeblich soll die Volleinspeisung ja auch ohne Umbau gehen ("kaufmännisch-bilanzierte Durchleitung durch Arealnetze"), aber meine Bitten beim Netzbetreiber, die Abrechnung so zu erstellen, laufen komplett ins Leere. Hat jemand noch einen Tipp, was man da machen kann/muss?

    7,2 KWp (2009) + 13,34 KWp (2010) + 2,22 KWp (2011) + 13,44 KWp (2011)

  • GmbH & Co.KG. Wo der Anteil der KG genau 1,-€ beträgt. Alter Hut, um zum Beispiel auf die Visitenkarte schreiben zu können:


    Geschäftsführender Gesellschafter. *spart Kosten und macht was her.


    *Normal sind ja die KG Anteile das Fett! aber man kann es auch mal anders drehen. *Wärme, Strom, Service

  • In welcher Lobby sind diese, bald zahlreicher als die im BDEW organisierten, PV-Stromversorger eigentlich zusammengeschlossen? Kümmert sich da der BSW drum? Wer?

  • Zitat von sundevil


    Letzendlich hat da keiner etwas davon außer den EE-Gegnern.


    P.S. und Deine persönliche Rechnung ist ja schon fast ein optimaler Fall. Bei kleineren Anlagen sieht es ja noch schlimmer aus



    Genauso sehe ich das auch. Nicht nur, dass hier unnötiger bürokratischer Aufwand betrieben wird, es wird der Energiewende auch noch die Luft aus den Segeln genommen.
    Dabei wäre "Mieterstrom" eine gnadenlos gute Sache, um die EW weiter voran zu bringen.