Probefahrt im Model S P85+

  • Guten Morgen,


    Am Wochenende war es soweit, ich hab mir ein Model S P85+ geborgt.
    Am Samstag gegen 16 Uhr hab ich es in der Münchner Innenstadt abgeholt und von der Ausstattung her und dem Zubehör ist es zur Oberklasse zugehörig.
    Der Empfang war freundlich und familiär. Aufgrund meines niedrigen Alters (28) durfte ich mir schon so manche Probefahrt ärgern, weil die Leute meinten ihr Auto wäre zu gut für mich und nicht in meiner Preisklasse. Hier merkte ich, dass die Tesla Leute sich diskret zwischen der ersten 15 Min. Probefahrt und der Vereinbarung des Test Wochendes über mich informiert hatten, denn von der ersten Zusage: „ Es ist etwas in 4 Monaten frei“ und der tatsächlichen Probefahrt verging nur eine Woche. Also war es hier nicht der Fall. Erster Pluspunkt.


    Es hatte alles was man Autofahrerherz begehrt. Leder, Navi, Internet on Board, Medien mit USB Stick auslesbar, riesen Glashubdach, Rückfahrsensoren, Kamera Sitzheizung für 5 Personen.


    Ich hab es also randvoll bekommen und es zeigte mir eine Reichweite von 450 Km an. Nach der Schlüsselübergabe bin ich angenehm leise aus der Münchner Innenstadt gestromt, ein tolles Gefühl.


    Die Leute zeigen mit dem Finger, machen Fotos und klatschen. Man kommt sich fast ein wenig berühmt vor im Model S.
    Also meine erste Route führte mich nach Hause mit 90 Km.
    Dort das Model S jedem gezeigt und ein „paar Lächeln und Wahnsinn“ in das Gesicht meiner Freunde und Bekannte gezeichnet.
    Gut, das geht auf die Akkus. Ins 20 Km entfernte Burga gefahren und an den Supercharger gehängt.
    Dann ein Eis essen gehen und ein wenig Zeit am Spielautomaten verbracht und er war voll. Dann wieder heim und schlafen.
    Sonntag: Jetzt wird er richtig getestet!


    Erste Route: 250 Km nach Bad Dürrheim
    Da ich nicht widerstehen konnte das Gaspedal zu missbrauchen war nachladen in Aichstetten angesagt.
    Von Aichstetten aus wären es nur 173 Km gewesen um nach Bad Dürrheim zu kommen, kein Grund also sonderlich stromsparend zu fahren, oder?


    Leider hat sich mein Vertrauen in das Navi maßlos überschätzt. Da es scheinbar kein Offline Navi gab und es fehlerhaft war bin ich mit Tempo 215 in die falsche Richtung gefahren eine unbestimmte Zeitlang (20 Min) bevor es den Fehler irgendwann gefunden und korrigiert hat.


    Gut. Naja weniger gut. Mit 115 Restreichweite in Bad Dürrheim angekommen und leichte Panik breitgemacht. Öffentliche Tankstellen gegoogelt und nur Schuko Steckdosen gefunden.
    Wie sollten wir zurückkommen? Nach Zürich direkt in die Innenstadt war die einzige Option, könnte aber auch knapp werden. Alle Starkstrom Anschlüsse erforderten komplizierte Anmelde und Regestrierungsverfahren, waren zudem zugeparkt mit Verbrennern, selbst wenn wir wollten, keine Chance.
    Per Internet eine sogenannte „Park and Charge“ Station mit Starkstrom in Villingen Schwenningen aufgestöbert. Dort angerufen und gefragt ob auch Barzahlung ginge und ob jemand da wäre. Kein Problem hieß es.


    Mit 10 Km Restreichweite dort angerollt und den Tesla per Adapter angeschlossen. Guten Appetit.
    Das Ehepaar war sehr freundlich und bot uns nachdem Spaziergang durch den schönen Ort Obst und Getränke an um die Ladedauer zu verkürzen. Nachdem ich mit seinem Twike eine Runde gefahren bin, durfte er auch mit dem Tesla fahren. Nach gut 2 Std Ladedauer waren es 200 Km Reichweite. Genug um zum 150 Km entfernten Supercharger nach Aichstetten zurück zu kommen.
    Auf Frage was sie für den Strom bekommen sagten sie nichts, der kam sowieso vom Dach (11kwh)
    Also losgefahren und teilweise sank bei 85 Km/h im Windschatten eines Lkws die „rated range“ schneller als die Anzeige im Navi. Panik machte sich breit, es ging viel bergauf.


    Meine Freundin legte sich kurzeitig eine Decke über den Kopf und meinte: Ich schau dann wenn wir stehen wo wir stehen.


    Deadline: 1 Km Restreichweite und noch 20 Km entfernt vom Supercharger.
    Noch 1 Km RRW und 10 Km entfernt. Das Display schaltet sich auf ganz dunkel, Charge NOW leuchtet auf und mehr Panik machte sich breit. Heizung war schon bei der Abfahrt aus und es hatte jetzt ca: 10 Grad. Beide frieren in einem 120.000 € und bangen ums stehen bleiben.


    Noch 1 Km RRW und wir waren am Supercharger. Puh, Tesla hatte genug Reserve einprogrammiert.
    Bei einem guten Essen erholten wir uns langsam wieder und haben ihn randvoll laden lassen.
    Es mag zwar aus werbestrategischen Gründen gelten das es 80% in 20 Min lädt, aber diese verbrauchen sich auch viel schneller als wenn er voll ist.


    Die Rückfahrt war wesentlich entspannter. Puh, soviel Nervenkitzel müsste nicht sein


    Sonntagnacht in München angekommen und Auto zurückgegeben. Alles viel entspannter.
    Klar war es mein Fehler schnell zu fahren, aber der Navi Fehler ist inakzeptabel. Ein solides Tom Tom für 50 Euro wäre hier überlegen. Auch die in der Münchner Innenstadt gepriesenen Internetradiosender sind auf der BAB nutzlos, und der normale Radio ist nur am Rauschen, da der Tesla keine Antenne hat.


    Fazit: Das Umdenken muss bei Tesla im Kopf anfangen. Er leitet einen neuen Weg ein. Nichts ist mehr im Überfluss vorhanden. Keine Wärme, kein Strom, Keine Vmax.


    Klare Vorteile sprechen bei dem Auto jedoch jetzt schon für sich:


    -Klasse Design
    -Eyecatcher
    -950 Km gefahren – 0 € Folgekosten (jaja die Reifen)
    -Sehr schnelles Laden, kaum der Rede wert. Die Pause tut einfach gut.
    Bedienung sehr Benutzerfreundlich. Jeder der ein Smartphone hat findet sich sofort zurecht.
    Der Beifahrer hat sogar die Möglichkeit per Touch das Fahrzeug zu stoppen, bei einem Herzinfarkt etc. Alles so Kleinigkeiten die ein sehr gutes Gesamtbild abgeben.
    -Sehr guter Schwerpunkt, das Fahrzeug ist sehr sportlich durch seine gute beschleunigung und seinen tiefen Schwerpunkt liegt es auf der Strasse, auch bringt es die Power durch die enormen Reifen direkt auf das Heck
    Leider gibt es auch ein paar Nachteile:
    -Man muss sich zügeln können :D
    -Reichweitenangst berechtigt
    -Navi offline verfügbar machen
    -Sehr hoher Verbrauch über 120 Km/h, Vmax 210Kmh – das für 120000€?


    Ein tolles Auto und sollte das Supercharger Netz, wie auf der Teslahomepage angegeben ausgebaut werden, werde ich über ein Model S, X oder E nachdenken. Vorher fahre ich mein Geschäftsauto weiter.

  • Zitat von SInister_Grynn


    Fazit: Das Umdenken muss bei Tesla im Kopf anfangen. Er leitet einen neuen Weg ein. Nichts ist mehr im Überfluss vorhanden. Keine Wärme, kein Strom, Keine Vmax.


    Vmax 210Kmh – das für 120000€?


    .


    Gut auf den Punkt gebracht, wenn einen das stört wird man mit dem Auto nicht glücklich. Ändert man die Einstellung, daran arbeite ich grade, dann ist es genau das richtige Fahrzeug.


    Danke für den Bericht und ich glaube Du bist trotzdem ähnlich angefixt wie ich :wink:
    Rudi

  • Okay, das klingt nach einem sehr ehrlichen und guten Beitrag.


    Ich muss auch zugeben, dass man natürlich mit 3 Jahren EV Erfahrung solche Dinge im Vorab klärt wo man hinfährt und wie schnell man fahren sollte, da es bis heute ja kein flächendeckendes SC Netz gibt.


    Das Navi geht doch Offline!!! Also dazu braucht man doch keine Internetverbindung, nur die Google Maps Karte braucht das, nicht aber das Navi welches man im linken Display sieht und auch die Straßen bleiben auf einem karierten Raster zu sehen inkl, Angaben zu den nächsten Knotenpunkten.


    Ich persönlich hatte mit dem Navi noch keine Probleme, ist glaub von Navigon.


    Ich verstehe nicht warum man Neulinge mit der Rated Range ins Rennen schickt, das ist lachhaft. Das Auto hat Typical Range und die sagt eher was über den realen Verbrauch aus. Voll geladen steht da 396km im Display und das macht auch Sinn.


    Zudem hat man ja im großen Display die Möglichkeit sich die Strecke noch berechnen zu lassen auf der Grundlage der 10,25 und 50km vergangenen km.


    Wie schon gesagt, bin am WE M1 von BMW gefahren, der hat eine Latenz am Gas im VGL zum Tesla, das geht gar nicht.

    Orange Solar GmbH - die hier wiedergegeben Aussagen sind eine persönliche Meinung.


    elektrisch Mobil - TESLA Model S85 2013 bis 2017, seit Juni 2017 MX100D. - Tesla Roadster 2.5 seit Juni 2011 - BMW i3 seit Dezember 2013 - Renault ZOE seit September 2014

  • mein Schlüsselerlebnis letztes Wochenende.
    Gehe auf die Terrasse und sehe beim Nachbar ein Modell S stehen - hm hm hm
    bin dann auffällig oft auf die Terrasse um den "Fahrer" zu erwischen
    Habe mich dann einige Zeit mit ihm unterhalten, Probesitzen und kurze Probefahrt durfte ich freundlicherweise machen. :D
    Sehr sehr beeindruckend, die Fahrt wahr allerdings viel zu kurz um das wirklich beurteilen zu können.


    allerdings reiht sich Tesla nahtlos in die Reihe der meisten Fahrzeughersteller ein, die lange Menschen wie mich, diskriminieren :wink: :? . Für mich persönlich war das Platzangebot grenzwertig. Die Autos werden immer größer das Raumangebot innen nimmt nicht im gleichen Maße zu. Wie gesagt ist das kein Tesla Symptom sondern diese Erfahrung musste ich die letzten Jahre bei fast allen namhaften Herstellern machen. Von den Japanern ganz zu schweigen.

    let the sun shine

  • Das siehst Du falsch, hier wurde ein Coupe gebaut mit extrem niedrigem cw Wert. Das geht nicht mit Höhe, zudem hat man noch die Batterien im Unterboden untergebracht.


    Das Model X ist bestimmt was für größere Fahrer, aber eben kein Coupe..

    Orange Solar GmbH - die hier wiedergegeben Aussagen sind eine persönliche Meinung.


    elektrisch Mobil - TESLA Model S85 2013 bis 2017, seit Juni 2017 MX100D. - Tesla Roadster 2.5 seit Juni 2011 - BMW i3 seit Dezember 2013 - Renault ZOE seit September 2014

  • Hi,


    ich habe grundsätzlich ne Menge Sympathien für den Tesla. Werde ihn allerdings wohl nie fahren, denn ich bin klein und dick ;-) , und ich komme da beim besten Willen nicht rein oder raus ohne mir was zu verrenken. Er paßt also nicht nur für Riesen nicht sondern auch nicht für Ungelenkige jeder Größe.


    Mein Leaf und meine W210 E-Klasse machen da keinerlei Probleme. Ist also schon sportlich das Modell S.


    Grüße Dirk

  • Das ist ja das schoene an der Vielfalt im Autobereich. Jeder findet etwas passendes. Fuer grossen Erfolg muss ein Auto nicht fuer jeden passen, sondern nur fuer eine genuegende Anzahl Kunden.


    Auch Argumente, die nach Situationen suchen in denen eMobilitaet nicht funktioniert (Vertreter haben keine Zeit an der Ladesaeule zu warten, es hat nicht jeder einen Parkplatz am Haus, etc.), laufen ins Leere. Wichtig ist alleine, dass der Tesla fuer genug Leute attraktiv ist.


    Ich finde ihn Klasse, ausser das er meinen 2 t Anhaenger nicht ziehen kann und er daher fuer mich nicht als Erstfahrzeug taugt. Meine Frau findet ihn hinten zu eng mit der Kopffreiheit und stoert sich an den zu kurzen und nicht verstellbaren Kopfstuetzen. Heisst aber nicht, dass es ein schlechtes Auto ist, nur dass er fuer uns im Moment nicht passt.


    Zum Thema, hab ihn auch Probegefahren und bin begeistert vom Anzug und der leisen Fortbewegung.


    Gruss
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Prinzipiell mal ein großes :danke: an den TS der hier ein ehrliches und offenes Feedback zum Auto gibt. Er zeigt auch dass an sich in Sachen EV noch ein wenig umstellen muss und die Reisen vorab ein wenig planen sollte solange die SC noch nicht flächendeckend aufgebaut sind. Was mich aber besonders wundert ist, dass es wenig negatives gibt was die Verarbeitung und Co angeht. Da habe ich von vielen NICHT TESLA FANS schon so vieles gelesen und gehört.


    Was mir aber am P+ besonders aufgefallen ist, die brachiale Gewalt mit der die Leistung auf die Hinterachse gedrückt wird.

    Orange Solar GmbH - die hier wiedergegeben Aussagen sind eine persönliche Meinung.


    elektrisch Mobil - TESLA Model S85 2013 bis 2017, seit Juni 2017 MX100D. - Tesla Roadster 2.5 seit Juni 2011 - BMW i3 seit Dezember 2013 - Renault ZOE seit September 2014