Wie schlau ist mein Kühlschrank?

  • Guten Tag liebe Alle.


    Bei meinen Streifzügen durch die WWW-Welt finde ich viele Beiträge, die folgendes Funktions-Schema beschreiben:


    Ich (privater Endverbraucher) erzeuge Strom mit PV-Anlage und speise ihn ins Hausnetz ein. Mein Energieversorger macht's genauso, er erzeugt irgendwie Strom und speist ihn in mein Hausnetz ein. Die Stromverbraucher im Haus bedienen sich beider Quellen.


    So weit so gut.


    Hier meine Frage: Wie wird technisch realisiert, dass die Verbraucher den Strom zuerst(!) von der PV-Anlage ziehen, und erst wenn diese nicht genug liefert, der Strom vom Energieversorger verbraucht wird? Welches Gerät macht das, wie funktioniert das elektrisch? Oder habe ich prinzipiell etwas falsch verstanden?


    Vielleicht mag es jemand kurz erklären, oder hat Hinweise auf sachdienliche Quellen. Möglicherweise langt auch schon das richtige Stichwort für weiterführende WWW Suchen.


    Danke und Gruß aus dem Taunus - Matthias

  • Dein Kühlschrank braucht keine Intelligenz. Die Haushaltgeräte können nicht zwischen Netzstrom und Solarstrom unterscheiden und nehmen sich einfach was kommt. Woher ist denen egal. Dein Hausnetz funktioniert wie eine Regentonne, welche man in einer Trockenperiode mit dem Schlauch nachfüllt. Ein Netzverbundwechselrichter moduliert den Solarstrom auf den Netzstrom.
    einstein0

    30 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    1 kW- Insel im Camper ohne PV! EV; Mitsubishi Imiev. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 1,2 kW Bi-WR als Testspeicher.

  • Ist es auch der Netzverbundwechselrichter der dafür sorgt, dass "zuerst" der eigenproduzierte Strom verwendet wird, und erst wenn der nicht ausreicht Strom vom Energiversorger dazukommt?

  • Zitat von matiro65

    Ist es auch der Netzverbundwechselrichter der dafür sorgt, dass "zuerst" der eigenproduzierte Strom verwendet wird, und erst wenn der nicht ausreicht Strom vom Energiversorger dazukommt?


    Woher hast Du die Idee, dass zuerst der selber produzierte Strom verwendet wird? Das Verbundnetz macht keinen Unterschied, woher der Strommix kommt. Einfach ausgedrückt: Wenn Du gleichviel, oder mehr Strom produzierst, als verbrauchst steht Dein Zähler still, dreht rückwärts, oder misst den Einspeiseüberschuss. Deshalb ist eine Netzverbundanlage so komfortabel, weil man sich nicht um die Erzeugung bzw. Verbrauch zu kümmern braucht.
    Soweit meine Erklärungen, aufgrund Deiner Einleitung.
    Anders verhält es sich, wenn ein Haushalt von einem Inselsystem versorgt wird, welches entweder autonom, ohne Verbundnetz oder mit Generator als Back-Up funktioniert, oder sogenannte Halbinsel- oder Hybridsysteme, welche den überschüssigen Solarstrom grundsätzlich in einer Batteriebank zwischenspeichern. Ist dann dieser Speicher erschöpft, muss Netzstrom bezogen werden. Doch solche Systeme sind sehr komplex und die Wirtschaftlichkeit hängt von Wohnort und Stromtarifen ab.
    einstein0

    30 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    1 kW- Insel im Camper ohne PV! EV; Mitsubishi Imiev. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 1,2 kW Bi-WR als Testspeicher.

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  • Moin matrio65 und Willkommen!

    Zitat von matiro65

    Ist es auch der Netzverbundwechselrichter der dafür sorgt, dass "zuerst" der eigenproduzierte Strom verwendet wird, und erst wenn der nicht ausreicht Strom vom Energiversorger dazukommt?


    Wenn ich jetzt einfach nur "Ja" schreibe, hast du immer noch nicht das Prinzip erkannt.
    Deshalb bleibe ich mal beim Vergleich mit Wasser. Wenn du ins Haus- oder Verteilnetz einspeisen willst, muss der Druck höher sein als im Netz. Der Druck wird durch die Spannung beschrieben. Die Spannung am Wechselrichterausgang sollte ein paar Volt über der Netzspannung liegen, um den Strom hineinzudrücken.
    Ein Verbraucher (dein Kühlschrank) wirkt wie ein Loch in der Leitung und sorgt für einen Druck-(Spannungs-)abfall. Es muss also Druck (Spannung) aus dem Netz oder der PV-Anlage nachgeliefert werden. Da die PV-Anlage der Erzeuger ist der am dichtesten an deinem Verbraucher (Kühlschrank) ist, wird immer erst dieser Strom verbraucht, solange in der Anlage welcher erzeugt wird.


    Da wir aber ein Drehstromnetz (3 phasen á 230V) haben, kann es sein, dass dein Kühlschrank von einer Phase Strom bezieht, auf die die PVA gar nicht einspeist. Dafür gibt es phasensaldierende Zähler die die Einspeisung auf einer Phase und den Bezug auf einer Phase gegeneinander aufrechnen. Bei 2kW Einspeisung und 2kW Bezug ist der Saldo 0kW und der Zähler steht.

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


    "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." (Gandhi)


    SOLON P 220/6+ (230W) / SMA SB3300 TL HC
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  • Hallo Mathias
    Stelle dir das Hausstromnetz wie Wasserohre vor.
    Wenn du auf dem Dach im übertragenen Sinne einen Brunnen hättest der kontinuierlich Wasser ins Netz presst wird anschaulich wo das Wasser herkommt wenn du bei dir im Haus einen Wasserhahn öffnest:
    Solange vom Dach mehr Wasser kommt als aus dem geöffneten Hahn im Haus läuft ist das Wasser zu 100% vom Dach. Erst wenn mehr aus dem Hahn läuft als vom Dach kommt, kommt zusätzlich Wasser von außen nach.
    Grob vereinfacht verhält sich Strom wie Wasser in Rohren. Der Strom fließt dahin wo der Spannung geringer ist so wie es Wasser durch den Druck bedingt macht.
    Der Wechselrichter macht nicht andere als Strom vereinfacht gesagt in die Leitung zu "pressen" so wie es eine Pumpe mit Wasser auch tun würde. Der Wechselrichter hat aber keinen Einfluß darauf wo der Strom hinfließt. Das ergibt sich einfach.
    Gruß Helmut

  • Bei IBC Solar z.B. steht


    "Nach der Messung des erzeugten PV-Stroms versorgt der grüne Strom _zuerst_ die Verbraucher im Haus. Somit wird nur die fehlende Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen"


    (händisch "zitiert", ich vermute Links sind hier nicht erwünscht?). Solche und ähnliche Beschreibungen gibt es viele, und das hat bei mir die Hoffnung erzeugt es gäbe eine elektrotechnische Lösung, die den Strom verbraucherfreundlich so "zusammenmischt", dass Versorger-Strom nur dann "dazugekauft" werden muss wen der PV Strom nicht ausreicht.


    Ist aber nicht so, wenn ich euch richtig verstehe, statt dessen wird gemessen: "Strom rein", "Strom raus" und ggf. noch "Strom erzeugt", und der Eigenverbrauch errechnet.

  • Wenn deine PV-Anlage Strom produziert und du Strom verbrauchst ist es nicht nur meßtechnisch eigener Strom sondern auch physikalisch. (Unter Vorbehalt du speist nicht auf einer Phase ein und verbrauchst auf einer anderen).
    Unter dazu bedarf es keiner speziellen Geräte und Technik, sondern das ergibt sich einfach schlicht so.

  • Zitat von Helmut1

    Wenn deine PV-Anlage Strom produziert und du Strom verbrauchst ist es nicht nur meßtechnisch eigener Strom sondern auch physikalisch. (Unter Vorbehalt du speist nicht auf einer Phase ein und verbrauchst auf einer anderen).
    Unter dazu bedarf es keiner speziellen Geräte und Technik, sondern das ergibt sich einfach schlicht so.


    Servus Helmut. Wenn ich zwei Wasserquellen habe die mein Haus-Wassernetz speisen, eine auf dem Dach und eine vom Wasserwerk, und dann im Haus den Hahn aufdrehe, dann erfolgt der Volumenausgleich eher vom Dach als vom Wasserwerk? Das leuchtet mir ehrlich gesagt nicht ein. Warum ist das so?