Einspeisemanagement bei Anlagen größer 100 kWp

  • Für Anlagen größer 100 kWp gelten besondere Anforderungen an das Einspeisemanagement.
    Laut §6 (1) EEG müssen Anlagen mit einer Leistung "von mehr als 100 Kilowatt" mit technischen Einrichtungen ausgestattet sein, "mit denen der Netzbetreiber jederzeit
    1. die Einspeisung bei Netzüberlastung ferngesteuert reduzieren kann und
    2. die jeweilige Ist-Einspeisung abrufen kann."

    Die technische Umsetzung dieser Vorgabe ist gar nicht so einfach und verursacht einige Kosten. Als Beispiel seien die Stadtwerke Tübingen genannt, die für die erforderliche Hardware, die sog. "EEG Box" 3750.- € berechnen. Hinzu kommt der Installationsaufwand sowie eine monatliche Gebühr von 55,- €.


    Bei einem aktuellen Projekt (270 kWp) stelle ich außerdem fest, dass die "EEG Box" nicht ohne Weiteres mit dem Datenlogger der PV Anlage kompatibel ist. Es muss zusätzlich ein Gerät installiert werden, dass die Werte des Datenloggers für die EEG-Box wandelt. Hierfür fallen weitere 2000.- € an.


    Aufgrund dieses hohen Zusatzaufwands macht es keinen Sinn PV Anlagen zu bauen, deren Leistung nur geringfügig über 100 kWp liegt. Ich schreibe das hier, weil es sich offenbar noch nicht bei allen Installateuren herumgesprochen hat. Schaut man sich die Anlagenstatistik der Bundesnetzagentur an, stellt man fest, dass nach wie vor Anlagen installiert werden, die etwas größer als 100 kWp sind.
    Ab welcher Leistung größer 100 kWp sich eine Anlage wieder lohnt, ist unterschiedlich. Es hängt von verschiedenen Faktoren wie Direktverbrauchsanteil, Strombezugspreis, Gerüstkosten etc. ab.


    Sonnige Grüße


    Arvid Goletz

  • unabhängig von der Anlagengröße betrachtet kommen mir Anschaffungspreis und vor allem laufende Kosten dieser Lösung doch recht hoch vor
    was genau macht diese Box, was ist da drin, aus was besteht sie, was diesen hohen Preis erklären kann?

  • die EEG Box versetzt die Leitwarte des Netzbetreibers, in diesem Fall der Stadtwerke Tübingen, in die Lage, jederzeit die die aktuellen Daten der PV Anlage einzusehen und ggf. die Anlage abzuregeln. Das Gerät enthält u.a. einen Akku zur unterbrechungsfreien Stromversorgung. Genauere Infos finden sich auf der Homepage der Stadtwerke Tübingen:


    http://www.swtue.de/fileadmin/…/13_03_06_swt-EEG-Box.pdf


    Mir wurde von den Stadtwerken Tübingen erläutert, dass so ziemlich jeder Netzbetreiber ein anderes IT-System für den Betrieb seiner Leitwarte verwendet. Deshalb muß für jede Leitwarte eine eigene "EEG-Box" konfiguriert werden.
    Hinzu kommt, dass die gängigen Datenlogger für PV Anlagen nicht permanent ("jederzeit") Werte übertragen, sondern nur alle paar Minuten. In unserem Fall haben wir ein SolarLog 1000PM Gerät im Einsatz. Damit allein kann die Forderung des §6 (1) EEG, "jederzeit" Daten zu übertragen, nicht erfüllt werden.


    Arvid

  • Der Netzbetreiber braucht doch von Ferne nur auf seinen eigenen Einspeisezähler gucken zu können um jederzeit die jeweilige Ist-Einspeisung abrufen zu können. In der PV-Anlage selbst kann die tatsächliche Ist-Einspeisung ohnehin nicht gemessen werden, das geht nur an der Übergabestelle. Dafür sollte er doch Technik vorsehen, die miteinander kommunizieren kann. Eine Kopplung zur PV-Anlage selbst ist dafür nicht erforderlich. Was die Auswahl der verwendeten Übertragungstechnik angeht, ist man auf das angewiesen, was der Netzbetreiber vorgibt. Aber es sollte zur Ermittlung de momentanen Ist-Einspeisung außer der EEG-Box und einem passenden Zähler nichts darüber hinaus erforderlich sein.


    Ein Kopplung zur PV-Anlage selbst ist nur erforderlich um die Befehle zur Reduzierung der Einspeiseleistung umzuseten. Dafür sind eigentlich Schaltkontakte üblich, die der Netzbetreiber zur Verfügung stellt. Im einfachsten Fall kann das auch durch Komplettabschaltung der PV-Anlage über ein Schütz erfolgen. Bei der Entschädigung ist es nachteilig, wenn man stärker reduziert als angefordert.

  • Die meisten Netzbetreiber verwenden zur Erfassung de Ist-Einspeisung noch Zähler mit registrierender Leistungsmessung.
    Beispiel: http://www.google.de/url?sa=t&…bv.50723672,d.bGE&cad=rja


    Nach EnWG sind Messtellenbetreiber bei EEG-Anlagen zum Einbau von Messsystemen verpflichtet, die so aber noch nicht zur Verfügung stehen. http://dejure.org/gesetze/EnWG/21c.html
    Warum soll also der Anlagenbetreiber darüber hinaus noch in der Pflicht sein?

  • Hat jemand im Forum konkrete Erfahrung damit, wie §6 (1) EEG von anderen Netzbetreibern praktisch umgesetzt wird? Welche Hardware wird verlangt und zu welchen Kosten?


    Arvid

  • Bei uns (VNB RheinMainNeckar) verwendet der Netzbetreiber eine herkömmliche registrierende Lastgangmessung wie es auch bei größerem Bezug eingesetzt wird. Zur Abregelung wird ein herkömmlicher Rundsteuerempfänger (Ton, kein Funk) eingesetzt. RSE liegt bei 200 Euro netto (Einmalig), die RLM kostet (glaube ich, bin mir aber nicht wirklich sicher) so um die 500 Euro p.a.

  • Inzwischen wurde auch unser Netzbetreiber (Stadtwerke Ulm - SWU) auf uns aufmerksam, da es Mitte 2012 noch keine Lösung für die "Fernwirkung" gab und es soll nun nachgerüstet werden mittels SAE FW5 (Konform gemäß IEC 60870-5-104 - Leitstellenkoppelung TCP/IP auf Linux-Basis) und GRPS-Außenantenne inkl. Gehäuse mit Klemmleiste - Datenkarte ist zu stellen, Akku is wohl nicht notwendig. Das ganze soll mittels S0-Bus mit dem IBC SolControl (Meteocontrol Web log) funktionieren.


    Nachdem was man hier ließt ist es ein Schnäppchen - nur 1.970€ netto! :roll:


    Blöd nur das direkt daneben ein DSL-Anschluß zur Anlagenüberwachung ist - wird aber nicht gewollt. So darf man mit dem Meßwandlerzähler mit GSM (Landis + Gyr ZMD410CT44.2407) für gute 450€ im Jahr nun noch mehr bezahlen und hat zwei GSM-Antennen..


    Zum Glück sollen keine weiteren Kosten oder gar monatlichen Gebühren (bis auf die GSM-Karte) fällig werden.
    Muß man hier eigentlich alles akzeptieren? Was wäre wenn ein Netzbetreiber 5.000€ verlangt und 100€ monatliche Gebühren?