Berechnung unentgeltliche Wertabgabe

  • Hallo zusammen,

    sind bei der Berechnung der unentgeltlichen Wertabgabe von Photovoltaik-Anlagen die Schuldzinsen zu berücksichtigen?


    MfG


    Thorsten

  • Eine unentgeltliche Wertabgabe kann bei Photovoltaik-Anlagen per Verwaltungsauffassung nicht vorliegen.


    Gäbe es eine unentgeltliche Wertabgabe - dann sind nach Auffassung des BFH 12.12.2012, XI R 3/10 die Selbstkosten nur mangels eines Einkaufspreises heranzuziehen. Das ist bei der Entnahme von "Strom" nicht der Fall. Ein Einkaufspreis ist ja sehr leicht zu ermitteln.
    Man mag darum streiten, ob die Stromkosten bei Bezug über ein EVU zu Vollkosten (Umlage von Grundgebühren) zu bewerten sind, oder ob nur der reine Arbeitspreis herangezogen wird. Dann hat es sich aber auch. Der Betreiber wird - systemgerecht - wie ein Endverbraucher auf der entsprechenden Handelsstufe gestellt. So soll es sein. Das ist das eigentliche Ziel der MwstSysRL.
    In jedem Fall aber ein Schuss in den Ofen für den Betreiber. Es führt zu einer Größenordnung, die heute schon über dem statischen Wert des UStAE liegt - dafür aber auch noch dynamisch wächst.
    ==> Festhalten am UStAE. Wegfiktieren der unentgeltlichen Wertabgabe. Fiktion aus Volleinspeisung und Rücklieferung - und alle Probleme sind gelöst.


    Vielleicht hast Du Dich in der Steuerart geirrt.. und im Begriff.
    Vielleicht willst Du bei der Bewertung der ertragsteuerlichen Sachentnahme den Teilwert mit den Herstellungskosten ansetzen.
    Diese sind in EStR 6.3 definiert.
    Für die Einbeziehung von Fremdkapitalzinsen bestimmt Abs. V ausdrücklich ein Wahlrecht.
    ==> brauchst Du ein hohes Ergebnis, um die Investition vor Kindern, Ehefrau, Schwiegermutter oder anderen Personen die maßgeblich Deine Lebensqualität bestimmen, zu rechtfertigen: Dann einbeziehen. Kostet ein paar Euro Steuern - bringt aber ein höheres Ergebnis. (#kidding off#)
    ==> ansonsten keine Einbeziehung von Fremdkapitalzinsen.


    Wenn die Verwaltung was anderes glaubt... wie z.B. kurzfristig die OFD Rheinland.... die einen eigenen Herstellungskostenbegriff wählen wollte (Vollkosten).... dann einfach mit den EStR zuschlagen.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • @ kpr


    Ich sehe hier nicht mehr durch.Wie verfahre ich nun mit dem Eigenverbrauch.
    Anlage am 01.07.2013 in Betrieb genommen.Sage bitte wie Du es machen würdest.
    Sonnige Grüße
    bowman

  • Zitat von bowmann

    Sage bitte wie Du es machen würdest.


    Ich denke ich kenne KPRs Antwort. Nach UStAE 2.5. Fiktive Volleinspeisung und Rücklieferung des Direktverbrauchs.
    Erfordert selbständiges lesen des UStAE 2.5 und etwas Denkleistung, den dann auch zu Verstehen. Wenn man es aber verstanden hat, dann offenbart sich einem die Eleganz dieser Lösung.

  • Donnermeister
    ... warum nur konntest Du meine Antwort vorhersagen ???


    Wie ich es machen würde? So wie ich es mache(n lasse):
    - Selbst abrechnen (statt durch VNB)
    - nach erbrachter Leistung abrechnen (statt jährlich mit monatlichen Abschlägen)
    - Paulchens Tool dazu verwenden (dann stimmts auch Formal - und liefert alle steuerliche relevanten Werte)
    - die Lieferung (fiktive Volleinspeisung) versteuern.
    Amen.

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  • kpr


    nur noch mal vergewissern ob ich es richtig geschnallt habe.
    Variante
    Einspeisung entsprechend Zähler abrechnen oder Gesamten Solarertrag
    Bezug aus dem Netz entsprechend Zähler abrechnen


    Eintrag in Paulchens Programm (Wert Direktstromentnahme) die zu zahlende Bezugsgebühr an den Versorger


    Danke im Voraus

  • Zitat von bowmann

    ....


    Eintrag in Paulchens Programm (Wert Direktstromentnahme) die zu zahlende Bezugsgebühr an den Versorger
    ...


    Hallo bowmann,


    kpr meinte das kostenlose Exceltool "Vergütungsrechner V8" zur Rechnungserstellung an den Netzbetreiber. Das gibt es hier im Downloadbereich oder - in neuerer Version 8d - im Download unserer Homepage.


    Dort werden nach Erfassung der Grunddaten die Zählerstande der gesamten Stromerzeugung und des ins öffentliche Netz eingespeisten Stroms eingetragen.
    Im dritten Tabellenblatt steht dann die genaue Abrechnung für den NB.


    Freundliche Grüße
    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für OS X - WIN-DV-Tool (1 Anlage) auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • http://www.clearingstelle-eeg.de/studie/2240
    http://www.erneuerbare-energie…voltaikanlagen/?tx_ttnews[backPid]=98&cHash=d067e624142f563f2f2b68f9023fafaa



    Nachzulesen auf Seite 9/10

  • Zitat von kpr

    Donnermeister
    ... warum nur konntest Du meine Antwort vorhersagen ???


    Ich hab 'ne Russin als Ehefrau, da muss ich auch immer hellsehen, was sie mir sagen will. :D Das schult.


    Zitat von bowmann

    nur noch mal vergewissern ob ich es richtig geschnallt habe.
    Variante
    Einspeisung entsprechend Zähler abrechnen oder Gesamten Solarertrag
    Bezug aus dem Netz entsprechend Zähler abrechnen


    Eintrag in Paulchens Programm (Wert Direktstromentnahme) die zu zahlende Bezugsgebühr an den Versorger


    Nee, du hast es nicht geschnallt und den vom EVU bezogenen Strom, wird wohl dein EVU abrechnen und nicht du. Auch hat der bezogene Strom nix, aber auch gar nix mit deiner PV und dem ganzen Steuer drum herum zu tun.


    Den UStAE 2.5 selbst zu finden scheint dich möglicherweise zu überfordern.
    Hier der Link => http://www.bundesfinanzministe…ell-Stand-2013-06-28.html


    Kurze Erklärung:


    erzeugte Menge 1000 kWh
    eingespeiste Menge 800 kWh
    Vergütung pro eingespeiste kWh nach EEG 0,15 €
    Vergütung pro direkt verbrauchte kWh nach EEG 0,00 €


    Zuerst wird der gesamte Strom an den VNB verkauft.


    I. Lieferung an den VNB (fiktive Volleinspeisung)
    1000 kWh * 0,15 €/kWh = 150 €
    19 % USt = 28,50 €
    Summe 178,50 €


    Da die Vergütung für DV Null ist, wird der DV für 0,15 €/kWh vom VNB an den PV-Betreiber zurückgeliefert. Denn 0,15 € - 0,15 € ist Null. Der DV ergibt sich aus Gesamtmenge - eingespeister Menge 1000 kWh - 800 kWh = 200 kWh


    II. Rücklieferung Direktverbrauch
    200 kWh * 0,15 €/kWh = 30 €
    19 % USt = 5,70 €
    Summe 35,70 €


    Nun werden beide Lieferungen saldiert.


    III. Abrechnung
    178,50 € - 35,70 € = 142,80 €


    Der PV-Betreiber bekommt vom VNB 142,80 €. Er meldet dem FA aber einen steuerpfl. Umsatz von 150 € und führt dafür 28,50 € ab. Das Thema USt ist damit erledigt. Der gesamte erzeugte Strom wurde mit 19 % USt versteuert. Keine unentgeltliche Wertabgabe. Einfach und elegant.


    Das war jetzt nur eine Aufgabe für das USt-Gehirn.