Zu wenig Dachhaken? - Einschätzung der Lage

  • Hallo,


    ich hätte mal gerne Eure Einschätzung.


    Folgende Situation: Im Oktober 2012 wurde meine erste PV-Anlage auf dem Westdach installiert. Die Lage der PV-Module lt. Stringplan.




    Lt. Rechnung wurden hierzu 76 Dachhaken verbaut. Rein optisch sieht die Montage gut aus. Eine genaue Lage der verbauten Dachhaken habe ich nicht. Fotos zu machen geht schlecht, weil man recht schnell nichts mehr zwischen Dach und Montagesystem sieht. Im vorderen Teil sind aber recht viele Haken verbaut.


    Im Januar wurde durch einen anderen Solarteur die Verstringung dieser Anlage auf dem Westdach geändert. Dieser teilte mir auch mit, dass seiner Meinung die Anlage recht starke Bewegungen/Schwingungen machen würde. Des Weiteren habe er Abstände bis zu 2,20 Meter zwischen den Dachharken gemessen und sei der Meinung, dass lt. Hersteller maximal 1,50 Meter Abstand zulässig seien. Sei Aussage war, dass er der Meinung sei, dass zu wenig Dachhaken verbaut seien.
    Dieser Solarteur bot mir aufgrund seiner Aussage an, bei der Herstellerfirma WÜRTH (es handelt sich um das Zebra-System) eine Anfrage bezüglich einer Vorbemessung des Montagesystems machen zu lassen.
    Diese liegt nun vor. Die Planung von WÜRTH geht dabei von 97 zu verbauenden Dachhaken aus. Eine Differenz also von 21 Haken absolut bzw. 21 Prozent weniger Haken.


    Ich hätte jetzt mal gerne eine Einschätzung von den anderen Solarteuren, Dachdeckern und Profis hier: Wie würdet ihr die Situation einschätzen: Die Differenz von 21 Dachhaken zwischen Planung und Bau ist natürlich schon recht heftig. Den ersten Winter mit eher größeren Schneelasten für unsere Region haben wir aber gut hinter uns gebracht. Ich frage mich auch, wie die Anzahl der verplanten Dachhaken bei einer solchen Herstellerplanung zu bewerten ist: Werden dort eher zu viel oder doch eher passgenau Dachhaken verbaut?
    Ich würde mich über ein paar Einschätzungen freuen.


    Besten Dank.

    Bilder

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
    10,56 kWp Yingli YL240P-29b, SMA STP 10000TL-10; Ausr.: -110° (Ost); DN 33°; seit 01/2013


    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Mal im Extrem: Wenn beim naechsten Sturm die Anlage fliegen geht und einen vollbesetzten Schulbus (oder den Brieftraeger) plattmacht, was wuerdest Du als verantwortlicher Anlagenbetreiber dem Richter erzaehlen? Was den Eltern der verletzten Kinder bzw der Frau des Brieftraegers?
    "Ich hab es nicht gewusst" zieht ja schonmal nicht mehr ... .


    Also ordentlich nach DIN1055 auslegen lassen und entsprechend nachruesten.


    Gruss
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Das war ja halt meine Frage wie ich die Anzahl der fehlenden Dachhaken einzuschätzen habe.
    Deinen Ausführungen entnehme ich, dass Du die Anzahl der fehlenden Haken recht krtisch einschätzt.
    Ok, danke dafür.

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  • Zitat von Dringi

    Das war ja halt meine Frage wie ich die Anzahl der fehlenden Dachhaken einzuschätzen habe.
    Deinen Ausführungen entnehme ich, dass Du die Anzahl der fehlenden Haken recht krtisch einschätzt.
    Ok, danke dafür.


    Hoffe Du erwartest hier keine Antwort "x Stueck waeren richtig"!? Das ist mit den obigen Angaben nicht zu machen. Es hilft nur richtig rechnen und entsprechend handeln.


    Gruss
    Jochen

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  • Nein, eher so was wie:


    - alles noch im Rahmen und ok
    - grenzwertig aber noch ok
    - nicht mehr ok aber Schäden am Dach bzw. Modulabrisse bei Sturm sind eher nicht zu erwarten
    - schei**e, Schäden am Dach bzw. Modulabrisse bei Sturm sind latent zu befürchten
    - so richtig schei**e, Schäden am Dach bzw. Modulabrisse bei Sturm so gut wie sicher


    Mir ist klar, dass für eine detailierte Beurteilung die genaue Lage der verbauten Dachhaken nötig wäre, aber ich hoffe, dass man über die reine Anzahl der verbauten bzw. fehlenden Dachaken das schonmal grob einschätzen kann.


    Die Einschätzung hier im Forum wird die das weitere Vorgehen mit bestimmen.

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  • Dachneigung?
    Firsthoehe ueber Gelaende?
    Hoehe ueber NN?
    PLZ oder Schneelastzone und Windlastzone?
    Sparrenabstand?
    Modulhoehe?
    Gelaendeklasse (freistehend im Feld, Vorstadt, Stadt)?
    Besonders exponiertes Gebaeude?


    Mit den Angaben koennte man mal eine Abschaetzung wagen ob es annaehernd hinkommen kann. Genau geht das nur mit den Herstellerberechnungen zu den verbauten Haken und Schienen.


    Gruss
    Jochen

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  • Zitat von JayM


    Mit den Angaben koennte man mal eine Abschaetzung wagen ob es annaehernd hinkommen kann. Genau geht das nur mit den Herstellerberechnungen zu den verbauten Haken und Schienen.


    Hier mal die Daten. Das Gutachten ist angehängt. Auch der Ausschnitt aus der Rechnung, was verbaut wurde.


    Dachneigung --> 35°
    Firsthoehe ueber Gelaende --> 8m
    Hoehe ueber NN --> 82m
    PLZ oder Schneelastzone und Windlastzone --> 59556 / 2 / 1
    Sparrenabstand --> 0,75 m
    Modulhoehe --> 1640mm Höhe, 990mm Breite, 40mm Tiefe
    Gelaendeklasse (freistehend im Feld, Vorstadt, Stadt) --> Dorf, 5 Reihen Einzel-Häuser auf ca. 150m Breite, 6 Einzel-Häuser auf ca. 250m Länge, umgeben von Freifläche auf Seiten und Wald bzw. Bäume auf den anderen beiden Seiten
    Besonders exponiertes Gebaeude --> nein, Gebäude entspricht von der Höhe den anderen Gebäuden und steht in der Mitte des Siedlungsgebietes


    Besten Dank schonmal für Deine HIlfe.

    Dateien

    • Rechnung.pdf

      (190,41 kB, 293 Mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • Planung.pdf

      (549,68 kB, 336 Mal heruntergeladen, zuletzt: )

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  • Hallo Dringi,
    'tschuldige, hat ein bisschen länger gedauert.


    Hakenanzahl:
    76 Dachhaken sind gerade mal 1,15 Haken/m2, bei etwas ungleicher Verteilung in manchen Dachbereichen noch deutlich weniger. Mir wäre das zu wenig. Die Berechnung in Deiner Plannung sagt es sind zu wenig. Ich würde sagen es sind zu wenig!


    Hakenbefestigung:
    Was mir auch auffällt, auf der Rechnung stehen 306 Spanplattenschrauben 6 x 80, ich nehme an zur Befestigung der Dachhaken. Wenn Deine Konterlattung die üblichen 40 mm hat gehen die Schrauben gerade mal 35 mm in den Sparren. Die Montageanleitung sagt dazu: "Sind Konterlattungen oder ähnliches vorhanden, sollten die Schrauben um die entsprechende Stärke verlängert werden." Wenn Du keine Konterlattung hast, paßt es also. Wenn Du (wie die meisten Gebäude) Konterlatten hast, paßt es nicht.


    Schienen:
    In der Statikberechnung sind die Schienen mit Haken in zwei Sparrenabständen gut ausgelastet. Hakenabstände von 3 Sparrenabständen (2+ m) sind auf jeden Fall zuviel.



    Meine Empfehlung wäre die Zahl der Haken nachbessern zu lassen. Ganz sicher mußt Du nachbessern lassen, wenn doch eine Konterlattung da ist und die Schrauben damit zu kurz sind.


    Viel mehr läst sich aus der Entfernung nicht sagen.


    Gruß
    Jochen


    BTW, was machen 0 Betonplatten 30x30x5 auf der Rechnung?

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  • Hallo Dringi,


    als grobe Faustformel kannst du 2 DH/Modul + 2 DH fürs Reihenende rechnen.
    Bei dir also 2 x 40 + 2 x 8 = 96 Dachhaken. Damir ist die Berechnung von Würth mit 97 Dachhaken passend.


    Mit sonnigen Grüßen


    1a-photovoltaik

    Erste netzgekoppelte Photovoltaikanlage in Baddeckenstedt mit 12 Isofoton I-159 und SMA SB1700E, 1.908 Wp.
    Ausrichtung Süd + 15°, Neigung 27°

  • Folgendes fällt bei den bisher vorliegenden Informationen auch noch auf:


    lt. Planung von Würth waren "ALU"-Dachhaken vorgesehen, 97 Stück.
    lt. Rechnung wurden "A2"-Dachhaken verbaut, 76 Stück.
    D.h. der Dachhaken-TYP und die Dachhaken-ANZAHL stimmen nicht nicht mit der Planung überein.
    Bei 97 Dachhaken sind die Schienen schon recht nahe an der Auslastungsgrenze.
    Bei weniger Dachhaken ergeben sich größere Schienenspannweiten, die wahrscheinlich dann nicht mehr zulässig sind.
    Bei weniger Dachhaken erhöht sich je nach Dachhakentyp meist auch das Risiko für Ziegelbruch.


    Fehlen die Abrutschsicherungen nur in der Rechnung?
    Oder fehlen diese auch an der gebauten Anlage? :shock:
    Muss vor Ort unbedingt geprüft werden.


    Schraubentyp laut Planung: M6x100.
    Schraubentyp laut Rechnung: M6x80.
    Ausreichende Einschraubtiefe muss vor Ort geprüft werden.


    Anzahl Schienenverbinder und Modulklemmen laut Rechnung weichen ebenfalls stark von der Planung ab...



    Es wäre empfehlenswert die Anlage einmal von einem Profi genauer begutachten zu lassen bzw. mit dem Installateur über die fraglichen Punkte sprechen und hören, was er dazu sagt...
    Bezüglich des Dachhakentyps, der Anzahl und der Schienenabstände sollte die Auslegung nochmals mit Hilfe des Würth-Service geprüft werden. Es ist nach den hier vorliegenden Informationen schon recht wahrscheinlich, dass einige Änderungen notwendig sind... (oder hat der Installateur nur die Rechnungen mit einem anderen Projekt vertauscht...?)
    :!: Bevor die Module nach den Änderungen wieder montiert werden würde ich auch sehr genau auf die Einhaltung der von Würth vorgeschriebenen Abstände zwischen Dachhaken und Dachziegel achten, müsste meines Wissens bei MINDESTENS 5mm liegen. Dies lässt sich sehr leicht und schnell prüfen indem sich an jeder Stelle unter dem Dachhaken eine 5mm Schraube durchstecken lässt. :idea:


    Gruß