Insel mit Netz-Backup - zur Diskussion

  • Hi,


    ich stelle hier mal meine Ideen zu einer "Insel mit Netz-Backup" zur Diskussion. Meine Hoffnung ist, dadurch neue Erkenntnisse zum vorschriftsmäßigen und genehmigungsfähigen Aufbau einer Inselanlage zu erhalten.


    Grundannahmen dieses Konzepts:

    • Einspeisung in das öffentliche Stromnetz ist nicht gewünscht (100% Eigenverbrauch)
    • Rückwirkungen auf das öffentliche Stromnetz sind nicht gewünscht
    • Nachladen der Batterien soll nur im Ausnahmefall, ggf. manuell, über das Stromnetz erfolgen, standardmäßig wird über PV geladen
    • Bei Sonnenmangel soll eine automatische Umschaltung auf das Stromnetz erfolgen. Wenn die Batterien wieder ausreichend geladen sind (durch PV), soll eine autmatische Rückschaltung erfolgen.
    • Bei Netzausfall versorgt die Insel weiterhin die Verbraucher.
    • Einphasiger Aufbau der Insel


    So sieht die "klassische" Insel mit Netz-Backup aus, wie man sie mit Victron Multiplus oder Studer XTender leicht aufbauen kann. Die PV ist DC-seitig gekoppelt:



    Vorteile:

    • Einfacher Aufbau
    • Umschaltung auf Netz erfolgt im Insel-WR
    • PowerAssist möglich


    Nachteile:

    • ggf. separate ENS erforderlich
    • Leistungsabgabe der Insel maximal in Höhe der Insel-WR Leistung (mal abgesehen von PowerAssist usw.)


    Gleicher Aufbau der Insel, diesmal mit AC-seitig gekoppelter PV über einen separaten Netz-WR:



    Vorteile:

    • Einfacher Aufbau
    • Umschaltung auf Netz erfolgt im Insel-WR
    • PowerAssist möglich
    • Leistung von Insel-WR und Netz-WR addiert sich


    Nachteile:

    • ggf. separate ENS erforderlich
    • Rückleistung in das Netz muss verhindert (oder aber akzeptiert) werden
    • Leistungsabgabe der Insel maximal in Höhe der Insel-WR Leistung (mal abgesehen von PowerAssist usw.)
    • Batterieladung erfolgt auch vom Stromnetz, da das interne Ladegerät im Insel-WR aktiviert sein muss


    Um diese Nachteile zu umgehen, schlage ich eine separate unterbrechungsfreie Netzumschaltung außerhalb des Insel-WR vor, welche den gesamten Verbraucherstromkreis auf das öffentliche Stromnetz umlegt:



    Vorteile:

    • Leistung von Insel-WR und Netz-WR addiert sich
    • Inselnetz und öffentliches Stromnetz kommen niemals miteinander in Berührung, daher auch keine ENS erforderlich
    • Rückleistung in das öffentliche Stromnetz ist nicht möglich
    • Batterieladung erfolgt grundsätzlich nur über PV


    Nachteile:

    • Komplizierterer Aufbau durch separaten Netzumschalter, der durch den Insel-WR gesteuert werden muss
    • PowerAssist ist nicht möglich


    Und schließlich: Ich fände es gut, einzelne Verbraucherstromkreise je nach Angebot solarer Strahlungsenergie dem Inselnetz oder dem öffentlichen Stromnetz zuzuordnen. Mit einem manuellen, allpoligen Umschalter soll dabei jeder Stromkreis (von 8-10 Stück) wahlweise umgeschaltet werden können. Dieses Vorgehen würde es ermöglichen, je nach Jahreszeit auch mal größere Verbraucher dem Inselnetz zuzuordnen. Im Sommer wären so bis zu 100 Prozent Inselversorgung möglich, in der Übergangszeit gibt es Kompromisse, im Winter werden die meisten Verbraucher vom Netz versorgt werden müssen:



    Vor- und Nachteile sind wie bei (3).
    Zusätzlich gibt es etwas mehr Flexibilität in der Nutzung des Inselstroms, der Verbrauch kann dem jahreszeitlich stark schwankenden Angebot angepasst werden.


    Was haltet ihr von den Varianten? Verbesserungsvorschläge?
    Sind sie genehmigungsfähig? :juggle:
    Welches sind die normativen Hürden? :juggle:



    SMA hat neue Features für das neue Modell für Eigenverbrauch vorgestellt: Sunny Island 6.0H. Dieses wird die SMA Standardlösung für Eigenverbrauchsmaximierung werden. Kurioserweise soll der Inselmodus erst ab Q3 2013 mit einem SW-Update möglich sein:



    Von SMA hab ich dazu ein paar PDFs erhalten, die bald veröffentlicht werden sollen. Bei Bedarf sende ich sie gern per Mail.


    :D
    Bastel

  • Das Problem mit dem zusätzlichen Automatikschalter auf AC Seite ist, dass die Umschaltung empfindliche Geräte stören kann. Ich hatte versuchsweise von meinem Schwager ein Teil, das bis 40A zwischen 2 Stromquellen umschalten kann. Sowas ähnliches wie das da:http://www.fraron.de/wechselri…annungswandler/a-5364291/
    Dabei hat z.B. der laufende Trokner schlicht reagiert, als hätte ich seinen Stecker raus gezogen und wieder rein gesteckt. Das laufende Programm war unterbrochen. Die QuantumSpeed hat dann sogar die Uhrzeit vergessen.
    Problem ist auch, das man deutlich größere Wechselrichter, und damit auch größere Akkus, braucht. Denn die Insel muss ja die volle Leistung selbst erbringen können, weil keinerlei Fallback machbar ist.


    Und dann, kann man sich auch überlegen, das Stromnetz nur noch über ein Ladegerät an das eigene Netz an zu schließen. Auch damit wäre eine volle Entkopplung gewährleistet (Variante 5?).

    Halbinsel 3,44KWp, 48V/250Ah Staplerakku, TriStar MPPT60, 2 Studer XTM 2600-48
    TriStar TS60 mit 3KW Heizstab als Dump für den Überschuss

  • Hallo Bastel,


    zuerst: Inselanlagen selbst sind nicht genehmigungspflichtig.
    Es geht nur darum, daß die Umschalteinrichtung den TAB entspricht, und daß keine Rückspeisung stattfinden kann.
    Im Fall PowerAssist werden sich immer die Geister scheiden, solange dieser Fall nicht
    in einer Norm explizit festgehalten wird.
    Natürlich kann man (freiwillig) einen NA-Schutz vor dem Eingang eines Victrons anbringen.
    Aber ein NA-Schutz ist kein Rückspeiseschutz. Dafür gibt's extra Geräte.
    Aber vielleicht reicht eine Nachfrage bei Victron, und die können einen Rückspeiseschutz nach EN 62040 bestätigen.



    Die durch Deine Grundannahmen festgelegten Rahmenbedingungen entsprechen
    prinzipiell dem Aufbau meiner Anlage mit folgenden Unterschieden:
    * 3-phasiger Aufbau
    * keine Lademöglichkeit über öffentliches Stromnetz gewünscht
    * Insel-BHKW für die Winterversorgung am Eingang des Victrons


    Prinzipiell entspricht Dein Schema 3 meiner Anlage.
    Die Netzumschaltung muß durch Schütze, die gegeneinander verriegelt werden erfolgen.
    Relais mit Wechselkontakten oder entsprechende Nutzung der Schließer- und Öffner-Kontakte ist nicht zulässig,
    da hier im Fehlerfall eine Verbindung bestehen kann.



    Den Aufbau nach nach Schema 4 halte ich für problematisch und übertrieben.
    Bei Ersatzstromanlagen hat man i.d.R. zwei Stromschienen. Netz und Notstrom(=Insel).
    Bei der Umschalteinrichtung müssen nicht nur die Phasen, sondern auch der Neutralleiter umgeschaltet werden.
    Nach Rücksprache des Netzbetreibers und wenn keine negativen Folgen zu erwarten sind, kann darauf
    im Einzelfall verzichtet werden.
    Es geht hier darum, daß nicht mehrere Strompfade entstehen dürfen.
    Das Erdungsrelais im Victron muß dann deaktiviert werden. Allerdings muß die Verbindung zwischen PE und N
    dann so ausgeführt werden, daß bei Arbeiten vor der Netzumschaltung diese nicht unterbrochen werden kann.
    Und das ist der Knackpunkt.
    Mittlerweile wird bereits empfohlen ab dem Hausanschlußkasten ein TN-S-Netz zu fahren, und nicht mehr,
    wie früher erst nach dem Zähler oder der Unterverteilung.
    Nur, wenn aus dem TN-C-Netz erst nach der Hauptleiterklemme hinter dem Zähler ein TN-S-Netz gebildet wird,
    wäre diese Konstellation ohne Umschaltung des Neutralleiters denkbar.


    Daher würde ich für die Varante 4 eher zwei Notstromschienen vorsehen.
    Denn schließlich kann man "Kleinverbraucher" und Großverbraucher in einem Haushalt sehr gut trennen.
    Die Frage ist nur, zu was der Haarfön im Bad zählt. ;-)
    Wenn nicht ausreichend Energie bereitssteht, wird nur Notstromschiene 1 auf den WR geschaltet, an
    welcher eher kleinere Lasten zu erwarten sind. An Notstromschiene 2 kommen dann eben Herd, WaMa,
    Trockner(wenns sein muß), Geschierspüler und Küchensteckdosen.
    Der Vorteil mit zwei Notstromschienen wäre der deutlich geringere Aufwand gegenüber Einzelumschaltung.



    Zu Variante 1:
    Die ist in jedem Fall, wie eine USV zu behandeln, wenn der WR, wie der Victron, nicht ins Netz Rückspeisen kann.


    Zu Variante 2:
    Dank AR 4105 mussen PV-WR nicht mehr auf Island-Betrieb umgeschaltet werden.
    Bei älteren PV-WR (Bestandsanlagen) muß ggf. wirklich eine ENS vorgeschaltet werden, sofern
    auf Island-Parameter umkonfiguriert wird.
    Auch wenn hier eine Rückspeisung ind Netz nicht möglich ist.


    Aber zum Thema PowerAssist am Netz:
    Da bei Victron immer bevorzugt das Netz benutzt wird, sofern durchgeschaltet, macht PowerAssist
    eigentlich keinen Sinn. Man kann (bisher) nicht konfigurieren, daß bevorzugst x W aus dem Akku
    entnommen werden, und für den Rest das Netz.
    Das geht nur umgekehrt. Man kann Schwellen festlegen, wann das Netz zugeschaltet wird.
    (Leistung, Akkuspannung)
    Man kann zwar die Stromaufnahme aus dem Netz begrenzen, aber das geht nicht dynamisch,
    sondern nur als fest konfigurierter Wert bzw. über die Fernbedienung (sofern vorhanden).


    Zum Thema unerwünschtes Laden aus dem Netz kann ich einmal testen, was beim Victron passiert,
    wenn die Ladegerätfunktion abgeschaltet wird, aber ein PV-WR am Ausgang hängt.
    Meinem Verständnis nach müßte der WR den Strom trotzdem in den Akku schieben.
    Die Ladegerätfunktion betrifft nur die Netzseite. Das sieht man daran, daß beim Laden über PV-WR
    keine LED der Ladeanzeige leuchtet. (weder Bulk, noch Absorpt. oder Float)
    Allerdings liegt gerade 20cm Schnee auf den Modulen. (Bei uns hat's diese Woche gut geschneit.)

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Zitat von Helpless

    Das Problem mit dem zusätzlichen Automatikschalter auf AC Seite ist, dass die Umschaltung empfindliche Geräte stören kann. ...
    Dabei hat z.B. der laufende Trokner schlicht reagiert, als hätte ich seinen Stecker raus gezogen und wieder rein gesteckt.


    Da scheint etwas nicht zu stimmen.
    Entweder taugt der Trockner nichts oder dieser Automatikschalter.
    Ich glaube eher letzteres, wenn es bei mehreren Geräten Probleme gibt.
    Denn die meisten Geräte verkraften klaglos bis zu 100ms ohne Netz.
    Es kann natürlich auch sein, daß die zweite Stromquelle (WR oder Generator?) nicht von 0 auf 3kW
    schnell genug nachregeln konnte.
    Das beste bei einem solchen Test einer Umschalteinrichtung wäre das zurückschalten aufs Netz zu prüfen.
    Wenn es hier auch zu einer Störung der Geräte kommt, stimmt wirklich etwas mit dem Umschalter nicht.


    Meine Netzumschaltung bestehend aus zwei ABB-Schützen mit 40A braucht ca. 50ms, ist also relativ träge.
    Bisher gab es keine Probleme mit elektronischen Geräten.
    Für empfindliche Geräte sollte sowieso eine kleine USV vorgesehen werden.
    Bei mir hängt der Großteil der IT auf 3 USVs verteilt. (Server im Keller, Server und Arbeits PCs im Büro, Netzwerktechnik)
    Nur im Privatbereich hängen die Rechner ohne extra USV a Strom.
    Aber die sind bisher auch nicht beim Umschalten ausgestiegen.
    Die bei mir verbauten USVs sind nur ein extra Schutz, falls die Victrons einmal abschalten (Überlast etc.) sollten
    oder eine Sicherung bzw. ein FI fliegt.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Zitat von Andre78


    zuerst: Inselanlagen selbst sind nicht genehmigungspflichtig.


    Stimmt - aber nach den Regeln der Technik müssen sie trotzdem ausgeführt sein und dürfen keine Gefahr darstellen ;-)


    Zitat

    Die Netzumschaltung muß durch Schütze, die gegeneinander verriegelt werden erfolgen.
    Relais mit Wechselkontakten oder entsprechende Nutzung der Schließer- und Öffner-Kontakte ist nicht zulässig,
    da hier im Fehlerfall eine Verbindung bestehen kann.


    Hier würde ich am liebsten ein fertiges, genau für diesen Zweck entworfenes Bauteil mit definierter Umschaltzeit < 20 ms verwenden. Ich kann mir auch eine automatische Vorrangschaltung vorstellen, mit vorgeschaltetem Schütz zur Freigabe des Netz-Stroms. Dann wäre das Stromnetz primäre Quelle, Insel wäre Backup, und der Insel-WR steuert (per Schütz) wann die primäre Quelle zur Verfügung steht. So ist beides erfüllt - Schutz vor Netzausfall und Schutz vor Tiefentladung.



    Ja ich gebe zu: Variante 4 ist meinem Spieltrieb geschuldet, um während der "Projektlaufzeit" die optimale Kombination der Verbraucher für verschiedene Jahreszeiten zu ermitteln. Ich möchte ja nicht alle paar Wochen was in der Verteilung umklemmen müssen, ein Umschalter pro Stromkreis wäre halt optimal.


    Zitat

    Zu Variante 1:
    Die ist in jedem Fall, wie eine USV zu behandeln, wenn der WR, wie der Victron, nicht ins Netz Rückspeisen kann.


    Rein physikalisch werden durch den Transferschalter das Inselnetz und das öffentliche Stromnetz leitend verbunden:



    Da ein elektrischer Leiter keine Einbahnstraße ist, ist prinzipiell also auch eine Rückspeisung möglich. Insbesondere dann, wenn AC-seitig ein Netz-WR gekoppelt ist. Die Netzfrequenz beträgt in diesem Zustand 50 Hz, so dass eine Abregelung des WR über die Frequenz auch nicht mehr möglich ist.


    Welche Möglichkeit bleibt dem Insel-WR, um die Rückspeisung zu verhindern? Er kann nur die Rückleistung messen und bei Rückleistung den Transferschalter öffnen. Dazu ist aber nirgends was beschrieben, wie sind die Schwellen?
    :juggle:


    Zitat

    Zu Variante 2:
    Dank AR 4105 mussen PV-WR nicht mehr auf Island-Betrieb umgeschaltet werden.
    Bei älteren PV-WR (Bestandsanlagen) muß ggf. wirklich eine ENS vorgeschaltet werden, sofern
    auf Island-Parameter umkonfiguriert wird.
    Auch wenn hier eine Rückspeisung ind Netz nicht möglich ist.


    Siehe oben: Rückspeisung ist schon mögich, denke ich, es sei denn der Multiplus misst die Rückleistung und trennt das Netz ab... Hat dazu schonmal wer beim Victron Support angefragt? Wäre doch interessant zu wissen wie das genau funktioniert.


    Zitat

    Zum Thema unerwünschtes Laden aus dem Netz kann ich einmal testen, was beim Victron passiert,
    wenn die Ladegerätfunktion abgeschaltet wird, aber ein PV-WR am Ausgang hängt.
    Meinem Verständnis nach müßte der WR den Strom trotzdem in den Akku schieben.
    Die Ladegerätfunktion betrifft nur die Netzseite. Das sieht man daran, daß beim Laden über PV-WR
    keine LED der Ladeanzeige leuchtet. (weder Bulk, noch Absorpt. oder Float)
    Allerdings liegt gerade 20cm Schnee auf den Modulen. (Bei uns hat's diese Woche gut geschneit.)


    Au ja, das klingt gut! Wäre super wenn du das mal testest. Welche Ladeparameter (Spannung, Dauer usw.) würde denn der Multiplus in diesem Fall verwenden, wenn das interne Ladegerät eigentlich ausgeschaltet ist? Möglicherweise die zuvor konfigurierten, jedoch in VEConfigure ausgegrauten Werte? Bitte mal testen, wenn das geht wäre das ja eine prima Lösung für mich :mrgreen:


    Bastel

  • Zitat von Bastel

    Stimmt - aber nach den Regeln der Technik müssen sie trotzdem ausgeführt sein und dürfen keine Gefahr darstellen ;-)


    Das habe ich ja nicht bestritten.
    Es geht nur darum, daß das EVU Dir nichts Vorschreiben kann, was diesem nichts angeht.


    Zitat von Bastel

    Hier würde ich am liebsten ein fertiges, genau für diesen Zweck entworfenes Bauteil mit definierter Umschaltzeit < 20 ms verwenden. Ich kann mir auch eine automatische Vorrangschaltung vorstellen, mit vorgeschaltetem Schütz zur Freigabe des Netz-Stroms. Dann wäre das Stromnetz primäre Quelle, Insel wäre Backup, und der Insel-WR steuert (per Schütz) wann die primäre Quelle zur Verfügung steht. So ist beides erfüllt - Schutz vor Netzausfall und Schutz vor Tiefentladung.


    Das die Netzumschaltung natürlich angesteuert werden muß, ist klar.
    Über das Zusatzrelais beim Victron würde man das auch hinbekommen.
    Wenn man aber mehr machen will, braucht man eine externe Steuerung, die alles im "Blick" hat.


    Etwas fertiges wirst Du hier nicht finden. (Außer von SMA als Komplettpaket)


    Hier einmal ein kleines Schema mit Generator und dem Victron nachgeschalteter Netzumschaltung.
    Das Schalten übernimmt eine übergeordnete Steuerung, die alle Istwerte der Anlage kennt.
    Bitte nicht wundern, warum der Neutralleiter mit PE gebrückt ist. Die Netzumschaltung ist im TN-C.
    Erst danach wird getrennt. Im Generator gibt es keine Brücke zwischen N und PE.
    (Ist nicht 100% normgerecht, aber keine Gefahr für die Sicherheit)



    Zitat von Bastel

    Rein physikalisch werden durch den Transferschalter das Inselnetz und das öffentliche Stromnetz leitend verbunden:


    Das ist bei einer Line-Interactive USV auch der Fall. Diese sind i.d.R. identisch aufgebaut, wie der Victron.
    Und, vielleicht nicht unwichtig, während der Victron zum Netz durchschaltet, ist dieser kein Inselwechselrichter.
    Das Netz wird, während das Eingangrelais geschlossen ist, von außen vorgegeben.


    Zitat von Bastel

    Da ein elektrischer Leiter keine Einbahnstraße ist, ist prinzipiell also auch eine Rückspeisung möglich. Insbesondere dann, wenn AC-seitig ein Netz-WR gekoppelt ist. Die Netzfrequenz beträgt in diesem Zustand 50 Hz, so dass eine Abregelung des WR über die Frequenz auch nicht mehr möglich ist.


    Dafür gibt's die konfigurierbare Option "AC ignorieren".


    Zitat von Bastel

    Welche Möglichkeit bleibt dem Insel-WR, um die Rückspeisung zu verhindern? Er kann nur die Rückleistung messen und bei Rückleistung den Transferschalter öffnen. Dazu ist aber nirgends was beschrieben, wie sind die Schwellen?


    Kurze Antwort: Den Akku zerstören.
    Und das ist kein Witz.
    Im anderen Thread habe ich ein PDF verlinkt, in dem beschrieben ist, wie sich der Victron bei Einspeisung
    auf dem Ausgang verhält.
    Dazu weiter unten mehr.


    Zitat von Bastel

    Siehe oben: Rückspeisung ist schon mögich, denke ich, es sei denn der Multiplus misst die Rückleistung und trennt das Netz ab... Hat dazu schonmal wer beim Victron Support angefragt? Wäre doch interessant zu wissen wie das genau funktioniert.
    ...
    Au ja, das klingt gut! Wäre super wenn du das mal testest. Welche Ladeparameter (Spannung, Dauer usw.) würde denn der Multiplus in diesem Fall verwenden, wenn das interne Ladegerät eigentlich ausgeschaltet ist? Möglicherweise die zuvor konfigurierten, jedoch in VEConfigure ausgegrauten Werte?


    keine Parameter.
    Der Victron nimmt sämtlichen Strom am AC-Ausgang entgegen und schiebt diesen gnadenlos in den Akku.
    Wenn die Einspeisung nicht beendet wird, endet das in einem kaputten Akku.
    Irgendwann würde der Victron abschalten, wenn die Akku-Spannung zu hoch wird oder dieser sich in "Luft auflöst".
    Aber was macht ein 24V-Akku bei >35V, wenn man ggf. mit mehreren kW einprügelt ? ...
    Also ich würde das Weite suchen.

    Bilder

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Zitat von Andre78


    Der Victron nimmt sämtlichen Strom am AC-Ausgang entgegen und schiebt diesen gnadenlos in den Akku.
    Wenn die Einspeisung nicht beendet wird, endet das in einem kaputten Akku.
    Irgendwann würde der Victron abschalten, wenn die Akku-Spannung zu hoch wird oder dieser sich in "Luft auflöst".
    Aber was macht ein 24V-Akku bei >35V, wenn man ggf. mit mehreren kW einprügelt ? ...
    Also ich würde das Weite suchen.


    Hmm, DumpLoadController kann das Problem leicht lösen.


    Es gab einmal einen Thread, da hat jemand bei Studer nachgefragt, ob der XTender auch über einen Wechselrichter auf Ausgangsseite geladen werden kann. Die Antwort war ja.

    Halbinsel 3,44KWp, 48V/250Ah Staplerakku, TriStar MPPT60, 2 Studer XTM 2600-48
    TriStar TS60 mit 3KW Heizstab als Dump für den Überschuss


  • Dem muss ich leider widersprechen. 100 ms ohne Netz wären bereits 10 Vollwellen. Das schafft nur ein Netzteil mit riesigen Stützkondensatoren. Ich behaupte die meisten Computer stellen ab wie der Trockner von Helpless. Darum haben wichtige Server sog. redundante Stromversorgungen, also für zwei separate Stromkreise.
    Bei Motoren kommt noch ein weiteres Problem dazu. Da einer Netzumschaltung keine Synchronisation wie bei USV's vorangeht, können z.B. zwei positive Halbwellen aufeinander folgen. Das kann dazu führen, dass ein Kühlschrankkompressor von den Supporten fliegt. Habe ich schon erlebt. Darum ist "unterbruchsfreie" Netzumschaltung nur möglich, wenn vorher die beiden Sinuskurven synchronisiert werden und innerhalb einer Halbwelle umgeschaltet wird.
    einstein0

    Bilder

    33 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    2 kW- Hybrid-Insel im Camper, BEV: Hyundai Kona. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung 10 kWh im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 10 kWh Li-Testspeicher.

  • Und das bedeutet, uns bleibt nur Variante 1,2 und 5 wenn der Übergang von einer Quelle zur anderen sauber gehen soll.

    Halbinsel 3,44KWp, 48V/250Ah Staplerakku, TriStar MPPT60, 2 Studer XTM 2600-48
    TriStar TS60 mit 3KW Heizstab als Dump für den Überschuss

  • Zitat von einstein0


    Dem muss ich leider widersprechen. 100 ms ohne Netz wären bereits 10 Vollwellen.


    Aber nur in Netzen mit 100Hz. ;-)
    Bei mir sind das 5 Vollwellen oder 10 Halbwellen.


    Zitat von einstein0

    Das schafft nur ein Netzteil mit riesigen Stützkondensatoren. Ich behaupte die meisten Computer stellen ab wie der Trockner von Helpless.


    Muß ich dementieren. Nur Computer, bei denen das Netzteil nahe am Limit betrieben wird.
    Und jedes elektronische Gerät im Haushalt hat nach dem Netzteil Elkos.
    Schaltnetzteile sind hier aber von Vorteil. Besonders Typen mit Weitbereichseingang von 100 bis 240V.
    Weder unsere für Miele Waschmaschiene und Trockner, noch unser Siemensgeschierspüler war das je ein Problem.
    Auch unser Ofen mit seiner digitalen Synchronuhr macht das mit. Da hat die Uhr noch
    nie in den blinkenen 00:00-Modus gewechselt. ;-)


    Zitat von einstein0

    Darum haben wichtige Server sog. redundante Stromversorgungen, also für zwei separate Stromkreise.


    Das hat aber bei Servernetzteilen rein garnichts mit dem Auffangen von kurzen Unterbrechungen zu tun.
    In erster Linie sind die Netzteile redundant, falls a) eines ausfällt und b) falls eine Sicherung fliegt.
    Je nach Vorlieben hängt nur eines der Netzteile an einer USV oder beide. Dann aber an separaten USVs. ;-)


    Zitat von einstein0


    Bei Motoren kommt noch ein weiteres Problem dazu. Da einer Netzumschaltung keine Synchronisation wie bei USV's vorangeht, können z.B. zwei positive Halbwellen aufeinander folgen. Das kann dazu führen, dass ein Kühlschrankkompressor von den Supporten fliegt. Habe ich schon erlebt. Darum ist "unterbruchsfreie" Netzumschaltung nur möglich, wenn vorher die beiden Sinuskurven synchronisiert werden und innerhalb einer Halbwelle umgeschaltet wird.
    einstein0


    Das Problem hast Du bei jeder einfachen USV auch.
    Nur bei Line-Interactive oder Doppelwandler-USVs kann man das vermeiden.
    Bei Motoren, die kurz ausfallen dürfen, kann man einfach einen Spannungswächter mit Einschaltverzögerung vorschalten.
    (So viel gibt es im Haushalt i.d.R. nicht). Dann ist man auf der sicheren Seite.
    Denn dem Kühlschrank ist es wurscht, wenn der mal ein paar Sekunden vom Netz getrennt wird.
    Allerdings ist ein Phasensprung bei Asynchronmotoren nicht wirklich schlimm, wenn zwischen Abschalten des
    einen Netzes und zuschalten des Ersatznetzes mind. eine Vollwelle fehlt.
    Fatal wäre es, wenn es keine Unterbrechung gäbe.
    Bei Synchronmotoren ist ein Phasensprung wirklich übel.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
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