Stromliefervertrag mit meinen Eltern

  • Hallo an alle!
    Ich habe jetzt etliche Beiträge gelesen, aber die Antwort auf mein Problem nicht so wirklich gefunden.


    Zu der Situation:
    Ich möchte auf dem Dach meiner Eltern eine PV-Anlage mit Überschusseinspeisung betreiben. Ich wohne nicht in diesem Haus. Es gehört mir auch nicht^^


    Mein erster Ansatz war, dass ich mit meinen Eltern einen Stromiefervertag mache, indem geregelt ist, dass ich ihnen den Strom verkaufen, den sie aus der PV-Anlage direkt verbauchen. Ganz easy eigentlich.
    Dann habe ich aber heute erfahren, dass ich dann auch die um 2 Cent verringerte EEG-Umlage meinen Eltern in Rechnung stellen und diese an den ÜBN weiterleiten muss. Das will ich natürlich vermeiden.


    Jetzt wäre meine Lösung, dass ich formal Anschlussnutzer werde, also das der ganz normale Stromvertrag mit dem EVU über mich läuft. Dann würde es sich beim dem direkt verbrauchten PV-Strom nicht um eine Vermarktung an Dritte handeln, sondern formal um einen gewöhnlichen Eigenstromverbrauch (darauf muss ja momentan noch keine EEG-Umlage gezahlt werden...)
    Mit meinen Eltern würde ich dann wiederum einen Stromliefervertrag machen, indem geregelt ist, dass sie ihren Strom nicht vom EVU, sondern von mir erhalten.
    Wenn diese Konstellation rechtlich so klar geht, hätte ich erreicht, dass ich die EEG-Umlage für den direkt verbrauchten Strom nicht von meinen Eltern verlangen muss und somit im Endeffekt einen höheren Preis von meinen Eltern verlangen kann - also für mich am Ende ein Mehrerlös von (5,277 - 2 = 3,277 Cent) 3,277 Cent pro selbstverbrauchter kWh übrig bleibt.
    Die Umsatzsteuer werde ich dabei natürlich ganz normal berücksichtigen, sprich ich weise in der Rechnung an meine Eltern Umsatzsteuer aus, führe diese ans FA ab, und bekomme auf der anderen Seite vom FA die Vorsteuer vom EVU zurück.


    Was sagt ihr dazu?

  • Für die EEG-Umlage sollte es egal sein, ob deine Eltern Anschlussnutzer sind oder du. Wenn du den Strom aus der PV-Anlage an jemanden verkaufst, wird EEG-Umlage fällig. Eventuell fragt bei einer solchen Konstruktion nie jemand nach, aber rechtssicher ist das auf keinen Fall. Bedenke bitte, dass bei einer Nachzahlung die volle EEG-Umlage fällig wird, da man die Minderung vorab anmelden muss. Zusätzlich hast du bei der Konstellation keinen Anspruch mehr auf die Minderung.


    EEG §39 Abs3

    Zitat

    (3) Die EEG-Umlage verringert sich ferner für Elektrizitätsversorgungsunternehmen in einem Kalendermonat um 2,0 Cent pro Kilowattstunde, höchstens jedoch in Höhe der EEG-Umlage, wenn
    1. der Strom, den sie in diesem Kalendermonat an ihre gesamten Letztverbraucherinnen und Letztverbraucher liefern,
    -a) ausschließlich Strom aus Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie ist

  • Eine weitere Frage, die mir noch kam:


    Ab wann ist man denn eigentlich verpflichtet, eine EEG-Umlage zu verlangen. Also ich meine, wenn ich das so mache wie oben beschrieben, bin ich ja quasi sowas wie ein Stromzwischenhändler. Muss ich dann von meinen Eltern vll. troztdem EEG-Umlage verlangen?
    Wäre das so, hätte ich ja das gleiche Problem, nur durch eine komplizierte Umsetzung als in meinem ersten Ansatz :D

  • Zitat von martinvoigt

    Für die EEG-Umlage sollte es egal sein, ob deine Eltern Anschlussnutzer sind oder du. Wenn du den Strom aus der PV-Anlage an jemanden verkaufst, wird EEG-Umlage fällig. Eventuell fragt bei einer solchen Konstruktion nie jemand nach, aber rechtssicher ist das auf keinen Fall. Bedenke bitte, dass bei einer Nachzahlung die volle EEG-Umlage fällig wird, da man die Minderung vorab anmelden muss. Zusätzlich hast du bei der Konstellation keinen Anspruch mehr auf die Minderung.


    Naja, nach meinem Verständnis macht das schon einen Unterschied. Wenn ich Anschlussnutzer bin, ist es im Außenverhältnis doch so, dass ich den selbstgenutzen PV-Strom ganz normal selbst verbrauche, also Eigennutzung. Quasi genauso, wie wenn meine Eltern Besitzer der PV-Anlage wäre und den Strom selbst nutzen würden? Und auf selbstgenutzen Strom, muss ich doch kein EEG-Umlage bezahlen? Das wird doch ganz normal mit dem ÜBN mit dem eingespeisten Strom verrechnet?


    Aber auf mein Verständnis würde ich mich da nicht verlassen :D

  • Ich glaube ganz so einfach ist das juristisch nicht. Letztlich ist entscheidend, dass du als Anlagenbetreiber an einen Letztverbraucher Strom ohne Netzdurchleitung verkaufst. Inwieweit das im Sinne des §37(3) EEG als Eigenverbrauch angesehen wird, nur weil der Letztverbraucher keinen eigenen Netzanschluss hat, kann wohl nur ein Fachanwalt wirklich final klären.


    Aber am Ende ist das deine Entscheidung und dein Risiko. Wahrscheinlich wäre das aber sowieso nur eine kurze Rettung, da mittelfristig nichts daran vorbei führt, dass die EEG-Umlage auch bei Eigenverbrauch fällig wird.

  • Ich glaube, eine sichere und saubere Lösung, die auch gleichzeitig wirtschaftlich ist, wird es nicht geben. Deshalb fände ich die Bewertung durch einen Rechtsanwalt und durch einen Steuerberater sehr interessant. Viele werden vor deinem Problem stehen.


    Was mich im Grunde daran stört, sind folgende "Kleinigkeiten":


    1) Du baust zwar auf dem Dach deiner Eltern, aber auch innerhalb der eigenen Familie soll es schon mal zu Differenzen gekommen sein. Spätestens bei Erbstreitigkeiten hast du ein Problem, wenn du nicht wenigstens einen Pachtvertrag vorweisen kannst. Besser wäre noch eine beschränkt perönliche Dienstbarkeit an rangerster Stelle im Grundbuch, also wie bei einem Pachtdach.


    2) Deine Eltern werden nicht mehr das Wahlrecht eines Stromversorgers haben. Ist aber vermutlich sowieso uninteressant, da ältere Leute meistens zum Grundversorger tendieren und der wärst du dann ja. :wink:


    3) Wenn du den kompletten Strom nicht gerade an deine Eltern verschenken möchtest, dann müsstest du - wer weiss, was mal kommt - einen Stromliefervertrag mit ihnen abschließen. Du bist also Stromhändler für den Netzstrom und Stromverkäufer für den PV-Strom.
    Ich kenne mich jetzt nicht mit den Vorgaben für Stromhändler aus, aber im einfachsten (und teuersten) Fall müsstest du den kompletten Strom mit der vollen EEG-Umlage und der USt. beaufschlagen. Im komplizierteren (und preiswerteren) Fall würdest du den Netzstrom nur mit USt. beaufschlagen müssen (EEG-Umlage hat dir dein Stromversorger ja schon aufgeschlagen) und den PV-Strom könntest du mit der verminderten EEG-Umlage und der USt. weiterberechnen.
    Auf jeden Fall kommt die USt. immer drauf und das kann bei dem Netzstrom richtig weh tun, denn da zahlen deine Eltern ja faktisch "zweimal USt.".


    Nun gibt es aber auch noch die Möglichkeit, dass du den Anschluss übernimmst und sowohl den Netzbezugsstrom als auch deinen Eigenverbrauch an deine Eltern verschenkst. Bin mir jetzt nicht sicher, ob sundevil das meinte?
    Das muss deine Eltern ja nicht davon abhalten, dir auch mal ab und zu was Gutes zu tun. :wink:
    Das wäre dann aber auch die Vertrauensversion.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Idee:


    Deine Eltern und du könnten eine GBR gründen, dann sind beide Parteien "Betreiber" der Anlage und können Eigenverbrauch geltend machen, sofern der Strom nicht durch das öffentliche Netz geleitet wird.


    Paragraf 37 Absatz 3 EEG
    :juggle:


    Bastel

  • Schon mal vielen Dank an alle die geantwortet haben! Alleine und vor allem ohne das nötige rechtliche Verständnis kommt man da echt nicht so weit... Groß Geld, um mich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen, hab ich aber auch nicht (ich bin 21 und Student :P )





    Was haltet ihr von der Idee? Und falls es zur Option steht, könnte mir das vll. jemand etwas näher erläutern, vor allem im Bezug auf EEG-Umlage, USt. und Einkommenssteuer.


    Ich würde das so verstehen:
    Meine Eltern und ich sind Gesellschafter der GbR und regeln im GV, wer wieviel des Gewinns erhält. Das wird dann so geregelt, dass man eine Eltern nur einen ganz geringen Teil erhalten. Da ist die erste Frage, ob es einen gewissen Mindestanteil geben muss, mit dem meine Eltern am Gewinn der GbR beteiligt werden? Ansonsten wird dann der anteilige Gewinn beider Gesellschafter versteuert. Da dann die Frage, ob man eine gesamte EÜR für die GbR macht und dann die Einkünfte aus Gewerbebetrieb anteilig auf die Gesellschafter verteilt werden, um es mal einkommensteuerrechtlich auszudrücken?


    Umsatzsteuer verhält sich so, wie wenn ich alleiniger Eigentümer der Anlage wäre, oder? Sprich, die GbR verrechnet ganz normal Vorsteuer für sie Ausgaben (hauptsächlich Anschaffaung PV) mit erhaltener Umsatzsteuer von VNB für den eingespeisten Strom.


    EEG-Umlage wird dann keine fällig, weil der selbstverbrauchte Strom von einem Gesellschafter der GbR verbraucht wird und es sich somit nicht um Verkauf von PV-Strom an Dritte handelt, richtig?
    Klar kann man jetzt hier wieder anführen, dass momentan im Gespräch ist, dass auch auf Eigenverbrauch EEG-Umlage zu zahlen ist. Aber das lassen wir jetzt mal außen vor.


    Der Stromanschluss bzw. der Vertrag mit dem normalen EVU kann ja dann ganz normal bei meinen Eltern bleiben, da das ja dann nichts mehr mit unserer Konstellation zu tun hat, richtig?



    Besten Dank
    Jan