Welche Zukunft hat Kohle?

  • Zitat von eggis

    http://www.prognos.com/fileadm…thermische_Kraftwerke.pdf
    Kann man Schadenersatz von Prognos oder dem Kohleverband fordern, wenn man in Kohlekraftwerke investiert und 2050 kein Platz mehr für Kohlestrom im Netz ist?


    Es geht nicht um Kohlestrom, sondern um gesicherte Leistung. 100 VLH für ein Kraftwerk halt.


    Wenn man bereit ist der Allgemeinheit die Fixkosten aufzubürgen lohnen sich die *Reserve* Kraftwerke ..

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  • Moin darwin,

    Zitat von darwin

    Es geht nicht um Kohlestrom, sondern um gesicherte Leistung. 100 VLH für ein Kraftwerk halt.


    Wenn man bereit ist der Allgemeinheit die Fixkosten aufzubürgen lohnen sich die *Reserve* Kraftwerke .


    die Prognosstudie ist eine Marktanalyse für die Kohleimporteure, mit der Aussage, dass auch in Zukunft noch viel Kohle nach Deutschland importiert wird. Verfolgt man weiterhin das Ziel den Strom-, Wärme und Mobilitätsmarkt auf erneuerbare Energien umzustellen (Energiewende) ist kein Platz mehr für eine große Nachfrage nach Kohle. Für 100VLH reicht evtl. ein Güterzug im Jahr voll Kohle, ...wenn man denn bei der Reserve unbedingt auf Kohle setzten will. Wo ist denn da der Importmarkt für den Auftraggeber der Studie?

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


    "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." (Gandhi)


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  • Aus der Einleitung zur Studie:
    *Auch im Jahr 2050 werden noch mindestens 46 GW gesicherte thermische Kraftwerksleistung zur Gewährleistung der Versor-gungssicherheit notwendig sein. Thermische Kraftwerke stellen auch dann noch weit über die Hälfte der gesicherten Leistung.*


    Ich gehe mal davon aus das die Grunddaten richtig sind und die Kohleimporteure ihre *genehmen* Schlussfolgerungen gezogen haben, auf welche du dann anspielst.


    Heisst für mich aber nicht, das ich nicht die Grunddaten in Zweifel ziehe, sondern eher eben die Schlussfolgerung.


    Um also von der Kohle wegzukommen braucht man entweder andere *gesicherte* Leistungen oder man weicht die Definition der gesicherten Leistung auf. Beides sollte praktisch möglich sein.


    Der Größte Pluspunkt ist, das 2050 vermutlich mehr EE-Leistung am Netz sein werden als für den heutigen Strombedarf nötig sein würden. Die direkte und indirekte Elektrifizierung des Verkehrs und der Heizleistungen steht ja noch aus. Man wird wohl in irgendeiner Form etwas wie das *Windgas* aufziehen - wobei ich davon ausgehe, das man das Gas eher im Verkehr einsetzen wird als 100% in der Stromversorgung.


    Mit höheren Installierten Leistungen der EE kann man auch mehr *quasi*gesicherte Leistungen in die Berechnung reinnehmen(mein Verweis auf die Aufweichung der Definition), selbst 10-20% *Windgas* würden da dazu kommen.


    Höhere Installierte Leistung setzen letzlich voraus, das das Einspeiseniveau (in das Stromnetz) abgesenkt wird. 20-30% bei PV zum Beispiel. Das setzt dann den Rest des Rattenschwanzes in Gang. KleinSpeicher, Pumpspeicher, Lastmanagement ...
    Alles weitere *quasi*-gesicherte Leistungen.


    DAS ist der Grund warum ich die ReserveLeistung schon heute den EEs aufdrücken will, um die Zeit zu nutzen die Technologien und noch wichtiger die wirtschaftliche Umsetzung auszuprobieren und anzupassen. Ohne Kostendruck passiert nix.


    Wenn man noch lange die Kohlekraftwerke dafür heranzieht, wird man bei dem Szenario der Importeure landen.

  • Man kann ja einmal die Position des Braunkohleverbandes als Kontrast heranziehen:


    Steinkohle und z.T. Gas wird in den nächsten Jahrzehnten langfristig durch EEs dezimiert, Steinkohle hat den strategischen Nachteil, dass sie sehr schnell ohne CO2-Gebühren teuer wird. Für Braunkohle wird mit weniger als 20 GW um ca. 2050 gerechnet. Mittelfristig sieht der Braunkohleverband einen relativ geringen Zubaubedarf bei Gas, Kohlekapazitäten seien ausreichend vorhanden. Für mich hat deren Position etwas von "konventionelle Energieträger sterben, wir müssen nur sehen, dass Braunköhle der letzte ist (, um evtl. Restkapazitäten zu sichern).

  • Was bei der PRsiebasis von Braunkohle durchaus realistisch ist. Ansonsten - auch lange Leitungen machen gesicherte Leistung.

    Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
    Thomas Alva Edison
    Trockenplatzdach 2,6kW zum Spielen :)

  • Darwins Ausführungen sind soweit richtig. Man muss sich mal entscheiden, wo man hinmöchte. Das Strommanagement ist ein Baustein. Ganz sicher benötigt man aber auf jeden Fall noch thermische Kraftwerke. Bei meinetwegen 46 GW und sagen wir mal sogar 200 VLh kann ich das mit einem Löffel aus der Erde holen zu Kosten (Brennstoff) die heute astronomisch wirken. Selbst 1.000, € je Tonne Steinkohle (NWR) oder 500, € Braunkohle (Museum Lausitz) juckt uns das nicht mal am Zeh!


    Die einzige und entschiedene Frage ist und bleibt bei der "Reserve" zu welchen Kapitalkosten und sonstigen Betriebskosten bekomme ich das hin! Wenn die Kapitalkosten Null und die sonstigen Kosten bei meinetwegen 10 Cent je kWh liegen, was dürften uns dann die 200 VLh wert sein (Brennstoff)


    Sagen wir mal utopische 90 Cent! In Summe also 1,- € je kWh ! *nur um das zu verdeutlichen.


    8.400 VLh zu Preisen (Heute) < 5 Cent plus 200 VLh zu 1,- €. Wobei 46 GW ja nur wenige % der kapa darstellen, ergo sozusagen die 1,-€ kWh sich noch extrem verwässern/verdünnen. Aber tun wir mal so, als ob das so kommt!


    Wo liegt eigentlich das Problem? Damit sind wir um Lichtjahre billiger und unabhängiger, als der Rest der Welt. Im Jahr 2050 wird der Rest der Welt Strom ganz sicher zu mehr als 10 Cent (heutige Preise gerechnet) kaufen müssen.


    Das Wort "Kosten" ist schon eine Last! Man sollte sich endlich mal nicht genieren, den Weg zu 100% EE als Phase der hohen Investitionen zu betrachten. Die Ernte des Hönigs muss man deshalb nicht unterschlagen. Jeder Bauer kapiert das auf Anhieb, nur unsere Regierung und ein paar andere "Ökonomen" scheinen das nicht zu kapieren.

  • Oder mal in Zahlen - 8400h zu 4ct/kWh im Mittel + 200h *1€/kWh macht 6,2ct/kWh. Die 200h hauen da schon rein, aber 1€/kWh ist auch wirklich heftig. Ab 35ct/kWh rechnen sich klassische Diesel

    Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
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  • Dann ist aber die Frage, ob in Zukunft dei Reserve durch Kohlekraft oder eher durch Gasturbinen bereit gestellt wird. Letztere passe unter Umständen besser in die Energielandschaft, wird sogar implizit vom Braunkohleverband zugegeben (größere installierte Leistung im Vergleich zu Kohle, bei gleichzeitig sinkender Energieproduktion ).

  • Zitat von hfrik

    Oder mal in Zahlen - 8400h zu 4ct/kWh im Mittel + 200h *1€/kWh macht 6,2ct/kWh. Die 200h hauen da schon rein, aber 1€/kWh ist auch wirklich heftig. Ab 35ct/kWh rechnen sich klassische Diesel


    Ich hoffe, dass es klar geworden ist, dass dies eine Grenzbetrachtung darstellt ? Zudem stimmt deine Rechnung nicht mal im Ansatz. bei 200 GWp PV, 100 GWp Offshore und XXX GWp Onshore ist nach obiger Rechnung, die 46 GW "Alt" nur ein witziger Tropfen. Denn die Menge des Stroms wird dann ganz sicher nicht für iPhon & Co. Verwendung finden, sondern um Gas, Öl etc. ersetzen. Der Strommarkt ist nur der Einstieg, entschieden wird das Spiel am gesamten Energiemarkt.


    Aber selbst mit einem Deckel von 6,XXX Cent je kWh wären wir die Helden! Was glauben einige, welchen Anteil am BIP wir 2050 zu zahlen haben, wenn wir die EE nicht machen? Zudem 6,xxx Cent im Land kosten uns mal schon gar nix. Ob ich dem Bäcker 50.000 € Miete aufbrumme und er mir dafür das Brot zu 100 € verkauft oder wie Heute (seit 10 Jahren konstant) 1.000,- € und mir das Brot zu 2,50 € macht welchen Unterschied?


    100% geht unser gesamter Export drauf und wie toll es sich mit einem negativen Saldo lebt, kann sich jeder schon Heute täglich anschauen. Von Griechenland bis Spanien. So clever wie die USA sind wir nun mal nicht, die sich den Irrsinn ihrer Wirtschaftspolitik vom Rest der Welt zu Null Zinsen finanzieren läßt. Wobei die Frage bleibt, wann das der letzte Investor mal realisiert? Ich würde wetten, das Goldman & Co das Spiel noch endlos treiben können, bis der ganz große Knall kommt und die USA sich mit einem Schlag befreien.


    Sorry, aber wenn man mich fragt, dann kommen solche Antworten.

  • RWE freut sich über [url=http://www.rundschau-online.de/rhein-erft/braunkohle-rekord-bei-der-stromerzeugung,15185500,21104744.html]Rekordwerte[/url] bei der Braunkohleverstromung. Es läuft also nicht alles schlecht für die Konventionellen, die wir ja, ob wir wollen oder nicht, noch eine Weile brauchen.


    Grüße,


    bskf