Verschiedene Steuernummer für Kleingewerbe und PV-Anlage

  • Hallo Forumsgemeinde,


    habe hier durch´s mitlesen schon viele Tipps erhalten, super Forum.
    Nun habe ich folgendes Problem:


    Ich habe im Mai ein Gewerbe angemeldet, zusätzlich zum eigentlichen Gewerbezweck habe ich bereits schon das
    "Betreiben von Energiegewinnungsanlagen" als Gewerbezweck mit aufgenommen, für die Möglichkeit später mal eine
    PV-Anlage oder ein Blockheizkraftwerk zu betrieben.
    Im Juli haben wir uns dann kurzfristig dazu entschieden, doch noch heuer unser Dach mit PV-Modulen zu pflastern.
    Anlage ist nun seit Ende August in Betrieb.
    Ende Juli habe ich vom FA die neue Steuernummer für mein Gewerbe bekommen, UstVA gemacht, Geld zurück alles i.O.
    Vor ein paar Tagen bekomme ich vom FA eine zweite Steuernummer, nach Rückfrage ob das nötig ist und ich doch
    ein entsprechendes Gewerbe angemeldet habe, wurde mir mit geteilt dass das so sein muss. :shock:


    Nun die Fragen:
    1. Muss ich tatsächlich eine zweite Steuernummer für die PV-Anlage haben (Bundesland: Bayern) :evil:
    2. Wenn ja wie buche ich dann die Ust aus der PV-Anlage richtig, denn lt. FA
    - läuft die USt ausschließlich über die Hauptsteuernummer
    - muss ich für jede Steuernummer eine EÜR machen
    - damit können ja ggf Ust-Zahlungen/Erstattungen als Unternehmensausgabe /-gewinn auftauchen


    Eigentlich wollte ich nicht im Papierkram ersticken, sonder nur ein paar Euronen dazuverdienen...


    Danke für Eure Unterstützung!
    enze

  • Die Steuernummer ist ein Ordnungsmerkmal der Finanzverwaltung. Wie und ob die vergeben wird, ist deren Sache.
    (Bei Otto, Telekom, Solarteur diskutierst Du ja auch nicht über Deine Kundennummer.)



    Intensiver muss man sich um den Sachverhalt bemühen. Die Frage ist ja, ob die PV ein eigenständiger Betrieb ist - oder aber die PV nur ein neuer Betriebsteil eines bestehenden Betriebes.
    Und wenn es getrennte Betriebe sind.... besteht Unternehmeridentität?
    Wenn das mal geklärt ist, kann man drüber diskutieren, ob die Vergabe der Steuernummern nicht ein Indiz dafür ist, dass ihr Euch im Sachverhalt nicht einig seid.


    Nun kenne ich ja die gesamten Verhältnisse nicht. Aber ich wäre froh, wenn die PV als eigenständiger Betrieb gesehen wird; das garantiert dauerhaft keine Gewerbesteuerbelastung. Wird es in einen Topf geworfen, ist das nicht unbedingt gegeben.


    Insofern kann ich mich mit der Theorie des FA gut anfreunden.
    Dann ist es zwar so, dass für jeden Betrieb eine eigenständige EÜR zu erstellen ist - aber die Notwendigkeit der zweiten Steuernummer kann man damit nicht begründen. Das macht nur Sinn, wenn eine gesonderte Feststellung durchzuführen wäre - aber dafür gibt es keine Hinweise im Sachverhalt. (Die Frage scheint mir zu sein: Wer ist "Wir" und wer betreibt das nicht näher beschriebene Gewerbe und wer betreibt die PV?


    Völlig unabhängig von den bisher angesprochenen Parametern taucht die Umsatzsteuer ZWINGEND in der EÜR als Betriebseinnahme bzw. Betriebsausgabe auf. Per Definition.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Respekt - du liest sehr genau ;-)
    Nun ja wenn die Steuernummer ein reines Ordnungsmerkmal ist, versteh ich den Hintergrund einer zweiten Nr. nicht.
    Aussage FA: "Das müssen wir bei PV so machen...." erklären konnte Sie´s mir nicht.


    Noch zur Klarstellung bzw. Beantwortung deiner Frage:
    Ich habe ein "Klein"-Gewerbe angemeldet,
    Tätigkeiten kurz umschrieben: Beratung, Schulung, Dienstleistungen rund ums Haus und eben Betrieb von Energiegewinnungsanlagen
    Ich betreibe die PV-Anlage
    Aufgrund der Aufnahme in den Unternehmenszweck bei der Gewerbeanmeldung sehe ich es als Betriebsteil.
    Die Sichtweise im Bezug auf die Gewerbesteuer ist schon richtig, spielt aber bei mir keine Rolle da das angemeldete
    Gewerbe nur als Nebengewerbe betrieben wird.


    Nun das die USt in der EÜR auftaucht ist mir schon klar, aber in welcher?
    Die UStVA wird über die Hautpsteuernummer gemacht, also erfolgen hierauf auch die Zahlungen.
    USt entsteht aber ja auch bei der PV-Anlage


    Folgende Varianten der Buchung sehe ich hier:
    1. Buchungen der Ust bei der jeweiligen EÜR und monatliche "manuelle" Zusammenführung für die UStVA
    2. Buchungen bei der PV-Anlage "netto" ohne UST und die Steuer separat bei der EÜR der Hauptsteuernummer


    Da es sich für mich um ein Nebengewerbe handelt, wollte ich das alles unter einem Hut haben...

  • Und "Du" bist DER Steuerpflichtige... oder evtl. die mit ihrem männlichen Ehegatten zusammenveranlagte Ehegattin?
    Im letzteren Fall wäre mir wieder vieles klar; im ersteren gehen mir auch die Ideen aus. Aber scheinbar dem FA selbst ja auch.


    Arbeitstechnisch läuft es mit der UST ja so ab, dass - egal ob Voranmeldung oder Erklärung - Du erst für jeden Betrieb eine eigene erstellst, die dann konsolidierst und die konsolidierte übermittelst.
    Wenn die Regulierung erfolgt, ziehst Du die Zahlung wieder auf die beiden Unternehmen auseinander.
    (Gibt andere Techniken; die sind aber eher auf die Belange komplexer ERP-Systeme sowie auf Konzernrechnungslegung getrimmt. Du nimmst besser die beschriebene Variante mit ganz flach gehaltenem Ball... "the chicken way".)


    Ich (!! mir macht sowas aber im Zweifel Spass; bzw. ich hab zur Not ein Rudel Mitarbeiter oder Azubis die das im Ernstfall auch ohne Spass für mich erledigen) würde erstmal dolldreist alles unter einem Hut halten. Und dann mal schauen, was das FA draus macht. Wenn die auf die Barrkidaden gehen... na.. dann streitet man halt mal. Wenn Du Glück hast, h at keiner Lust um Kaisers Bart zu streiten. Evtl. gibt der Klügere halt nach. ;-)

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  • Ich bin der Steuerpflichtige mit dem Gewerbe und meiner zusammenveranlagten Ehegattin im Schlepptau ;-)
    Spielt das hier wirklich eine Rolle?


    ztztzt... wobei manche Leute so Ihren Spaß haben :lol:
    ...na Gott sei dank, sonst gäbe es die Hilfe in solchen Foren nicht :wink:


    Ich sehe schon, es gibt für die Vorgehensweise wohl keine rationelle Begründung, daher werde ich mal
    so weitermachen wie angefangen und für "ein" Unternehmen die Sachen zusammenstellen,
    mal sehen was die Damen und Herren vom Amt dann so sprechen, wenn´s soweit ist.

  • Ja. Das spielt eine Rolle.
    Da sind zunächst einmal zwei stpfl. Personen. Männlein und Weiblein. Jeder hat eine Steuernummer.
    Dann heiraten die - und lassen sich zusammen veranlagen. Das geschieht unter der Steuernummer des Ehegatten.
    Die Steuernummer der Ehegattin "schläft ein"; sie ist und bleibt vergeben - es werden aber keine Akten darunter geführt.


    Wenn nun nicht der Ehegatte sondern die Ehegattin umsatzsteuerpflichtige Unternehmerin wird, erhält Sie eine neue Steuernummer (oder die alte lebt wieder auf; aber auf jeden Fall braucht man dann eine zweite Steuernummer).
    Das ist eigentlich der "klassiker" für zweite Steuernummern.

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  • Hoi,


    also die PV Anlage und die beratende Tätigkeit sind zwingend zu trennen!! Daher jeweils eine EÜR.


    Bei PV Anlagen ist das anders, grundsätzlich können diese jeweils einzeln betrachtet werden, oftmals wollen die FA dies auch so haben, wie aber unten zu sehen in meinem Fall bei mehreren Anlagen, ich bastel nur eine EÜR - Betrieb von PV Anlagen.
    Meine freiberufliche Tätigkeit aber ist extra, dafür habe auch einen eigene Steuernummer. Dies ist zwar unsinnig, wird aber auch in Niedersachsen so gemacht.
    Bei der USt - richtig, auch wenn ich 100 PV Anlagen hätte, eine Voranmeldung und eine Erklärung!


    MfG

    11 Anlagen mit insgesamt 293,720 kWp Leistung.

  • Es gibt schon ein paar Urteile, daß bei Einzelunternehmern das FA darauf bestehen kann, verschiedene Gewerbe getrennt zu betrachten, also auch mit verschiedenen Steuernummern und eigener GuV. Hintergund ist, daß findige Leute versucht haben, ihre Verluste bei einem hobbynahen Gewerbe ("Wohnmobilverleih") mit Gewinnen der PV zu vermischen und das FA die Gewinnerzielungsabsicht nicht mehr widerlegen konnte.


    Allerdings gilt bei der gleichen Unternehmerperson hinsichtlich der USt "alles oder nichts", d.h. sofern das "Kleingewerbe" aus der Überschrift sich auf den Verzciht auf die Regelbesteuerung beziehen soll, dann geht das so nicht, auch mit getrennten Streuernummern nicht.


    Gruß

  • Hallo, bezüglich der Gewerbe und Liebhaberei, stimmt dies, hier aber sind die Gewerbebetriebes, genauer Betriebsstätten jeweils gleich - also alle produzieren Strom. Daher sind diese schon als Gesamtheit zu betrachten, es kann aber bei mehreren grossen Anlagen Sinn machen, diese einzeln zu betrachten. Bezüglich der GewSt und des Freibetrages von 24.500€ Gewinn.
    Ich mag aber behaupten, wenn diese Problematik eintritt, dass dann entsprechend eine Zusammenfassung durch das FA/ Gemeinde erfolgen wird, denn GewSt ist Gemeinde Sache, innerhalb einer Gemeinde aber kann ich schlecht 5 Betriebe gleicher Art anmelden.
    Eine Trennung ist z. B. möglich, wenn eine Bäckerei eine Lotto Annahme Stelle in der gleichen Räumen hat.
    Hier sind die Betriebe durch getrennte Kassen und Banken ohne Probleme zu beurteilen, und es sind verschiede Betriebe gewerblicher Art!


    Gruss

    11 Anlagen mit insgesamt 293,720 kWp Leistung.

  • kpr:
    Danke für die Erläuterung ist ja dann in meinem Fall nicht relevant


    Taderius:
    Warum ist die Gewerbetätigkeit (was auch immer....) und die PV-Anlage unbedingt zu trennen, wenn in
    der Gewerbeanmeldung als Unternehmenszweck doch beides angegeben wurde oder kocht da das FA wieder ein eigenes Süppchen und interessiert sich nicht für den Inhalt der Gewerbeanmeldung.
    Hier nochmal die Fragestellung von kpr aufgegriffen -> Eigener Betrieb oder Betriebsteil?
    Das Argument von okomhard im Bezug auf Liebhaberei wäre durchaus eine plausible/verständliche Sichtweise.
    Ich denke doch auch das es ein Unterschied in der Betrachtungsweise zwischen Freiberuflich und Gewebe gibt, oder irre ich da?


    Im Bezug auf das Thema Kleingewerbe hatte ich ursprünglich den Verzicht auf die Regelbesteuerung vorgesehen, dies aber dann im Hinblick auf die PV-Anlage und der Tatsache, das ich fast ausschließlich gewerbliche Kunden habe, dann noch geändert.


    Nun ja, hoch lebe die Bürokratie :juggle: