Steuerliche Nachteile durch Eigenverbrauch?

  • Hallo


    Wir wollen jetzt evtl. auf Eigenverbrauch umsteigen (Anlage wurde März 2010 erbaut, Vergütung 39,14c, Eigenverbrauch zusätzlich 22,76c).
    Nun meinte ein Bekannter, es würde steuerliche Nachteile bei der Umsetzung von Eigenverbrauch geben, die kaum einer wissen würde. Aber so ganz genau konnte er es mir auch nicht erklären. Ihm wurde das wohl von einem höheren Mitarbeiters des Finanzamtes nahegelegt.
    Wenn man diese berühmten Rechner zur Eigenverbrauchsberechnung im Internet nutzt, kommt man -wenn man einen Stromkostenbezug von 23cent annimmt- natürlich auf höhrere Einnahmen, als wnen man komplett Einspeisung wählt.
    Nach meinen Rechnungen bekommt man für jede selbst verbrauchte kwh aus der PV-Anlage ca 4cent mehr als jetzt.


    Gibt es denn einen steuerlichen Nachteil durch die Eigenverbrauchsregelung? Irgend ein Tel der dann extra versteuert wird, oder man dadurch mehr Einnahmen der PV Anlage hat die zusätzlich versteuert werden müssen?


    Danke und Grüße
    kampfkeks :wink:

    8.19kwp - 42 x IBC MonoSol MS 195W - 2 x SMA 5000TL-21, Süd-Ost

    Anlage umgezogen und seit 08/2019 auf anderem Dach wieder in Betrieb :)
    5.37kwp - 29 x Sovello SV-T-185 185W - 1 x SMA Smart Energy 5000TL, wird leider verkauft ;(

    15.1kwp - in Planung :S

  • hallo kampfkeks,


    die möglichen steuerlichen Nachteile in einigen Bundesländern (z.B. Niedersachsen)
    betrafen die Inanspruchnahme des IAB oder einer Sonderabschreibung bei einem EV-Anteil > 10%


    Für deine Anlage ist das ohne Bedeutung da sie ja schon seit mehr als 2 Jahren läuft.


    Grüsse
    Anton

    Königlicher Jägerkönig: JK: 69, D: 11, T: 3, Q: 2, Q: 1 angepasst am 25.04.2021

  • oh my god...


    Bei Anschaffung im Jahr 2010 gibt es überhaupt keine echten Probleme bei der steuerlichen Würdigung des Direktverbrauchs.
    Und auch die betriebswirtschaftliche Würdigung ist nicht sonderlich problematisch.


    So wie jeder Bäcker, Metzger, Wirt, Werkstattbetreiber,.... die von ihm selbst verbrauchten Produkte oder von ihm selbst empfangenen Leistungen zu versteuern hat, so muss auch der Direktverbrauch der PV einer entsprechenden Besteuerung unterliegen.
    Es ist halt ein wenig unglücklich, dass eine PV betriebswirtschaftlich betrachtet doch viele Grundzüge einer Kapitalanlage und nicht unbedingt eines Gewerbebetriebes mitbringt. Dadurch passen die Denkmuster der Steuerrechts bei der PV wie ein schlecht sitzender Anzug. Da muss man einmal gedanklich dicke Bohlen bohren - und dann ist das Thema erledigt.
    (Das ist eigentlich das einzige steuerliche Problem das man mit einer PV hat; und dieses Gespenst hat viele Gesichter und viele Verkleidungen. Es ist aber immer dasselbe dämliche Gespenst.)


    Wenn Du nun glaubst, durch DV statt für gekauften Strom 25,38 Cent (oder was auch immer) zu zahlen, künftig den eigenen zu verbraten und dafür auf 16,38 Cent zu verzichten und dadurch 9 Cent/kWh unterm Strich zu sparen, dann ist die Rechnung ein wenig naiv.
    Umsatzsteuerlich tritt ein Besteuerungseffekt von 3,11 Cent pro direkt verbrauchter kWh ein.
    (Der Weg dorthin ist für den Laien ein wenig komplex. Aber auch das lässt sich gut beherrschen. Ist halt eine Verkleidung des oben genannten Gespenstes)


    Ertragsteuerlich werden die Erlöse aus Kundenzahlungen zwar niedriger; aber zum Ausgleich muss der Entnahmewert des direktverbrauchten Stroms hinzugerechnet werden. Dabei schneidet der DV sogar einen Tacken besser ab.
    Das ist allerdings alles sehr marginal.


    Anfänglich hatten wir Diskussionen um den DV, weil man den Strom teilweise den Strom noch so günstig kaufen konnte, dass sich der DV "ad hoc" nicht gerechnet hat - bzw. sogar kleine finanzielle Nachteile hatte.
    Völlig unstreitig war (und ist - für Anlagen aus 2010), dass auf lange Sicht der DV vorteilhaft ist / sein wird.


    Entsprechend kamen "Umbaustrategien" auf. (So wie Du das nun auch vor hast).
    Die waren immer dann absolut richtig und angemessen, wenn der DV der Grund dafür gewesen wäre oder war, dass einem andere steuerliche Förderungen entgehen (IAB, Sonder-AfA).
    In allen anderen Fällen wären die geringen Nachteile bei der DV-Variante letztlich wohl billiger gewesen, als die Umbaukosten.
    (Aber bitte: Wir reden hier stets von Peanuts. 50,-. Euro sind da schon viel Geld)


    Steuerlich stellt DIR (Baujahr 2010) der DV keine Hürden mehr in den Weg. Rechtsprechung hin oder her - seit dem 1.1.2012 bist Du bereits im "save haven".
    Wenn Du nun glaubst, dass die Strompreise mittel-. und langfristig fallen werden, dann würde ich nicht umbauen.
    Glaubst Du an eine leicht überdurchschnittliche Inflation im Bereich "Strom" - dann solltest Du flott umbauen.
    Das macht aus einem Esel kein Rennpferd; Millionär wirst Du dabei garantiert auch nicht. Aber ein Abendessen beim Italiener pro Jahr sollte drin sein.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo Forumsmitglieder,


    leider möchte ich das Thema auch noch einmal aufgreifen! Ich habe den Eindruck dass es doch billiger ist den Strom dazuzukaufen als diesen bei einer 6,4 kWP Anlage vom 29.4.2010 für Selbstverbrauch zu generieren. Wenn man alle Steuern berücksichtigt sieht meine Rechnung Katastrophal aus.


    Konkrete Zahlen aus 2014:
    1. Eingespeist 5.360 kWh dafür erhalten 0,3914€/kWH also 2.097,90€ plus 398,60€ MWSt=2496,50€ :D:D


    2. Selbstverbrauch 1.217 kWh dafür berechnet 0,1638€/kWH also 199,34€ plus 37,87€ MWSt =237,21 € :(
    Der Selbstverbrauch wird vom Steuerberater als Einnahmen als Entnahme angesetzt bei einem Grenzsteuersatz von 42% macht das: 237,21€ x 0,42 = 99,63€ zusätzlich an Einkommensteuer. :shock:


    Damit ergibt sich für mich eine Strompreis von 336,84€ / 1.217 kWh = 27,68cent/KWh :shock::?:evil: für den Selbstverbrauch. Kann das stimmen?
    Bitte entdeckt doch einen Fehler das würde mich bestimmt dankbar stimmen :danke:

  • Zitat von Borisu

    Konkrete Zahlen aus 2014:
    1. Eingespeist 5.360 kWh dafür erhalten 0,3914€/kWH also 2.097,90€ plus 398,60€ MWSt
    2. Selbverbrauch 1.217 kWh dafür berechnet 0,3914€/kWH also 2.097,90€ plus 398,60€ MWSt


    Wenn ich das richtig interpretiere dann sind 1217kWh selbstverbrauchter Strom genausoviel Wert wie 5360kWh eingespeister Strom.
    Oder die Aussage ist einfach Nonsens...


    Stefan

  • bei Anlagen aus 2010 bekommst du eine Vergütung von 22,76cent/kwh auf den Eigenverbrauch.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • LumpiStefan
    Mir ist mein Draft schon reingerutscht, siehe neue Zahlen.


    @Machnix
    Das hatte ich auch erst gedacht. Die Rückerstattung ist nicht was ich dafür im Vergleich zur Einspeisung zahle. Ich würde 39,14ct/KWh bekommen wenn ich einspeise und bekomme nur 22,76ct/kWh wenn ich selber nutze. Also entstehen für mich Kosten von 16,38ct/kWh plus MWSt anstelle des normalen Abnahmepreises die auch in der Gewinnermittlung durch den Steuerberater angesetzt werden.


    Taylorman
    Stimmt !!!!! Auf die 16,38ct/KWh mehr Gewinn hätte ich ansonsten meine Gewinnsteuern bezahlen müssen. :danke:


    alle
    2. Selbstverbrauch 1.217 kWh dafür berechnet 0,1638€/kWH also 199,34€ plus 37,87€ MWSt =237,21 €
    Dann bleibt es wirklich bei den günstigen 16,38ct/kWh plus MWSt = 19,49ct/kWh was in der Tat günstig ist :D

  • Zitat von Borisu

    Ich würde 39,14ct/KWh bekommen wenn ich einspeise und bekomme nur 22,76ct/kWh wenn ich selber nutze.


    für den Eigenverbrauch bekommst du mit 22,76cent vergütet, sparst gleichzeitig den Strombezug von ? 25cent, macht also einen Vorteil von 47,76cent.
    In der "Gewinnermittlung" ist durch die Vergütung vom Versorger schon alles enthalten. Du brauchst dein Eigenverbrauch nicht nochmal zusätzlich zu versteuern, auch keine mwst.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Meine 29KW Anlage aus 2010 betreibe ich auch im EV. ich bekomme auch 39cent für Verkauft und 22cent für die Verbrauchte KW.


    Für mich sieht die Rechnung so aus. Verbrauch über die Anlage ca 2200KW macht ca 500€ Ersparnis im Jahr für den Strom den ich nicht "kaufen " muss.


    Klar wird mir das auch als Einnahmen usw angerechnet und Ende des Jahres muss ich auch Steuen zahlen dafür.


    Aber:


    Ich habe ein separates Konto für die Anlage und zahle von dem Konto auch die Steuern und alles andere und musste bis jetzt nicht 1cent auf das Konto überweisen. Eher anders herum da habe ich mir schon ein paar mal Geld runter geholt. Von dem Geld wird jetzt auch ein Großteil für die neue Anlage genommen.


    Unterm Strich. EV lassen ich finde es lohnt sich


    Und die gesparten Stromkosten in 6 Jahren (3000€ ca) habe ich ja auch noch gespart :-)


    Gruß Sebastian

    29.6 KW SolarFabrik( Mono SF150 185W) / 3X Kostal (06/2010)
    8,4 KW Heckert (NeMo 60 Mono 280W) / Fronius Symo 7.0-3-M (02/2017)
    Beide Anlagen laufen im Eigenverbrauch und werden von einem Plexlog Datenlogger erfasst

    6,84 KW Q.Cells(BFRG-4.1 285W) / Fronius 7.0-3-M (03/2019) Nur für die Wärmepumpe