Direktverbrauch, ich check es nicht.

  • Hallo Forengemeinde,


    ich sitze gerade vor meiner EÜR und habe ein Verständnisproblem, was die Versteuerung des Dirktverbrauches betrifft.


    Ausgelöst wird das Verständnisproblem von der etwas abweichenden Vorgehensweise meines VNB bezüglich der Abrechnung.
    Mein VNB teilt nämlich die Abrechnung strikt in zwei einzelne, voneinander vollständig getrennte, Vorgänge auf:


    1. Erzeugte Strommenge mal Vergütungssatz plus Umsatzsteuer.
    -> Diesen Betrag überweist er mir auf mein Konto.


    2. Direktverbrauchte Strommenge mal Differenz der Vergütungssätze plus Umsatzsteuer.
    -> Diesen Betrag soll ich ihm auf sein Konto überweisen.


    Es sind tatsächlich zwei eigenständige Kontobewegungen.


    Wäre ich Volleinspeiser hätte ich ja nur den ersten Vorgang. Dann interessiert sich die Finanzverwaltung nicht dafür, wo ich meinen Strom kaufe.


    Aber weil ich Direktverbrauch habe soll ich diesen versteuern? Wenn ich die Zahlen aus meinem Vorgang 1 in die EÜR eintrage, ist doch die volle Produktion angegeben und die Einnahmen hieraus werden, wie beim Volleinspeiser auch, versteuert.


    Wo ist mein Denkfehler? :roll:


    Grüße, beliffm

    Azimut -11°, zweimal Neigung 30° und einmal 10°, 65 Stück Sanyo HIT-N235SE10 an SMA STP10000TL-10 (3*15) und SB4000TL-20 (1*8+2*6)

  • hallo beliffm,


    dein VNB macht das schon richtig.
    Es ist sogar einfacher wenn beide Abrechnungen als eigenständige Zahlung und als eigenständige Forderung ausgeführt werden.


    Auch bei direkt verbrauchtem Strom interessiert die Finanzverwaltung nicht wo du als Privatverbraucher deinen Strom her hast. Es ist nur in jedem Fall die MwSt fällig :D


    Als PV-Betreiber hast du die Zahlung an den VNB als Betriebsausgabe und den direkt verbrauchten Strom als BetriebsEinnahme.


    Grüsse
    Anton

  • Glückwunsch! Du hast einen VNB, der Dir die Dinge so aufbereitet, wie Du es benötigst.
    Dein Problem: Du erkennst es nicht ;-)


    Ich weiß nun nicht, wo Deine Verständnisprobleme beginnen. Es gibt da Satzteile, die lassen darauf schließen, daß es tief unten im Fundament schon Instabilitäten gibt. Deswegen fangen wir mal ganz unten an:


    Wenn ein Metzger, Bäcker, Wirt,..... ein Schnitzel, Brötchen oder Bier selbst vernascht, ist das steuerlich in zweierlei Hinsicht zu würdigen:
    a) Umsatzsteuerlich.
    b) Ertragsteuerlich


    Umsatzsteuerlich haben wir es mit einer "unentgeltichen Wertabgabe" zu tun.
    In den Beispielfällen kann nun niemand wirklich verlangen, dass tatsächliche Aufzeichnungen geführt werden; und wenn sie geführt werden, so müsste man ernstlich am Wahrheitsgehalt zweifeln.
    Ergo hat die Beispielgruppe "Pauschalwerte" die das FA (und die Steuerpflichtigen) ansetzen.
    Das Dilemma, wie man nun die Bemessungsgrundlage für die Steuer bestimmt, ist damit elegant umgangen.


    Das eine Besteuerung erfolgen muss, ist völlig logisch:
    Würde der Bäcker seine Brötchen bei einem Marktbegleiter kaufen, wäre er ja auch mit USt belastet.
    Oder: Es kann ja nicht sein, dass jemand vorgibt, seine Segelyacht gewerblich vermieten zu wollen; zieht dann die Vorsteuer... und schippert dann selbst mit dem Ding durch die Gegend. Da hätte er sich ja glatt die Vorsteuer erschlichen.



    Ertragsteuer:
    Ähnlich. Der Bäcker / Metzger / Wirt muss natürlich auch den "nicht erzielten Erlös" aus den Waren die er selber verzehrt dem Gewinn hinzurechnen. Sonst würden ja die Zutaten zu den Produkten den Gewinn und die Steuerlast mindern... und der Bäcker würde steuerbegünstige Brötchen verzehren. Kann so nicht sein.
    Hier wird die gleiche Pauschale die auch für umsatzsteuerliche Zwecke angesetzt wird, auch für ertragsteuerlcihe Zwecke verwendet.
    (Schön, dass das so einheitlich geht; aber das darf man als Ergebnis einer wohlwollenden Laune bezeichnen.)



    So.. beides müssen wir nun auf die PV transportieren:


    I. Umsatzsteuer
    Anders als bei den BMW'en steht Dein DV exakt fest. Weit und breit kein Raum, hier eine Pauschalregelung einzuführen.
    Damit lösen wir nun einen ganzen Rattenschwanz von Problem aus; bzw. würden den auslösen.
    Z.B.
    - für ertragsteuerliche Zwecke brauchst Du den Gewinn nicht periodengerecht ermitteln und keine Bücher führen;
    aber um die Herstellungskosten zu berechnen (für umsatzsteuerliche Zwecke) musst Du den Gewinn - zusätzlich!!! - dann nicht nur nach 4 III EStG ermitteln (super Sache; schnell und einfach), sondern auch noch ein zweites mal "periodengerecht"
    (wie bei doppelter Buchführung; das genau wollte man Dir eigentlich ersparen)
    - Deine Bemessungsgrundlage ist jedes Jahr anders; und garantiert berechnen sie 98% der Stpfl. jedes Jahr anders - und immer wieder neu falsch. Ein wahnsinniger Aufwand.. für Peanuts
    - Deine Bemessungsgrundlage ist eine andere, wie die Deines Nachbarn
    ==> Freunde... das ist shit!


    Und jetzt greift der umsatzsteuerrechtler tief in seine Trickkiste... und zauber eine Fiktion hervor:
    a) es findet gar keine unentgeltliche Wertabgabe (mit alle ihren blöden Folgen) statt! (Hups? Warum das denn???)
    b) weil der Anlagenbetreiber nämlich (fiktiv) den gesamten erzeugten Strom zur Einspeisevergütung an den VNB liefert !!


    Ja.. gut.. äh.... schon klar: Wenn ich 100 erzeuge und 100 an den VNB liefere... kann ich nichts mehr unentgeltich selbst entnehmen. Basst scho.
    Aber... das ist doch noch ne Kleinigkeit.....
    Jetzt hab ich doch dem VNB genau die Menge, die ich selbst verbraten habe, exakt um das Delta zwischen Einspeise- und Direktverbrauchsvergütung "zu hoch" in Rechnung gestellt. Die zahlt der mir doch nicht.....
    (Stimmt!!)


    Und deswegen führen wir die Fiktion fort
    c) Der VNB liefert den Direktverbrauch des Anlagenbetreibers an diesen zurück, Und zwar zum Differenzbetrag zwischen Einspeise und Direktverbrauchsvergütung.


    It's not magic... it's science! Rechne nach. Es passt.


    Jetzt haben wir zwei gegenläufige Lieferbewegungen. Beide sind umatzsteuerlich getrennt zu würdigen. Und die Büchse der Pandora ("unentgeltiche Wertabgabe") bleibt ungeöffnet in der Ecke.


    Der Witz:
    Du schuldest die Steuer auf den gesamten erzeugten Strom zur Einspeisevergütung.
    Du erhälst die Steuer vom VNB und führst sie ans FA ab. Eine Nullsummenspiel.
    Der VNB schuldet die Steuer auf den DV. Er erhält sie von Dir... UND.. Achtung!!... Du kannst sie nicht als Vorsteuer ziehen.
    Da schlägt der gesuchte Besteuerungseffekt zu.
    Zu meistens 16,38 Cent/kWH oder 12 Cent.
    Das ist .. nebenbei bemerkt... auch noch ein Schnäppchen für den Anlagenbetreiber.



    Die meisten VNB oder Anlagenbetreiber gehen nun her und übertragen die Abrechnungslast für einen der beiden Vorgänge auf den Leistungsempfänger. Dann kann entweder der VNB oder der Anlagenbetreiber die komplette Abrechnung übernehmen.
    Mit der Folge einer quasi dreiteiligen Fakturierung
    a) Rechnung vom Anlagenbetreiber an den VNB (altern.: Gutschrift des VNB an den Anlagenbetreiber)... Volleinspeisung
    b) Gutschrift des Anlagenbetreibers an den VNB (altern.: Rechung des VNB an den Anlagenbetreiber).... Rücklieferung DV
    c) Saldierung von a und b zu einem Zahlbetrag; meist eine Zahlung des VNB an den Anlagenbetreiber


    Letzteres reduziert die Anzahl der Buchungsvorgänge auf dem Bankkonto. Mehr nicht. Das gesamte Rechnungs- und Steuerwesen "dahinter" bleibt wie es ist. Und muss zur not auseinandergedröselt und zurückgerechnet werden.


    Dein VNB teilt das wirklich auch clearingtechnisch in zwei Vorgänge auf.
    Ich kann ihn verstehen! Bei dem ERP-System das ich im beruflichen Umfeld verantworte, käme ich auch in Teufels Küche (bzw. in die des Distribtution Centers:... mit fetten Customizing-Rechnungen die sich bei jedem Update wiederholen) wenn ich debitorische und kreditorische Vorgänge verquicken wollen würde.


    Ich würde es genau so machen. (Mag sein, dass die EDV der meisten VNB da schon eine Branchenlösung bietet)


    Heisst nun für Dich... bezogen auf Deine Vorgänge 1 + 2:
    Du schuldest 19/119 des Zahlbetrges aus Vorgang 1 dem FA als Umsatzsteuer
    Du kannst die USt aus Vorgang zwei nicht als Vorsteuer geltend machen.


    Fertig aus.




    So... zweite Ebene. Gedanken alle löschen. Wir kommen in die Ertragsteuer.
    Eine Fiktion wie in der USt gibt es hier nicht. Ist auch nicht notwendig.


    In der Ertragsteuer wollen wir die Betriebseinnahmen ermitteln. Blick ins Gesetz.. erspart viel G'schwätz.. äh.. nein.. erleichtert die Rechtsfindung... ungemein!:
    BE ist alles was der Steuerpflichtige erlangt.
    Nun.. schauen wir uns mal um.. und wir sehen zwei Dinge die Du erlangst:
    a) Geld (vom VNB)
    b) Strom (aus der Anlage)


    zu a)
    Naja.. es ist nicht sonderlich schwer, die Geldeingänge vom VNB zu zählen.
    Bei Dir kämen dann noch Deine Zahlungen an den VNB für den Vorgang zu 2) davon ab.
    Bei monatlichen Zahlungen sind das dann 12 Werte die Du addierst; und 12 Werte die Du wieder abziehst.
    Am Ende hast Du die Summe, die Dir aus der Lieferung von Strom an den VNB zugeflossen ist.
    Da haben wir schonmal die Betriebseinnahmen, soweit sie aus Kundenzahlungen stammen.


    (Die teilt man nun noch auf: Brutto = Erlöse + Steuer; durch Umformung erhält man: Erlöse = Brutto - Steuer.
    Du kennst Brutto (einfach Geld zählen); Du kennst die Steuer (Summe der Steuern aus Deinem Vorgang Nr. 1)
    ergo kannst Du die Erlöse errechnen.
    Und nein... so wie beim Bäcker... "Erlös pro Steuersatz" x "Steursatz" = geschuldete Steuer...... das geht hier nicht.


    Kommen wir noch zu dem Strom der Dir zufliessts. Ertragsteuerlich eine Sachentnahme.
    Die Menge ist bekannt. Die Frage ist: Wie wird sie bewertet?
    Darüber lassen sich ganze Biblitotheken vollschreiben. Das will ich Dir ersparen.
    Man nehme einfach den Differenzbetrag aus Einspeise und DV-Vergütung.
    Hinterlege sich die völlig falsche aber plausible Begründung: Das ist das, worauf ich verzichte, weil ich Überschuss.- statt Volleinspeisung wähle.


    Also.. DV-Menge x 0,1638 = Wert der Sachentnahme.
    Ist die zweite Komponente Deinere Betriebseinnahmen.


    Und aus die Maus.




    Beim PV-Betreiber ist man allerdings ohne irgendeinen nennenswerten Aufwand in der Lage, den DV mit einer geeichten Messvorrichtung und simpler Subtraktion zweier Werte exakt zu bestimmen. Für eine "Pauschale" ist da weit und breit kein Raum.
    Womit

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo nochmal,


    uff, tiefschürfend wie immer :).


    Also,


    bezüglich der Umsatzsteuer ist mir alles klar, das ist mit der Aufteilung in die zwei getrennten Vorgänge ja ohne große Rechnung zu erkennen.


    Ertragssteuerlich wackelt es noch gewaltig.


    Um in dem schönen Bild mit dem Bäcker zu bleiben: Wenn ich doch alle meine Brötchen zum VNB in den Wareneingang schleppe und dort als Betriebseinnahme vergütet bekomme (Vorgang 1), wieso muß ich, wenn ich beim rausgehen an seinem Backshop vorbeigehe und mir dort neue kaufe (Vorgang 2), das auch als Betriebseinnahmen verbuchen? Wäre ich einfach so wieder rausgegangen (Volleinspeiser) dann hätte ich ja genau den selben Erlös als Betriebseinnahmen zu versteuern gehabt. Und auf dem Heimweg beim anderen Backshop auch Brötchen kaufen können. :roll:


    Ich fühle, dass diese Denkweise wahrscheinlich "unordentlich" im Sinne des Gesetzgebers ist und deshalb das ganze Hin und Her mit dem erst Abziehen von den Gesamteinnahmen und dann wieder als gesonderten Posten addieren nötig ist.


    Danke jedenfalls für die Mühe, die ich euch gemacht habe.


    Grüße,


    Bernd

    Azimut -11°, zweimal Neigung 30° und einmal 10°, 65 Stück Sanyo HIT-N235SE10 an SMA STP10000TL-10 (3*15) und SB4000TL-20 (1*8+2*6)

  • Da geht ertragsteuerlich direkt der Buzzer an:


    Die Fiktion ist nur umsatzsteuerlich. Ertragsteuerlich existiert sie nicht.
    Denk es jetzt nochmal neu durch... und Du landest richtig.


    Du hast - auch im ersten Posting - nicht unbedingt viele Fehler dringehabt. Im Gegenteil. Aber halt die entscheidenden Weichen waren falsch gestellt.


    Was die Aufteilung der Betriebseinnahmen in Erlöse und Steuer angeht... das ist halt usus.
    Macht man so. Und .. wenn man denn selbst mal querchecken will.. braucht mans ja auch.
    Aber wenns Dir da zuviel wird.. gib halt ertragsteuerlich nur den Bruttobetrag an. Ändert nix am Ergebnis.

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  • Jepp, so wird ein Schuh draus, oder ein Brötchen halt :D


    Es ist vom numerischen Ergebnis tatsächlich egal, ob ich den Nettoerlös aus Vorgang 1 alleine in die EÜR als umsatzsteuerpflichtige Betriebseinnahme schreibe (was ich ja vehement dauernd wollte) oder ihn richtigerweise um den Nettoaufwand aus Vorgang 2 vermindere und ihn dann dort eintrage. Ich muß dann nur diesen Aufwand als sonstige Sach-, Nutzungs und Leistungsentnahme ebenfalls erfassen. Und natürlich daran denken, das die vereinnahmte Umsatzsteuer auf beide Teilbeträge draufkommt und auch Betriebseinnahme wird (die sich dann aber bei den Ausgaben wieder neutralisiert).


    Irgendwie sollte man den dritten Beitrag des Threads mal an prominenter Stelle hinpinnen, da steht echt alles drin.:danke:


    Grüße, Bernd

    Azimut -11°, zweimal Neigung 30° und einmal 10°, 65 Stück Sanyo HIT-N235SE10 an SMA STP10000TL-10 (3*15) und SB4000TL-20 (1*8+2*6)

  • Zitat von beliffm

    Es ist vom numerischen Ergebnis tatsächlich egal, ob ich den Nettoerlös aus Vorgang 1 alleine in die EÜR als umsatzsteuerpflichtige Betriebseinnahme schreibe (was ich ja vehement dauernd wollte) oder ihn richtigerweise um den Nettoaufwand aus Vorgang 2 vermindere und ihn dann dort eintrage.[...]
    Grüße, Bernd


    Moment mal, jetzt bin ich erhrlich gesagt verunsichert, obwohl meine EÜR bereits fertig ist ...


    Frage:
    Ich vermindere den Nettoerlös des VNB um den Eigenverbrauch??
    Das kann doch so nicht stimmen oder verstehe ich jetzt falsch?


    LG
    Helmstein

    8,58 kWp - 44 IBC Monosol 195 MS - STP 8000 - 180° - 38°

  • Vielleicht hilft ein Beispiel:


    Vorgaben:
    - EEG 2011
    - Gesamtproduktion 5.000 kWh
    - Einspeisung 4.000 kWh


    Gemäß EEG würdest Du von Deinem VNB für 2011 (nicht in) folgende Vergütung erhalten:


    eingespeister Strom 4.000 kWh je 28,74 c = 1.149,60 €
    selbst verbrauchter Strom 1.000 kWh je 12,36 c = 123,60 €
    insgesamt somit 1.273,20 €


    So steht es im EEG geschrieben.


    Umsatzsteuerlich sieht es ein wenig anders aus. Hier geht man nicht von einem Eigenverbrauch (umsatzsteuerlich heißt das dann: unentgeltliche Wertabgabe) aus, sondern nimmt eine vollständige Einspeisung (5.000 kWh) und eine daran anschließende Rücklieferung (1.000 kWh) zum gleichen Preis an. Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:


    produzierter Strom 5.000 kWh je 28,74 c = 1.437,00 €
    Rücklieferung 1.000kWh je 16,38 c (28,74 - 12,36) = -163,80 €
    insgesamt somit 1.273,20


    Diese 163,80 € sind der Wert für Deinen "Eigenverbrauch".


    Für die Umsatzsteuererklärung 2011 musst Du jetzt nur schauen was Du von Deinem VNB an Geldern insgesamt erhalten hast, Umsatzsteuer raus (=/119*100) Kürzungsbetrag für die Rücklieferung hinzu (163,80 €) und schon erhälst Du Deinen Umsatz, den Du in der Umsatzsteuererklärung eintragen musst (1.437,00 €).


    Nun zum ertragsteuerlichen Teil. Hier gibt es leider keine entsprechende Fiktion wie bei der Umsatzsteuer und somit müssen die Grundsätze herhalten.


    Bei dem Eigenverbrauch (im ertragsteuerlichen ist es richtig dies so zu bezeichnen) handelt es sich um eine Entnahme, die mit dem Teilwert zu bewerten ist. Hierunter versteht man den Wert, den ein Erwerber des gesamten Betriebes für die einzelnen Wirtschaftsgüter bezahlen würde. Der anzusetzende Wert ist also nicht klar definiert, so dass alles, was sich begründen lässt, einen denkbaren Ansatz bildet. Wenn das Finanzamt dann nicht mitspielt, muss man eine Methode aushandeln, mit der beide Seiten leben können. Ich persönlich wähle immer die Kostenmethode. Hierzu muss das Beispiel aber noch ergänzt werden:


    Gesamtkosten 2011 (incl. lineare Afa): 1.200,00 €


    Hiernach würde ich dann zu folgendem Wertansatz kommen:


    Kosten je kWh (1.200,00 €/5.000 kWh) = 0,24 c/kWh
    somit Gesamtwert des entnommenen Stromes (1.000 kWh * 0,24 c) = 240,00 €
    hierfür erhaltene Vergütung (1.000 kWh * 12,36 c) = -123,60 €
    somit anzusetzender Entnahmewert = 116,40 €


    Ab nun wird es dann richtig pervers: Kommen wir zur ertragsteuerlichen Behandlung der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch.


    Grundsätzlich ist die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch nicht als Betriebsausgabe abzuziehen und als logische Konsequenz hierzu auch nicht als Betriebseinnahme anzusetzen. In der Praxis wird dies aber aus Vereinfachungsgründen, da auch insgesamt keine steuerlich Auswirkung (außer einer geringfügigen Gewinnverschiebung) vorhanden ist, anders gehandhabt. Der Eigenverbrauch ist um die darauf entfallende Umsatzsteuer zu erhöhen. Die an das Finanzamt zu zahlenden Beträge können dann in voller Höhe als Betriebsausgabe berücksichtigt werden.


    Für das Beispiel hätte das auf die Einnahmeseite folgende Auswirkung:


    Nettoeinnahmen VNB: ?
    vereinnahmte USt: ?
    Eigenverbrauch: 116,40
    hierauf USt (163,80*19%): 31,12


    Ich hoffe, dass dieser Beitrag mehr zu Klärung als zur Verwirrung beiträgt.


    Gruß
    dancer

    16 Scheuten Multisol P6-54 je 205W, SMA SB 3000TL-20, Inbetriebnahme: 13.09.2010
    kWh/kWp: 2011-959, 2012-911
    34 EGing PV AG-P60-C 240W, SMA SMA STP 8000TL-10, Inbetriebnahme 28.09.2012