Schatten! Welche Wechselrichter aktivieren die Bypassdioden?

  • Hallo an das Forum,


    die Problematik ist ja schon hier diskutiert worden:
    http://www.photovoltaikwiki.co…blematik_der_Verschattung


    Nun stellt sich die Frage, welche WR die gesamte Lastkennlinie durchfahren oder nicht und somit die Verluste durch Schatten minimieren können, weil die Bypassdioden den verschatteten Bereich überbrücken.


    Nach mehrmaligen Nachhaken bei den Herstellern kann ich jetzt hier mal eine Liste reinstellen:


    Ergänzungen und Korrekturen bitte mit Fundstelle an die Moderatoren schicken! Liste wird bei Bedarf aktualisiert.
    Keine Gewähr auf Vollständigkeit oder Richtigkeit, es wird empfohlen sich vorher nochmal in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Wechselrichters zu informieren.



    Die Kennlinie wird nicht regelmäßig durchfahren, diese WR sind bei Verschattung nicht geeignet:
    Bosch Power Tec, Voltwerk VS (Conergy IPG S und T)
    Kostal (Ausnahme: neure Geräte)
    Siemens Sinvert/Refusol
    Diehl TL3-Serie
    SMA: Sunny Tripower 60, Sunny Highpower75 und Solid-Q
    Kaco (weder die einphasigen, noch die 10.0TL3 etc.)
    Sputnik, definitiv weder bei der MT-Serie, noch bei der S-Serie, aber geplant für die P-Serie
    Danfoss außer den Pro-Versionen der TLX-Serie
    Sunways, zumindest die einphasigen (wird zwar anders beworben, funktioniert aber nicht:hier und hier)
    SolarEdge-Optimierer (besitzen kein Schattenmanagement auf Modulebene)
    E3DC laut Hersteller-Aussage (Laut Beitrag scheint es dagegen ein Schattenmanagement zu geben)



    Die gesamte Kennlinie wird in regelmäßigen Abständen durchfahren, diese WR sind bei Verschattung geeignet:
    Stecagrid Coolcept-Modelle (5min-Takt fest eingestellt, von Werk aus aktiviert)
    Solaredge (Powerbox)




    Ob die Kennlinie durchfahren wird ist im Menü einstellbar, diese WR sind bei Verschattung geeignet:

    Kostal: nur neuere Geräte, jedoch bei kurzen Strings sogar weniger Ertrag mit aktiviertem Schattenmanagement -> nicht geeignet wenn nur wenige Module Sonne haben!
    Power-One (Menü: "MPPT Scan EN/DIS, Scan-Interval")
    Danfoss ( bzw. IBC): definitiv ausschließlich bei den Pro-Versionen, nach Aktivierung von PV-Sweep, Scan-Intervall frei einstellbar, demnächst sogar uhrzeitgesteuert einstellbar.
    Diehl: TLD-Serie, Scan-Intervall ist fest auf 30 Minuten eingestellt (bei schnell wanderndem Schatten weniger empfehlenswert); R3-Serie, zumindest ab Firmware 2.3.3.0
    SMA: nur die Modelle, bei denen "Opti Track Global Peak" in den technischen Daten steht (= alle aktuellen WR außer Sunny Tripower 60, Sunny Highpower75 und den Solid-Q), freie Einstellung des Scan-Intervalls möglich bei Mindest-Intervall 6 min, Achtung: Von Werk aus deaktiviert, muss manuell mit der Software Sunny Explorer aktiviert werden!
    Fronius: nur Symo bei bestimmten Länder-Setups, von Werk aus aktiviert, fix 10 Minuten (siehe Changelog)



    keine Antwort von Hersteller, wahrscheinlich ungeeignet bei Verschattung:

    Fronius (ältere Modelle)
    Delta (Solivia/RPI)




    .

    Oliver Haensell - kfi GmbH&Co.KG 18,45KWp Winaico STP17.000TL, seit 2011

    36 Mal editiert, zuletzt von Weidemann () aus folgendem Grund: ergänzt

  • Korrektur/Nachtrag: bei Stecagrid haben wir nur bzgl. der Geräte Stecagrid3000 und 3600 nachgefragt (weil die anderen uns nicht interessieren).

    Oliver Haensell - kfi GmbH&Co.KG 18,45KWp Winaico STP17.000TL, seit 2011

  • Hallo.


    Von Seiten Steca möchten wir kurz Stellung zu diesem Thema nehmen.


    Bisher ist diese Funktion in den Wechselrichtern StecaGrid 3000 und StecaGrid 3600 enthalten. Die Kennlinie wird alle 5 Minuten durchfahren. Die dadurch entstehenden Ertragsverluste sind sehr gering und liegen im Promillebereich. Der im Photon Labor getestet Wechselrichter StecaGrid 3600 hatte die Funktion aktiviert und erreichte trotzdem den ersten Platz. Photon kritisierte aber im Testbericht den "sägezahnähnlichen Verlauf" des Gesamtwirkungsgradverlaufs bei höheren Eingangsspannungen.


    Die Ursache hierfür war der Algorithmus zum Durchfahren den Kennlinie. Wir haben daraufhin den Algorithmus optimiert und die Verluste bei hohen Eingangsspannungen auf ein Drittel reduziert. Alle Wechselrichter die ab Januar 2012 ausgeliefert wurden, haben bereits diese verbesserte Software.


    Da die Ertragsverluste mit unserem Algorithmus kaum messbar sind, macht es unserer Meinung nach Sinn diese Funktion immer zu aktivieren.


    Mit sonnigen Grüßen
    Steca Elektronik GmbH

  • Von Fronius habe ich immer noch keine klare Antwort bekommen. Stattdessen wurde mir ein Artikel zugeschickt, dass man bei einem Ost-West-Dach beide Seiten auf einen MPP-Tracker (pro Dachseite einen String) legen könnte und damit weniger als 1% Ertragsverlust hätte. Die beiden Effekte - höhere Einstrahlung = höhere Spannung und höhere Einstrahlung = höhere Temperatur und damit geringere Spannung - würden sich so gegenseitig aufheben, dass bei beiden Dachhälften immer die nahezu identische Optimalspannung anliegt. Das hat mich überrascht, man lernt ja immer dazu - ich würde es aber trotzdem nicht machen!
    Also lange Rede kurzer Sinn, ich gehe mal davon aus, dass die Lastkennlinie bei Fronius NICHT komplett durchgefahren wird.

    Mod-Edit: Die Diskussion zum Thema verschiedene Ausrichtungen an einem Tracker wurde hierhin verschoben:
    http://www.photovoltaikforum.c…-verlust--t72950-s10.html

    Oliver Haensell - kfi GmbH&Co.KG 18,45KWp Winaico STP17.000TL, seit 2011

  • Vielen Dank für diese Übersicht. Klasse!
    Gruß pvbuero

    photovoltaikbuero - 30 x Siemens M53 seit 9.11.93 - 56 x Braas SRT 35 s. 26.11.99 - 30 x BP 3155 seit 2003 - 40 x Kyocera KC180 s. 2005 - 40 x SRM 185 s. 2008 - 224 x Trina TSD 180 s. 2010

  • Eine Ergänzung zu den Solarmax WR (Sputnik).


    Die Solarmax durchfahren die Kennlinie offensichtlich nicht. Bei meiner Anlage mit 2 Stück 2000S wird das globale Maximum jedenfalls nicht gefunden, sondern der WR bleibt im lokalen mit geringem Strom hängen bis der WR komplett schattenfrei ist. Interessanterweise lässt er sich durch kurzes Trennen vom Netz ins globale Maximum bringen, sofern die Verschattung nur noch klein ist.


    Der Solarmax Support wollte sich nach Schilderung meines Falls nicht äussern ob die Kennlinie durchfahren wird. Es hiess nur, Verschattung sollte man vermeiden, keine Module verlegen etc.


    Auf Nachfrage ob wenigstens die MT WR die Kennlinie ganz durchfahren würden kam die selbe ausweichende Antwort und wenn der WR die Bypassdioden nicht aktivieren würde sei dies keine Fehlfunktion des WR.


    Auch wenn's nicht explizit verneint wurde, lässt sich daraus schliessen, dass die Kennlinie nicht komplett durchlaufen wird. Die Solarmax sind also scheinbar nur bei kompletter Schattenfreiheit zu empfehlen.

  • Ist doch erwähnt. Die Tripower 20.000TL fahren die gesamte Kennlinie NICHT durch!

    Oliver Haensell - kfi GmbH&Co.KG 18,45KWp Winaico STP17.000TL, seit 2011

  • Zitat von andig2

    Oben nicht erwähnt, aber sollten die SMA TL20 dies nicht auch beherrschen?


    Hallo,
    du meinst vermutlich die alten 3000TL-20/4000TL-20/5000TL-20 ?
    Ich meine schon, oder Oliver?
    Gruss Win

    2,4kWp BPsolar BP275F/Sunways NT2500 /2000
    4,2kWp Heckert HS-PXL-210/Sunways NT3700 /2008
    5,5kWp Axitec AC230P/Solarmax 6000S /2009
    2,7kWp Suntech STP225/Solarmax 3000S /2010
    2,2kWp Schott PolyProtect 180/SMA SB3800 /2011
    BMW i3 Yello connect /03.2018

  • Hallo,


    Zitat von alpensonne2

    Auf Nachfrage ob wenigstens die MT WR die Kennlinie ganz durchfahren würden kam die selbe ausweichende Antwort und wenn der WR die Bypassdioden nicht aktivieren würde sei dies keine Fehlfunktion des WR.


    ich habe zu meinem 15MT dem Support vor ein paar Wochen die gleiche Frage gestellt und die wurde genau gegenteilig beantwortet.
    Nach Auskunft des Supports verfügen die MT von Anfang an über eine dem OTGP vergleichbare Funktion.


    Ich habe eine regelmäßige Verschattungssituation, wo nachmittags von West nach Ost ein String (20 Module à 250 Wattpeak) nach dem anderen komplett verschattet wird.
    Innerhalb von 15 Minuten wandert der Schatten so über die Module, dass die Stringspannung von z.B. 586 Volt innerhalb dieser 15 Minuten auf 444 Volt fällt.
    Innerhalb der nächsten 10 Minuten zieht der WR den String wieder gleichmäßig auf 584 Volt hoch, die Leistung fällt dabei natürlich von 1,58 kw (unverschattet, aber abends) auf 0,274 kw (bei völliger Verschattung) ab.


    Ich schliesse daraus, dass der SolarMax schon auf die Verschattung reagiert, aber anders als der SMA.
    Die typischen Zacken in der Spannungskurve, die beim Aktivieren der Bypassdioden eigentlich da sein müssten kann ich beim Solarmax aber nicht beobachten.
    Vielleicht geht die Verschattung bei mir einfach zu schnell, so dass der WR die Bypassdioden gar nicht erst aktivieren kann.