Wertermittlung einer gebrauchten PV-Anlage

  • Hallo,


    Viele PV-Anlagenbesitzer haben sich bestimmt schon mal die Frage gestellt wie viel ihre alte Anlage denn aktuell noch wert ist od. möchten ihre alte Anlage gar verkaufen u. suchen einen realistischen Verkaufspreis. Oder potentielle Investoren u. Interessenten, die vor der Frage stehen, ob eine bestehende PV-Anlage od. eine neue Anlage rentabler ist. - mit diesem Beitrag möchte ich versuchen eine Wertermittlungsgrundlage für bestehende PV-Anlagen zu beschreiben die ich selbst erstellt hab.


    Voraussetzung: Um eine alte, bestehende PV-Anlage zu kaufen muss die Rendite dieser alten Anlage besser od. gleich hoch sein, wie die einer neuen PV-Anlage.


    Ich beschreib hier ein Beispiel eines Angebots, dass ich f. eine alte Anlage bekommen hab. Es ist also einigermaßen realistisch.


    Gegeben: Als Vergleichsgrundlage hab ich eine PV-Anlage gewählt, die ich gerade überprüfe und die am 01. Juni 2010 mit 37,32 Ct. ans Netz gegangen ist u. zum 01. März 2012 "verkauft wurde" und mit einer fiktiven neuen Anlage verglichen, die zum 01. März 2012 23,32 Ct. "ans Netz ging". (Die Anlagen wurden noch nicht verkauft, aber ich hab den 01. März. 2012 gewählt um einen Vergleich zu ermöglichen)


    Die alte Anlage erzeugt laut Jahresabrechnung 2011 rd. 59.085 KWh Strom p.a.. Um einen realistischren Wert zu bekommen hab ich für die letzten 10 Laufzeitjahre eine jährliche Degradation von 1% mit eingerechnet.


    Hätte man nun diese alte PV-Anlage zum 01. März gekauft, würde sich eine Restlaufzeit v. 18,83 Jahren (226 Monate) und ein Gesamtertrag von ca. 1.080.276 KWh ergeben. Wenn man diesen KWh-Ertrag nun mit der damaligen Einspeisevergütung von 37,32 Ct multipliziert erhält man Gesamteinnahmen von rd. 403.159,- EUR über die Restlaufzeit.


    Diese 403.159,- EUR hab ich nun als Vergleichsgrundlage angesetzt. 403.159,- EUR dividiert durch 23,32 Ct. (Einspeisevergütung Mrz. 2012) ergibt den Gesamt KWh-Ertrag einer neuen Anlage.
    403.159,- EUR / 23,32 Ct. = 1.728.812 KWh. (Eine neue Anlage müsste also mdst. 403.159,- EUR bzw. 1.728.812 KWh Strom erzeugen.)


    So weit so gut. Mit Kaufdatum 01. Mrz. 2012 ergibt sich für die „neue“ Anlage eine Restnutzungsdauer von 20,83 Jahren (250 Monate). Verteilt man nun die 1.728.812 KWh Strom auf die 20,83 Jahre, erhält man eine Jahresleistung einer neuen Anlage von 82.983 KWh. Unterstellt man nun weiter eine durchschnittl. Leistung von 1.000 KWh / Kwp ergibt sich eine Anlangengröße von ca. 83,0 KWp.


    Um nun endlich einen Vergleichswert zu bekommen, stellt sich die Frage, wie viel eine neue 83 KWp große Anlage kostet? - dafür hab ich hier im Forum 23 vergleichbare Angebote von Januar bis März 2012 ausgewertet u. bin auf einen durchschnittlichen Preis von ca. 1.730,- EUR pro installierten KWp gekommen.


    Gesamtpreis einer Neu-Anlage: 83 KWp x 1.730,- EUR = 143.590,- EUR!!!


    Fazit: Somit darf diese alte Anlage maximal 143.590,- EUR kosten.


    Ich hoffe ich habs nicht allzu kompliziert beschrieben. Ich bitte um Anregungen, Verbesserungen, etc..


    Viele Grüße Günter.

  • Hallo Günter,


    Deine Rechenoperation hat ein Problem, und zwar: Zu diesem Preis wird Dir keiner die Anlage verkaufen (es sei denn, er ist ein bisschen unterbelichtet). Wir leben nicht in einer Welt, in der Du die Wahl hättest: Kaufe ich diese Anlage, oder eine andere, oder baue ich eine auf einem anderen Dach, oder investiere nicht in PV.


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>

  • wieso nicht?


    wie gesagt die 1.730,- EUR pro KWp ist ein Durchschnittspreis der letzten drei Monate. Bei den 23 Angeboten die ich durchgeschaut hab, waren sogar Anlagen mit 1.450,- EUR pro KWp dabei. Das heißt dass dieses Jahr schon günstigere Anlagen gebaut wurden.

  • Ich sehe es auch eher als eine gute Rechnung wenn man die Wahl hat entweder eine eigene Anlage neu zu bauen oder eine gebrauchte zu kaufen.


    Jemand der eine gebrauchte PVA kauft, wird aber i.A. nicht diese Auswahl haben. Von daher denke ich, wie ja auch schon mal geschrieben, muss man sich von einer Vergleichsrechnung lösen und anstatt dessen eher in die Richtung gehen "was erwarte ich für einen Zinssatz für mein angelegtes Kapital". Darauf basierend über eine Ertragswertberechnung den Barwert ermitteln. Der Barwert ist das Geld, das man dann maximal ausgeben darf um seinen erwartetenden Kapitalzins einzufahren.

    Etwas Neues wird sozial interessant, wenn es technologisch langweilig geworden ist [Clay Shirky]

  • Dabei bleibt auch unberücksichtigt, dass ggf. Noch Pachtkosten anfallen. Zum anderen ist ein Dach für 85kWp mit rund 1000 kWh nicht gerade an jeder Ecke erhältlich!

  • Also kologe,
    Du bist schon ein harter Brocken :lol:


    Deine Vergleichsrechnung liest sich gut, allerdings hast Du nach der Kalkulation der 2010er Anlage die falsche Ausfahrt genommen!


    Um die 403.000 € in etwa 20 Jahren zu haben, hast Du die Alternative etwa 220.000€ auf 20 Jahre bei 3% Zins anzulegen.
    Die Alternative neue Anlage bauen hast Du einfach nicht, da Du kein Dach und mittlerweile leider keine wirklich prickelnde Einspeisevergütung mehr hast :cry:


    Die einzig seriöse Rechnung ist also der Vergleich mit einer anderen Kapitalanlage unter Kalkulation der vorhandenen Risiken :!:

    Wer, wenn nicht wir....


    wann, wenn nicht jetzt?????

  • Hallo,


    ich glaube auch, das ganze auf die Rendite zurückrechnen und damit dann vergleichen, ist am sinnvollsten da am universellsten. Den Spaß mit der Alternativanlage berechnen kann sich ja der geneigte Interessent dann immer noch selber machen, so er die Möglichkeit hat.


    Viele Grüße
    Michael

    Jeder fängt mal klein an.

  • Zitat von alpha-canis

    Ich sehe es auch eher als eine gute Rechnung wenn man die Wahl hat entweder eine eigene Anlage neu zu bauen oder eine gebrauchte zu kaufen.


    Jemand der eine gebrauchte PVA kauft, wird aber i.A. nicht diese Auswahl haben. Von daher denke ich, wie ja auch schon mal geschrieben, muss man sich von einer Vergleichsrechnung lösen und anstatt dessen eher in die Richtung gehen "was erwarte ich für einen Zinssatz für mein angelegtes Kapital". Darauf basierend über eine Ertragswertberechnung den Barwert ermitteln. Der Barwert ist das Geld, das man dann maximal ausgeben darf um seinen erwartetenden Kapitalzins einzufahren.


    Mit dieser Berechnung erhält unser Freund aber nur eine Aussage, ob es sinnvoll ist, zu kaufen; keine Aussage, zu welchem Preis.


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>

  • ich hab nochmal nachgedacht u. bin bisher auf folgende Fehler meiner Berechnung gekommen:


    1) mit der alten Anlage würde ich die Gesamteinnahmen von 403.159,- innerhalb von 18,83 Jahren bekommen, mit der neuen Anlage innerhalb von 20,83 Jahren. Leider weiß ich nicht wie ich diesen Umstand in der Berechnung berücksichtigen kann??


    2) bei der Leistung bin ich individuell von meiner Anlage ausgegangen u. hab 1.000 KWh pro installierter KWp unterstellt. Dieser Wert ist aber kein Durchschschnittswert, sondern auf das Angebot zurückzuführen das ich f. die alte Anlage bekommen hab (Süddach in Bayern, Dachneigung 25 Grad). Um einen realistischen Vergleichswert zu bekommen müsste ich die Durchschnittsleistung einer PV-Anlage in Deutschland unterstellen. weiß die zufällig einer? (falls ja bitte mit Quelle angeben). Ich hab im Netz den Wert 850 KWh / KWp gefunden. Jedoch halte ich diesen Wert für sehr gering. Nichts desto trotz,


    - wenn man 850 KWh / KWp unterstellt bekommt man folgendes Ergebnis: Jahresstromertrag: 82.983 KWh / 850 KWh / KWp = ca. 98.; 98 KWp-Anlage x 1.730,- EUR = 169.540,- EUR (Preis d. neuen Anlage)


    - wenn man 900 KWh / KWp unterstellt kommt man ca. auf 92 KWp und 159.160,- EUR (Preis d. neuen Anlage)


    - wenn man 800 KWh / KWp unterstellt kommt man auf eine Größe von über 104 KWp. Da ab 100 KWp aber ein anderer Einspeisevergütungssatz gilt, rechne ich einfach mit 99 KWp. Dann kommt man auf einen Preis von 171.270,- EUR


    man sieht, je nach unterstellter Leistung kommt man auf wesentliche Preisunterschiede!


    3) Restwert einer abgeschriebenen 20-Jahre alten Anlage: Diesen Aspekt hab ich in meiner ersten Rechnung auch noch nicht berücksichtigt. Nach Ablauf der Einspeisevergütungen stellt sich die Frage, was man nun mit der PVA machen soll. entweder, entsorgen, verschenken od. weiterbetreiben.


    Falls bis dahin die Eigenvermarktung des Stroms möglich ist u. die Anlage noch funktioniert sollte man sich für einen Weiterbetrieb der Anlage entscheiden. In meinem Beispiel wäre die neue Anlage dann noch mehr Wert als die alte Anlage, da sie mehr Strom produziert. Alte Anlage: 56,8 KWp, neue Anlage: ca. 95 KWp. Jedoch ist es schwierig einen Wert anzusetzen, der evtl. erst in 20 Jahren realisierbar wäre. Festhalten kann man nur dass in diesem Fall die neue Anlage mehr Wert sein würde als die alte.