Photovoltaik Anlage für Verein

  • Hallo Leute ich brauche ein wenig Hilfe von Euch...


    Ein Jugenverband hat eine eigene Jugendbildungststätte. Auf dem Dach des Gebäudes soll - auch zu Anschauungszwecken - eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Hierfür sollen neben allen möglichen Zuschüssen Gelder der Verbandsmitglieder aquiriert werden. Ich denke hierbei an Geldedr die als Darlehen von den Mitgliedern gegeben werden und neben einer kleinen Verzinsung auch zurückgezahlt werden sollen.
    Nach x Jahren sind die Darlehen dann zurück gezahlt und die Anlage gehört dem Verband...


    Soweit die Theorie.
    Nun meine Fragen:
    Wo bekommt man im Moment Förderungen für solche Anlagen?
    Kann der (gemeinnützige) e.V. - der Träger des Hauses ist - auch Betreiber der PV-Anlage sein oder könnte das kritisch mit der Gemeinnützigkeit werden?
    Wie sieht ansonsten die optimale Rechtsform für den Betreiber aus?
    Wie funktioniert die Kreditvergabe der Mitglieder an den Betreiberverein?
    Wie hoch wäre eine für alle Seiten faire Verzinsung?


    Ich bin gespannt ob schon jmd. Erfahung mit einer solchen Konstellation hat...

    40 Module á 210Wp = 8,4 kWp, Kalysto M-Serie
    mit zwei Wechslerichtern Solar Max 4200 C
    Ausrichtung 200°, DN 40°

  • auf die schnelle:


    also der verein hat meiner ansicht nach schon ein problem, wenn die pv-anlage betrieben wird, da es im vereinszweck nicht genannt wird.
    kann also durchaus probleme geben.
    förderungen:
    teilweise fördern die "dachvereine" (also als beispiel der bayerische sportverband) solche investitionen. allerdings müßte hierzu auch der verein als investor auftreten. wobei wir wieder bei problem 1 sind
    ansonsten sollte entweder ein zweiter verein oder ein "stinktnormale" gbr gegründet werden.
    kreditvergabe:
    mit jedem mitglied muß ein separater darlehensvertrag geschlossen werden, in dem laufzeit, verzinsung und rückzahlung geregelt werden. (nicht jeder läßt sein geld die gleiche zeit beim verein "arbeiten")
    verzinsung:
    da solltet ihr euch an den banken orientieren, ein bischen niedriger darf der zins natürlich schon sein.

  • Wie gross soll die Anlage denn werden?
    Der Verein als Investor.... ggf. muss die Satzung angepasst werden (was nicht das größte Problem sein sollte).
    Bin mir allerdings sicher, dass dieses dann als Wirtschaftsbetrieb gilt und demzufolge der KöSt unterliegt.
    Da kriegt der Steuerberater des Vereins dann Arbeit - und ihr ggf. eine Honorarrechnung.
    Die Verwaltung von X Darlehen macht auch Arbeit.


    Die Idee ist sicherlich gut. Aber Du musst aufpassen, dass der Verwaltungsaufwand auch lohnt.


    Zinssatz: Ganz nach den Zielen.
    Sollen die Mitglieder, die sich beteiligen für ihre Engagement belohnt werden... dann geringfügig über einem Zinssatz der bei der Bank zu bekommen wäre (oder halt KfW als Leitindex);
    oder wird von den Mitgliedern erwartet, dass sie sich uneigennützig der Gemeinschaft zur Verfügung stellen (was ja bedeutet, dass diejenigen Mitglieder die sich an der Finanzierung nicht beteiligen, die Ernte einfahren)..., dann ein Zinssatz leicht unter dem eines Vergleichszinses.
    Als Index sollte man einen öffentlichen Wert nehmen (z.B DGZF... eine Leitgröße an der sich die Sparkassen orientieren) und mit einem gewissen Aufschlag versehen. (also z.B. DGZF + 100 basepoints = tagesaktuell 3,57%)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo,
    ich habe mal vom Finanzamt die telefonische Auskunft erhalten, dass Vereine PV Anlagen betreiben dürfen. Es gibt ja schon viele Sportvereine, die auf Ihrem Vereinsheim eine PV Anlage haben. Die Gemeinnützigkeit ist nicht automatisch gefährdet, solange der Gewinn aus der Anlage ein bestimmtes Maß nicht überschreitet. Ein Verein darf ja auch auf Festen Getränke verkaufen und damit Gewinn machen. Fragt aber zur Sicherheit bei Eurem Finanzamt nach, wieviel Gewinn Ihr mit der Anlage machen dürft.


    Arvid Goletz

  • Wenn der Verein nicht auch noch durch andere Geschäfte einen größeren Umsatz generiert, sollte die PV-Anlage steuerlich keine Probleme bereiten. Natürlich dürfen die Gewinne nicht angehäuft oder ausgeschüttet werden, sondern müssen zeitnah dem gemeinnützigen Vereinszweck zugeführt werden (ich glaube, i.d.R. innerhalb eines Jahres).


    Gerade nochmal nachgeschaut: Bis 35.000€ Jahresumsatz ist der Verein von der KSt und GewSt befreit, bis 17.500€ auch von der USt (Kleinunternehmerregelung, muss man sich bei der PV überlegen...)


    Ich kann hier allerdings keine verbindliche Rechtsauskunft geben ;-) Bin selbst auch kein Steuerexperte, habe nur letztens selbst erst die Steuererklärung für einen Verein mit PV-Anlage gemacht und vor einiger Zeit mal ein Seminar zum Thema "Steuerrecht für Vereine" gehört...


    Übrigens gibts (zumindest in BaWü) vom Finanzministerium ein schönes Büchlein, das man bestellen kann, "Steuertipps für gemeinnützige Vereine". Kann man glaube ich auch beim Finanzamt bekommen, wenn man nachfragt.
    Oder hier zum Download: http://www.mfw.baden-wuerttemberg.de/fm7/1106/Vereine_ov.pdf
    Gibts aber auch von anderen Bundesländern habe ich gerade bei google gesehen.


    Sonnige Grüße

    Private PV-Anlage (07/2019):
    19,84 kWp | Heckert NeMo2.0 60M 310W | E3/DC S10 E PRO (13 kWh Speicher) | SMA SB3.6
    Bürgersolaranlage (04/2009):
    25,2 kWp | Sharp NT175E1 | SMA SMC8000TL | SMA WebBox | SunnyPortal

  • Nein. Eine Versagung der Gemeinnützigkeit stand auch nie zur Debatte. Die plakativen Beispiele warum das gar nicht sein kann, hast Du ja selbst geliefert.


    So "einfach", wie die telefonische Auskunft nun erscheint, ist es aber auch nicht.
    Ein Verein teilt sich steuerlich in 4 Sphären:
    - ideeller Bereich (Einnahmen = Mitgliedsbeiträge; Ausgaben = alles für den eigentlichen Zweck)
    - Vermögensverwaltung (Verpachtung Vereinsgaststätte, Vermietung Geräte > 6 Monate)
    - Zweckbetrieb (alles was durch die originäre Vereinstätigkeit verursacht wird, aber nicht den erstgenannten zuzuordnen ist;
    hierunter fallen die Sportveranstaltungen und typischen Vereinsfeste - bis 35.000 Euro p.a.)


    ==> Gewinne in diesen Bereichen unterliegen nicht der Gewerbe- oder KöSt


    Last not least:
    - wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (der ist sowohl Gewerbe- als auch KöSt-pflichtig; IMMER; vom ersten Cent.)


    Da die PV-Anlage wohl dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzuordnen ist, steht halt nicht das Besteuerungsergebnis schon fest, noch bevor der Bleistift gespitzt ist; ergo muss derjenige, der bisher "rubbeldiekatz" mal eben die Unterlagen fürs Finanzamt fertig gemacht hat, künftig mit ein wenig mehr Sorgfalt arbeiten. Und da ein KöSt-Erklärung nur was für frisch operierte, veranlagte Masochisten oder aber Berufsträger ist - könnte da halt ein kleines (!) Problem(chen) entstehen.


    Natürlich ist es eine Überlegung, die Dachfläche an einen privaten Betreiber zu verpachten. Dann hat der Verein die Pachteinnahmen im Bereich der Vermögensverwaltung. Allerdinigs hat der Betreiber dann das Problem der Besteuerung.
    (Wobei sich da ja ganz interessante Konstellationen ergeben können.)
    Umgekehrt kann aber die KöSt-Steuer große Chancen bieten, da die Thesaurierungsbelastung ja mal gerade bei 15% liegt.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung