Welche Auswirkungen haben Gewinn/Verlust auf die Steuer?

  • Hallo,
    nachdem ich nun meine erste USt gemacht habe und meine EÜR noch aussteht frage ich mich was denn sinnvoll ist.


    Anlage ist seit 30.6.2010 in Betrieb.


    Über die Sonderabschreibung kann man ja ganz gut steuern, ob man viel oder wenig Verlust macht.
    Was haltet Ihr für sinnvoll?


    Mal angenommen ich mache 2000€ Verlust. Wie wirkt sich das auf die Steuer in Euro gesprochen aus? Und wie bei 4000€?


    Vielen Dank!

    5,94kwp ; 1 x Kostal Piko5.5 ; 33 x suntech power 180W ; seit 30.6.2010 in Betrieb

  • Hallo,


    das hängt doch explizit von Deinem persönlichen Steuersatz ab. Schau einfach nach Deinem zvE ohne PV - mit PV - mit PV und erhöhtem Verlust. Das ist nur ablesen von Steuerzahlen. Nichtvergessen - der Soli kommt on Top.
    Gewinn = mehr Steuer
    Verlust = weniger Steuer


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Hallo,


    genau so ist es, kommt zu deinem anderen zu versteuernden Einkommen dann dazu oder geht ab.
    Je nach Gewinn/Verlust. Gewinn/Verlust wiederum kannst du in Grenzen steuern mit der Abschreibungshöhe.
    Trotzdem gehen insgesamt immer nur 100% des Investition abzuschreiben, was ich heute abschreibe geht morgen nicht mehr.
    Und jedes Jahr gibts wieder einen anderen persönlichen Steuersatz.
    Wenn es momentan drückt mit hohen Steuern und du erwartest dass in Zukunft eher weiniger Steuer (weniger Einkommen oder andere Steuerklasse, neue Abschreibungsobjekte etc.) kommen sollten solltest du zur Sonderabschreibung heute tendieren. Wenn aber absehbar ist dass in den zukünftigen Jahren eher mehr Einkommensteuer auf dich zukommt dann vielleicht besser linear 5 %.
    Bei mir läuft übrigens auch Alles linear mit 5% ab . Aber der Trend ist ja heute, lebe heute, bezahle morgen, also alle möglichen Belastungen weit weg in die Zukunft zu schieben und heute so gut zu leben wie es nur geht. :D


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Nun ja... Vielen Dank erstmal.
    Von der Linearen Variante habe ich mich (fast) schon verabschiedet. Einfach aus dem Bauch heraus.


    Kann man folgendes sagen?


    "nomraler" Bürger (verheiratet, 2 Kinder) mit geregeltem Einkommen und keine besonderen Ausgaben neben den Werbungskosten und den Fahrten zur Arbeit.
    Einkommenstendenz steigend = lineare AfA
    Einkommenstendez gleichbleibend = degressive AfA
    Einkommenstendez sinkend = degressive AfA + Sonderabschreibung


    Ehrlich gesagt ist mir der Zusammenhang noch nicht klar.

    5,94kwp ; 1 x Kostal Piko5.5 ; 33 x suntech power 180W ; seit 30.6.2010 in Betrieb

  • Na na.. lassen wir mal die Emotionen weg.


    Nehmen wir tatsächlich mal eine Wirtschaftsgut mit 5% Abschreibung (linear).
    Ein Unternehmen macht im Jahr 100.000 Euro Gewinn. Und die befinden sich auch in der Kasse.
    Nach Steuern verbleiben dem Unternehmer 50.000 Euro zum Leben.
    Jetzt kann er zwischen Weihnachten und Sylvester noch eine Maschine anschaffen (kostet 50.000 Euro) oder es sein lassen.
    Eines ist doch klar.. die Maschine dient dem Betrieb; darauf dürfen keine Steuern anfallen.
    Würde er die Kosten abziehen können.. hätte er nur 50.000 Euro Gewinn; 25.000 Euro verbleiben zum Leben.
    Kann er aber nicht. Er hat 100.000 Gewinn; aber nur 50.000 Euro nach Anschaffung in der Kasse; und das FA will trotzdem 50.000 Euro Steuern haben (das 1/12-Afa von 5% mal vernachlässigen)
    Und wovon bitte schön Leben? Klimmzüge am Brotkasten?
    Tatsächlich ist es aber so. Um wieder auf die 50.000 Euro zum Leben zu kommen, muss er nicht 25.000 Euro - sondern 50.000 Euro Fremdkapital aufnehmen.
    Die Afa ist also nicht etwa ein "Steuergeschenk"... sondern bringt dem Unternehmer immer ein Finanzierungsproblem.
    Der Unternehmer zahlt Steuern auf Gewinne - die in der Kasse gar nicht vorhanden sind.
    Wenn der Fiskus Möglichkeiten schafft, schneller abzuschreiben... wird dieses Problem ein wenig entschärft.
    Mit "Belastungen in die Zukunft schieben" und "heute so gut leben wie es geht" hat das also mal gerade gar nichts zu tun.


    Also bitte keine falsche Scham, aggressiv abzuschreiben.
    (Das ein PV sich in einer Größenordnung abspielt, wo die Effekte nicht so dramatisch sind; bzw. die primäre Einkunftsquelle nicht berührt wird, ändert ja nichts an den objektviven Tatsachen.)


    Richtig ist, dass sich der Gewinn oder Verlust mit dem Grenzsteuersatz auf Deine kasse auswirkt.
    Grenzsteuersatz = Die Steuerbelastung in % auf die nächsten X Euro. (X.. angemessen zur zur Rede stehenden Schwankungsbreite).
    35% Grenzsteuersatz.... bei 2.000 Euro Verlust = 700 Steuerersparnis (besser: Stundung);
    bei 4.000 Euro dann ca. 1.400 Euro. Der Grenzsteuersatz wird sich bei 2.000 Euro nicht spürbar verändern.


    Richtig ist, dass sich der Grenzsteuersatz jedes Jahr ändert. Richtig ist, dass er mit sinkendem Einkommen sinkt.
    Wer also allzu aggressiv den Verlust maximiert... mindert den steuerlichen Wert des Verlustes.
    Aber bitte: Das ist unter gewöhnlichen Umständen einer konstanten Einkommensentwicklung marginal.


    Entscheidender ist, dass 100 Euro, die Du in einem Jahr erhältst, heute nur 97 Euro wert sind.
    Statt 100 Euro Steuerersparnis in 2012 nimmt man also lieber nur 98 Euro Steuerersparnis in 2011.
    Natürlich setzt das voraus, dass Du die 98 Euro so verwendest, dass Du nach 1 Jahr mehr als 100 Euro draus gemacht hast.


    Es müssen schon gravierende Einschnitte in die Einkommensstruktur fest vorhersehbar sein, dass es sich lohnt, auf die Sonder-AfA zu verzichten.
    Je nach "Eintrittsalter" (>45) sinkt Deine Steuerlast gegen Ende der 20 jahre gewaltig... und steuerliche Verluste sinken auch nochmal gewaltig im Wert.


    Unter gewöhnlichen Umständen empfiehlt sich daher die Gestaltung so, wie sie jedem Steuerfachgehilfen vom ersten Tag an mit jeder Aufgabe, mit jeder Klassenarbeit, mit jeder Prüfung eingetrichtert werden: Üben Sie alle Bewertungswahlrechte jeweils so aus, dass das zu versteuernde Einkommen minimiert wird.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • hab Deinen Beitrag erst jetzt gelesen.
    Nein.. Deine SChlussfolgerung geht zwar in die richtige Richtung... ist aber falsch.
    Schon alleine deshalb, weil für Anlagen die nach dem 31.12.2010 angeschafft / hergestellt worden sind, die degressive Afa nicht mehr möglich ist.


    Vielleicht so:
    1. Bei
    - sinkendem Einkommen
    - konstantem Einkommen incl. üblicher Gehaltssteigerungen
    - künftige Heirat einer Person ohne Einkünfte
    - künftige Scheidung von einem Ehegatten mit extrem hohen Einkünften
    ==> Sonder-AfA in Anspruch nehmen


    2. Bei
    - DEUTLICH steigenden Einkünften (Beförderung, Ehegatte geht wieder arbeiten)
    - künftige Heirat mit einer Person mit sehr hohen Einkünften
    - künftige Scheidung von einer Person ohne Einkünfte
    ==> auf Sonder-AfA verzichten

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  • Hallo,


    möchte zu kpr (einer unserer Fachleute hier) noch was ergänzen .
    Wenn man heute bereits eine Steuersituation mit einem sehr niedrigen zu versteuernden Einkommen hat, also beispielsweise Besteuerung eines nicht gerade hohen Einkommens mit Familie und Kindern zusammen und einem Ehepartner der zur Zeit nicht erwerbstätig ist, nützt die Sonder-Afa recht wenig. Sie wird dann eigentlich sinnlos "verschossen" mit kaum einer Wirkung. Man kann nur Steuer erstattet bekommen die man auch sonst bezahlen müsste.
    Sonder-Afa nützt um so mehr, je höher der derzeitige Steuersatz ist.


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Absolut richtig.


    Aber die "breite Masse" ist das eigentlich nicht. Und auch die PV wird ja sehr häufig von mittleren Einkommen und darüber angeschafft.
    (Bitte.. völlig wertungsfrei. Es ist halt eine Schwäche des Forums, dass man zum einen wegen fehlender Informationen Prämissen machen muss - und dann nur auf den Fall abstellen kann, der vielleicht am häufigsten vorkommt.)


    Abkippen in den Grundfreibetrag (genau wie Anschlag am Spitzensteuersatz) sind halt Grenzbetrachtungen

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  • Ok, Danke soweit für die vielen guten Antworten. Denke es wird klarer für mich... :-)
    Habe gerade mal nachgesehen.
    32% Grenzsteuersatz (Zusammenveranlagt, mit erwerbstätiger Frau und 2Kindern)


    Ich beziehe mich mal auf kpr

    Zitat von kpr

    1. Bei
    - konstantem Einkommen incl. üblicher Gehaltssteigerungen
    ==> Sonder-AfA in Anspruch nehmen


    somit ist das mit dem Sonder-AfA schon mal geklärt.


    Aber was ist mit linear/degressiv?

    5,94kwp ; 1 x Kostal Piko5.5 ; 33 x suntech power 180W ; seit 30.6.2010 in Betrieb

  • sorry.. war im falschen Film.
    Degressive AfA geht ja bei Dir noch.


    Auf jeden Fall im Erstjahr degressiv!
    Schon allein, weil es im Erstjahr durch die zeitanteilige AfA kaum was ausmacht;
    zum anderen, weil Du dann im nächsten (oder folgenden) Jahren jederzeit zur linearen wechseln kannst - nicht aber umgekehrt.


    Also schon allein, um keine Türen zuzuwerfen und die Entscheidung zu vertagen: Degressiv.


    Grundsätzlich würd ich hier aber auch zu degressiv raten. Müsste mit dem Teufel zugehen, wenn das nachteilig sein sollte.
    Machs doch mal so....
    Du bildest Dir die Jahres-Afa für beide Fälle mal untereinander über 20 Jahre ab.
    Von der AfA errechnest Du 32%; und jedes Jahr zinst Du dann auf t=heute ab.
    Als Zinssatz nimmst Du entweder ein Darlehen in das Du beliebig hineintilgen kannst;
    oder ein Geldanlage, die Dir beliebig zur Verfügung steht.
    Und dann schau mal, welche Kette den höheren Barwert liefert.



    Mal aus der anderen Ecke:
    Egal ob rot, schwarz, gelb.. und grün oder braun würden es nicht anders machen.... wenn die Regierung mal schnell der Wirtschaft einen Schubs geben möchte, dann ist die "degressive Afa" (oder die vielen Sonder-Abschreibungen der letzten Jahrzehnte) sowas wie Aspirin, Ibuprofen oder Voltaren im Notfallkoffer des Arztes: Hilft immer und garantiert. Nebenwirkungsfrei.


    Das liegt ja nicht daran, dass dem Unternehmer beim Wort "degressiv" irgendwie was abgeht - sondern weil es ihm billiges Geld in die Kasse spült.
    Wenn das teures Geld wäre - würde er es nicht anpacken.



    Oder nochmal ein rechnerischer Ansatz:
    Du schreibst mit Sonder-AfA und degressiver AfA bis zum ersten auf das Jahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Jahres ab
    aI linear = knapp 8%. Hiervon 32%.. macht 2,5% der AHK wieder aus Steuern in der Kasse
    b) degr. + Sonder-Afa = ca. 39%. Hievon 32%.. macht ca. 12,5% der AHK aus Steuern wieder in der Kasse


    Ich glaub bis in 14. jahr oder so steigt das Delta noch an.. .erst dann fängt es an sich auszugleichen.
    Bei aller Liebe... aber bis dahin kannst Du schon die Radieschen von unten wachsen sehen.
    Bis dahin kann wirklich eine Kirchhoffsche Steuerreform kommen... und Du gehörst zu den Verlierern - obwohl die Steuern für Dich eigentlich sinken.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung