PV Anlage auf EFH - kompletter Vorsteuerabzug auf Baukosten

  • Hallo zusammen,


    vorweg:
    Wir planen derzeit den Bau eines Einfamilienhauses im Passivhausstandard.
    Hierzu soll dann eine ca. 3 kwp PV Anlage auf dem Dach installiert werden.
    Dies vorerst nicht zur Eigenversorgung, sondern zwecks Einspeisung nach EEG.


    Nun zur Frage:


    Mir wurde seitens des Bauunternehmers zugetragen, dass angeblich durch den gewerblichen Verkauf des Stroms und das hiermit verbundene Gewerbe nicht nur die Vorsteuer der Anlagenkosten, sondern vielmehr auch die gesamte Vorsteuer des Neubaus gezogen werden kann.
    d. h. bei einem EFH zu 240.000 € + 18.000 € PV Anlage = 41.194 € Vorsteuererstattung. Dies wäre logisch, wenn man überlegt, dass die Anlage nur auf dem Dach installiert werden kann, sofern das Haus auch steht. Andererseits nutzt man das Haus ja schließlich restlich komplett privat. Aus diesem Grund kann ich dieser Info aus rein logischen Gründen nicht ganz folgen.


    Hat hier evt. jemand Erfahrung mit dieser Problemstellung. ?


    Gruß


    immi44

  • Hallo,
    ich habe 2001 mit meiner 3,6 kWp - Anlage zwei Garagen und einen Carport gebaut. Die Umsatzsteuer wurden dabei zu 50% als gewerbliche Nutzung vom Finanzamt anerkannt und zurückerstattet.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Finanzamt hier eine 100% Rückerstattung durchführt. Du musst dir dabei eine private Nutzung anrechnen lassen, was ja auch zutreffend ist.

  • OK, aber wonach hat das Finanzamt die 50 % berechnet.
    Rein logisch wäre doch die Kosten für das Dach abzüglich Vorsteuerabzug
    und der Rest - keine Abzugsmöglichkeit.


    Ich frage mich wie hier keine Trennung bei einem EFH erfolgen soll.


    50 % - 40 % - oder doch nur 30 % ?


    Nach Deiner Schilderung dürfte dann aber wohl klar sein, dass nicht nur Vorsteuerabzug auf die PV Anlagenkosten, sondern vielmehr auch auf einen .... % Anteil der Baukosten des Hauses erfolgen kann.


    Na, hier werde ich mich mal beim Finanzamt schlau machen !!!


    Für weitere Anregungen wäre ich zudem dankbar !


    Gruß


    immi44

  • Hallo,
    ich bin zwar kein Steuerexperte, kann mir aber nicht vorstellen, dass das funktioniert.
    Du kaufst für 18000€ brutto eine kleine PV-Anlage und willst über 40000€ an Vorsteuer zurück erhalten :oops:
    Dann würden doch gar keine Häuser ohne PV-Anlage gebaut werden.


    Mit sonnigen Grüßen,


    bereil


    P.S.: Wenn das gehen sollte, bau ich gleich ein paar Häuser. Wer sucht noch eine Wohnung? :lol:


    EDIT: Willkommen bei uns im Forum habe ich vergessen.
    EDIT2: Die Vorsteuer bei einer Dachsanierung bekommt man wieder, aber ein kompletter Neubau?

  • dies ist nicht zuende gedacht.


    Hier ist nachtürlich der Eigenverbrauch, d. h. die Eigennutzung zu berücksichtigen.


    d. h.
    Wenn man in einem EFH von 140 qm Wohnfläche mind. 14 qm somit 10 % für ein Büro gewerblich nutzt, kann man eh die volle Vorsteuer beim Finanzamt ziehen.
    Man muss halt nur die restlichen 90 % verteilt auf 10 Jahre wieder an das Finanzamt zurückführen. Dies nennt mein Steuerberater "Eigenverbrauch"
    Alleine der Zinsvorteil für die diesbezüglich nicht notwendige Finanzierung ist doch wohl erste Klasse.


    So wenn man nun eine PV Anlage auf das Dach setzt ist dann wohl auch ein prozentualer Anteil des Hauses dieser PV Anlage zuzurechnen.
    d. h. wiederum, dass man diesen Prozentsatz + die Vorsteuer auf die PV Anlage ebenfalls nicht an das Finanzamt zurückführen müsste.


    Ich werde dies auf jeden Fall steuerrechtlich prüfen lassen bzw. hier eine Vorbescheid des Finanzamtes einholen um Planungssicherheit zu erhalten.


    Sollte hier überigens jemand im Netz sein, welcher eine PV Anlage im PLZ Bereich 418.. Umgebung von Erkelenz betreibt, würde ich mich über einen Kontakt zum Erfahrungsaustausch sehr freuen.


    Gruß


    immi44

  • Zitat von immi44

    OK, aber wonach hat das Finanzamt die 50 % berechnet.


    Hallo,
    ich hatte einen Vor-Ort-Termin mit dem Beamten des Finanzamtes. Der hat die Rechnungen und die Anlage betrachtet und das Nutzungsverhältnis beurteilt.


    Die 50% hat er dann vorgeschlagen, ich war damit einverstanden. Ein Nachweis einer höheren gewerblichen Nutzung wäre vermutlich auch schwer möglich gewesen.


    Besprich das Thema mit einem Steuerberater und dem Finanzamt. Ich denke, einen Teil der Kosten kannst du schon ansetzen. Wo die "Schmerzgrenze" beim Finanzamt liegt musst du wohl rausbekommen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Größe und der Platzbedarf (das ganze Dach?) sowie die Frage, ob die Anlage dachintegriert ist oder nicht eventuell Einfluss haben könnte.

  • Also in unserem Steuerwahnsinnsstaat ist prinzipiell alles möglich, meist aber zum Nachteil des Fußvolkes.


    Wäre genial, wenn das hinhaut. Halt uns auf dem Laufenden.

  • Na, so einfach ist das nicht.
    Vorsteuer erhält man bei einer Immobiliennutzung nur wieder, wenn die Immobilie an einen Unternehmer vermietet wird,
    der nach dem Umsatzsteuergesetz berechtigt ist, die Umsatzsteuer offen auszuweisen.
    Erst dann kann der Immobilienbesitzer zur Umsatzsteuer optieren.
    Als Beispiel: Vermietung an einen Arzt (Freiberufler). Der Arzt tätigt umsatzsteuerfreie Umsätze,
    somit ist ein Vorsteuerabzug ausgeschlossen.


    @ immi44,
    da Du Dein Haus als Privatperson errichtest, bist Du für den Hausbau nicht vorsteuerberechtigt.
    Das errichtete Haus gehört somit zum Privatvermögen, und stellt ein selbstständiges nicht bewegliches Wirtschaftsgut dar.


    Die dann auf Dein Hausdach installierte PV-Anlage stellt ein weiteres Wirtschaftgut dar,
    welches aber als beweglich einzustufen ist (Hinweis auf AfA).


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das FA den Vorschlag Deines Bauunternehmers akzeptieren wird.
    Nein, ich bin mir sogar sicher, das es dies nicht akzeptieren wird.


    Kommst Du jetzt noch auf den Gedanken, das Haus + PV-Anlage komplett als Betriebsvermögen zunehmen,
    kann es Dir sogar passieren, da das Betriebsvermögen ja an eine Privatperson (an Dich) vermietet wird,
    das dadurch der komplette Vorsteuerabzug versagt wird.


    Meine Meinung:
    Nicht gierig gegenüber dem FA werden. Bau Dein Haus + die PV-Anlage und werde nur mit der PV-Anlage Unternehmer.


    Gruß,
    Solarfarmer

    Inbetriebnahme: 29.09.06
    Meine Anlage: 6,90 Kwp mit 30 Stk. Total Energie TE 2200 230Wp poly mit WR 1 x Fronius IG 15 und 1 x Fronius IG 40

  • .... so ich habe ein erstes Statement vom Steuerberater.


    Es geht doch:


    Der anzusetzende Prozentsat ist hier allerdings reine Glücksache oder sagen wir mal es gibt hier sicherlich noch wenig Präverenzfälle.


    Ich würde in meinem Fall von 135 qm Wohnfläche ca. 14 qm für mein Gewerbe, Immobilienverwaltung nutzen. Dies alleine bringt mir bereits den vollen Vorsteuerabzug ein.
    Dann müsste ich aber 90 % des Vorsteuerabzugs über 10 Jahre verteilt ans Finanzamt als Privatverbrauch zurückführen.
    Wenn ich nun eine PV Anlage aufs Dach setze welche mit dem Gebäude fest verbunden ist (dies sollte hoffentlich so sein) kann man auch hier noch mal einen % Wert mit dem Finanzamt aushandeln, welcher die 90 % Rückführung auf vielleicht 70 oder 60 % reduziert.
    Hier reden wir dann über einige Tausend €.


    Das nenne ich nicht gierig sondern wirtschaftlich :D

  • Zitat von immi44

    Wenn ich nun eine PV Anlage aufs Dach setze welche mit dem Gebäude fest verbunden ist (dies sollte hoffentlich so sein) kann man auch hier noch mal einen % Wert mit dem Finanzamt aushandeln


    Hallo,
    "fest verbunden" im steuerlichen Sinne bedeutet meist gebäudeintegriert bzw. wesentlicher Bestandteil des Hauses. Das hat nichts mit "fest verschraubt" zu tun, die Schrauben kann man ja lösen und die Anlage abbauen.