Hauskauf mit bestehender Photovoltaik Anlage

  • Hallo,


    ich werde demnächst ein Einfamilienhaus besichtigen, auf dem Dach sind ca. 40 Photovoltaik Module verbaut (ich kann es auf dem Foto nicht genau erkennen). Der Verkäufer schreibt, dass die Anlage im Jahr ca. 1000-1200€ "Gewinn" abwirft.




    So nun zu meiner eigentlichen Frage:
    Da ich mich mit dem Thema PV-Anlage noch nicht sehr intensiv befasst habe, wollte ich fragen ob mir hier jemand ein paar Tipps geben kann.


    - auf was ich bei der Anlage achten soll
    - was den Verkäufer fragen
    - was ich noch vergessen habe.



    Schon mal vielen Dank im Voraus

  • Hallo Striezl,


    du solltest den Kaufvertrag vom Haus und den von der FV-Anlage trennen. Denn mit der FV-Anlage kaufst du ein Unternehmen, dessen Produktionsstätte aber auf dem Hausdach ist.


    Vom Verkäufer solltest du dir auf jeden Fall die Rechnung der Anlage, die Flashliste der Module, die Seriennummern der Module, die Abrechnungen mit dem Netzbetreiber vorlegen lassen. Frag den Verkäufer auch, ob es schon einmal Probleme mit der Anlage gab. Wichtig ist auch, ob die Anlage das einzige Unternehmen des Verkäufers ist, denn sonst gibt es vielleicht Ärger mit der Umsatzsteuer beim Verkäufer.


    Zum Verkauf und der Wertermittlung von gebrauchten Anlagen gibt es auf der Seite des Forumsmitglieds Stefan Rode http://www.stefanrode.de unter den Downloads ein gutes Dokument.

    Gruß
    Lothar

  • Hallo Striezl,


    da gibt es sehr viele Fragen.


    Die wichtigsten wären mal Anlagengröße (in kwp) und Inbetriebnahmedatum (Vergütungshöhe, Restlaufzeit nach EEG). Daraus ergibt sich der zukünftig noch zu erwartende "Geldertrag". Gut wären bzw. sind natürlich die Orginalbelege der Anlage (Rechnung wegen Gewährleistung, Ansprechpartner bei Problemen etc.) und "ehrliche" Erfahrungswerte (zur noch besseren Ertragsabschätzung).
    Auf Sonnenstevies Homepage gibt es Anhaltspunkte zur Kaufpreisermittlung. Daneben gibt es noch viele steuerliche Aspekte zu berücksichtigen (Umsatzsteuer!) und eine finanzielle Trennung zwischen Haus und PV-Anlage anzustreben. Wenn Kredit notwendig ist den auf alle Fälle für die PV-Anlage nutzen (steuerliche Absetzbarkeit).


    Das sind nur ein paar Punkte, es gibt noch viel viel mehr :)


    Oh, gerade gesehen: Lodda war noch schneller! :)

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II

  • Hallo Striezl,


    der Gewinn hängt im wesentlichen von 2 Faktoren ab, nämlich dem Umsatz und den Kosten.


    40 Module mit je 150 Wp sind 6 kWp. Anlagen die 2007 ams Netz gingen bekommen 0,4921 Euro / kWh eingespeistem Strom. Bei 900 kWh / kWp werden etwa 5.400 kWh erezeugt, sprich es wird ein Umsatz von etwa 2.650 Euro gemacht. Wenn die Anlage in 2007 gebaut wurde, hat sie vielleicht 27.000 Euro gekostet. Wenn dieses Geld aus Eigenmiteln stammt, stehen als Kosten nur die Abschreibungen aus der Ausgabenseite. Bei linearer Abschreibung sind die 1.350 Euro. Als Gewinn bleiben dann 1.300 Euro als zu versteuernder Überschuss übrig. Wenn aber noch Zinsen in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr dazu kommen sind es nur noch 350 Euro Überschuss pro Jahr.


    Du siehst, die Angabe ist realistisch, hängt aber von einigen Randbedingungen ab. Wenn die Anlage z. B. älter ist, ist der Umsatz wohl höher, da die Einspeisevergütung / kWh auch höher liegt, aber die Preise für die Anlage waren auch höher. Wenn die Anlage mehr als 900 kWh / kWp erzeugt sind die Einnahmen auch höher ohne dass die Kosten steigen. Wer das Geld für die Anlage geliehen hat (komplett oder in Teilen) zahlt Zinsen und hat deshalb höhere Kosten. Wer nicht linear sondern degressiv abschreibt hat nach ein paar Betriebsjahren geringere Kosten etc...

    Gruß
    Lothar

  • Konnte den Verkäufer leider noch nicht erreichen. Habe nochmals gezählt komme auf 57 Module. Dich Dachneigung beträgt ca. 40°

  • ... und sofern es auf Seiten des Verkäufers noch Gewährleistungs-/Garantieansprüche gegen Installateure, Modulhersteller etc. gibt, lasse Dir schriftlich diese Ansprüche abtreten. Denn sie bleiben sonst trotz Immobilienverkauf beim Verkäufer. Bespreche ggf. je nach Deinen Absichten mit einem Steuerberater, ob es überhaupt sinnbvoll ist, dass Du als Privatperson die Anlage kaufst. Hier gibt es verschiedene denkbare Modelle, die nicht weh tun, aber interessante Gestaltungsspielräume eröffnen; dem Verkäufer wird es egal sein, an wen er verkauft ....


    Und schließlich, weil ich daran gerade selbst herum laboriere: Wenn der Verkäufer die Anlage finanziert hat, kommt er u.U. nicht aus seinem Kreditvertrag heraus. Denn anders als beim Immobilienverkauf gibt es bei der PV-Anlagenfinanzierung kein gesetzliches Sonderkündigungsrecht für die Kreditverträge. Dies bedeutete, dass der Verkäufer u.U. noch lange Jahre seinen Kredit zurückzahlen muss - was Dich auch nicht interessiert oder belastet. Aber: Regelmässig hat er die PV-Anlage dann der Bank "sicherungsübereignet". Ob dies mit einem Verauf des Grundstückes "untergeht", ist eine interessante Frage. Der Verkäufer sollte Dir also im Vertrag entsprechende Zusicherungen machen .... mit diesen Problemen schlage ich mich gerade als Verkäufer herum ....


    Grüße!

    Vor mir den Tag, hinter mir die Nacht (Goethe)

  • Hallo,
    warum es meiner Meinung nach noch wichtig ist die PV und das Haus über einzelne Kaufverträge zu übernehmen ist wohl noch garnicht erwähnt worden.


    Wenn der Verkäufer die PV mit z.b. 15000€ Wert ansetzt, dann zahlst du bei einem Gesammtkauf auch auf diese 15000€ Grunderwerbssteuer!!
    Bei 3% sind das mal eben 450€ zusätzliche Kosten...in einigen Bundesländern zahlt man aber bereits 5% Grunderwerbssteuer...
    Zudem dürfte es steuerlich einfacher sein wenn man das "Gewerbe" seperat erwirbt.


    Gruß
    Jörg


    PS: Lass dir die Abrechnungen mit den Abschlagzahlungen seitens des Energieversorgers zeigen, achte auch den Gesammtertrag, dann noch die genaue Anlagenleistung (Modultyp+WR) und Ausrichtung und es findet sich bestimmt jemand der sagen kann ob die Anlage gut läuft.


  • Die wichtigsten Punkte sind erstmal:


    - wie hoch die Einspeisevergütung ist,
    - wie hoch die Erträge sind,
    - wie die Anlage finanziert ist,
    - ob der Verkäufer eine Übernahme des Kredits haben will für den Fall, dass mit Kredit finanziert wurde.


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>