Denkmalamt: Muss 5-jährige Anlage abgebaut werden?

  • Ich hatte ja noch nie viel Verständnis für Denkmalschutz und dessen übertriebenen Konservatismus.


    Aber was das Amt für Denkmalschutz sich dieser Tage bei Dachau erlaubt, ist an Dreistigkeit und Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten.


    Amt will Strafgelder und möglicherweise Rückbau von PV-Anlage


    Ich hätte ja schon kein Verständnis dafür gehabt, wenn sowas von Vorneherein verboten worden wäre, denn ob das Dach jetzt rot, braun oder blau ist, kann doch wirklich keine Rolle spielen...! Aber hier kommen die nach 5 Jahren daher!


    In der gedruckten Zeitung gibt es mehr Bilder, auch Luftbilder. Wer hier eine signifikante Beeinträchtigung des Ortsbildes oder dieser alten Kapelle sieht, hat den Bezug zum realen Leben völlig verloren. Wie kann es eigentlich sein, dass der Denkmalschutz dermaßen in das Eigentum und die Lebenswirklichkeit heutiger Menschen eingreifen kann?


    Warum sollen die Menschen von heute nur für das ästhetische Empfinden einiger weniger wie im Mittelalter leben? Warum überhaupt soll das Aussehen von normalen Gebäuden und Ortsbildern (also keine Schösser etc.) willkürlich auf eine zufällig erhaltenen Zeitperiode festgezurrt werden? Warum müssen Menschen von heute mühsam über Kopfsteinpflaster stolpern, nur weil es in einer kurzen Phase der Geschichte verwendet wurde?


    Ich weiß nicht, ob das Denkmalamt im obigen Fall dem Erhalt der Kirche wirklich Gutes tut, wenn es tatsächlich dermaßen brutal und vor allem so lange im Nachhinein den Rückbau der Anlagen fordert ohne die Bauern zu entschädigen. Immerhin geht es den Bauern dann wohl an die Existenz, quasi ans Leben und da liegt dann der Gedanke an Notwehr nicht mehr fern...so ein altes, baufälliges Gemäuer kann ganz schnell und zufälligerweise abrennen oder einstürzen....

    Gruß,
    amoss


    Ich bin ein Pessimist. Also ein Optimist mit großer Erfahrung. Denn ich weiß: Manchmal sind nur bei mir Wolken. Doch meistens scheint die Sonne bei den anderen.


    11 kwp * DN 28° * Ausrichtung 201° * Verschattungsverlust ca. 8% * Freising

  • Ich wette auch, der Denkmalschutzbeauftrage ist über die schön asphaltierte Umgehungsstraße im Süden des Ortes gefahren und hat die Kirche bewundert und sich dabei an den PVA´s gestört. :evil: Um dem ländlichen Charakter zu erhalten, wäre ich hier für einen sandigen Feldweg. Kopfsteinpflaster wäre mir zu modern und der passt auch nur in den Ort.

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


    "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." (Gandhi)


    SOLON P 220/6+ (230W) / SMA SB3300 TL HC
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  • In der Aktuellen Debatte sollte Frau Merkel eine bundeseinheitliche Regelung finden,


    für PV-Anlagen im Einklang auf historischen Gebäuden (z.B. farbliche Dach-Anpassung (oder dunkle Module/dunkler Rahmen)


    Und eine KLARE RECHTSLAGE für PV-Betreiber und Investoren/Pächter/Verpächter.


    Diese gigantische Grauzone (Baurecht etc) muss doch endlich einheitlich und rechtsverbindlich FÜR ein starken und sicheren PV-Ausbau geklärt werden:



    http://www.photovoltaikforum.c…tovoltaik-anl-t58974.html


    http://www.photovoltaikforum.c…ranlagen-ille-t54538.html

  • Hallo,
    und die Sache geht weiter:


    Amt pocht auf sein Recht


    "sein Recht". Hm, sollte das Amt nicht eher für das Recht der Bürger eintreten?


    Gestern gab es sogar einenTV-Beitrag in der Sendung "quer" des Bayerischen Rundfunks. Hier auch noch ein paar Kommentare von Zuschauern.


    Der Beamte des Denkmalamts zeigte sich dabei vollkommen uneinsichtig und paragraphentreu. Ok, muss er wohl und ist auch so vorgesehen.
    Dennoch lässt erstens jeder Paragraph auch einen Gestaltungsspielraum zu (hier sogar ganz besonders) und zweitens sollte man gerade jetzt, in der aktuellen Diskussion um den Ausbau der Energieversorgung in Richtung Erneuerbare Energien nicht nur von dem Bürgern mehr Akzeptanz entsprechender Einrichtungen erwarten, sondern natürlich erst recht auch von den Behörden!


    Ich finde, dass der Denkmalschutz in unserem Lande völlig übertrieben wird und viel zu sehr und vor allem viel zu willkürlich in das Privateigentum der Bürger eingreift. Bei Schlössern und ähnlichen Bauten mag das alles seine Berechtigung haben, aber bei Privathäusern und so belanglosen und subjektiven Beeinträchtigungen eines Ortsbildes wie im vorliegenden Fall fehlt mir jedes Verständnis. Noch dazu, wo dem vorliegenden Ortsbild nun wirklich jegliche Prominenz abgeht und der direkte Blick auf das Kirchlein noch nicht mal verbaut oder verändert wird, sondern nur die Dächer eine etwas andere Farbe erhalten.


    Da wäre meiner Meinung nach viel mehr erreicht, wenn solche Behörden gegen das krebsartige Auswuchern der potthässlichen Gewerbegebiete an fast allen Ortsrändern vorgehen würden. Das ist doch die wirkliche Verschandelung unserer Landschaft, an der sich sicherlich mehr Menschen stören und die nun wirklich tiefgreifend ist.


    Wie seht ihr das denn?

    Gruß,
    amoss


    Ich bin ein Pessimist. Also ein Optimist mit großer Erfahrung. Denn ich weiß: Manchmal sind nur bei mir Wolken. Doch meistens scheint die Sonne bei den anderen.


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  • Zitat von amoss

    Wie seht ihr das denn?


    Genauso.
    Wünsche Hr. Christmann ein gute Entscheidung.


    Alternativ könnte man auch anflehend proklamieren: " St. Ottilia hilf!"


    Der Denkmalschutzbeamte, der am Ende des quer-Beitrages zu Wort kommt hätte ja durchaus auch noch andere Problembaustellen mit durchaus evidentem Verbesserungspotential zu bearbeiten.
    Wir hören von Hr. Nemec folgende inhaltsschwere Wort:
    "Das Denkmalschutzgesetzes ist seit 1973 gültig und ist ein Konsens, ist ein gesellschaftliches Konsens.
    Es entstand aus der Bedürfnisse der Gesellschaft und es besteht kein Bedarf dieses Gesetz zu ändern, weil in dem Gesetz die Sachen geregelt sind."


    "Geht's noch Nemec!" möchte man ihm fast zurufen....


    Diese Verlautbarungen dieses Staatsdieners haben durchaus Potential, den Volkeszorn auf sich zu ziehen.
    Ich bestreite entschieden, dass hier ein gesellschaftlicher Konsens besteht! Eher umgekehrt wird ein Schuh daraus!


    Sicher besteht das Gesetz so wie es besteht. Aber wie ausgeführt ist es bald 40 Jahre alt. Da von Konsens zu parlieren kann man wohl nur mit einer üppigen Portion Weltfremdheit erklärt werden, die man weder im Bayrischen Wald noch in der Šumava findet, sondern offenbar nur noch in ausgewählten Bereichen der unteren Denkmalschutzbehörde Bayerns und damit zwar auch in einer Art Biosphärenreservat, aber eben einem der besonderen Art.
    Woher der Beamte dieser unteren Behörde allerdings dann noch die Chuzpe nimmt zu erklären, dass kein Bedarf besteht dieses Gesetz zu ändern, schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Vor allem die Begründung dafür, nämlich 'weil in dem Gesetz die Sachen geregelt sind' zeigt ganz unverblümt, wes Geistes Kind dieser Vertreter der unteren Denkmalschutzbehörde ist.
    Ich wünsche ihm jedenfalls, dass er die Chance erhält, seine Position neu zu überdenken und ggf. auch vom Amtsleiter die Freiräume zugewiesen bekommt, die sprachgrammatikalischen Verwerfungen besser in den Griff zu bekommen.

  • Hallo amoss,


    ich kann deine Ansicht nur zu 110% zustimmen.
    Selbst Bürger die sonst eher ein massives Problem mit Photovoltaik haben, konnten hierbei nur den Kopf schütteln....und das sagt schon viel.


    Da ich nach diesem Vorfall in der Zeitung (Münchner Merkur/Quer) meine eigene Situation nun genauer Beobachte, möchte ich mich hier öffentlich nicht zu "deutlich" äußern.


    Hier im ländlichen (dörflichen) Oberbayern ist eigentlich jeder Anlagenbesitzer in der Nähe einer Kirche/Kapelle betroffen.


    Einerseits möchte keiner Module auf dem Acker, aber auf dem Dach ist es (von einzelnen Beamten) auch nicht gewünscht.....ich hoffe dem "unteren" Denkmalamt ist klar was sie hier versuchen ins Rollen zu bringen.


    Ich hoffe die betroffenen Landwirte haben genügend Unterstützung und damit meine ich vor allem auch direkt aus der Solarbranche !!


    Beta

  • grundsätzlich bin ich schon der Meinung, daß Denkmalschutz notwendig und wichtig ist
    ohne Denkmalschutz wäre dochtatsächlich schon alles weggerissen was älter als 50 Jahre ist
    und stattdessen ständen überall nur noch mehr Aldi etc


    nur, sollte das auch mit Hirn, Verstand und vielleicht Fingerspitzengefühl angepackt werden,
    weil sonst die notwendige Zustimmung und Einsicht in der Bevölkerung gegen Null geht


    offensichtlich legt es das bay. Landesamt aber genau darauf an
    rechthaberisch und starrsinnig werden sinnlose Sachen mit aller Härte vorangetrieben



    http://www.sueddeutsche.de/mue…n-alter-baukunst-1.965805


    anstatt sich um das Denkmal selbst zu kümmern und dessen baulichen Zustand zu verbessern (was finanziellen Einsatz erfordern würde) legt man sich lieber mit allen Angrenzern an, droht diesen mit schweren wirtschaftlichen Folgen, bis zum Verlust der Existenz, ohne daß dieses Vorgehen für das Denkmal selbst eine Verbesserung bringen kann
    aber immerhin kostet das dem Denkmalamt nichts

  • Zitat von amoss

    ... quasi ans Leben und da liegt dann der Gedanke an Notwehr nicht mehr fern...so ein altes, baufälliges Gemäuer kann ganz schnell und zufälligerweise abrennen oder einstürzen....



    Ich sag es ja immer wieder.....wenn schon in Deutschland (und anderswo) hier, da, und dort Gebäude abbrennen, sollte man wenigstens an gleicher Stelle neue Gebäude errichten in perfekter Sonnenausrichtung für eine gute PV-Nutzung.


    Oder an gleicher Stelle die Aufforstung von ein (paar) Bäumen beginnen. Asche soll ja sogar ggf. guter Dünger sein.

  • Hallo,


    also ihr könnt mich jetzt steinigen oder sonstwas, aber:


    Bei solchen Summen sicher ich mich doch ab.....


    Ich wohne in einem Denkmalgeschützen Komplex und Gebäude, somit vergewissere ich mich doch, dass das was ich mache auch gemacht werden darf. Habe mich hier auch mit einem Nachbarn unterhalten, Kommentar "Ach, das interessiert die sowieso nicht". Leider interessiert es sie doch und daher hole ich mich vorher die erforderlichen Genehmigungen ein, denn ich habe keine Lust 50.000€ wieder abzubauen. Denn dann; bin auch ich kaputt.
    Ein weiterer Bewohner des Areals hat sich ein Baum in den Garten gestellt, musste abgebaut werden.


    Zu Ihm, wie auch hier, kann ich nur sagen selber Schuld.


    Gruß
    Franz