Rückwirkende Kürzung für bestehende Anlagen um 30% kommt!

  • Eine Antwort bin ich noch schuldig: Warum habe ich das Projekt nicht gemacht, wo doch die Förderung so hoch war.


    Ich stand mit 2 Anbietern in Verhandlung, einer war mir zu nebulös und undurchsichtig, der andere hatte einen klaren Prospekt und auch schon die Grundstücke und Genehmigungen. Er teilte mir dann mit, dass aufgrund der "schwierigen Modulbeschaffung" der Preis zu niedrig kalkuliert war und erhöhte von 530.000 € auf 580.000 €. Als ich dann zusagen wollte, verlangte er plötzlich 600.000 € mit dem Verweis dass andere Investoren das zahlen würden. Ich habe meine Prinzipien und sagte daraufhin ab. Zwischenzeitlich habe ich einen Bekannten der in Benidorm eine große Finca mit einigen ha Land besitzt heiß auf eine selbstprojektierte Anlage gemacht. Der hat sich aber aber den Behörden ungeschickt ( andere Ausdrücke möchte ich hier nicht schreiben... ) angestellt und nie die erforderlichen Genehmigungen zustandegebracht. Damit war Spanien PV-mäßig für mich vorbei.

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Zitat von Kollektor

    Ich bleibe dabei, die spanische Solarförderung war total überzogen und wurde jetzt etwas auf Normalmaß zurückgestutzt.[/color]


    Das kann man für die deutsche Solarförderung der letzten ein, zwei Jahre aber auch sagen...

  • Zitat von Kollektor

    Damit war Spanien PV-mäßig für mich vorbei.


    Tja, da hast Du wohl Glück gehabt. Ich hingegen stecke in einem Spanien-Fonds der KGAL drin und bin daher direkt betroffen von der Kürzung. Zum Glück ist meine Investitionssumme aber überschaubar, sodass ich nachts noch schlafen kann...


    Deine Überschlagsrechnung kann ich bestätigen. Der Fonds, an dem ich beteiligt bin, wird wohl auch zukünftig profitabel sein. Also auch in den kommenden drei Jahren, obwohl die Einnahmen da fast 20% geringer sein werden. Nach meiner Berechnung dürfte sogar trotz der Kürzung noch eine Auschüttung von 2,5% pro Jahr weiterhin möglich sein, bisher waren es 10% p.a.. Aber Spaß habe ich an dem Engagement trotzdem nicht mehr. Man weiß ja auch nicht mehr ganz sicher, ob Spanien im Euroraum bleibt, was ein weiteres Risiko darstellt. Zudem ist unklar, was für rückwirkende Kürzungen in der Zukunft noch kommen werden. Und die ursprüngliche Vorsteuerrendite von 11% auf das Kommanditkapital schmilzt durch die Maßnahmen doch deutlich zusammen. Nochmal würde ich also in Spanien kein Geld investieren.


    Auf der anderen Seite kann ich sogar verstehen, dass die spanische Regierung sauer ist und etwas unternehmen möchte. In Spanien passieren die tollsten Dinge. Die Sache mit den Dieselgeneratoren, die auf wundersame Weise auch nachts Einspeisezähler antreiben können, kennt man ja hier im Forum schon. Es geht aber noch anders: wer die Photon da hat, kann dazu mal die S. 33 in der aktuellen Ausgabe aufschlagen. Da wird unter der Überschrift "Solar-Tuning" darüber berichtet, dass da ganz findige Betreiber begonnen haben, die unter der alten Gesetzgebung installierten Solarparks aufzumotzen. Da nämlich in Spanien die Größe von PV-Anlagen nur anhand der Wechselrichter bemessen wird, kann man dort auch jetzt noch zusätzliche Module dranklemmen, solange die Wechselrichter unverändert bleiben. Nachdem die Modulpreise nun also stark gefallen sind, kommen Leute auf die Idee, ihre Anlagen mit zusätzlichen Modulen auszustatten. Zwar überlastet das in Spitzenzeiten im Sommer die Wechselrichter, sodass diese abregeln, aber bis zu einer bestimmten Grenze lohnt es sich trotzdem. Somit werden jetzt zusätzliche, günstige Module installiert und der aus diesen Modulen produzierte Strom erhält die alte, hohe Vergütung. Das wirtschaftliche Optimum liegt angeblich bei bis zu 170 kwp Generatorleistung auf 100 kw Nominalleistung der Wechselrichter. So kommt es, dass die nach der alten Regelung zu vergütenden Stunden in 2009 wohl um 20% gestiegen, obwohl die Sonne kaum mehr geleistet hat als im Vorjahr - und offiziell ja auch kein Zubau mehr möglich ist. Klar, dass die spanische Regierung da stinksauer wird. Insoweit könnte ich es sogar verstehen, wenn eine an der realen Einstrahlung orientierte Stundenbegrenzung auf Basis der Nominalleistung der Wechselrichter eingeführt wird, sodass der beschriebene Trick nicht länger greift.


    Dass nun aber pauschal alle Anlagen vom Gesetzgeber über einen Kamm geschoren werden, statt gezielt gegen Trickser und Betrüger vorzugehen, das ist sicherlich der falsche Weg und für mich nicht nachvollziehbar. Denn grundsätzlich ist eine Regierung selbst schuld, wenn sie zu großzügige Förderungen beschließt.


    Beste Grüße,
    Theoden

  • Zitat von Theoden


    Tja, da hast Du wohl Glück gehabt. Ich hingegen stecke in einem Spanien-Fonds der KGAL drin und bin daher direkt betroffen von der Kürzung. Zum Glück ist meine Investitionssumme aber überschaubar, sodass ich nachts noch schlafen kann...
    Beste Grüße,
    Theoden


    Hallo Theoden,


    und was ist mit den Initiatoren? Die behalten Ihren Gewinn des überteuert verkauften Investment wie immer und schieben alle Schuld von sich. Das ist genau das, was ich schon oft geschrieben habe: Wenn es Probleme gibt, sind alle fein raus, bis auf die Geldgeber :oops::oops: - es gibt nur ganz, ganz wenige Ausnahmen am Markt. In der Schiffsbranche und Windparkbranche ist es genau so - alle Last auf die Geldgeber (selber Schuld wer 'uns' geglaubt hat :D ).


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Inmotion V10F; Nikola Gotway 84V

  • Zitat von Theoden

    Auf der anderen Seite kann ich sogar verstehen, dass die spanische Regierung sauer ist und etwas unternehmen möchte.


    Die Spanier stehen mit dem Rücken zur Wand, PV-Förderung steht im Wettbewerb mit Kindergärten und Arbeitslosenhilfe. Die Politiker sehen in den PV-Betreibern kein Wählerpotenzial, bei den Eltern, Rentnern usw. aber schon. Die Macht der Demokratie ist stärker als das Recht von gestern, das befürchte ich sogar in Deutschland wenn sich soziale Unruhen entwickeln.


    Ich bemängele bei der spanischen Solarförderung einfach das Augenmaß. Damals und heute ! Hätte man hier etwas zurückhaltender agiert, wäre es nicht zu den Auswüchsen gekommen, die Preise wären so wie in Deutschland geblieben und eine PV-Industrie wäre sachte entstanden und würde immer noch leben können. War übrigens dasselbe wie im Bausektor, dort ist in Feriengebieten eine Riesenblase entstanden mit Neubauten die heute leer stehen und unverkäuflich sind. Die Baupreise in den Städten zogen mit und viele Spanier stehen jetzt vor der privaten Insolvenz.


    Ich wünsche dir viel Glück mit deinem Fonds, so wie du schilderst ist er nicht aggrevssiv finanziert und kann die nächsten 3 Jahre gut überstehen. Viele Fonds waren aber total überteuert und gehebelt und den Initiatoren kann es egal sein was damit passiert, sie haben ihren Reibach gemacht. Das sind solche Leute, die vorgestern Bauherrenmodelle entwickelt und angeboten haben, gestern Solarfonds und Fonds mit gebrauchten Lebensversicherungen und heute basteln die schon an neuen Ideen. Immer mit Geld das sie arglosen Anlegern abluchsen, mit Krediten aufhebeln und mit "Partnern" im einschlägigen Finanzdrückermilieu durchziehen. Besonders im Bereich Umwelt finden sie ihre gutgläubigen Opfer die denken sie würden die Welt retten mit ihrem Engagement. Meistens sind Sonnenblumen auf der Deckseite und/oder verteilt im Prospekt. Prospekte mit auch nur einer Sonnenblume drin ist ein untrügliches Zeichen für die unseriöse Mache und sollte sofort in den Papierkorb wandern, besser gleich schreddern damit sie niemand mehr findet. Ist ein ernstgemeinter Rat von mir, kostenlos aber nicht umsonst :P

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Zitat von Kollektor

    Prospekte mit auch nur einer Sonnenblume drin ist ein untrügliches Zeichen für die unseriöse Mache und sollte sofort in den Papierkorb wandern, besser gleich schreddern damit sie niemand mehr findet. Ist ein ernstgemeinter Rat von mir, kostenlos aber nicht umsonst :P


    Volle Zustimmung zu Deinem interessanten Beitrag. Ich habe in den letzten Jahren live in meiner Nachbarschaft die Entstehung eines geschlossenen Immobilienfonds erleben dürfen. Der Ablauf war wie folgt:


    1. Ein Projektentwickler hat ein Einkaufscenter für 50 Mio. EUR errichtet.
    2. Nach der Fertigstellung und Vollvermietung hat er es (noch vor Ablauf des ersten Jahres) für 64 Mio. EUR an einen Fondsinitiator veräußert.
    3. Der Fondsinitiator hat das Einkaufscenter in eine Fonds-KG eingebracht und bietet jetzt Anteile an diesem geschlossenen Fonds unbedarften Kleinanlegern an (wie man hört, läuft das sogar sehr gut). Leider zahlen die Kleinanleger über diese Fondskonstruktion jetzt satte 90 Mio. EUR für dieses Einkaufscenter - das ist ein Aufschlag von 80 % auf den Herstellungswert. Die Fonds-KG ist übrigens mit 50 Mio. EUR Fremdkapital ausgestattet...


    Auf dem Weg von der Herstellung bis zum Fonds ist aus einem soliden Objekt mit eigentlich guter Rendite eine hochspekulative Anlage geworden, die für die ahnungslosen Anleger das Risiko des Totalverlusts trägt.


    Nicht anders verhält es sich bei vielen Solarfonds, die angeboten wurden und werden.

  • Zwar peinlich, aber auch bin schon auf auf Geschlossene Fonds hereingefallen: http://www.wallstreet-online.d…ognosen-deutlich-verfehlt


    Seitdem betrachte ich die ganze Branche mit kritischen Augen und wurde schon mehrmals durch Fehlgriffe von Freunden/Bekannten/Kollegen bestätigt. Gibt auch wenige positive Beispiele, deshalb ist eine Verallgemeinerung unzulässig, aber ich beteilige mich an keinem Geschlossenen Fonds mehr. Warum denn auch, PV-Anlagen z.B. kann man in jeder zum Geldbeutel passenden Größe selbst entwickeln und betreiben, mit vernünftigen Relationen bleibt dann auch was bei einem selbst hängen.


    Weicht jetzt vom Thema ab, jetzt wieder zurück nach Spanien.

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Zitat von Kollektor

    Gibt auch wenige positive Beispiele, deshalb ist eine Verallgemeinerung unzulässig, aber ich beteilige mich an keinem Geschlossenen Fonds mehr.


    Kollektor :


    Volle Zustimmung - habe auch zu viel 'Lehrgeld' bezahlt. Und der Kapitalgeber ist eben immer der Dumme, sollte es Probleme geben. Daher für mich auch seit Jahren ein No Go.


    Gruß und guten Rutsch
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Inmotion V10F; Nikola Gotway 84V

  • Mein Gott, das ist echt ein interessanter Thread für mich "ungebrannten" Investor... da wirds einem ja ganz anders :shock:


    Wie ist eigentlich eure zukünftige Einstellung zu "Goldgräber"-Investments (wie eben dem Spanien-Boom oder jetzt evtl. Ontario, oder Großbritannien mit seiner irrsinnigen Vergütung, oder auch irgendein anderer Boom)? Wenn sich noch mal eine Chance bieten würde, würdet ihr dann besser komplett darauf verzichten? Denn wie Kollektor ja schon schreibt: Der Verstand sagt ja, und das Gefühl geht im Gebrause unter :| Und es ist verdammt hart, aus "Vernunft" zu verzichten, während andere munter investieren.


    Was ist wohl schmerzhafter, zu sehen wie andere sich dämlich verdienen während man selber verzichtet hat, oder das eigene Investment in den Sand gesetzt zu haben :?:

    sonnige Grüße,
    -Weidemann-

  • Zitat von Weidemann

    Wie ist eigentlich eure zukünftige Einstellung zu "Goldgräber"-Investments (wie eben dem Spanien-Boom oder jetzt evtl. Ontario, oder Großbritannien mit seiner irrsinnigen Vergütung, oder auch irgendein anderer Boom)? Wenn sich noch mal eine Chance bieten würde, würdet ihr dann besser komplett darauf verzichten? Denn wie Kollektor ja schon schreibt: Der Verstand sagt ja, und das Gefühl geht im Gebrause unter :| Und es ist verdammt hart, aus "Vernunft" zu verzichten, während andere munter investieren.


    Was ist wohl schmerzhafter, zu sehen wie andere sich dämlich verdienen während man selber verzichtet hat, oder das eigene Investment in den Sand gesetzt zu haben :?:


    Da ich keinen Neid kenne, freue ich mich mit denen die sich "dämlich verdienen". Ich weiß aber auch, dass von 10 die es versuchen 2 davon ihr Geld wieder sehen und 6 auf die Schnauze fallen. Also nur Schmerz für "in den Sand setzen" und zusätzlich Wut über die Abzocker und über mich selbst reingefallen zu sein.


    Aber man lernt ständig dazu und entwickelt langsam auch ein Gefühl für gute und schlechte Investments. Nicht gierig werden ! Schlechte Investments waren bei mir meist diejenigen, wo ich Geld in fremde Hände gegeben habe. Selbstbetriebene PV z.B. war bei mir ein gutes Investment, klein angefangen auf dem Hausdach dann vorsichtig immer größere Anlagen. Jetzt aufpassen dass man nicht den notwendigen Abstand und die Kritikfähigkeit verliert, ein falsches "Großinvestment" und alles ist im Eimer. Parallel immer nach Alternativen schauen aber immer klein anfangen bei neuen Vorhaben. Nie alles auf eine Karte setzen, keine Abhängigkeiten eingehen ( z.B. hohe Bankkredite ).

    Sonnige Grüße
    Kollektor