Deutscher Strom-Export/Import

  • Der jeweils maximale Stromaustausch zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern zusammengezählt, ergibt einen Stromaustausch von 123 TWh / Jahr (vermutlich über 10mal soviel Strom wie die diesjährige PV-Stromproduktion):
    http://epp.eurostat.ec.europa.…tatistics/search_database
    Wenn man diesen Netzen eine mittlere Auslastung von ganzen 70% zu Grunde legt (Vollast bei 6132 Stunden pro Jahr), ergibt das eine Netzstromleistung mit den Nachbarländern von gut 20 GW.


    Interessant ist auch, dass Deutschland momentan keinen Strom mit Belgien und Norwegen austauscht und mit den Niederlanden mehr Strom austauscht als mit den jeweiligen Alpenländern (F, CH und A), obwohl diese Länder um Welten mehr flexible Wasserkraftsleistung verfügen.


    Wenn man den Monat September 2010 und EEX-Daten als Basis nimmt (siehe Anhang), dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass über 50% der installierten PV-Leistung gleichzeitig produziert wird, weniger als 3%.
    In anderen Worten: Deutschland müsste in diesem Fall über 40 GW PV-Leistung installiert haben (und selbst keinen PV-Strom verbrauchen) um mit 3% Wahrscheinlichkeit nur schon die momentanen Netzverbindungen mit den Nachbarländern mit PV-Strom vollständig auslasten zu können.

  • Ich denke nicht, dass es wahrscheinlich ist, dass unsere Nachbarländer Strombedarf haben, wenn wir selbst keinen brauchen.
    Das vorhanden sein einer Leitung heisst nicht, dass der Strom auch gekauft wird.
    In Tschechien beispielsweise wird auch massiv in PV investiert. Atomkraft ist dort auch sehr stark.
    Wenn am Sonntag um 13 Uhr bei schönen Wetter ein massives Stromangebot vorhanden ist, und kaum Strombedarf in Deutschland, dann ist das in useren Nachbarländer bestimt genauso.


    Wir können niemand zwingen unseren Strom zu kaufen!
    Wir müssen selbst Speicher bauen, um unseren PV-Strom effektiv nutzen zu können.


    Es kann ja nicht dass Ziel sein, dass wir in Deutschland den PV Strom für 40ct erzeugen und für 1ct ans Ausland verscherbeln.
    Es gab auch schon negative Strompreise.


    Grüße Vilstalsonne

    144 St. Sharp NU 180 an 3 Kaco 8000, 1 Kaco 4500
    60 St. Sharp NU 180 an 3 Kaco 3600
    70 St. Scharp NU 180 an 2 Kaco 3600, 1 Kaco 6000
    125 St. Yingli 240 an 1 Danfoss Tlx 15, 2 Tlx 8
    96 St. Yingli 240 an 1 Danfoss Tlx 12,5, Tlx 10

  • Zitat von vilstalsonne

    Wir können niemand zwingen unseren Strom zu kaufen!
    Wir müssen selbst Speicher bauen, um unseren PV-Strom effektiv nutzen zu können.


    Es kann ja nicht dass Ziel sein, dass wir in Deutschland den PV Strom für 40ct erzeugen und für 1ct ans Ausland verscherbeln.
    Es gab auch schon negative Strompreise.


    Deutschland exportiert im Saldo rund 20 TWh pro Jahr, weil er anderswo gerne gekauft wird. Und ja, das es ist in der Tat so, dass wenn der Preis hierzulande auf 1 ct und darunter sinkt, sich auch ausländische Stromhändler in Deutschland eindecken, sofern dies die Kuppelkapazitäten hergeben.


    Dass PV-Strom über das EEG auch mit 40 ct/kWh gefördert wird bzw. wurde steht auf einem eigenen Blatt. Das ist der Systematik der kostendeckenden Vergütung des EEG geschuldet, die nicht unbedingt etwas mit Marktpreisen zu tun hat, die sich bilden, wenn fossile und nukleare Kraftwerke im Wettbewerb stehen.


    Gruß,
    Gunnar

  • Zitat

    Wenn am Sonntag um 13 Uhr bei schönen Wetter ein massives Stromangebot vorhanden ist, und kaum Strombedarf in Deutschland, dann ist das in useren Nachbarländer bestimt genauso.


    Das stimmt doch nicht. Viele ausländische Wasserspeicher-, Gas- und selbst Ölkraftwerke (6.7% der EU Kraftwerksleistung läuft immer noch mit Öl) reduzieren noch so gerne deren Leistung bzw. stellen sie auch ganz ab bzw. können Ihre Pumpspeicher, wenn's denn sein darf, auch am Tag betreiben (das wird allerdings noch lange nicht eintreten, angesichts der Tatsache dass dazu momentan und unter anderem 170 GW atomarer Nachtstrom notwendig ist). Zudem beziehen viele Europäische Nachbarn ihren Strom auch im Sommer von Heizkraftwerken obwohl der Heizenergiebedarf wesentlich geringer ist (auch Deutschland hat 21.2 GW BHKW-Leistung installiert: http://www.worldwatch.org/node/5924).
    Ausserdem lassen sich auch Kohlekraftwerke in den Sommermonaten vollständig abstellen.


    Apropos Gaskraftwerke: Zwischen 2000 und 2009 hat Europa alleine über flexible 81 GW Gaskraftsleistung zugebaut:
    http://www.ewea.org/fileadmin/…cs/general_stats_2009.pdf (Dieser Ausbau wäre nicht erfolgt, wenn dieser Leistungsbedarf nicht vorhanden gewesen wäre). Ein Ausbau der PV wird letztlich deren Auslastung und somit die Abhängigkeit von Aussereuropäischem Gas etwas reduzieren.


    Zitat

    Wir können niemand zwingen unseren Strom zu kaufen!


    Speicherkraftwerksbetreiber machen momentan das grosse Geschäft mit überflüssigem atomaren Nachtstrom (ganz ohne Zwang) und mit dem Verkauf von teurem Tagesstrom und PV-Strom wird ihnen vorallem das lukrative Tagesgeschäft streitig machen. Und wenn denn Europäischer PV-Strom am Tag auch mal die 170 GW erreichen, welche die Europäischen AKWs während der Nacht ins Netz speisen, dann können die Speicherkraftwerksbetreiber vielleicht auch mit PV-Strom noch ein Geschäft machen...

  • die grafiken sind toll, weshalb gibt es sowas nicht in deutschland? - SMA macht es ja ein wenig vor.


    Die Netzauslastung ist in der Schweiz soeben "fast" genauso hoch wie unsere PV Produktion in Deutschland.

  • Zitat von ChristianEgg

    Hallo Forum,


    für die Schweiz gibt es eine schöne, jederzeit aktuelle Grafik: http://www.swissgrid.ch/power_…gets.html?set_language=de


    Gruss


    Danke für den Link!
    Sowas wünsche ich mir auch für Deutschland!


    Sonnige Grüße

  • Nachdem ich die Schweizer Grenzflüsse nun immer wieder mal beobachtet habe, kann ich sagen:


    1) Die Schweiz importiert fast immer bis zu ca. 3 GW aus Deutschland, nur selten wird nach D exportiert, dann meist unter 1 GW.
    2) Aus Frankreich importiert die Schweiz viel (oft 2-3 GW), exportiert aber regelmäßig auch wieder (aber nur bis ca. 1,5 GW)
    3) Österreich schwankt zwischen + und - 1 GW.
    4) Italien importiert fast permanent 2-3,5 GW aus der Schweiz. Nur selten weniger als 1 GW. Dass Strom aus Italien in die Schweiz fließt, konnte ich noch garnicht beobachten.
    An der Grenze F/I sieht es wahrscheinlich nicht anders aus. Italien scheint ein absolutes Stromimportland zu sein. Ein bisschen mehr Wind und PV würde denen sicher gut tun. Berge und Sonne gibts da doch genug. Perfekte Rahmenbedingungen eigentlich.


    Fazit: Die Schweiz scheint ein ziemliches Transitland von Nord und West nach Süd zu sein. In Summe schwankt die Schweizer Bilanz zwischen 3 GW Import und 3 GW Export. Ich schließe daraus, das einige GW Schwankungen kurzfristig ausgeglichen werden können müssten, wenn im Mittel weder ein Über- noch ein Unterangebot herrscht.
    Soll heißen: Wenn die Schweiz schon alles Wasser laufen lässt, um Strom zu exportieren (Unterangebot), kann keine plötzliche Flaute ausgeglichen werden, wohl aber eine plötzliche starke Prise. Wenn die Schweiz gerade importierten Strom den Berg hochpumpt (Überangebot), kann natürlich eine Flaute besser abgefangen werden als ein Windüberschuss.


    Sonnige Grüße