Frage zur Steuererklärung bzgl. Auszahlungsdifferenz Kredit

  • Guten Tag,


    ich habe mal eine Frage zur Steuererklärung.


    Vorweg: Ich habe das Forum durchsucht, leider aber keine Hilfe dahingehend gefunden. Ich weiß, dass dieses Thema schon mal behandelt wurde, so ca. vor 1,5 Jahren. Finde aber leider keinen Eintrag dazu.




    PV-Anlage in 7/2008 gebaut und in Betrieb genommen. Soweit alles steuerliche auch geregelt.


    Bis auf dass ich vergessen habe, in den Steuererklärungen folgenden Punkt anzugeben:
    Kredit über z.B.45000,00€ aufgenommen aber nur 96% ( also 43200,00€) davon ausagezahlt bekommen. Die Summe von 1800,00€ bei der ST-Erkl. für 2009 jetzt als Betriebsausgaben --> Sonderausgaben nach § 7g mit 1800,00€ angesetzt, und mit folgender Begründung vom FA abgelehnt worden:


    "Bei der Gewinnermittlung ist eine Sondferabschreibung nach §7g EST-gesetz nur in Höhe von xxx€ möglich, da die gesamte Sonderabschreibung nur 20% der Anschaffungskosten betragen darf. Im Kalenderjahr 2008 wurden bereits xxxxx€ als Sonderabschreibung nach §7g ESTgesetz berücksichtigt.
    Die lineare Abschreibung gemäß §7 Abs.1 ESTgesetz beträgt für die ersten 5 Jahre xxxxx€ (2008 zeitanteilig xxxx€), danach für die weiteren 14 Jahre xxxx€ und im letzten Jahr xxxx€ "


    Meine Frage: Habe ich nur den Fehler gemacht den Betrag an der falschen Stellen anzugeben (Sonderausgaben?) oder habe ich generell Pech gehabt und kann diese Summe steuerlich - gar nicht - nicht mehr - ansetzen?


    Vielen Dank für Eure Mühe,
    Michael

    13,86 kWp
    66 Sanyo HIP 210 NKHE 1,
    Kostal Pico 10.1 und Solarmax 2000S

  • Hier gehts mal wieder sprachlich / begrifflich durcheinander...
    Fangen wir mal an aufzuräumen.


    §7g beschreibt eine Sonderabschreibung. Also eine Abschreibung die zur Normal-Afa noch "on top" kommt.
    Wenn Du die 20% Höchstbetrag tatsächlich in 2008 schon angesetzt hast (was ja tendentiell richtig war), dann ist es völlig richtig, dass die für 2009 nicht nochmal gewährt wird.
    Auch der Satz in der Begründung zur linearen (Normal-)Abschreibung ist absolut nachvollziehbar; nachrechnen kann ich es freilich nicht.


    Die 4% Disagio haben mit der Abschreibung der Anlage GAR NICHTS zu tun.
    Beim 4/3-Rechner SIND die Aufwendungen für ein Disagio gem. dem Zufluss-Abfluss-Prinzip im Zeitpunkt des Abflusses (= der Darlehensauszahlung) zu erfassen.
    Der Gesetzgeber schreibt "sind"... nicht "kann". Demzufolge hättest Du schlicht Pech gehabt.


    100% sicher bin ich mir allerdings nicht, ob es nicht irgendwo noch eine backdoor gibt, über die Du wieder ins Rennen kommst.


    Da der Sachverhalt offen auf dem Tisch liegt, solltest Du mal die Meinung vom FA einholen. Ändern / Versaubeuteln kannst Du jetzt eh nix mehr.
    Du solltest lediglich klarstellen, daß Du ein Disagio aus 2008 nicht in 2008 geltend gemacht hast, sondern nunmehr über die Laufzeit der entsprechenden Verbindlichkeit verteilt als Betriebsausgabe erfassen möchtest.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo kpr.


    Habe gerade telefonisch versucht, jemanden bei meinem FA zu erreichen, aber leider ohne Erfolg.
    Ich werde also ein Schreiben verfassen, indem ich 1.) Einspruch gegen den Bescheid einlege und 2.) den Sachverhalt begründen werde, warum ich dem Bescheid widerspreche. Vielleicht habe ich ja Glück und eine / einen verständigen Sachbearbeiter, der ein Herz hat!


    Eigentlich ist es ja logisch, dass es sich nicht um eine Sonderabschreibung handelt! Aber ich wußte wohl nicht so genau, wo ich den Betrag bei der EST-Erklärung verbuchen sollte. Die Begründung des FA leuchtet mir ja auch ein. Es würde mich halt nur "ein wenig" ärgern, wenn ich aus dieser Unwissenheit heraus, einen -verschmerzbaren - Verlust hätte. Ich müßte dies dann wohl unter Lebenserfahrung o.ä. verbuchen!!


    Dir nochmals herzlichen Dank für die schnelle Antwort.


    Michael

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  • Zitat

    Ich müßte dies dann wohl unter Lebenserfahrung o.ä. verbuchen!!


    Ja, das wäre schade!
    Aber ich bewundere deine Einstellung in Zeiten der "Vollkaskomentalität"


    Servus


    Toni

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II

  • Hallo Eisbaer,


    Mann, da bringst Du mich auf eine gute Idee! Vielleicht bin ich ja gegen sowas wie eigene Dummheit versichert? :D
    Gruß, Michael

    13,86 kWp
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  • Also ich möchte Dir keinen Mut machen, dass Du jemanden mit "Herz" findest.
    Entweder findet sich irgendwo eine Hintertür über die Du die Betriebsausgaben gerettet bekommst (dann steht es irgendwo geschrieben; 4/3-Rechnung ist nicht wirklich mein Kerngebiet; das mir da nichts bekannt ist, will also nichts heissen);
    oder aber, der Gesetzgeber hat mit dem was er geschrieben hat, genau das gewollt, was Dir dann passiert: Betriebsausgabenabzug adieu.


    Ich fände es schlimm, wenn man hier mit "Unwissenheit" (mein Gott... Du warst zu geizig einen Steuerberater zu beauftragen; der wäre gegen sowas versichert) oder mit Hundeblick, tiefem Ausschnitt oder kurzem Rock weiterkäme.
    Mit "Gleichmäßiger Steuererhebung" hat das dann nichts zu tun.



    Moment... da fällt mir ein Trick aus der schwarzen Kiste ein:
    Hast Du jemals (telefonisch, schriftlich, per E-Mail, Brieftaube oder Rauchzeichen) dem Finanzamt irgendwie gegenüber kundgetan, dass Du den Bescheid 2008 erhalten hast?
    Falls nicht... frag doch mal höflich an, wo der Bescheid 2008 bleibt. ("Bei Durchsicht unserer Unterlagen haben wir festgestellt, daß der ESt-Bescheid 2008 bisher noch nicht ergangen ist. Wir bitten höflich um Auskunft zum Sachstand und ggf. weitere Veranlassung").
    Sollten die damit kommen, das Ding vor x Monaten an Dich verschickt zu haben... wunderbar. Jetzt bist Du auf der Siegerstrasse.
    Den Beweis, dass Dir der Bescheid bekanntgegeben wurde (und nur dann entfaltete er Rechtswirkung), dürfte ohne Deine Hilfe unmöglich sein.
    Also... Bescheid neu zustellen... neue RBH-Frist... Einspruch... und die 1.800,- Euro nachziehen.

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  • Hallo kpr,


    und das ist legal? Ich will mich ja nicht mit meinem FA anlegen! Da gab es doch mal sowas mit nem langen Hebel....


    Vielleicht habe ich den Bescheid ja wirklich noch nicht bekommen, dann hätte ich ein reines Gewissen, es zu versuchen! Aber wenn ich ihn schon habe, ... nee, das macht man (mache ich!) doch nicht, oder?
    Ja, Du hast ja recht: Ich war zu geizig, um einen Steuerberater zu fragen. Aber ob der dies gewußt hätte? Ich meine, ob er mich darauf hingewiesen hätte, dass ich das Disagio angeben und steuerlich geltend machen kann? Das bezweifle ich, denn das Thema PV mit allem was dazu gehört war ihm fremd. Es ist nicht so, dass ich ihn nicht nach dem ein oder anderen gefragt hätte.


    Trotzdem, nochmals lieben Dank für Deine Mühen und der Suche, nach der ein oder andersfarbigen Kiste!


    Ich poste mal weiter, wenn ich näheres vom FA weiß!
    Michael

    13,86 kWp
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  • Insofern der Bescheid 2008 nicht unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen ist, gibt es in diesem Fall keine (moralisch vertretbare :D ) Möglichkeit, das gezahlte Disagio noch als Aufwand zu berücksichtigen.


    Die von kpr angeführte Vorgehensweise kann ich in meiner Funktion natürlich nicht gutheißen oder gar empfehlen, sie ist aber so etwas wie Tagesgeschäft, um als Steuerpflichtiger seine ganz private Wiedereinsetzung zu erreichen :D. Das Finanzamt kann dir die ordnungsgemäße Bekanntgabe des Bescheides in aller Regel nicht nachweisen. Du bekommst einen neuen Bescheid und kannst den mit Einspruch anfechten. Dass der Bearbeiter auch aufgrund der damit verbundenen Arbeit nicht dein Freund wird und jeder Kollege natürlich den Braten sofort riecht, was hier erreicht werden soll, ist natürlich auch klar. Andererseits sind 1.800 Euro Betriebsausgaben kein Pappenstiel (je nach persönlichem Steuersatz).


    Doof für dich wäre nur, wenn der Bescheid 2008 mit einem Leistungsgebot endete (Nachzahlung), die du entrichtet hast....denn dann dürftest du den Bescheid ja bekommen haben.

    22 x Sovello SV-X 205 + Aurora PVI 5000

  • MarkusSIC


    mal unter uns Chorknaben:


    wenn ich meiner Steuererklärung z.B. mit WISO mache und die Erklärung online abgebe, dann bekomme ich doch auch eine Nachricht, dass ich meinen Steuerbescheid elektronisch abholen kann. Der Bescheid kommt zwar noch in Papierform, aber elektronisch komme ich schon früher ran.


    Bekommt Ihr eigentlich eine Meldung, wenn der Stpfl. seinen Bescheid elektronisch abholt? Könnte man dann von FA-Seite nicht argumentieren, dass der Stpfl. mit Abholung des elektronischen Bescheides Kenntnis vom Inhalt erhalten hat? Gibt es dazu Erfahrungen?


    Mir stellt sich die Frage, ob der online abzuholende Bescheid ein elektronisch übermittelter Bescheid nach § 122 Abs. 2a AO ist. Wäre er das, müßte kein Papierversand erfolgen. Da das FA den Bescheid aber in Papierform hinterhersendet könnte man vermuten, dass es eben kein Bescheid nach 2a sondern nach 2 Nr. 1 ist.


    kpr
    :wink: der Einfallsreichtung grenzt an ein Wunder :wink:
    Ich sehe es schon vor mir: dank einer kleinen Indiskretion wird Deine wahre Identität bekannt. In Millionen deutsche Amtsstuben steht dann Dein Bild mit dem Untertitel: Vorsicht! Dieser Mann ist besonders einfallsreich bei der Umgehung von Vorschriften und im Austricksen von Behörden!


    Wenn ich richtig informiert bin wird man in Behörden bei Dir vor Ort befördert, wenn man es schafft, Dich irgendwie dranzukriegen! :wink: :wink: (Du weißt ja, wie ich´s meine! :D )


    VG
    Marc

  • ;-)


    das hier "Kommentare" kommen, war mir klar, noch bevor ich es geschrieben habe.


    Ich habe ja selbst vorangestellt, daß es ein Trick in die schwarze Kiste ist.
    Ob man das vertreten kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.
    (Aber nebenbei: Auch die Jungs & Mädels beim FA haben so eine Kiste. Beim Fussball gibts ja auch taktische Fouls und zur Not die Blutgrätsche)


    Sollte ich es wirklich zu den von Marc genannten Ehren bringen... so würde dies mein Herz mit Stolz erfüllen.
    Ich sehe da allerdings schwarz. Auch die Hoffnung auf ein nach mir benanntes höchstrichterliches Urteil habe ich längst aufgegeben. Da gibt es weitaus hellere Köpfe.
    Ich würde es übrigens nicht als "Austricksen" bezeichnen.
    Für mich ist es eher eine Art "Katz und Maus-Spiel"; die Kunst ist halt zu wissen, wer die Katz' und wer die Maus ist.


    Bin da mit dem Vorredner einer Meinung: Es ist nicht die "feine englische Art"; und natürlich weiß der Bearbeiter was los ist.
    Aber ich wüsste keinen, der das über den Tag hinaus trägt. Egal ob Steuerpflichtiger oder Verwaltung: Mal gewinnt man, mal verliert mal. Das sollte jeder Beteiligte mit gesundem Sportsgeist sehen. (Und bei der nächsten Klimatagung ist man ein Schnittchen zusammen...)


    Aber noch in der Sache ergänzend:
    MarcusSic hat natürlich Recht... wäre da wirklich eine Nachzahlung aus 2008 die nicht per Lastschrift reguliert wurde, dann wäre auch die Zahlung ein klarer Beweis für den Erhalt des Bescheides. Klar. Logisch. Klappe zu - Affe tot. Alle gehen nach Hause. Man muss auch gönnen können.



    Wie siehts denn aus.... Frage an diejenigen, die mir in den speziellen Vorschriften zur steuerlichen Gewinnermittlung nach 4/3 um Längen voraus sind (was auf jeden Berufsschüler zutreffen dürfte):
    Irgendein Wahlrecht weit und breit, wonach er das Disagio über die Laufzeit verteilen kann? Irgendeine Hintertür.. ein Katzenloch?


    Mich stört an meiner eigenen Einschätzung, dass bilanzierende Unternehmer verteilen MÜSSEN, während der 4/3-Rechner es nicht darf. Macht das Sinn? (Also für mich zumindest nicht; aber das bedeutet halt nix)
    (Mir kribbelt die Sache mit dem "gewillkürten Betriebsvermögen bei 4/3-Rechnern" in den Füßen; lt. Verwaltungsauffassung gab es das ja auch nicht - und dann kam der BFH)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung