Europas Stromnetz der Zukunft

  • Wenn ich diesen Artikel lese, dann stellt sich bei mir ein gewisses Unbehagen ein.


    Zitat

    Über 40000 neue Leitungskilometer bilden einen gigantischen Markt, den sich vor allem die Platzhirsche unter den Netzbauern, ABB und Siemens, aufteilen werden.


    Zitat

    Die Netzbetreiber aber wünschen sich mehr Planungssicherheit, um ihre Investitionen gewinnbringend zu platzieren.


    Zitat

    Dennoch sieht er [Fraunhofer-Forscher Rohrig] den auf den ersten Blick zukunftsweisenden Plan skeptisch, weil "die Gefahr besteht, dass der Netzausbau die Bedürfnisse der Windenergie und anderer regenerativer Einspeiser nicht ausreichend berücksichtigt"


    Zitat

    Ob in Brüssel und Straßburg, Berlin, Madrid oder Paris, Strom-Lobbyisten jedweden Lagers werden in den nächsten Monaten alle Register ziehen. Denn mit den Ausbauplänen und den Betriebsregeln für das europäische Stromnetz der Zukunft werden die Randbedingungen festgezurrt werden, nach denen Erzeuger, Transporteure und Verteiler auf Jahrzehnte hinaus ihr Geld verdienen werden.


    Zitat

    Aber auf der Stromrechnung wird er die Folgen zu sehen bekommen, da die Netzbetreiber ihre Ausbaukosten auf die Kunden umlegen dürfen.


    Da wird wieder so ein großes Ding gedreht, wo wieder Oligopole absahnen werden.


    Ein Teil der Begründung ist die Einbindug von Desertec-Projekten. Könnte durch einen weiteren Ausbau von PV in Deutschland nicht Desertec überflüssig werden?
    Könnten Speichersysteme bis 2050 soweit ökonomisch werden, dass sie in der Masse in fast jedem Keller eingesetzt werden können? Könnten so manche Großprojekt obsolet werden? Werden jetzt die Investitionsruinen geplant, die wir alle dann bezahlen müssen?
    Netzausbau ist wohl nötig. Aber in der Hand von einigen privaten Betreibern könnte da wieder eine Gelddruckmaschine für jene geschaffen werden.


    Mit sonnigen Grüßen Peter

  • Hallo,


    ich verstehe nicht, warum ihr immer so pessimistisch seid? Pumpspeicherkraftwerk (das größte) im Schwarzwald - brauchen wir nicht, neue Stromleitungen - wollen wir nicht! Wie soll es denn anders gehen? Selbst wenn auf jedem Dach eine PV ist, muss bei viel Sonne der Strom weggebracht werden (möglicherweise sogar ins Ausland) und bei fehlender Sonne Strom hergebracht werden. Dazu braucht man große Überlandtrassen. Dezentral mag ja im ländlichen Umfeld funktionieren, aber nicht in Ballungszentren, wo auf kleinem Raum sehr viel Energie gebraucht wird und die auch dorthin geschafft werden muss.
    Problematisch ist vielleicht, dass die 4 großen Netzbetreiber diese neuen Leitungen bauen - aber nur entsprechend finanzstarke Unternehmen haben überhaupt die Möglichkeit und den Atem dazu. Würde sich jetzt ein Konsortium bilden, das eine solche Leitung bauen möchte, wer sollte dem Geld geben? (Und wenn, dann doch auch nur, wenn eine ordentliche Rendite zu machen ist). Ob Desertec was wird oder nicht - und meiner Meinung sollte es - schon allein aus Versogungssicherheitsgründen, dann müssen die Planungen für die Leitungen jetzt starten, denn es wird Jahre dauern, die Netze auszubauen. Viele Experten sind sogar der Meinung, dass wir da bereits Jahre hinterher hinken. Manch' PV-Einspeiser kennt das ja, dass die Netze nicht genug ausgebaut sind. Bei Windkraft sieht's teilweise noch schlimmer aus.


    Meine Lösung wäre, dass wichtige Infrastruktur (Stromleitungen, Gasleitungen, Telefonleitungen, Straßen, Bahnanlagen, Wasserleitungen, Abwasserleitungen) dem Staat gehört. Gegen Gebühr kann die dann von der Privatwirtschaft genutzt werden. Dann gibt's auch solche Diskussionen nicht. Mit den Gebühren wird nicht Gewinn gemacht, sondern die Anlagen erhalten und in neue investiert.


    Solder

  • Zitat von solder

    Meine Lösung wäre, dass wichtige Infrastruktur (Stromleitungen, Gasleitungen, Telefonleitungen, Straßen, Bahnanlagen, Wasserleitungen, Abwasserleitungen) dem Staat gehört. Gegen Gebühr kann die dann von der Privatwirtschaft genutzt werden. Dann gibt's auch solche Diskussionen nicht. Mit den Gebühren wird nicht Gewinn gemacht, sondern die Anlagen erhalten und in neue investiert.


    So stelle ich mir das auch vor!


    Mit sonnigen Grüßen Peter

  • Hallo Leute,
    ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass uns hier wiedereinmal ein X für ein U vorgemacht werden soll.

    Zitat

    ...während innerhalb der EU Netzengpässe an den Staatsgrenzen den länderübergreifenden Handel mit Strom verhindern.


    Zitat

    Nutznießer dieser Entwicklung sind die Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken, beispielsweise in Österreich. Mit dem geschenkten Strom pumpen sie Wasser in ihre Stauseen, um dieses zu Hochpreiszeiten wieder durch die Generator-Turbinen rauschen zu lassen. Die Kosten zahlt der deutsche Stromkunde.


    Wir bringen den Strom nicht über die Grenze und die Österreicher profitieren davon. :?::juggle:


    Hieß es vor geraumer Zeit noch:
    "Es ist nicht sinnvoll, die (sicheren, deutschen) AKWs abzuschalten, wenn wir dann als Ausgleich Atomstrom aus Tschechien beziehen müssen.",
    so ist im Rahmen der Laufzeitverlängerungen geplant, Deutschland zum Stromimportland zu machen. Deshalb müssen wir die Übertragungskapazitäten nach Tschechien schaffen, damit die liefern können.


    Netzunabhängig:
    Es sind nicht die Österreicher, die in erster Linie von den Hochpreiszeiten profitieren, sondern die sog. "Grundlastbetreiber", die ihren Strom genauso hochpreisig vergütet bekommen. Sie liefern allerdings ein vielfaches und haben geringere Gestehungskosten.

    safety control rod axe man

  • Ich glaube nicht, dass wir Atomstrom aus Tschechien oder sonstwoher beziehen werden, wenn die Leitungen ausgebaut werden. Wenn die EE in Deutschland noch weiter ausgebaut wird, dann werden die Angebotsschwankungen immer größer werden. Die können kurzfristig nicht mit Atomenergie aus anderen Ländern ausgeglichen werden (können ja nicht mal mit Atomenergie aus unserem Land ausgeglichen werden). Einziges Szenario für Atomstromimport wäre für mich langanhaltendes trübes Winterwetter mit wenig Wind (entsprechend langfristig vorhergesagt).
    Eher ist es so, dass wir Überschüsse aus EE (ja, auch weil die alten Grundlastkraftwerke noch laufen) kurzfristig loswerden wollen (statt die Anlagen abzuschalten). Da sind die Pumpspeicher in Österreich oder Norwegen gut für geeignet. Möglicherweise gibt's aber auch Großabnehmer (Industrie) im benachbarten Ausland. Daher sind die Leitungen auszubauen. Wenn wir dann mal zu wenig haben, ist möglicherweise dann dafür dort das bessere Wetter und die können uns was liefern, denn auch im Ausland sind EE auf dem Vormarsch!
    Letztlich bleibt es dabei: Da EE vorrangig eingespeist werden, werden konventionelle Kraftwerke in der Leistung reduziert. Das bleibt auch so, wenn wir Strom exportieren, denn dann wird eben im Ausland ein solches Kraftwerk eingespart.


    Ob AKW in Tschechien unsicherer sind als bei uns bleibt ohnehin offen - ich glaube es nicht. Ohnehin bin ich nicht wegen der Sicherheit der AKW gegen diese sondern wegen des Abfalls, der nicht entsorgt werden kann und immer mehr wird. Leider wird das Abfallproblem von den Betreibern und der Regierung möglichst niedrig gehalten und fast immer nur von der Sicherheit der Kraftwerke geredet.


    Solder.

  • Zitat von ManfredausR


    Hieß es vor geraumer Zeit noch:
    "Es ist nicht sinnvoll, die (sicheren, deutschen) AKWs abzuschalten, wenn wir dann als Ausgleich Atomstrom aus Tschechien beziehen müssen.",
    so ist im Rahmen der Laufzeitverlängerungen geplant, Deutschland zum Stromimportland zu machen. Deshalb müssen wir die Übertragungskapazitäten nach Tschechien schaffen, damit die liefern können.


    Ausbau des umstrittenen AKW wohl auf Eis
    In Tschechien hat man anscheinend geglaubt, wenn in Deutschland der Atomausstieg stattfindet, dann können sie Atomstrom nach Deutschland liefern.