Förderkonzept nach Spekulatius

  • Ich glaube ein Konzept für eine nachhaltige Förderung von PV in Deutschland gefunden zu haben:


    - Wir schaffen den gegenwärtigen Einspeisetarif für PV ab
    - Einspeisevorrang für PV wird beibehalten, jedoch wird eingespeister Strom künftig nur zum EEX-Spottarif vergütet (5-6 cent)
    - Anhebung der Vergütung für eigenverbrauchten PV-Strom auf 25 cent/kWh (oder auf eine Höhe, die dem Betreiber eine vernünftige Rendite bei hohem Eigenverbrauch ermöglicht)
    - Jährliche Degression der Vergütung für eigenverbrauchten Strom von 5 cent, d.h. gänzliche Abschaffung der Vergütung nach 5 Jahren


    Ziel des obigen Konzeptes ist es, den dezentralen Verbrauch von PV zu fördern, um die Netze in den kommenden Jahren nicht zu überlasten. Dadurch, dass die subventionierte Zahlung nur für den eigenverbrauchten Strom gilt, entsteht ein starker Anreiz (eigentlich ein Zwang) den Stromverbrauch auf die PV-Stromgestehung abzustimmen und Tagesspeicher einzusetzen (im ersten Schritt Bleiakkus, später Lithium). Zudem entsteht ein starker Anreiz (eigentlich auch hier ein Zwang), die PV-Anlagen nicht über zu dimensionieren.


    Der PV-Zubau wird bei der Umstellung auf das neue Konzept zunächst sehr stark abgebremst werden, da ein neues Angebot an Tagesspeichertechnik und Beratungsleistung aufgebaut werden muss. Langfristig gesehen (5+Jahre) würde das Konzept sich auszahlen, da das riesige Potenzial nach Grid Parity nur im Rahmen von gesamtheitlichen Energiemanagementlösungen erschlossen werden kann.


    Was meint Ihr?


    Der Spekulatius :mrgreen:

  • Halloo Spekulatius
    Bei den (noch) sehr hohen Preisen der Speicherung,und den dabei anfallenden Stromverlusten wird es wahrscheinlich besser sein das Netz wenn möglich auszubauen und den Strom dann direkt zu verbrauchen.
    Denn bei den paar Prozenten die PV zur Zeit beiträgt müsste das ohne grössere Probleme möglich sein,und wäre bestimmt auch billiger als den Strom zu speichern... :wink:
    In unserem Dorf (ca.200 Einwohner) wurden bisher schon über 300kwp Pv installiert,und dieses ohne zusätzlichen Netzausbau,nur mal so zum Vergleich !
    Das EEG wurde doch geschaffen um den PV-Zubau zu fördern,und nun da mehr Anlagen gebaut wurden als man sich erhofft hatte bekommen so manche Angst der Verbrauchsstrom könnte zu teuer werden... :roll:
    Man sollte aber auch daran denken,dass dafür der Strom nach den 20 Jahren umso billiger werden wird,falls die Anlagen so lange gut laufen (wie versprochen.. :idea: )


    Gruß Josef

  • Zitat von jodl

    super Idee.
    könnte direkt vom RWI stammen


    Kann man so sehen, ist aber als Gegenargument etwas schwach.

    Zitat von Spekulatius

    - Anhebung der Vergütung für eigenverbrauchten PV-Strom auf 25 cent/kWh (oder auf eine Höhe, die dem Betreiber eine vernünftige Rendite bei hohem Eigenverbrauch ermöglicht) :?::?::?:


    Die "Vergütung für eigenverbrauchten PV-Strom" zahlt mir keiner, sondern ergibt sich aus den vermiedenen Kosten des Fremdbezugs.
    :danke: Nach dem Spekulatius-Modell verzichte ich auf sämtliche Energiesparmaßnahmen, ersetze die mittlerweile verbotenen 100-Watt-Glühbirnen durch 1000-Watt-Halogenstrahler und verdien damit mein Geld.
    :juggle:Das wäre zugegebenermaßen eine "Förderung von PV in Deutschland!"; über den Begriff "Nachhaltig" muß man sich dann allerdings nochmal unterhalten.


    Zitat von Spekulatius

    Ziel des obigen Konzeptes ist es, den dezentralen Verbrauch von PV zu fördern, um die Netze in den kommenden Jahren nicht zu überlasten.


    Die zuvor benannten unzureichenden oder sogar kontraindizierten Mittel diskreditieren nicht dieses Ziel.
    Die von Spekulatius aufgeworfene Frage ist letztendlich:


    Zentral oder dezentral ?
    Die Bundesregierung propagiert den Netzausbau, als Wert ansich.(Hat dabei aber zentrale Großtechnologie im Sinn)
    Für den Netzausbau stellt sich die Frage: Bauen wir die Netze für die zentralen Lösungen wie Desertec, Off-Shore-Windkraft, Wasserspeicher in Norwegen aus oder für dezentrale Photovoltaik, Binnenland-Windkraft, Akku im Keller (nennen andere auch USV).

    safety control rod axe man

  • Zitat von ManfredausR

    Die von Spekulatius aufgeworfene Frage ist letztendlich:Zentral oder dezentral ?


    Beides!
    Ich denke, dass wir um einen Stromaustausch der Regionen nicht ganz drumrum kommen. Wie groß die Kapazitäten sind, die noch ausgebaut werden müssen, kann ich nicht einschätzen. Aber wir haben ein Netz! Und dieses sollten wir auch nutzen können für den Stromaustausch.
    Dezentral soweit, dass es keine Überlastung des Netzes geben sollte. Da hat ja PV-Berlin ziemlich energisch hingewiesen.
    Daher würde ich ein Subsidiaritätsprinzip empfehlen:
    1. Schauen, was lokal geht: PV in Koppelung mit Speicher (Tagesausgleich)
    2. Regionale Vernetzung mit verschiedenen Erneuerbaren: Wind, Wasser, Biomasse, KWK (Saisonaler Ausgleich). Gezielte Unterstützung für guten Energiemix (Bayern Wind, Brandenburg Solar ...)
    3. Überregionale Vernetzung: Starke Energiestandorte versorgen starke Verbrauchsorte (Netze liegen sicher schon vor Ort, da dort oftmals auch sehr große Kraftwerke erbaut wurden, die auch das Umland mit versorgen. Zwischen den Kraftwerken bestehen eh schon Verbindungen, die einen Ausfall eines Kraftwerkes kompensieren lassen (hierzu sollte mal das_evu was sagen).
    4. Europäisches Verbundnetz: Ausgleich innerhalb Europas. Das wären vielleicht 4 Leitungen, eine nach West, eine nach Süd, eine nach Ost, eine nach Nord (wenn sie nicht schon exisitieren, z.B. nach Frankreich, Schweiz).


    Das ganze sieht für mich sehr überschaubar aus.


    Sonnige Grüße Peter

  • Erstaunlich, wie man auf solch einen volkswirtschaftlichen Unsinn kommen kann. :D
    Da plädiert doch tatsächlich jemand dafür, teuren, da zur Hauptverbrauchszeit produzierten Strom zu speichern, um ihn dann in der Nacht (also zu der Zeit wo Strom dank praktisch kaum regulierbaren Kohle- und Kernkraftwerken überschüssig vorhanden ist) statt billigem Nachtstrom, zu verbrauchen.
    Man sollte mal den Bauern vorschlagen ihre teure A-Ware z.B. bei Äpfeln, Birne, Kirschen, Pflaumen etc. kräftig in der Gegend herumzuwerfen, aufgrund der Dellen können sie es dann als Mostobst super verkaufen. Die Mosterei hier im Ort wäre sicher begeistert.
    Genial: mit Aufwand aus etwas Höherwertigem etwas Minderwertiges zu machen, daruaf ist bisher noch niemand gekommen.
    Bisher haben es alle umgekehrt versucht.
    Das kann man nun aber wirklich mal gegen den Strom schwimmen, nennen.


    Grüße
    Südostdach

  • @ Südostdach


    Sehr schön beschrieben. Die Idee ist einfach für den .... . PV senkt die Spitzenpreise zur Tagesmitte und genau dafür sollten wir sie auch nutzen.

  • Zitat von Südostdach

    Erstaunlich, wie man auf solch einen volkswirtschaftlichen Unsinn kommen kann. Da plädiert doch tatsächlich jemand dafür, teuren, da zur Hauptverbrauchszeit produzierten Strom zu speichern, um ihn dann in der Nacht (also zu der Zeit wo Strom dank praktisch kaum regulierbaren Kohle- und Kernkraftwerken überschüssig vorhanden ist) statt billigem Nachtstrom, zu verbrauchen.

    Von dem kaum regulierbaren Kohle- und Kernkraftstrom wollen wir doch weg kommen, oder?
    Dass die Speicherung derzeit noch nicht attraktiv ist, ist mir vollends bewußt. Aber wenn die abgeschriebene (und bezahlte) PV-Anlage Strom für lau produzieren kann, dann rechnet sich auch ein Speicher. Zumal bei Netzanbindung überschüssiger Windstrom, der dann auch günstig ist, auch mit gepuffert werden kann. Volkswirtschaftlich kann es schon Sinn machen, über ein flächendeckendes Netz von Kleinpufferspeichern zu verfügen, die in der Summe die Speicherfähigkeit hergeben, die das flukturiende Stromangebot von Sonne und Wind an den Verbrauchsbedarf anpassen kann. Zumal - wie bei PV - viele ihr eigenes Kapital einsetzen können oder Kapital über die Banken in den Wirtschaftskreislauf bringen.


    Zitat von Südostdach

    Genial: mit Aufwand aus etwas Höherwertigem etwas Minderwertiges zu machen, daruaf ist bisher noch niemand gekommen.

    Das stimmt so nicht: Ich will das Höherwertige auch als Höherwertiges erhalten. Mir geht es nicht darum, PV-Strom für 2:00 Uhr nachts zu verschleudern. Aber Strom wird auch für den 10. Oktober um 18:00 Uhr gebraucht. Woher nehmen? Bitte kein Argument für Kohle und Atom! Wenn der Ausbau von PV gewollt ist (und er ist von mir gewollt!!!!) dann können wir eine Strommenge am Tag produzieren - bei gutem Wind - die am Sonntagmittag nicht mehr abgenommen werden kann! Und deswegen die PV vom Netz nehmen? Das wäre für mich Vergeudung.


    Und: Es geht sowieso nicht von heute auf morgen. Und es ist auch nur ein Baustein. Falls Punkt eins sich nicht so schnell und umfänglich realisieren läßt, so bleiben die anderen Punkte bestehen.


    Sonnige Grüße Peter

    Einmal editiert, zuletzt von PeterQ ()

  • Zitat von PeterQ


    4. Europäisches Verbundnetz: Ausgleich innerhalb Europas. Das wären vielleicht 4 Leitungen, eine nach West, eine nach Süd, eine nach Ost, eine nach Nord (wenn sie nicht schon exisitieren, z.B. nach Frankreich, Schweiz).


    Das ganze sieht für mich sehr überschaubar aus.


    Hier die DENA Netzstudie 1:
    http://www.offshore-wind.de/page/index.php?id=2605


    Die 2. Version wird auch zusätzliche Aspekte behandeln und dürfte in ein paar Wochen online zur Verfügung stehen.


    Wem die dena zu EVU lastig erscheint, der mag alternativ die SRU Stellungnahme nehmen:


    http://www.umweltrat.de/Shared…df?__blob=publicationFile


    und wer Zeit uns Lust hat kann sich die Dissertation vom Herrn Czisch rein ziehen:
    https://kobra.bibliothek.uni-k…:de:hebis:34-200604119596


    Kurzfassung: Mit "vier Leitungen" ist es da eher nicht getan.


    Aus Kostenaspekten scheint es volkswirtschaftlich auch langfristig deutlich klüger zu sein, Windstrom zu speichern, weil dieser in Deutschland nun mal deutlich billiger ist als Solarstrom. Solarstrom kann dann Windstrom ergänzen und somit Speicherkapazität verringern und den Bedarfs an fossilen Treibstoffen bzw. Biomasse reduzieren helfen. Gegenüber Biogas und gespeichertem Windstrom kann Photovoltaik mittelfristig günstiger sein.
    (das SRU ist da eher anderer Ansicht und plädiert in vernetzten 100% EE Szenarien mit hoher Effizienz aus Kostengründen sogar für einen PV Anteil von 0)


    Dazu müsste man aber den Neubau von Windenergie, Netzen, Speichern, Photovoltaik und Nachfrage variabler EE Erzeugung in eine sinnvolle Relation zueinander bringen, der derzeitige PV Ausbau ist da leider viel zu hoch bzw. der Ausbau aller anderen Kapazitäten viel zu langsam, je nach Betrachtungsweise.


    mfg

    24x Sanyo 205 HIP = 4,92kWp

  • Zitat von PeterQ


    Dass die Speicherung derzeit noch nicht attraktiv ist, ist mir vollends bewußt. Aber wenn die abgeschriebene (und bezahlte) PV-Anlage Strom für lau produzieren kann, dann rechnet sich auch ein Speicher.


    In nenneswerter Menge wird es solche PV-Anlagen dann ab dem Jahr 2025 geben.


    Die Politik wird sich dann überlegen müssen, was man will. Entweder ist es klüger, diese (meist sehr guten) Standorte dann mit PV Anlagen neuer Technologie zu bestücken, dann würde man rpowering fördern.
    Oder aber man will den Strom billig haben, dann wird man die Vergütung so weit reduzieren, dass für die Betreiber solche Anreize entstehen. Da kann man nur spekulieren, aber die BHKWs zeigen, dass selbst einen Vergütungsdifferenz von mehr als 15ct/kwh zwischen einspeisen und selber nutzen noch keine dezentrale Speicherentwicklung befördert hat.


    Weiterhin ist bis 2025 noch ein weiter weg, was soll in der Zwischenzeit passieren?



    Zitat von PeterQ

    Wenn der Ausbau von PV gewollt ist (und er ist von mir gewollt!!!!) dann können wir eine Strommenge am Tag produzieren - bei gutem Wind - die am Sonntagmittag nicht mehr abgenommen werden kann! Und deswegen die PV vom Netz nehmen? Das wäre für mich Vergeudung.


    In meinen Augen wäre es klug, es wenigstens die nächsten 10 Jahre garnicht erst soweit kommen zu lassen, dass man PV Strom in nennenswerten Mengen speichern muss.
    Dazu wäre ein PV Zubau von 2-3GW/a ok gewesen, nach dem Boom von 2009 bis voraussichtlich 2011 vielleicht noch 1GW/a.


    Ansonsten müssen wir tatsächlich PV Strom verwerfen oder ihn in (meist garnicht vorhandenen) Anlagen speichern, was ihn nochmals deutlich teurer macht. Was schalten wir denn bei Stromüberschuss in den kommenden Jahren ab? Wind oder PV?


    Einen Vorteil hat es: Bei regelmäßigem Stromüberschuss besteht ein höherer Anreiz, Technologien zu entwickeln, die diesen Überschuss nutzbar machen.


    mfg

    24x Sanyo 205 HIP = 4,92kWp