Ziemlich OT: Laufzeiten AKW'S

  • Überall landauf, landab wird in der gedruckten und gesendeten Presse unkritisch erzählt, die Bundesregierung habe eine Verlängerung der Laufzeiten von AKWs beschlossen. Das stimmt doch gar nicht! Es wurde imho eine Erhöhung der erlaubten Einspeisemenge je AKW beschlossen. Wann der Betreiber diese ausschöpft, bleibt ihm überlassen. Wenn man davon ausgeht, daß der Strompreis weiter steigen wird, wäre es nur zu gut zu verstehen, daß er diese Ausschöpfung möglichst weit in die Zukunft verlagern will, um seinen Profit zu maximieren. AKWs könnten also theoretisch auch noch 40 Jahre weiter betrieben werden und nicht bloß die durchschnittlichen 8 oder 14 Jahre, die immer wieder kolportiert werden.
    Liege ich da wirklich völlig falschs

    Anlage: 26 Aleo S 18 215 W Module mit 5,6 kWp,
    SMA SB 5000 TL-20; -50°(fast SO), DN 25°
    seit 14.9.09 am Netz Nähe Cuxhaven

  • Ein AKW hat horrende Kosten, betriebswirtschaftlich Fixkosten genannt, unabhängig davon, ob es viel, wenig, oder gar keinen Strom produziert.
    Bei voller Produktion wird lediglich etwas mehr U235 benötigt, je kwh umgerechnet, jedoch praktisch nicht mehr zählbar.
    Es wäre demnach betriebwirtschaftlicher Wahnsinn, würden die AKW-Betreiber, in der Hoffnung auf steigende Preise, heute Millionenverluste je Tag in zu Kauf nehmen, um in Zukunft evtl. einmal einen Gewinn zu realisieren, der vermutlich, abzügl. heutiger Verluste zuzügl. Zins und Zinseszins, deutlich niedriger wäre, als wenn man heute voll produziert.
    Hinzu kommen die Rückbaukosten, die jedes Jahr steigen. Je früher man das Ding also ausgequetscht hat, desto billiger der Abbau.
    Hinzu kommt, daß beachtliche Kosten für das Herunterfahren und Wiederanfahren eines AKW anfallen, so etwas macht niemand, gibt es hierfür nicht zwingende Gründe.


    Man kann das mit einer Fließbandpresse vergleichen. Damit kann ich so und so viele Kotflügel pressen.
    In der Vergangenheit sind die Kosten für den Preßvorgang gestiegen.
    Dennoch wird keine Zuliefererfirma auf die Idee kommen, die Presse stillzulegen, um in der Zukunft evtl., dank höherer Preise,
    höhere Gewinne zu machen.
    Heute aber Zinsen für das aufgenommene Kapital, sowie Wartungskosten etc. für die Presse zu zahlen.
    Die Aktionäre von heute, die jetzt, und nicht in Zukunft Dividenden sowie Gewinne (und dadurch hoffentlich steigende Aktienpreise) erwarten, würden bei der nächsten HV auf die Palme gehen.


    Grüße
    Südostdach

  • Es ist ein einfaches Rechenexempel, ob es sich lohnt, ein AKW mit verminderter Leistung und dafür länger zu betreiben, oder besser die noch erlaubte Energiemenge so schnell wie möglich einzuspeisen. Mir ist bekannt, daß z. B. das inzwischen abgeschaltete AKW Stade in den letzten Jahren seines Betriebes jedes Jahr einen Reingewinn, also nach Abzug aller Kosten und Abgaben, in Höhe seiner ursprünglichen Herstellungskosten erwirtschaftet hat. Und die alten AKWs sind doch alle schon lange abgeschrieben. Da gibt es keine Kredite mehr zu bedienen. Und es bleibt auch noch genug übrig für eine auskömmliche Rendite der Investoren.
    Das ist die eine Sache. Ich weiß aber jetzt noch immer nicht, warum dauernd von einer Laufzeitverlängerung geredet und geschrieben wird und nicht thematisiert wird, daß die tatsächliche zukünftige Laufzeit der AKWs in den Sternen steht.
    Hat jemand eine Idee?

    Anlage: 26 Aleo S 18 215 W Module mit 5,6 kWp,
    SMA SB 5000 TL-20; -50°(fast SO), DN 25°
    seit 14.9.09 am Netz Nähe Cuxhaven

  • Selbst wenn alles abgeschrieben ist, betriebswirtschaftlich muß ich zumindest mit Zins und Zinseszins auf entgangene Gewinne rechnen.
    Denn die würden anfallen, hätte ich das Ding laufen lassen. Außerdem wäre dies Betrug an einem Aktionär von heute, der in Zukunft nicht mehr dabei ist, weil der Gewinn durch dies Maßnahme gesunken wäre, damit vermutlich der Aktienpreis, womit bei einer entsprechenden Dauer-Stop-Loss-Order (zwecks Absicherung), die Aktien automatisch verkauft werden.


    Zu der Idee:
    Jeder geht davon aus, daß nach der nächsten Wahl in knapp 3 Jahren (wenn nicht schon früher), die Grünen an die Regierung kommen und diese Verlängerung kassieren. Wer, außer Dir, würde also unter diesen Bedingungen heute sichere Gewinne nicht mitnehmen, um das heute abgeschaltete KKW in z.B. 10 Jahren, bei doppeltem Strompreis, rückzubauen, da die Laufzeit abgelaufen ist?


    Grüße
    Südostdach

  • Nachtrag:
    Es ist noch nicht einmal sicher, ob dieses neue Gesetz verfassungskonform zustand kam. Wer heute abschaltet, und das Verfassungsgericht kassiert das Gesetz, was meinst Du, was meinen die Aktionäre dann hierzu auf der nächsten HV?
    Meiner Meinung nach (aber ich bin kein Rechtsverdreher), hätten die Aktionäre Anspruch auf Schadensersatz vom Vorstand, denn hier liegt dann wohl eine extrem krasse, offensichtliche und vorsätzliche Managementfehlentscheidung vor, da die rechtlichen Zweifel jedem heute bekannt sind, ähnliches gilt für das kassieren der Verlängerung durch eine neue Regierung mit grüner Beteiligung.

  • Zitat von Südostdach

    Nachtrag:
    Es ist noch nicht einmal sicher, ob dieses neue Gesetz verfassungskonform zustand kam.


    Wenn dieses neue Gesetz beschlossen werden sollte, wird es sicher durch ein Gericht überprüft werden. Zumindest ist es das, was die derzeitige Opposition behauptet vorzuhaben.

    Zitat

    Wer heute abschaltet, und das Verfassungsgericht kassiert das Gesetz, was meinst Du, was meinen die Aktionäre dann hierzu auf der nächsten HV?


    Wenn ein Gericht das Gestz kassieren sollte, gilt imho die alte Vereinbarung der rot-grünen Koalition weiter, derzufolge die AKWs bis 2022 abgeschaltet werden müssen. Von sofortigem Abschalten ist so oder so niemals die Rede.

    Zitat

    Meiner Meinung nach (aber ich bin kein Rechtsverdreher), hätten die Aktionäre Anspruch auf Schadensersatz vom Vorstand, denn hier liegt dann wohl eine extrem krasse, offensichtliche und vorsätzliche Managementfehlentscheidung vor, da die rechtlichen Zweifel jedem heute bekannt sind, ähnliches gilt für das Kassieren der Verlängerung durch eine neue Regierung mit grüner Beteiligung.


    Der Besitz von Aktien einer Firma bewahrt niemanden davor, daß das Management Fehlentscheidungen trifft, was ich schon schmerzlich am eigenen Leib erfahren durfte. Dieses Risiko ist dem Besitz von Aktien immanent. Leider. Und es findet sich mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens ein renommierter Jurist (diese Bezeichnung gefällt mir viel besser; Schmähkritik hilft niemandem), der die hinter dem Gesetzesvorhaben stehende Rechtsauffassung stützt. Wer traut sich da zu klagen?


    Aber das alles ist ja ein Nebenschauplatz. Wieso existiert die von mir kritisierte Sprachregelung?

    Anlage: 26 Aleo S 18 215 W Module mit 5,6 kWp,
    SMA SB 5000 TL-20; -50°(fast SO), DN 25°
    seit 14.9.09 am Netz Nähe Cuxhaven

  • Zumindest im Moment lässt man die alten AKWs die eigentlich schon abgeschaltet werden sollten weniger Strom produzieren. Damit wird die Laufzeit verlängert (da die Reststrommenge noch nicht ausgenutzt ist), bis das Gesetz zur Verlängerung durch ist. Dazu lässt man die Kraftwerke mit weniger Leistung fahren oder macht langwierige Revisionen. Da wird durchaus in Kauf genommen, dass man Millionenverluste macht. Wenn die Laufzeitverlängerung dann bestätigt wurde, bevor das Kraftwerk ausser Dienst genommen ist, kann man das locker wieder einfahren. Ich denke, zum Ende der nächsten Verlängerung wird das selbe Spiel beginnen, in der Hoffnung, dass wieder verlängert wird.
    Die aktuell angegebenen Zeiten der Verlängerung basieren auf einer Jahresausnutzung des AKW von ca. 80%, langsam fallend (wegen EE). Allerdings wird dieser Wert schon heute nicht mehr erreicht und damit wird der Zeitraum für die Reststrommengen länger sein (evtl. sogar nie enden!), als von der Regierung angegeben. Beim Spiegel war vor einiger Zeit ein entsprechender Artikel, dass die Laufzeiten schon jetzt nicht stimmen.


    Mein Hoffnung ist natürlich, dass die geplante Laufzeitverlängerung noch gekippt wird.


    Solder

  • Zitat von solder

    ….


    Mein Hoffnung ist natürlich, dass die geplante Laufzeitverlängerung noch gekippt wird.


    Solder


    Meine, allerdings utopische Hoffnung ist, daß die AKW-Betreiber endlich für die Entsorgung des von Ihnen bei der Erzielung ihrer Einnahmen erzeugten Mülls aufkommen müssen. Dann ist ganz schnell Schluß mit lustig; dann liegt nämlich der Preis je MWh bei 2.700 €, wie ich neulich hörte, und das läßt sich nicht vermarkten. :)
    Wenn dann noch das EEG dahingehend geändert wird, daß nicht nur der direkt eingespeiste, sondern auch der bei Überschuß nach z. B. Norwegen an ein Pumpspeicherkraftwerk gelieferte und bei Bedarf von dort über ein Seekabel zurückgelieferte Strom Vorrang erhält, steigt die von interessierter Seite immer wieder als unzureichend bezeichnete Versorgungssicherheit durch erneuerbare Energien so an, daß man die AKWs sowieso nicht mehr braucht. Die Investoren für das Seekabel stehen schon in den Startlöchern.
    Dann brauchen wir auch kein Desert Strom (oder wie das heißt ;)) aus Nordafrika.

    Anlage: 26 Aleo S 18 215 W Module mit 5,6 kWp,
    SMA SB 5000 TL-20; -50°(fast SO), DN 25°
    seit 14.9.09 am Netz Nähe Cuxhaven