Einkommensteuerliche Beurteilung Eigenverbrauch - NEU

  • Hallo!


    So, jetzt hat auch die Oberfinanzdirektion Niedersachsen mit Verfügung vom 17.09.2010 Az. S 2240-160-St 221/St 222 Stellung zu o. g. Problem genommen. Ich werde hier nicht die komplette Verfügung posten, nur einige, interessante Auszüge:


    "Soweit Steuerpflichtige selbst erzeugten und vom Netzbetreiber vergüteten Strom unmittelbar nach der Erzeugung für private Zwecke - z. B. im eigengenutzten Wohneigentum - selbst verbrauchen, liegt gleichzeitig eine Entnahme dieses Stroms vor. Die Entnahme ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG mit dem Teilwert anzusetzen, der bei selbsthergestellten Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens grundsätzlich den Wiederherstellungskosten (Reproduktionskosten) entspricht. Allerdings hat der BFH mit Urteil vom 6. August 1985 (BStBl II 1986 S. 17) auch entschieden, dass bei Entnahme eines Wirtschaftsguts aus dem Betrieb der Teilwert durch den Marktpreis bestimmt wird. Ich habe daher keine Bedenken, den Entnahmewert aus Vereinfachungsgründen in Anlehnung an den Strompreis für aus dem Netz des Energieversorgers bezogenen Strom zu schätzen. Hierbei ist auf den unter Berücksichtigung des allgemeinen Strom-Mixes - und nicht etwa eines besonderen Öko-Tarifes - angebotenen Stromtarif abzustellen. Wird der Strom an einen Dritten veräußert, so ist neben der reduzierten Vergütung des Netzbetreibers der vom tatsächlichen Stromabnehmer vereinnahmte Strompreis als Betriebseinnahme zu erfassen."


    Die Ermittlung des Entnahmewerts ist damit erläutert, aus praktischer Sicht ist das für mich aber keine Klärung. Energieversorger gibt es viele, meist auch viele Tarife. In meinen Augen ist hier doch erheblicher Spielraum, um Einnahmen niedrig oder hoch zu rechnen.


    "Ich weise darauf hin, dass in den Fällen, in denen der selbst erzeugte Strom unmittelbar nach Erzeugung zu privaten Zwecken verbraucht und nur der nicht selbst verbrauchte Strom in das Netz eingespeist wird, Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung regelmäßig nicht zu gewähren sind, weil eine private Nutzung von mehr als 10 % vorliegt (vgl. Rdnr. 46 des BMF-Schreibens vom 8. Mai 2009, a. a. O.)."


    Da haben wir das Problem, das hier ja schon angesprochen wurde. Vielleicht das größte Manko der Eigenverbrauchsrgelung, zumindest ein Stolperstein.

    22 x Sovello SV-X 205 + Aurora PVI 5000

  • Allmählich kommt Licht ins Dunkel...


    Was die Teilwertvermutung angeht... lang ist's her... aber aus der Hüfte würde ich folgende Auffassung vertreten:
    Der Teilwert ist höchstens so hoch wie die Wiederbeschaffungskosten.
    Den Reproduktionswert würde ich nur ansetzen, wenn er unter den Wiederbeschaffungskosten liegt.
    Der Ansatz eines höheren Reproduktionswertes (als den Wiederbeschaffungskosten) scheidet m. E. aus, weil er der grundsätzlichen Definition des Teilwertes widerspricht.
    Ein "Erwerber des Ganzen" wäre gerade nicht bereit, für den selbst erzeugten Strom einen höheren Wert als den Marktpreis anzusetzen.


    Auf den ersten Blick würde ich mir nun den Tarif des billigsten Stromanbieters heranziehen.
    Schließlich hat "billiger Strom" keinen anderen Nutzen als "teurer Strom". (Bei letztgenanntem dürften sich logischerweise auch die Öko-Tarife finden.)
    Auf den zweiten Blick bin ich mir da keinesfalls mehr sicher.
    Transponieren wir das mal auf die Teilwertvermutung eines Autos. Kann ich für die Wiederbeschaffung eines Fahrzeugs, das aufgrund seiner hervorragenden ökologischen Eigenschaften etwas teurer ist, den Preis eines ansonsten funktional gleichen, aber deutlich günstigeren "Stinkers" ansetzen?
    Oder bei einer Heizungsanlage... "warm" machen sie alle.
    Wenn ich nun den Teilwert einer mit Erdwärme betriebenen Heizung ermittle.... kann ich dann die Wiederbeschaffungskosten einer technisch veralteten Ölheizung ansetzen?`
    Ich zweifle immer mehr.... (o.k. - beides waren Beispiele für langfristig nutzbare WGer des AV; bei UV fällt mir kein passendes Beispiel ein.)


    Bin gespannt auf Eure Meinungen!



    Was nun die Auswirkung auf SonderAfA und IAB angeht... naja... mal ehrlich: Etwas anderes wäre eine Überraschung gewesen (vor denen man im Steuerrecht allerdings nie sicher ist).
    Ein allzu großes Problem ist es auch nicht. Die finanziellen Vorteile des Eigenverbrauchs halten sich (noch) in Grenzen;
    bzw. der finanzielle Schaden, wenn man erst nach einem Jahr zum EV wechselt, dürfte zu verschmerzen sein.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo,
    und wie sieht es mit den Eigenverbrauch aus, wenn dieser im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb verbraucht wird,
    wobei ja Photovoltaik und Betrieb eigene Steuernummern haben?
    Ist dies dann wie eine Veräußerung an dritte anzusetzen?
    Zu welchen Preis muß dann gerechnet werden oder kann ich dann einen festlegen?
    Oder gilt es doch als Privat? :?


    "Wird der Strom an einen Dritten veräußert, so ist neben der reduzierten Vergütung des Netzbetreibers
    der vom tatsächlichen Stromabnehmer vereinnahmte Strompreis als Betriebseinnahme zu erfassen. "
    Was ist hiermit gemeint.... :?:?:?:?


    Grüße
    Rinzelmann

  • Verbrauch im EIGENEN landwirtschaftlichen Betrieb:
    a) Umsatzsteuer: ein sog. "Innenumsatz" = nicht steuerbar
    Die auf die (fiktive) Rücklieferung des selbst verbrauchten Stroms entfallende USt ist sogar als Vorsteuer abzugsfähig.


    b) Ertragsteuer: wenn es wirklich zwei voneinander getrennte Unternehmen sind, bildest Du dies als Verkauf des PV-Betriebs an den LuF-Betrieb ab. Der eine hat Einnahmen - der andere entsprechende Ausgaben. Per Saldo = 0.
    Eine Entnahme liegt in dieser Konstellation nicht mehr vor.





    Die zweite Thematik ist eigentlich ziemlich selbstverständlich:
    Wenn Du Strom an einen Dritten verkaufst (also z.B. an Deinen LuF-Betrieb; oder den Nachbarn, oder ....) musst Du diese Einnahme auch gewinnerhöhend erfassen.
    Und das Du die (verminderte) Einspeisevergütung, die Du vom VNB zusätzlich bekommst, auch als Betriebseinnahme erfassen musst, mag auch nicht wirklich verwundern.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo,
    Danke für die Antwort, :danke:
    1. kann denn nun der Verkaufspreis beliebig festgesetzt werden?
    Oder gibt es dabei wie bei Vermietungen dann eine % Untergrenze.
    2. Bei den Privatleuten, müssen die den Preis für die Privatentnahme dann ja regelmäßig anpassen.

    ich denke dadurch würde dann ja ein Teil des Vorteils wegfallen,


    Grüße
    Rinzelmann

  • zu 1)
    Die Frage bzw. Aufgabenstellung gewinnt an Bedeutung, wenn das Nullsummenspiel an irgendeiner Stelle durchbrochen wird.
    Wenn sich keine Auswirkungen ergeben, wird kein Hahn danach krähen.
    Ob da Auswirkungen sind, kann ich nicht beurteilen. Aus dem was der Sachverhalt hergibt, scheint da nichts zu sein.
    Nimm einfach 20 Cent - und gut is. (Und dann warte ab.)


    zu 2)
    Ja. Das war aber nie anders. ("Regelmäßig" ist hier aber ein sehr dehnbarer Begriff.
    Hier würd ich immer dem FA den Vortritt gewähren. Sprich: Selbst zu niedrig ansetzen - und abwarten ob sich jemand dran aufgeilt.)


    Das ein Teil des Vorteils wegfällt, ist nicht wirklich überraschend.
    Während in anderen Teilen des Forums der Eigenverbrauch ja umso mehr gepriesen wird, je weniger sich die Verfasser scheinbar für die steuerlichen Aspekte interessieren, gab es hier bei uns Steuerfuzzis schon immer warnende Stimmen, daß - sofern der Eigenverbrauch vor Steuern wirtschaftlich ist - er es spätestens bei einer Nachsteuerbetrachtung nicht mehr ist.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Schönen Dank für die Antwort.


    Ich hatte diesbezüglich zwar auch hier gelesen,
    aber da jetzt sozusagen im nach hinein die Nachteile erst zu Tage kommen,
    muß man sich erst auf die neue Situation einstellen.


    Darum werde ich mal sehen, ob es sich lohnt, den Restbetrieb auf optieren umzustellen.


    Bei der Photovoltaik wie handhabt Ihr es mit den optieren,
    werdet Ihr nach 5 Jahren pauschalieren?


    Grüße
    Rinzelmann

  • Die Frage würde ich gerne beantworten - wenn ich sie denn verstehen würde... ;-)
    Nach 5 Jahren pauschalieren??? (Heb mich mal bitte einer von der Leitung.)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Na optieren bedeutet doch das man für 5 Jahre Ust Erklärung machen muß, :wink: :wink:
    pauschalieren, dann keine mehr :)



    Kleinunternehmerregelung


    Unternehmer, die nur geringe Umsätze tätigen, werden als Kleinunternehmer eingestuft.


    Als Kleinunternehmer gelten Unternehmer, deren Umsatz im vorangegangenen Jahr einen Betrag von 17.500,- Euro nicht überstiegen hat und deren Umsatz im laufenden Jahr 50.000,- Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Beide Voraussetzungen müssen gegeben sein.


    Bei Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit ist der voraussichtliche Umsatz im Kalenderjahr zu schätzen. Übersteigt dieser voraussichtlich nicht die Umsatzgrenze von 17.500,- Euro, gilt der Unternehmer als Kleinunternehmer.


    Nutzt der Unternehmer die Kleinunternehmerregelung, muss er auf seine Umsätze keine Umsatzsteuer erheben. Er kann allerdings auch zur Umsatzsteuer optieren und sich damit gegen die Anwendung der Kleinunternehmerregelung entscheiden. In diesem Fall hat er die Möglichkeit, auch die Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt geltend zu machen. Es kann sich eine freiwillige Umsatzsteuerveranlagung (ermöglicht Vorsteuerabzug) lohnen, wenn die Vorsteuer höher ist als die zu vereinnahmende Umsatzsteuer.


    Wichtig für die Rechnung: Für Kleinunternehmer entfällt neben dem Vorsteuerabzug der Ausweis der Umsatzsteuer sowie der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer auf erstellten Rechnungen.


    Optiert ein Kleinunternehmer zur Umsatzsteuer, muss er dies gegenüber dem Finanzamt erklären. Seine Entscheidung bindet ihn für fünf Jahre. Werden die oben genannten Umsatzgrenzen überschritten, muss der Unternehmer zwingend auf seine Umsätze Umsatzsteuer erheben.

  • Zitat von MarkusSIC

    Die Ermittlung des Entnahmewerts ist damit erläutert, aus praktischer Sicht ist das für mich aber keine Klärung. Energieversorger gibt es viele, meist auch viele Tarife. In meinen Augen ist hier doch erheblicher Spielraum, um Einnahmen niedrig oder hoch zu rechnen.


    "Ich weise darauf hin, dass in den Fällen, in denen der selbst erzeugte Strom unmittelbar nach Erzeugung zu privaten Zwecken verbraucht und nur der nicht selbst verbrauchte Strom in das Netz eingespeist wird, Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung regelmäßig nicht zu gewähren sind, weil eine private Nutzung von mehr als 10 % vorliegt (vgl. Rdnr. 46 des BMF-Schreibens vom 8. Mai 2009, a. a. O.)."


    Da haben wir das Problem, das hier ja schon angesprochen wurde. Vielleicht das größte Manko der Eigenverbrauchsrgelung, zumindest ein Stolperstein.


    Hallo Markus,


    erstmal vielen Dank für den Hinweis auf die OFD-Verfügung. Die von Dir eingestellten Auszüge enthalten nichts Überraschendes.


    Zu der Ermittlung des Entnahmewerts: M.E. sollte man genau den Tarif ansetzen, den der Steuerpflichtige zahlt. Auf Diskussionen über andere Tarife würde ich mich gar nicht einlassen.


    Dass der IAB und die Sonderabschreibung wegfällt, hatte ich mir auch schon so gedacht und entsprechende Hinweise gegeben. Man muss es dann wohl so machen, dass man später zu § 33 Abs. 2 EEG wechselt und vorher voll einspeist.


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater