Einspeisemanagement, § 6 Nr. 1 EEG 2009

  • Hallo Sonnenfreunde, es gibt was Neues unter:


    http://www.clearingstelle-eeg.de/hinwv/2009/14


    Vorgaben gem. § 6 Nr. 1 EEG 2009 für PV-Anlagen


    "Folglich ist bei Fotovoltaikinstallationen jedes Modul eine „Anlage“ i. S. d. § 6 Nr. 1 EEG2009."
    "Leistungsschwelle des § 6 Nr. 1 EEG2009 wird auch nicht erreicht, wenn die Gesamtleistung der Fotovoltaikinstallationen an einem Netzverknüpfungspunkt 100kWp übersteigt."


    Also:
    Wenn euer Netzbetreiber ankommt und was von Einspeisemanagement erzählt und eine fernwirktechnische Einrichtung verlangt um die Anlage abzuregeln, gilt für alle Anlagen, unabhängig von der Größe:
    gem. § 6 Nr. 1 EEG 2009 nicht nötig!!!


    Schaut euch auch mal die Stellungnahmen an, einige Details sind da höchstinteressant! -:))


    sonnige Grüße

  • Zitat

    "Folglich ist bei Fotovoltaikinstallationen jedes Modul eine „Anlage“ i. S. d. § 6 Nr. 1 EEG2009."
    "Leistungsschwelle des § 6 Nr. 1 EEG2009 wird auch nicht erreicht, wenn die Gesamtleistung der Fotovoltaikinstallationen an einem Netzverknüpfungspunkt 100kWp übersteigt."


    Also:
    Wenn euer Netzbetreiber ankommt und was von Einspeisemanagement erzählt und eine fernwirktechnische Einrichtung verlangt um die Anlage abzuregeln, gilt für alle Anlagen, unabhängig von der Größe:
    gem. § 6 Nr. 1 EEG 2009 nicht nötig!!!


    Es mag ja sein dass man PV-Anlagen unter diesem Gesichtspunkt sehen kann. Ich finde aber, dass hier ein eventuell Netzstabilisations-notwendiger Aspekt mit solcher Argumentation ad absurdum geführt wird.


    Da könnte man ja auch jeden Flügel einer WKA (WKA-Park) separat bewerten, oder jeden einzelnen Zylinder eines BHKW.


    Einfach nur unglaublich, was da aus dem EEG herausgelesen wird, um der PV-Klientel zu dienen. Ich sehe genau diesen Punkt hier schon fast als Rechtsbeugung, da im EEG genau dieser Punkt der teilweisen Leistungsbegrenzung zur Sicherung der Netzstabilität im EEG so gewollt, und gemäß EnWG im Vordergrund lag.


    Nimmt man die PV hier heraus, stellt dies auch eine Ungleichbehandlung gegenüber allen anderen Erneuerbaren dar.
    Siehe auch diesbezüglich die Stellungnahme der BNetzA(!) http://www.clearingstelle-eeg.…009-14_Stellgn_BNetzA.pdf
    Einer wohl nicht wenig Maßgeblichen Instanzen. Aber selbst darüber setzt man sich hinweg. Sehr bezeichnend.


    Ebenso die Stellungnahme des ZVEH auch eher Stellung nehmnd bezüglich der Schwäche des Anlagenbegriffs: http://www.clearingstelle-eeg.…/2009-14_Stellgn_ZVEH.pdf


    Mir völlig schleierhaft, welche Gerichtsbarkeit so einem dämlichen Modul den Status einer "eigenen Anlage" zugestehen soll.


    Hierzu auch die Stellungnahme des BDEW, (http://www.clearingstelle-eeg.…/2009-14_Stellgn_BDEW.pdf)welche sehr umfassend alle möglichen Betrachtungswinkel erläutert.


    Es gab bisher noch nie eine einzige PV-Anlage, welche nur aus einem Modul besteht, und nur weil ein Modul für sich fähig ist auch eine Anlage darzustellen wird abgeleiten, jedes Modul innerhalb eines Modulpools von von 10, 50, 100, oder 2000 oder 10000 Modulen wäre jeweils eine Anlage ?


    Entschuldigung, aber da kann man einfach nur lachen oder den Brechreiz bekommen.


    Ein weiteres Indiz für ein extrem schlecht gestricktes Gesetz, welches überhaupt wieder Institutiuonen wie der Clearingstelle solche Entscheidungsbefugnis/Einfussnahme erst ermöglicht.


    Aber in der Clearingstelle ist man sich anscheinend auch gegenüber der Stellungnahmen relevanter Institutionen einer ganz anderen Sachlage sicher...
    Nachtigall, ich hör dir trapsen...


    Man nehme mal das BGB als Beispiel, da gibt es zwar hier und da auch Auslegungsspielraum, aber nie so weit, da irgend eine außergerichtliche Institution damit betraut werden müsste, diesbezüglich (klientelgetriebene) Auslegungen zu erfinden.


    Im EEG wird nie in irgendeiner Weise auch nur der Begriff des einzelnen Moduls als eigenständige Anlage verwendet. Hier waren wohl nur sehr findige Rechtsverdreher am Werke, die Schwächen des EEG in genau dieser Weise auszulegen. Und die Clearingstelle hat nichts Besseres zu tun, als genau diesem Treiben Folge zu leisten.


    Für mich hat die Clearingstelle im rechtlich-neutralen Sinne ihre Glaubwürdigkeit verloren, wenn die VNB-Unternehmen auch diesen Entscheidungen Folge leisten werden müssen. Es bleibt einfach nur lächerlich.


    Ein weiterer Vorschub der Denke, nur Einspeisevergütung einzustreichen, aber am gesamten Netzmanagement NULL Verantwortung einbringen zu müssen.


    Vielen Dank für diesen Bärendienst an der gesamten Netzfunktionalität an die Clearingstelle. All dies lässt nur den Schluß zu dass die Clearingstelle hier sehr einäugig nur zu Gunsten der PV-Betreiber agiert.

  • Zitat von das_evu

    Es mag ja sein dass man PV-Anlagen unter diesem Gesichtspunkt sehen kann. Ich finde aber, dass hier ein eventuell Netzstabilisations-notwendiger Aspekt mit solcher Argumentation ad absurdum geführt wird.


    Von der Sache her ist die Entscheidung total hirnrissig - aber aus juristischer Sicht wohl korrekt beantwortet worden.


    Die Notwendigkeit, größere PV-Anlagen (und ich eine etwas andere Vorstellung, was eine Anlage ist) abzuregeln, ist unbestritten bei weiterem Ausbau der PV-Kapazitäten. Wenn man die Spitzen abschalten kann, dann ist in Summe viel mehr Photovoltaik unterzubringen also ohne die Option, die Spitzen zu kappen. Das mag sogar im Anfang wirtschaftlicher sein, als Speicher und Netze für teures Geld auszubauen, wenn man sie nur für ein paar Dutzend Stunden im Jahr braucht.


    Zudem ist das Einspeisemanagement nach EEG §12 erstattungspflichtig durch den Netzbetreiber. Maßnahmen nach EnWG (Systemführung und Systemsicherverantwortung) werden nicht bezahlt. Wenn es dann also richtig knallt, und nach EnWG §13 eingegriffen wird, gehen die Anlagnbetreiber leer aus. Die Branche sollte sich IMHO dafür einsetzten, dass im EEG ein vernünftiger Anlagenbegriff auch für die Photovoltaik gefunden wird. Alles andere führt langfristig in die Irre.


    Gruß,
    Gunnar

  • Zitat von das_evu

    Entschuldigung, aber da kann man einfach nur lachen oder den Brechreiz bekommen.


    Also falls du die Wahl hast und nicht auch hierbei ein Getriebener bist, würde ich dir die Entscheidung hin zum Lachen empfehlen: ist für die Umgebung einfach angenehmer zu ertragen! :P

  • Moin
    Fakt ist nun mal, dass es derzeit nicht zwingend notwendig ist, Vorkehrungen im Sinne von §6 zu treffen. Das wurde hier richtig und ausführlich erkärt. Ob es alllerdings besonders klug ist, bei diesen grossen Anlagen im Bereich der Messung, also der "Registrierkasse" meines Unternehmens den letzten Groschen zu sparen, (?? vor lauter Rechthaberei) ist doch eine andere Frage.
    Hätte ich so ein Projekt, würde ich einen Mess-Schrank mit genügend freiem Platz vorsehen "für alle Fälle".Ich empfehle den Bericht über das Fraunhofer-Institut. "Intelligentes Energiemanagement in smart Grids" Dort ist etwas zur zukünftigen Kommunikation gesagt.
    Bei Projekten jenseits 250 Td EURO spielt das doch kaum eine Rolle. Und späterer Ausbau ist allemal teurer. Dass die jetzige Verfahrensweise für 20 Jahre Bestand hat, ist für mich nicht sicher. Oder seh ich das ganz verkehrt ?

  • Guten Abend,


    freut mich doch sehr zu lesen dass auch hier die Fragwürdigkeit des Ganzen aus der Sicht von Einspeisern betont wird.


    Allerdings:

    Zitat

    ... aber aus juristischer Sicht wohl korrekt beantwortet worden. ...


    Dies sehe ich nach wie vor so nicht, nirgends gibt es eine eindeutige Erklärung mit völlig logisch und klarer juristischer Begründung.
    Das aber nicht als Kritik an dem entsprechenden Beitrag.


    Der Anlagenbegriff wird hier für mich in völlig unverständlicher Weise entgegen allen gängigen Sichtweisen "hingebogen"


    Als technische oder elektrische Anlage gilt in der Regl eher ein eine Zusammenfassung von Anlagenteilen. Bei einer Hausinstallation wird auch nicht jede Steckdose separat, sondern als Wohneinheit angemeldet. oder auch Gewerbebetriebe mit 150 kW, wo auch nicht nicht jede Drehbank oder Computer separat gemeldet werden muss.


    Nirgends ins unserer gewohnten Paragraphenlandschaft müsste z.B. für ein Haus jeder Ziegelstein separat angemeldet und genehmigt werden.
    Das wäre nämlich der entsprechende Umkehrschluss, sollte man jedes Modul als einzelne Anlage bewerten.


    Ich treibe es jetzt mal auf die Spitze:
    Sollte ein Einspeiser >100 kWp sich weigern das Erzeugungsmanagement einzubauen, mit der Argumentation jedes Modul=Anlage, müsste man eigentlich seitens des VNB im Umkehrschluss dann auch für jedes Modul eine separate Anmeldung verlangen. Wäre doch eigentlich nicht unangemessen, wenn man es seitens der Betreiber so für sich in Anspruch nimmt ?


    Ich hoffe das verdeutlicht den Humbug und das irrwitzige Ansinnen dieser Argumentation bezüglich des Anlagenbegriffes für die PV.


    Weiterhin der Schwachsinn, dass eine Anlage ohne Wechselrichter betriebsbereit wäre. Wir nehmen das so hin, um einfach dem Nerv aus dem Wege zu gehen, aber Humbug bleibt es nun mal.


    Kein Betreiber eines Gleichstrommotors käme auf die Idee, diesen ohne entsprechende Geräte/Wandler an das Wechselstromnetz anzuschließen.
    Aber für PV'ler scheinen all diese Dinge nicht zu gelten, sie leben auf einer vom EEG ummantelten Traumwelt.


    Wir haben derzeit in D und der EU gemäß IEC-Normen ein Wechselstrom-Netz. Mit einer der tragenden Gedanken des EEG ist, das der Strom aus Erneuerbaren vorrangig abgenommen werden soll/muss. Weiterer Gedanke ist, dass eine Vergütung gemäß EEG nur dann in Frage kommt, wenn dieser Strom auch im Netz ankommt. Eigenbedarfsregelung hier mal bedingt (auch sinnvoll), aber diese funktioniert (derzeit) auch nur mit Wechselstrom.


    Der Einspeiser muss dem Netz diesen Strom auch eigentlich wirklich anbieten können. Ohne WR geht das aber nun mal nicht.
    Wenn der Markt die WR nicht hergibt, sollte dies das Problem des Betreibers sein. Hier wird aber die Allgemeinheit mit den Differenzkosten aus einem virtuellen Inbetriebnahmedatum auf 20 Jahre belastet, ohne dass die Zahler einen realen Nutzen davon hatten, bis die WR am Netz waren.


    Aus diesen Gegebenheiten müsste eigentlich zwangsläufig gefolgert werden dass wenn kein WR vorhanden ist es auch keine Vergütung gibt, da im Netz nichts ankommen kann.



    Netze der "allgemeinen Versorgung" sind gemäß den Normen und Gesetzen derzeit Wechselstromnetze.
    Wenn kein WR vorhanden, kann der VNB es nicht abnehmen, und somit auch nicht vergüten. Ist doch ganz einfach.


    Eigentlich eine völlig logische Sache, aber Juristen und sonstige elektrische Laien wissen es anscheinend nun mal besser.
    Aus rechtlicher Sicht finde ich diese Dinge eigentlich eher sehr zweifelhaft. Einfach nur unglaublich wie die Jurisprudenz solch klare Dinge einfach völlig ignoriert und anders interpretiert. Es wird zwar nun so gehandhabt, richtig ist es aber nach wie vor nicht.


    Schönen Sonntag

  • Zitat von das_evu

    Dies sehe ich nach wie vor so nicht, nirgends gibt es eine eindeutige Erklärung mit völlig logisch und klarer juristischer Begründung. Das aber nicht als Kritik an dem entsprechenden Beitrag.


    EEG § 3 Begriffsbestimmungen

    Zitat

    Im Sinne dieses Gesetzes ist
    1. „Anlage“ jede Einrichtung zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien oder aus Grubengas. Als Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien oder aus Grubengas gelten auch solche Einrichtungen, die zwischengespeicherte Energie, die ausschließlich aus Erneuerbaren Energien oder aus Grubengas stammt, aufnehmen und in elektrische Energie umwandeln, [..]
    4. „Generator“ jede technische Einrichtung, die mechanische, chemische, thermische oder elektromagnetische Energie direkt in elektrische Energie umwandelt,
    5. „Inbetriebnahme“ die erstmalige Inbetriebsetzung der Anlage nach Herstellung ihrer technischen Betriebsbereitschaft, unabhängig davon, ob der Generator der Anlage mit Erneuerbaren Energien, Grubengas oder sonstigen Energieträgern in Betrieb gesetzt wurde, [..]


    Ein PV-Modul erzeugt Strom aus erneuerbaren Energien indem es elektromagnetische Energie direkt in elektrisch Energie umwandelt. Es ist somit als Anlage und Generator zu verstehen. Dass dabei "nur" Gleichstrom herauskommt, stört erstmal nicht, auch nicht für die Inbetriebnahme. Geregelt (d.h. vergütet) wird der Strom erst bei Einspeisung.


    Mal ne dumme Frage: Wenn ich auf einer Almhütte eine PV-Anlage in einem Inselsystem installiere, bekomme ich dann eine Vergütung $33(2)? Dann könnte ich ggf. den Diesel bzw. das Rapsöl-BHKW weniger häufig laufen lassen, wenn die PV-Fläche etwas überdimensioniert und ein paar zusätzliche Batterien installiert werden.


    Gruß,
    Gunnar

  • Zitat von gunnar_kaestle


    .....Ein PV-Modul erzeugt Strom aus erneuerbaren Energien indem es elektromagnetische Energie direkt in elektrisch Energie umwandelt. Es ist somit als Anlage und Generator zu verstehen...... ,


    Heh ??


    ....und ich dachte immer, es wandelt Strahlungsenergie um ?


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Zitat von Boelckmoeller3

    Heh ??


    ....und ich dachte immer, es wandelt Strahlungsenergie um ?


    Wer oder was sind elektromagnetische Wellen? :)