Abnahme verweigert

  • Hallo Photovoltaikfreunde,


    gerade wurde meine neue PV-Anlage (6,6kWp) auf meiner Scheune in Betrieb genommen. Klappt soweit und wurde, wie zugasagt, noch rechtzeitig von einem Elektrofachbetrieb, welcher bereits viele PV-Anlagen installiert, montiert. So weit alles prima.


    Jedoch habe ich das Abnahmeprotokoll nicht unterschrieben:
    kleine Mängel:
    - keine Dachdurchführung, Leitungen laufen gequetscht zwischen zwei Dachziegel hindurch. -> Wird sich die Isolierung auf dauer durchdrücken?
    - die AC-Leitung hängt an einem Stahlseil zwischen Scheune und Wohnhaus, an den Wandeinführungen wurden keine Tropfbögen gelegt. -> Weiß das nicht jeder Elektriker??
    - Schnittkanten der Mantageschienen nicht entgratet. -> Erstes Lehrjahr!


    Hauptmängel:
    - das Ende einer Montageschiene wurde mit einem Stoßverbinder um einen halben Meter verlängert und danach nicht mit einem weiteren Dachhaken abgefangen. Sieht jetzt schon leicht abgeknickt aus, wie wird das wohl mit Schneelast? -> Hier habe ich Sorge wegen der mechan. Spannung auf das Modul.


    - Die Leitungen hinter den Modulen sind nicht befestigt und liegen an den Dachziegeln an. In Gesprächen und im Internet habe ich gehört und gelesen, dass es heute üblich ist, gerade in Bezug auf Brandschutz, diese am Gestell zu befestigen, so dass sie nicht die rauhen Dachziegel berühren können. Damit sollen diese vor Beschädigungen durch Bewegung von Wind, Schnee und Regen geschützt werden. Ausserdem verlängt dies ausdrücklich meiner PV-Versicherung (Provinzial) um auch Feuerschutz zu gewähren.
    -> Hier wird sich mein Installateur natürlich sträuben, da es viel Arbeit ist, dies nachträglich zu ändern. Ich war im Glauben, dass dies zu den anerkannten Installationsregeln in der Branche gehört.



    Frage:
    Bin ich zu pingelig, oder sind meine Mängel berechtigt? Hättet ihr auch die Abnahme verweigert?
    Gibt es irgendwo schriftlich Installationsregeln der Branche? Insbesondere zur Befestigung / Fixierung der Leitungen hinter den Modulen?
    (in der normalen VDE kann ich dies nicht konkret finden)
    Aber wenn sogar schon die Versicherungen sich darum einen Kopf machen, muss es doch irgendwo zu lesen sein....
    Kann ich auf eine Änderung bezüglich der Leitungsbefestigung bestehen?



    Ausserdem:
    Was müssen mindestens für elektrische Messungen zur Abnahme durchgeführt werden?
    Im Protokoll waren lediglich die Leerlaufspannungen der einzelnen Strings festgehalten worden.



    vieln Dank für eure Meinungen und Hinweise im Voraus

  • Hallo,


    die Mängel lesen sich schon wie Mängel :D Da sollte schon noch was gemacht werden. Am wichtigsten wohl die verlängerte Schiene nochmal mit Dachhaken zu stützen. Tropfbogen, geht manchmal auch ohne , hast du mal ein Bild dazu für uns ?
    Wenn die Leitung schon ansteigend an die Mauerdurchführung läuft erübrigt sich ein Tropfbogen, außerdem wenn oben drüber irgendwo ein genügend großer Dachüberstand ist.
    Entgraten der gesägten Schienenenden ist so ziemlich der unwichtigste Mangel, ich denke die Mehrheit der Solarteure macht das wahrscheinlich nicht, aber sollte man sicherlich auch machen.
    Dacheinführung sollte schon ordentlich gemacht werden, jedenfalls so dass kein Ziegel die Leitungen quetschen kann und natürlich keine Feuchtigkeit reinkommt..
    Zu den nicht ausreichend am Gestell hochgebundenen Leitungen, das müsste eigentlich zwischenzeitlich jeder Monteur mitbekommen haben, dass man die besser hochbindet , an einer Vorschrift dazu mangelt es jedoch nach meinem Informationsstand noch gegenwärtig.


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Hallo,


    da du wohl nicht ganz unwissend bist,(nicht jeder kennt Tropfbögen und liest die VDE Vorschrifften) warum hast du die Sachen nicht schon während der Montagearbeiten bemängelt ?


    Gruss

    Nichts ist so gerecht verteilt wie der Verstand,
    jeder denkt er hätte genug davon!

  • @Boelkmoeller3

    Zitat

    ....Tropfbogen, geht manchmal auch ohne , hast du mal ein Bild dazu für uns ?


    Die Leitung hängt in der Tat durch - deshalb habe ich es auch nur als kleinen Mangel eingestuft - das hochladen der Bilder ist es wohl nicht wert...
    Fehlendes Entgraten ebenso...
    Aber vielen Dank für Deine Meinung!


    lcmbt

    Zitat

    da du wohl nicht ganz unwissend bist,(nicht jeder kennt Tropfbögen und liest die VDE Vorschrifften) warum hast du die Sachen nicht schon während der Montagearbeiten bemängelt ?


    Da habe ich wohl zu sehr auf den Fachbetrieb mit der Erfahrung vieler PV-Anlagen vertraut. Hatte nun mal nicht die Zeit einen ganzen Tag den Leuten auf die Finger zu schauen. Ausserdem darf ich wohl von einem Elektrofachbetrieb erwarten, dass er die VDE-Vorschriften und Tropfbögen kennt. Zumal das mit der Dacheinführung vorher noch extra besprochen wurde....


    Der Mitarbeiter bei der Abnahme meinte, mit dem Leitung hochbinden hätte er noch nie gehört und schon über 100 Anlagen in Betrieb genommen.
    Deshalb meine Meinungsumfrage hier, ob es gängige Praxis ist, die Leitungen zu fixieren oder nicht...
    Mir fehlt da mangels Erfahrung die objektive Sicht.

  • Alimann ,
    ich verstehe Dich nicht so richtig.Du investierst ca 20000€ (vielleicht auch mehr,weiß nicht) und opferst nicht mal einen Tag Urlaub,die PV-Anlagenmontage
    auf Deiner Scheune zu verfolgen sowie zu dokumentiern (Fotos).Auftretende Mängel wären so schon im Vorfeld beseitigt worden,hätte man mit den Monteuren gesprochen und Bedenken geäußert.Aber Nein, hinterher meckern :mrgreen:
    Meine Meinung.


    Gruß Knüllsonne

    Gruß--KyoSun--
    Wer nicht an die Zukunft denkt,der wird bald große Sorgen haben--Konfuzius


    10,67 kWp-Kyocera--SMA--Haus-160°/210°--40°
    7,280 kWp-SunTech--SMA--Garage--210°--25°
    EhrenGroß-Meister-Lusche
    L:98 D:14 T:5 Q:1
    36.JK am 14.8.2019 +D 2 am 23.6.2019

  • @knüllsonne
    ok, dann kann ich's ja direkt selbst machen.... dann ärger ich mich höchstens über meinen eigenen Murks.
    Wie war der Spruch? "Willst Du das es gut wird - mach es selbst!"


    Aber meine Frage war ja auch vielmehr, ob ihr die Mängelrügen berechtigt haltet und ob ich von einem Fachbetrieb bessere Detailarbeit hätte erwarten können.


    Ausserdem, wenn ich Monteur wäre und mir andauernd jemand auf die Finger schauen würde, ich würd ausrasten.

  • Alimann sagt

    Zitat

    Ausserdem, wenn ich Monteur wäre und mir andauernd jemand auf die Finger schauen würde, ich würd ausrasten.


    Warum,ist doch Dein Geld was verbaut wird,und das nicht gerade wenig.
    Willst Du Deine Versäumnisse jetzt hier rechtfertigen :?::mrgreen:


    Gruß Knüllsonne

    Gruß--KyoSun--
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    36.JK am 14.8.2019 +D 2 am 23.6.2019

  • Um mal wieder zurück zum Thema zu kommen.... :)



    Zum Punkt Leitungsverlegung/-fixierung macht z.B. die DIN VDE 0100-520 „Errichten von Niederspannungsanlagen
    - Erd- und kurzschlusssicheres Verlegen von Leitungen“ einige Ausführungen. So sind maximale Befestigungsabstände für waagrechte und senkrechte Verlegung genauso vorgegeben wie eine kurz- und erdschlusssichere Verlegung.
    Daneben gilt in diesem Arbeitsgebiet auch die DIN/VDE 0100-712 „Errichten von Niederspannungsanlagen
    - PV Stromversorgungssysteme“.


    Was den Messumfang anlangt ist eine Messung der Leerlaufspannung sicher nicht umfassend.
    Schau dir mal den Anlagenpass an, was da so vorgegeben wird.
    Daneben findest du in diesem Dokument auf Seite 10 verschiedene Messungen aufgeführt, wie sie die Fa. Wagner für erforderlich hält.

  • hi :)


    Das man davon ausgehen soll , einen Fachbetrieb bei der Montage den ganzen Tag kontrollieren zu müssen um saubere
    handwerkliche Arbeit geliefert zu bekommen ,ist nicht Dein Ernst ,oder . :wink:
    Außerdem gibt es bestimmt viele , die nicht aufs Dach können ( Schwindel )
    Nur wer viel mit Handwerkern zu tun hat ,weiß das es anders fast nicht geht .Die Einstellung viieelleerr Beschäftigten
    ist nicht löblich :evil: obwohl es IHR Arbeitsplatz ist .
    Mein Vorschlag wäre hier mehrere Qualitätskontrollen der Arbeiter durch externe Prüfer, die dann dem Arbeitgeber
    Zeugniss über jeden Beschäftigten ablegen und so der Chef Sonder-Prämien für gute hochwertige Arbeiter ausschütten kann :wink: Sowas gibts schon und motiviert ungemein.


    mfG
    bettina

  • @knüllsonne
    ok, ich bin es Schuld wenn die Monteure ihren Job nicht ordentlich machen.... :wink:


    @za-ass
    Vielen Dank für die Literaturhinweise. Insbesondere Anlagenpass und das Wagner-Doc sind sehr hilfreich um einen Leitfaden zu haben, was nötig ist. Bei der nächsten Anlage werde ich bei der Auftragsvergabe die als Abnahmegrundlage verwenden. :danke:


    bettina
    Danke für die Rückendeckung. Vermutlich würde es reichen, wenn der Chef/Vorarbeiter gründlicher hinschaut, was seine Mitarbeiter machen. Dazu noch ein wenig firmeninterne Schulung und Projektbesprechung vorher+nachher.
    Den externen Prüfern stehe ich skeptisch gegenüber. Dies würde bestimmt wieder in Bürokratismus und Kosten ausarten.
    Besser fände ich, wenn Fachberatungen von IHK oder den Berufsverbänden angeboten würden, damit bei solchen Fragen die Fachleute oder auf Endkunden Rat einholen könnten. Für die Menge an Vorschriften und Richtlinien (VDE, CE, ISO, EN, MR....) bräuchten die Unternehmen schon allein einen Facharbeiter, der sich ausschliesslich damit Beschäftigt, dies in der Firma umzusetzen und up to date zu bleiben. Für die meisten Kleinunternehmen nicht bezahlbar. Hier wäre m. E. eine Entbürokratisierung fällig.


    Ich muss meinem Installaeur aber ein gutes Krisenmanagement bescheinigen!
    Heute Nachmittag waren direkt zwei Monteure da und habe ohne Murren die wichtigsten Mängel beseitig. Habe nun die Anlage abgenommen, auch wenn nicht alle Messungen vorgenommen wurden....


    gruß ali