Steuererklärung Solarstrom

  • Hallo Freunde,


    derzeit bin ich an meiner letztjährigen Steuererklärung.
    Beim Solarstrom mache ich eine einfache Gewinn- & Verlustrechnung.


    Diese sieht folgendermaßen aus:


    Einnahmen aus Stromverkauf
    - 5 % lineare Abschreibung des Anlagenpreises
    - Aufwendungen für Zinsen
    - Versicherungen


    Auch bei einer Neuanlage im 1. Jahr sieht es genau so aus.


    Hierbei bleibt ein positives Betriebsergebnis übrig,
    das heißt, ich muß Steuern davon bezahlen.


    Sehe ich das richtig so, oder habe ich einen Denkfehler darin?
    Auf ein negatives Betriebsergebnis könnte man nur durch eine Sonderabschreibung
    oder degressive Abschreibung kommen. Dabei würde sich jedoch die Abschreibung
    in den kommenden Jahren wieder vermindern und die steuerliche Belastung wieder
    höher werden.


    Danke Solarfreunde !

  • Zitat

    Sehe ich das richtig so, oder habe ich einen Denkfehler darin?


    Im Prinzip schon :)


    Kannst mal suchen (Forum), was evtl. zusätzlich noch an Betriebskosten abzusetzen ist (garade am Anfang kommt da u.U. schon was zusammen :wink: ).


    Servus


    Toni

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II

  • Zitat von waldbauer


    Hierbei bleibt ein positives Betriebsergebnis übrig,
    das heißt, ich muß Steuern davon bezahlen.
    Danke Solarfreunde !


    Genau. Aber besser Steuern zahlen und immer noch Überschuss, als ein negatives Betriebsergebnis :D. Aber auf Grund der Abschreibung und Deinen Kosten kann das ja nicht zu viel sein!


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Inmotion V10F; Nikola Gotway 84V

  • Zitat von waldbauer

    Diese sieht folgendermaßen aus:


    Einnahmen aus Stromverkauf
    - 5 % lineare Abschreibung des Anlagenpreises
    - Aufwendungen für Zinsen
    - Versicherungen


    ...das sieht sehr vereinfacht und sehr unvollständig aus, fehlen zumindest die bezahlte Vorsteuer, die Umsatzsteuerzahlungen als BA und die USt-Erstattungen als BE.


    Oder wurde hier gar die für PV-Betreiber ungünstige Kleinunternehmerregelung nach § 19 USt angewendet?


    Da die degressive Abschreibung ja auch möglich ist, würde ich diese wählen, es sei denn im Jahr 2009 war das andere stpfl. Einkommen sehr gering. Die ausführliche Begründung habe ich schon mehrmals an anderer Stelle gepostet.


    Eine Aufstellung was sonst noch als BA abzugsfähig sein könnte ist im PV-Bereich meiner Homepage unter den FAQs zu finden.


    Viele Grüße


    P. Schemm

  • Da gibts eigentlich nichts hinzuzufügen. Dennoch: Mir kribbelts jedesmal in den Fingern, wenn ich "lineare AfA" lese; am besten in Verbindung mit "sonst wird meine künftige Steuerbelastung höher werden".
    Das ist ungefähr so, als würde man Freibier dankend ablehnen, nur weil man danach pinkeln muss.


    Im Rahmen einer strategischen Steuerplanung gibts zwei Ziele
    Primär: Steuerbelastung dauerhaft senken
    Sekundär: Die unvermeidbare Steuerbelastung verzögern
    (beides stets vor dem Hintergrund der Schaffung haftungsfreien Familienvermögens)


    Nun sind die Möglichkeiten zur Erreichung des Primärzieles meist sehr eingeschränkt. Im Alltag ist das Sekundärziel ("wenn schon Steuern zahlen - dann wenigstens möglichst spät") eigentlich viel dominanter.


    Es sollte daher objektive Gründe für einen Verzicht auf erhöhte Abschreibungen geben.
    Z.B. nachhaltig steigende Steuerbelastung in kommenden Jahren.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

    Einmal editiert, zuletzt von kpr ()

  • Meinen herzlichen und aufrichtigen Dank für diese deutlichen Worte!


    Mich wundert es auch sehr, wenn die degressive Abschreibung und die Sonderabschreibung als Instrumente zur Verbesserung der Konjunktur verstanden werden und ich dann lese: Lieber die lineare, sonst muss ich später Steuern zahlen.


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater

  • stevie


    Ich glaube, es muss Aufgabe des Forums sein, hier aufklärend zu wirken.


    Machen wir uns nichts vor: Viele (die meisten?) PV-Betreiber kennen doch Steuerzahlung ausschließlich im Zusammenhang mit der Lohnbesteuerung.
    a) Der zeitliche Anfall der Steuerbelastung kann dabei gar nicht wesentlich beeinflusst werden
    b) Der Sinn einer frühzeitigen Abgabe in Erstattungsjahren ist vielen nicht bewusst; bzw. die Abneigung gegen die Steuererklärung ist größer
    c) Der strategische Sinn einer verzögerten Abgabe in den seltenen Nachzahlungsfällen wird oft nicht gewürdigt.
    d) Erfolgreiche Steuerberatung wird gemessen an
    -- möglichst hoher Nachzahlung (pervers: Der Berater der den Ermäßigungsantrag vergisst, steht besonders gut da)
    -- rückwirkenden "Tricks" die tatsächlich zu einer Minderung der Steuerlast führen


    Ich kann mir gut vorstellen, daß dieser Personenkreis nun mit einer PV in eine völlig verkehrte steuerliche Welt kommt.
    Für das Kleinstgewerbe bzw. den Nebenerwerb "Photovoltaik" nun alle verinnerlichten Grundsätze über Bord zu werfen, und in die Unternehmensbesteuerung einzutauchen, ist bestimmt oft (zu) viel verlangt.


    Gleiches Phänomen zeigt sich m.E. bei der Periodenverschiebung durch die erfolgswirksame Erfassung der Umsatzsteuer in der 4/3-Rechnung. Grundsätzlich (!) müsste (zunächst !) jeder jubeln, daß er ESt erstattet bekommt, die er erst ein Jahr später zinsfrei zurückzahlen muss. Es mag sicherlich zahlreiche Fälle geben, in denen progressionsbedingt der Schaden größer als der Nutzen ist. Aber kaum jemand rechnet soweit. Statt dessen wird - ohne nachzurechnen - Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um eine gleichmäßige Steuerbelastung zu erreichen. Koste es was es wolle.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Mit Interesse habe ich eure beiden Beiträge zur Wahl der Abschreibung gelesen. Aus meiner beruflichen Sicht (Finanzbeamter) und Erfahrung mööchte ich zumindest Punkt b) widersprechen. Eine Vielzahl, ich würde sogar sagen der Großteil der Arbeitnehmer, die ja in der Regel Erstattungen zu erwarten haben, sind sich dem Sinn einer zeitnahen Erklärungsabgabe durchaus bewusst.


    Die Arbeitnehmerstellen der Finanzämter werden schon fürh im Jahr mit Arbeit überhäuft, während z. B. in der Körperschaftsteuerstelle noch keine Fälle des abgelaufenen Jahres eingegangen sind. Gut, das liegt natürlich auch an den aufwändigeren Abschlussarbeiten, aber auch aus meiner persönlichen beruflichen Erfahrung mit Steuerpflichtigen ist sehr vielen sehr an einer zeitnahen Bearbeitung ihrer Erklärung gelegen.


    Bei eurer Betrachtung überseht ihr vielleicht einen Faktor. Wie ihr sicherlich richtig feststellt, ist das Gros der PV-Anlagen-Betreiber Arbeitnehmer. Als Arbeitnehmer gehe ich (vom Renteneintritt einmal abgesehen) davon aus, dass meine Einkünfte aus § 19 EStG in Zukunft eher steigen werden und damit auch die steuerliche Belastung bzw. der Spitzensteuersatz weiter ansteigt. Da ist es ein Rechenexempel (oder sollte es zumindest sein), ob ich nicht doch eher zu einem späteren Zeitpunkt ein höheres AfA-Volumen gut gebrauchen kann....


    ...ich persönlich weiß auch noch nicht, wie ich meine PV-Anlage (Inbetriebnahme August 2010) abschreiben werde :?:

    22 x Sovello SV-X 205 + Aurora PVI 5000

  • Interessante Diskussion... leider "off-topic" - aber dennoch wert fortgeführt zu werden.


    Ohne es nun zu weit ausführen zu wollen: Mir erscheint der Anteil derjenigen, die eher gemäßigt abschreiben wollen, einfach zu hoch. (Oder mein Bild vom typischen PV-Betreiber ist falsch und die Mehrzahl der PV-Betreiber bezieht unterdurchschnittliche Einkommen.)


    Du hast sicherlich Recht, daß es ein Rechenexempel ist. Allerdings kann man da locker "ein paar Eselshäute vollrechnen" (Zitat Stevie). Ob man "vielleicht" in der Zukunft höheres AfA-Volumen gebrauchen kann (wobei man die Höhe selbst ja dann auch nicht mehr beeinflussen kann) hat jedoch nichts mit Mathematik zu tun- sondern ist reine Spekulation.
    Tarifliche Gehaltssteigerungen werden ein Festhalten an der linearen AfA im Regelfall nicht rechtfertigen.
    Gehaltssteigerungen aufgrund von Beförderungen... sind ggf. zulässig, wenn man (z.B. im öffentl. Dienst) aufgrund der Berufsjahre auch sicher damit planen kann.
    Und die Klassiker "Tantieme" oder "golden-handshake" sind nun wirklich reine Spekulation und keine geeignete Planungsgrundlage für eine strategische Steuerplanung.
    Wenn wir einen verheirateten Häuslebesitzer mit solidem Einkommen als "Regelfall" annehmen - dann dürfte eine aggressive Abschreibungsgestaltung vorteilhaft sein. (Vorausgesetzt, die Kohle geht in Investition oder Schuldentilgung - und wird nicht verkonsummiert.)


    by the way:
    Klar... sehr viele Stpfl. geben sehr früh im Jahr ab. Unbestritten. Aber da spielen deutsche Tugenden wie Sorgfalt und Pünktlichkeit ("Was Du heute kannst besorgen....") nach meinen Erfahrungen eine größere Rolle als betriebswirtschaftliche Überlegungen.
    Umgekehrt... ich hab in meiner frühen Schaffensphase (ca. 400 AN-Erklärungen pro Jahr) reihenweise die Leute aufgefordert, sich doch Freibeträge eintragen zu lassen, oder doch zumindest früher abzugeben. Und dann bekam ich zu hören "och nee... lieber nicht. Wenn man das Geld so sukzessive bekommt, dann hab ich nichts, worüber ich mich freuen kann" oder "wenn ich das im Februar habe, ist es im April schon ausgegeben. So hab ich was für den Urlaub").


    Ich will gar nicht bestreiten, daß diese Verhaltensweise subjektiv richtig sein mögen. Sie entsprechen aber halt keinem objektiven Lehransatz.

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