Steuerlicher Ertrag des Eigenstromverbrauchs

  • Hallo,
    ich wende mich an alle, die seit letztem Jahr bei ihren PV-Anlagen die Option Eigenstromverbrauch gewählt haben.
    Gibt es bereits Erfahrungen, wie das Finanzamt den Ertrag des eigenverbrauchten Stroms veranschlagt?


    Es gibt aus meiner Sicht konkrete Hinweise dafür, dass Finanzämter hier gehörig im Dunkeln tappen und auch unterschiedliche Ansätze haben.
    siehe dazu auch Beitrag http://www.photovoltaikforum.c…-t36945-s300.html#p437353


    Wie habt ihr den steuerlichen Ertrag (also in der Einnahmen-Überschussrechnung bei den Einnahmen) des Eigenverbrauchstroms angesetzt?
    - nur mit der Eigenverbrauchsvergütung?
    - mit der Vergütung wie bei der Stromeinspeisung?
    - mit der Eingenverbrauchsvergütung zuzüglich der ersparten Stromkosten?


    Und wie hat das Finanzamt darauf reagiert?


    Es wäre schön, wenn ich hier Näheres erfahren könnte. (Hintergrund: Ich möchte gerne mein Excel-Tool auch auf PV-Anlagen mit Eigenverbrauch anpassen, kann das aber wegen der diffusen Situation nicht).


    Freundliche Grüße
    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für OS X - WIN-DV-Tool (1 Anlage) auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Zitat von Paulchen

    Wie habt ihr den steuerlichen Ertrag (also in der Einnahmen-Überschussrechnung bei den Einnahmen) des Eigenverbrauchstroms angesetzt?
    - nur mit der Eigenverbrauchsvergütung?
    - mit der Vergütung wie bei der Stromeinspeisung?
    - mit der Eingenverbrauchsvergütung zuzüglich der ersparten Stromkosten?


    Und wie hat das Finanzamt darauf reagiert?


    M.E. ist nur die dritte Lösung richtig.


    Die erste Lösung lässt die Einsparung und Vorteil, der sich darauf ergibt, unberücksichtigt.


    Die zweite Lösung führt bei der gegenwärtigen Höhe der Einsparung zu einem in etwa gleichen Ergebnis wie die dritte. Die Differenz wird größer, wenn der mit der Einsparung erzielte Vorteil steigt.


    Abzubilden ist das m.E. in Zeile 16 der Anlage EÜR ("Sonstige Sach-, Nutzungs- und Leistungsentnahmen").


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater

  • wieso sollte ich die "ersparten Stromkosten" in der EÜR berücksichtigen? Dann würde ich ja für etwas Steuern zahlen müssen, dass ich NICHT bekommen oder bezahlt habe...


    Dann könnte das FA ja künftig auch auf den Gedanken kommen, den eingesparten Strom wegen des Einsatzes von LED-Leuchten zu besteuern. Und je mehr die Strompreise steigen, desto mehr Einkommensteuer darf ich auch noch für den ökologisch produzierten und selbst (privat) verbrauchten Strom bezahlen? Oder kann man dann im Umkehrschluss auch die bezahlten Stromkosten für fremdbezogenen Strom als Betriebsausgabe geltend machen können?



    Ich glaube ich bin froh, mich gegen den Eigenverbrauch entschieden zu haben :juggle:

    24 x Sharp NU235 mit SMA SB5000-TL20 * Ausrichtung ~ 75 Grad * - PVGiS4-10% = 842 kWh/kWp
    www.sonnenertrag.eu

  • Du verbrauchst ja nicht weniger Strom, sondern nur weniger Strom, den Du vom VNB beziehst. Dies geschieht, weil Du den selbst erzeugten Strom aus dem Betriebsvermögen entnimmst.


    Nach meinem Verständnis ist das eine ziemlich normale Sache. Ein Bäcker, der seine Brötchen selbst ist, muss auch eine Entnahme ansetzen.


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater

  • Das heißt also im Klartext, ich zahle für die Summe aus Eigenverbrauchsvergütung und Bruttoverbrauchsstrompreis (also irgendetwas über 40 ct) bei einem Durchschnittssteuersatz von 30% 12 ct an Vater Staat? Das wäre dann ja ungefähr die Hälfte der Eigenverbrauchsvergütung?

    24 x Sharp NU235 mit SMA SB5000-TL20 * Ausrichtung ~ 75 Grad * - PVGiS4-10% = 842 kWh/kWp
    www.sonnenertrag.eu

  • So kann man das nicht sehen. Du zahlst ja die Steuern nicht auf die Einnahmen, sondern auf den Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben wie z.B. Abschreibung).


    Ansonsten: Der Eigenverbrauch wird bei der Steuer nicht besser behandelt wie eine Volleinspeisung. Eher schlechter, weil die Sonderabschreibung und der IAB wegfällt oder wegfallen kann.


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater

  • Den Vergleich mit dem Bäcker versuch ich auch immer aufzubauen. Das kapiert jeder Azubi der in der zweiten Lehrwoche anfängt BMW-Buchhaltungen (Bäcker-Metzger-Wirte) zu erfassen. Aber irgendwie bringt mich das nicht wirklich ans Ziel:


    a) Der Bäcker bekommt von seinem Großkunden ja nicht noch eine Vergütung für die Brötchen die er selber vernascht


    b) Der Höhe nach beim Bäcker kein Problem... ein Blick in den DATEV-Großkommentar zum deutschen Steuerrecht... und wir sind bei 848 + 431 Euro. Pauschal per anno. Klappe zu Affe tot. Kriegt jeder Depp hin.
    Bei der PV kann ich dann zwar sogar die selbst verbrauchte Stommenge exakt ermitteln (Pauschale adé)... aber dann klemmts: Mit Welchem Wert bewerte ich denn jetzt die kWh????


    Ich dreh mich da im Kreis.
    Bin mittlerweile zu folgender Einschätzung gekommen:


    Völlig unabhängig von der Vergütung für den selbst verbrauchten Strom, ist dieser als Entnahme zu behandeln.
    Soweit ich weiß mit dem ortsüblichen Preis zu bewerten; da liegt ja nichts näher als der Preis, den der Betreiber für seinen bezogenen Strom an sein EVU zahlt.


    Die Vergütung vom VNB für den selbst verbrauchten Strom ist dann eine zusätzliche Betriebseinnahme, die der USt unterliegt und den ertragsteuerlichen Gewinn erhöht.


    Bin mir aber komplett unsicher....

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung


  • Ich kann auch nicht behaupten, dass ich da sicher wäre. Wer weiß, vielleicht gibt es nächste Woche ein Schreiben von einer OFD oder dem BMF und alles ist anders als ich es mir vorgestellt habe.


    Wenn ich Finanzer oder Betriebsprüfer wäre, würde ich mir einfach die Rechnung vom EVU zeigen lassen. Da muss ja drin stehen, wie teuer der Bezugsstrom ist. Genau diesen Wert würde ich dann ansetzen.


    Meines Erachtens die praktibelste Lösung.


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater

  • Als ehemaliger Amtsprüfer für Einzelgewerbe und jetziger Amtsprüfer KöSt und PersG habe ich mich auch mit dem Thema auseinandergesetzt. Bei uns in NDS gibt es hierzu...NIX...für mich als FA-Beamter ein Grund, auf Eigenverbrauch erstmal zu verzichten, bis die ertragsteuerliche Seite abschließend geklärt ist.


    Deine Lösung ist allerdings auch meine, alles andere wäre meines Erachtens unlogisch. Aber das heisst ja leider im Steuerrecht nichts....

    22 x Sovello SV-X 205 + Aurora PVI 5000

  • Na, das ist doch gar nicht so schlecht, wenn sich ein Fachmann aus der Finanzverwaltung und ein Steuerberater einig sind.


    Die Abneigung gegen den Eigenverbrauch teile ich auch. Zum Einen wegen der ungeklärten steuerlichen Behandlung, zum anderen bin ich der Auffassung, dass der Eigenverbrauch die Sonderabschreibung gefährdet. Des Weiteren sehe ich bei dem gegenwärtigen Strompreis noch keinen echten Vorteil (zumindest wenn die Anlage vor dem 1.7.2010 in Betrieb ging).


    Viele Grüße



    Stevie

    Dr. Stefan Rode

    Rechtsanwalt und Steuerberater