Vergütung nach 20 Jahren?

  • Nachdem die Überarbeitung des EEG enttäuschen verlaufen ist möchte ich auf das ungelöste Problem nach 20 Jahren hinweisen.


    Wie wird unser Photovoltaikstrom von den Netzbetreibern nach der EEG Vergütung behandelt?


    Dazu habe ich in meinem Heimatort die örtliche Politik angeschrieben diese Problematik bei der Stromkonzessionsvergabe zu berücksichtigen.
    http://ralos.de/blog/2010/05/was-ist-nach-20-jahren.html


    Natürlich würde mich interessieren wenn es schon erste lokale/regionale Regelungen gäbe. Oder wie die rechtliche Situation "derzeit" aussieht?
    Muß der Strom dann noch durchgeleitet werden? Gibt es schon Abnehmer?

  • Hallo
    und großen Respekt vor Deinen Einsatz.


    Allerdings denke ich, dass der Netzbetreiber -insbesondere im Rahmen von Kozessionsverträgen-
    nicht der richtige Ansprechpartner ist.


    Hier greifen "höhere" Regelungen, als lokale Vereinbarungen.
    Die künftige Stromabnahme -wie auch immer- wird sicherlich auch an höheren Stellen geregelt werden,
    hier könnte ich mir das Energiewirtschaftsgesetz, evt. auch Verbrauchssteuern (Strom~), oder auch Netzanschlussverordnungen und co. vorstellen.


    Du als Energieerzeuger musst Dich dann selbst um Kunden kümmern,
    z.B. auch über einen Verkauf an einem Ökostromanbieter.
    Dies kann äußerst schlecht laufen, so könnte allein die Leistungsmessung den möglichen Ertrag schon stark gefährden,
    auch wenn ich davon ausgehe, dass diese Kosten sich weiterhin minimieren und ggf. in einem smart-grid auch anders gestalten.


    Hier wären halt einfachere Regelungen -dann durch höhere Instanzen- schon wünschenswert.


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    Realistisch -Stand heute-
    wäre es wohl ähnlich dem Bereich der kleinen KWK anzuordnen
    - vorrangige Abnahmepflicht für Deinen Strom (sehr wichtig)
    - Einräumen einer Direktvermarktungsmöglichkeit
    ...die jedoch für Kleinanlagen i.d.R. unattraktiv sein dürfte
    - falls nicht eigenen Vermarktung, Pflicht der Stromabnahme zum "üblichen Preis",
    der z.B. heute als durchschnittlicher Preis(baseload) der EEX des Vorquartals definiert wurde
    Bei PV sollte durchaus auch der day-peak Preis gerechtfertigt sein.
    Oder auch glaubhaft umzusetzen: Es gibt synthetische Einspeiseproflie, die auch anhand realer Wetterdaten nachträglich bestimmt werden könnten. Hier sollte realistische Einspeiseprofile genereriert werden können. Vergütung dann anhand dieser Profile zum Wert der EEX.


    Grundsätzlich dürfte der Wert des Stromes nicht sonderlich üppig ausfallen.



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    Wichtiger im Rahmen von Konzessionen fänd ich,
    wenn Du bei der ausschreibende Gemeinde aktiv wirst...z.B. dass Kleinanlagen, die eine Leitung über öffentlichen Grund legen wolln keine Konzessionen zahlen müssen

  • firestarter


    Vielen Dank mal für deine Einschätzung.


    Aber "alle" deine Hinweise schränkst du selbst mit "könnte", "wird sicherlich", "wünschenswert", "dürfte" ein. Das soll kein Vorwurf sein sondern schildert aus meiner Sicht die derzeitige "Gesetzeslage".


    Die Konstellation die wir derzeit aber haben ist ja die, daß die Gemeinde zwei Bewerber für den Betrieb des Netzes hat und die möchten diese Konzession ja für 20 Jahre erwerben. Sollen die doch mal Vorschläge machen was sie mir (und anderen ca. 150 PV Anlagen Betreiber in Bürstadt) denn so anbieten. Wenn da nix käme würde ich die 150 PV Anlagenbesitzer mit der Politik konfrontieren.


    Entscheident ist doch auch nach 20 Jahren brauchen wir Regeln wie wir unseren Strom sinnvoll zu Kunden bringen und dazu möchte ich eine Diskussion in Gang bringen. Momentan haben wir 500.000 PV Anlagenbesitzer die demnächst (nächste 20 Jahre) Klarheit brauchen. Deine Hinweise sind dazu sehr hifreich.

  • Hallo,


    Auf jeden Fall wird es attraktiv werden, möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen. Elektromobilität, Wärmepumpe, etc.


    Auch aus diesem Grund befürworte ich die derzeitige Eigenverbrauchsregelung, weil damit schon frühzeitig Technologien zur Maximierung des Eigenverbrauchs entwickelt werden. Das wird allen nach Ablauf der 20 Jahre zu Gute kommen.


    Natürlich muss auch eine Regelung für den Strom, der nicht selbst verbraucht werden kann gefunden werden. Am besten per Gesetz.


    LG,
    m-e

  • Also,


    sagen wir mal Du baust Deine Anlage 2010. Nach 20 Jahren ist Deine Anlage abgeschrieben und Du generierst praktisch Gratisstrom. Am naheliegendsten wäre es Deinen Strom selber zu verbrauchen. Um Deinen Eigenverbrauch zu maximieren bräuchtest Du einen Akku, deshalb schaun mir mal was die Akkukosten in 20 Jahren so kosten werden:


    Heute bekommt man die ThunderSky LiFePO4-Batterien für ca. €260/kWh Kapazität. Das entspricht in etwas 6 €-cent / kWh zusätzliche Stromkosten:


    http://evcomponents.com/cscart…cts.view&product_id=29834


    Wenn wir davon ausgehen dass sich Akkukosten pro Jahr um 5% reduzieren werden (konservativer als der Papst) landen wir 2030 bei €93/kWh und bei 2 €-cent zusätzlichen Stromkosten.


    Wenn der Haushaltsstrom nun wie in den vergangenen Jahren um 3% Jährlich steigt wird er von heutigen 22€-cent bis 2030 auf 42€-cent zulegen.


    Das heisst, pro selbstverbrauchtem PV Strom sparst Du Dir 95% Elektrizitätskosten.


    Der Spekulatius :mrgreen:

  • Zitat von firestarter


    Allerdings denke ich, dass der Netzbetreiber -insbesondere im Rahmen von Kozessionsverträgen-
    nicht der richtige Ansprechpartner ist.


    Natürlich ist der Netzbetreiber der erste Vertragspartner der meinen überschüssigen Strom abnehmen müsste. Auf jeden Fall muß ich durch sein Netz!
    Das einfachste wäre natürlich er würde den Strom innerhalb des örtlichen Netzes weiterverkaufen und müsste dann keinen Strom aus der übergeordneten Netzebene (20 kV) übernehmen. Dies wäre vor allem für den regionalen Energieversorger interessant der keine Kraftwerke besitzt und bisher schon seinen gesamten Strom von großen Kraftwerken kaufen muss. Dies wäre meines erachtens die einfachste Regelung und der Konzessionsnehmer müsste jetzt bei den Konzessionsverhandlungen nur aufzeigen was er bereit wäre zu zahlen. Dies müsste nicht die Cent je kWh sein sondern er könnte ja die Preisbestandteile benennen die er bereit ist dem Photovoltaikanlagenbesitzer abzutreten.

  • Zitat von entente

    Natürlich ist der Netzbetreiber der erste Vertragspartner der meinen überschüssigen Strom abnehmen müsste. Auf jeden Fall muß ich durch sein Netz!
    Das einfachste wäre natürlich er würde den Strom innerhalb des örtlichen Netzes weiterverkaufen und müsste dann keinen Strom aus der übergeordneten Netzebene (20 kV) übernehmen. Dies wäre vor allem für den regionalen Energieversorger interessant der keine Kraftwerke besitzt und bisher schon seinen gesamten Strom von großen Kraftwerken kaufen muss. Dies wäre meines erachtens die einfachste Regelung und der Konzessionsnehmer müsste jetzt bei den Konzessionsverhandlungen nur aufzeigen was er bereit wäre zu zahlen. Dies müsste nicht die Cent je kWh sein sondern er könnte ja die Preisbestandteile benennen die er bereit ist dem Photovoltaikanlagenbesitzer abzutreten.


    das gehört überhaupt nicht zu den Aufgaben eines Netzbetreibers.
    Der Netzbetreiber ist "die Spedition" die etwas von A nach B bringt und kein Produzent...auch kein Händler oder sonst was.
    Das einzigste womit er beim Strom zu tun hat, ist auch Ausgleichsenergie bereit zu stellen.
    Er kauft keinen Strom auf und verkauft auch keinen,
    dies dürfte schon aus der Liberalisierung und auch aus katellrechtlichen Bedenken nicht möglich sein.


    ---------


    Wo ich eventuell eine Möglichkeit sehe, etwas im Sinne dezentraler Erzeugung noch sinnvoll mit durchzubekommen,
    wären Dinge die noch in sein Verantwortungsbereich liegen.


    So versuchen manche hier Knüppel in die Beine zu werfen, dazu ein Beispiel
    Bei den BHKWlern ist die hohe Eigenstromnutzung schon immer ein maßgebliches Kriterium,
    so wird hier durchaus öfters auch versucht Nachbarn mit anzubinden. Dazu wird halt ein Kabel rübergezogen, ein Zähler gesetzt und der alte Bezugszähler des Nachbarn gekappt. Abrechnung erfolgt dann intern.
    Hier sind nun manche auf den Trichter gekommen, dass sie gleich einen kompletten Rückbau des Anschlusses machen. Sowohl beim Strom, oder auch beim Gas wurden hier teilweise sogar die Rohre/Kabel bis zur Strasse entfernt.
    Ist ja so erstmal nur bescheuert, aber kann auch ärgerlich werden, denn manhc Immobilienbesitzer findet dass gar nicht so prickelnd, dass z.B. beim Verkauf sein Objekt weder e-Anschluss noch gasanshcluss im Prospekt zu stehen hätte.


    Reine Schikane, aber passiert durchaus manchmal.


    So ein Punkt, dürfte schon eher in die Kompetenz des Netzbetreibers fallen
    und hier könnte eine Klausel wie "Bei Wegfall eines Anschlusspunktes, wird dieser nicht zurück gebaut, sondern lediglich ausser Betrieb genommen" eine Regelung sein, die u.U. einem Dezentralen was nutzt und auch die Kompetenz trifft.



    ein anderer Punkt,
    wäre eine "vereinfachte Durchleitung" (so will ich das mal nennen)
    um seinen Strom vielleicht dem Nachbarn über das öffentliche Netz preiswert zur Verfügung zu stellen.
    Hier seh ich eine Menge rechtlicher und auch technischer Probleme.


    Hier müsste dann auch ggf. die Ausschreibende Stelle aktiv werden und nicht unbedingt der Konzessionsnehmer.
    z.B. wäre es ja denkbar, dass man dezentralen Strom von der Konzessionsabgebe befreit...vielleicht über eine Gutschrift für den Anlagenbetreiber. Doch warum sollte eine Kommune hier auf die Einnahmen verzichten?


    An anderen Stellen z.B. Stromsteuer sind wieder höhere Ämter für verantwortlich
    ...Dinge, die dort auch vereinfacht werden müssten,
    so hat man dort z.B. das gleichzeitigkeitsproblem, was für kleine Anlagen stand jetzt kaum sinnvoll lösbar ist (z.B. ist KWK-Strom bei direktvermarktung stromsteuerbefreit, aber nur wenn zeitgleich und ortsnah genutzt)
    Bei Verkauf über dritte (Händler) fällt das wieder weg und und und
    ...halt keine kommunale Sache

  • hallo
    meines Wissens ist es zur Zeit schon möglich über das öffentliche Netz Strom im gewissen Nahbereich ohne Durchleitungskosten zu verkaufen. Aber ob es sich lohnt bei kleineren Mengen mit den Nachbarn in ein geschäftliches Verhältnis zu treten, wage ich zu bezweifeln.
    gruß

  • Zitat von stream76

    hallo
    meines Wissens ist es zur Zeit schon möglich über das öffentliche Netz Strom im gewissen Nahbereich ohne Durchleitungskosten zu verkaufen.


    - rechtlich...JA
    - technisch lösbar...JA
    - praktisch umsetzbar...schwer
    - wirtschaftlich...absolut ausgeschlossen


    Man kann es machen,
    doch wenn Du der Leiferant bist, dann musst Du Deinen Kunden (Nachbarn über öffentliche Netz)
    auch im Stande sein sie so zu beliefern.
    Dazu brauchst Du (und auch die Kunden) eine Leistungsmessung (1/4tel stunden genau)...wobei bei den Kunden ggf. ein Lastprofil erstreitbar sein könnte. Exakt diese Mengen musst Du auch bereitstellen können...und das auch noch zeitgleich.
    Leistungsmessung bist Du schonmal mit mehreren 100€ p.a. dabei, was die Sache schnell unbrauchbar machst.
    Dann braucht man vermutlich auch einen eigenen Bilanzkreis
    und und und
    abgesehn davon, dass nicht unbedingt sämtliche Komponeten der Durchleitungskosten entfallen müssen.


    Alles unpraktikabel, teuer, schlicht und einfach unmöglich
    Mir ist von hunderten dezentralen nicht ein einziger bekannt, der eine Direktvermarktung macht (auch wenn es alle gerne hätten)



    Hier gilt es sinnvolle Varianten zu entwickeln...politisch durchzusetzen.


    Die BHKW-ler sind davon schon voll betroffen, drum hoffe ich, dass auch die PV-ler bei aktuellen Themen der BHKWs zu gegebenen Anlass diese unterstützen werden
    1. um eine ökologischere Stromerzeugung zu fördern
    2. aus purem Eigennutz,
    denn die Probleme der BHKW-ler von Heute, sind die Sorgen der PV-ler von morgen.


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    Zitat

    Aber ob es sich lohnt bei kleineren Mengen mit den Nachbarn in ein geschäftliches Verhältnis zu treten, wage ich zu bezweifeln.


    oh doch,
    dass handhaben einige (wenige) BHKWler so...einfachster Fall ist ein Reihenhaus.
    Hier 5m Kabel rüber gezogen, Hauptzähler des Kunden gekappt, eigener Zähler gesetzt.
    Strom wird erzeugt (z.B. aus BHKW) oder auch zugekauft oder auch übermengen (mehr als Nachbar und Du zeitgleich Bedarf hast) werdn verkauft.
    Das ist durchaus so möglich und intern wird es über eigene Zähler erfasst und verrechnet.
    natürlich wird auch Wärme zum Nachbarn verkauft, spart Gasanschluss, Schorni, Wartung und co.
    Im Grunde nichts anderes, als die (Eigenstrom-) vermarktung an den Mietern und das auch noch in Wärme.


    Ist zwar total bescheuert
    hier parallel Kabel zum Strassenkabel zu ziehen, aber die einzigste sinnvolle Möglichkeit.
    Der Kostenvorteil zwischen selbst verkauften und ans Netz verkauften Strom macht rund 15cent aus und ist damit schon erheblich.

  • Zitat von firestarter

    das gehört überhaupt nicht zu den Aufgaben eines Netzbetreibers.


    o.k. das ist korrekt aber die Sachlage vor Ort ist


    Netzbetreiber EWR
    Stromlieferant EWR (schätzungsweise traditionell zu 80% der Haushalte)
    und die Zähler werden sowieso zu 100% von EWR gestellt. Durch das unbundling stehen auf dem Papier zwar unterschiedliche Firmen aber in der Wahrnehmung ist es ein Unternehmen und ich denke nur durch öffentlichen Druck kann eine Nachfolgeregelung erwirkt werden.


    Deine Einwände sind sicherlich rechtlich korrekt.


    Aber wenn die ca. 150 PV Betreiber den Eindruck haben, dass sie im Paragraphendschungel untergehen und kein Angebot gemacht bekommen was mit ihrem überschüssigen Strom gemacht werden kann dann werden sie eine Abnahmeregelung fordern und dies ist mein Ziel. Ich erwarte ja nicht die gesetzliche vorgeschriebene Mindest Leistung von den Bewerbern für das Stromnetz sondern ich erwarte dass einer ein besseres Angebot macht. Schließlich will er sich ja abheben von seinem Mitbewerber. Er kann mir ja ein Angebot machen in dem er die Vermarktung mit der EWR Stromlieferungsfirma bereits gelöst hat. Wenn es nur um die gesetzlichen Mindeststandarts ging bräuchte man ja auch keine Ausschreibung.


    Dein Hinweis bei kleineren Mengen den Nachbarn mitzuversorgen funktioniert vielleicht bei BHKW meiner Meinung nach aber nicht bei PV. Der Knackpunkt ist dass der Hauptzähler des Nachbarn gekappt werden muss. Damit muß der PV Betreiber die komplette Stromversorgung übernehmen und würde nachts nur die Durchleitung des Stroms vom EVU an seinen Nachbarn gewährleisten. An die rechtlichen Folgen will ich gar nicht erst denken.