Optimierung Steuersparmodell

  • Hallo liebes Forum,


    die von Sonnenstevie veröffentlichte Ausarbeitung zur "Optimierung Steuersparmodell Photovoltaik"
    hört sich sehr interessant an. Offensichtlich wurden auch alle Gestaltungsmöglichkeiten (z.B. Schenkung an Kinder)
    bereits juristisch bewertet und für zulässig befunden.


    Gibt es aber jemanden von euch der dies so auch tatsächlich erfolgreich in der Praxis umsetzen konnte?
    Oder Frage an Sonnentevie, hast Du Mandanten, bei denen du diese Gestaltung erfolgreich umgesetzt hast?

    Sonnige Grüsse
    ag-invest

  • In dem Memo werden zwei Modelle dargestellt:


    1) Übertragung an Minderjährige nach Ablauf der Verlustphase


    2) Veräußerung nach Erreichen des 55. Lebensjahres


    Tatsächlich umgesetzt wurden diese Modelle - das muss ich zugeben - noch nicht. Aus anderen Branchen sind mir aber Fälle bekannt, in denen Gestaltungen dieser Art umgesetzt wurden. Ich war auch selbst schon Ergänzungspfleger für einen kleinen Jungen, der an einem Textilunternehmen beteiligt wurde. Deswegen wüsste ich nicht, was diesen Modellen entgegenstehen sollte. Wenn mir etwas dieser Art bekannt wäre, stünde das in dem Memo drin oder das Memo gäbe es gar nicht. Im Rahmen eines konkreten Mandats übernehme ich selbstverständlich auch die Haftung.


    Beide Modelle halte ich für vergleichsweise einfach im Vergleich zu den "durch die Brust und mit Nießbrauch ins Auge"-Gestaltungen, die mitunter zu beobachten sind.


    Entgegenstehende Überlegen interessieren mich auch. Ich bitte aber zu berücksichtigen, dass ich durchaus den einen oder anderen Gedanken auf Themen wie Liebhaberei oder Gestaltungsmissbrauch verwendet habe.


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>

  • hallo Stevie,


    bin ja von dem Modell immer noch hellauf begeistert.
    Blöde Frage:
    Wie komme ich denn hinterher ans bare? Die Anlage ist verschenkt... wiederholen ist gestohlen ;-)
    Könnte mir vorstellen, wenn ich mich "einfach so" am Konto meiner Tochter bediene (oder nur bedienen kann), das dann die Ernsthaftigkeit der Schenkung anfängt zu wackeln... oder?


    Siehst Du Gestaltungsmöglichkeiten, wie die (künftigen) Früchte der Anlage auf evtl. künftige Barunterhaltsansprüche angerechnet werden können?

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Es gibt blöde Fragen ("Wenn Jesus Jude war, warum hatte er dann einen spanischen Namen?"), aber das ist keine blöde Frage.


    Die Antwort in thesenartiger Form:


    1) Einem 15 oder 16 Jahre alten "Früchtchen" würde ich keine Anlage schenken; insbesondere keine Anlage, die noch 15 Jahre Einspeisevergütung hat. Weg ist weg.


    2) Unterhaltsberechtigt ist nur, wer außerstande ist, sich selbst zu unterhalten. Das ist nicht Lex Stevie, sondern § 1602 BGB. Wenn dem Nachwuchs also die EInspeisevergütung aus der Anlage zusteht, muss er damit erst einmal seinen Bedarf decken.


    3) Nach Vollzug der Schenkung erlischt die Ergänzungspflegschaft, d.h. die Vermögenssorge steht wieder den Eltern zu. Wenn nun das Moped zum 16. Geburtstag von der Einspeisevergütung bezahlt wird - warum nicht? Kritisch wird es m.E. erst dann, wenn die Einspeisevergütung für laufende Ausgaben der Eltern verwendet wird. Selbst in diesem Extremfall wüsste ich jedoch niemanden, der da "hinschaut".


    4) Da die Eltern die Vermögenssorge ausüben, können Sie auch über die Einspeisevergütung bestimmen und entscheiden, was mit ihr gemacht wird. Z.B. kann die Einspeisevergütung in einen langfristigen Sparvertrag fließen und sogar abgetreten werden :mrgreen:


    5) Der Schenkungsvertrag kann Widerrufsmöglichkeiten vorsehen. Das würde ich aber nicht überstrapazieren.


    Weitere Fragen? Wahrscheinlich noch jede Menge.


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>

  • zu 1) sehe ich genau so. Bei mir ist es halt weniger eindeutig... Schenkung in 6 Jahren; die Anlage hat dann noch 14 Jahre; und ich kann noch 6 Jahre den Lebenswandel der Kurzen "beeinflussen" (wobei die Lenkung dann auch schon sehr viel Spiel hat ;-)


    zu 2) thx. Frage beantwortet. Problem gelöst.


    zu 3) Verstanden - und sehe es eigentlich völlig unkritisch. Bei 17 kWp wird es nur zu Vergütungen kommen, die für Ausbildung, Hobbies, Kleidung des Kindes ganz locker verpulvert werden. Entweder hab ich es doch nicht verstanden;
    oder aber... wenn jemand hinschauen würde.... sobald ich bei 5.000 € nachhaltig ausschüttungsfähigem Gewinn (der dann auch 'verbraten' wurde) nachweise, daß ich für das Kind 5.001 € aufgewendet habe (oder mehr) - bin ich im sicheren Hafen.


    zu 4)
    In Sparvertrag...schön wäre es. Leider verweigert mein neuer Colorlaser die Mitwirkung, wenn man 100,-. Euro-Scheine drauflegt. (30er funktionieren; aber der Absatz verläuft nur schleppend - und ist mit hohen Reklamationen verbunden).
    Bis ins 11. /12. Jahr der Anlage = 5-7 Jahre nach Schenkung = 16./17. Lebensjahr der Tochter werden die Einnahmen mal noch benötigt, um das Darlehen zu bedienen. Danach sehe ich in einem "guten und einvernehmlichen, familiären Umfeld" überhaupt keine Probleme mehr. Kritisch sind immer nur die Varianten, bei denen dieser wünschenswerte und planmäßige Verlauf nicht eintritt. (Dann sind wir wieder... siehe oben... beim Barunterhalt.)


    zu 5) hey... wäre eine Formulierung
    Der Schenker behält sich den Widerruf der Schenkung für den Fall vor, daß sich die Beschenkte als schenkungsunwürdig erweist vor. Schenkungsunwürdigkeit liegt insbesondere in folgenden Fällen vor
    1. Zimmer wird nach zweimaliger ausreichender Fristsetzung nicht aufgeräumt
    2. Vor Erreichen des 21. Lebensjahres wird Herrenbesuch nach 18.00 Uhr empfangen
    3. Studium der Archäologie oder ähnliche brotlose Kunst wird begonnen
    4. Männliche Begleitung trägt den Hosenschritt zwischen den Knien und die überflüssige Kappe schief auf dem Kopf


    ... wäre die schon überstrapaziert? Oder habe ich da die Lösung meiner Zukunftsängste??? :mrgreen:


    (Im Ernst: nachgewiesene BTM-Verstöße, Eintritt in Sekte... das wären doch vermutlich Restriktionen, bei denen auch das FA die Ernsthaftigkeit der Schenkung nicht anzweifeln könnte... oder?)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hochspannender Thread, Danke für diese Ausführungen....selten so gelacht wie bei "4. Männliche Begleitung trägt den Hosenschritt zwischen den Knien und die überflüssige Kappe schief auf dem Kopf" !


    Wie ist denn eigentlich folgende Option zu bewerten: bei der Unternehmensgründung wird eine GbR mit 3 Gesellschaftern: Vater, Mutter und Sohn/Tochter gegründet, und der Hauptteil der Ergebnisanteile wird auf den Sprössling gelegt.
    So fallen dort keine Einkommenssteuern an...die Schuldzinsen z.B. für die Finanzierung der Anlage tragen jedoch die Eltern... wäre das eine gute+sinnvolle Option, anstelle der Schenkung ??

    *** 48x Sunways SM235U mit Sunways NT11000 ***
    *** 18x Axitec AC-230P mit Sunways NT3700 ***

  • M.E. wirft diese Lösung die Frage auf, wie der "Sprößling" an seinen Anteil kommt. Die Rechtsgrundlage dürfte eine Schenkung sein.


    Des Weiteren sind die Schuldzinsen nur ein kleinerer Teil der Betríebsausgaben. Der größere Teil ist die Abschreibung.


    Und schließlich: Meine Überlegungen gehen davon aus, dass in den ersten drei - fünf Jahren Verluste erwirtschaftet werden und danach Gewinne erzielt werden. Die Verluste können mit anderen Einkünften verrechnet werden und mindern die Steuern. Die Gewinne laufen bei dem Sprößling gegen den Grundfreibetrag. Wenn nun der Sprößling von Anfang an beteiligt ist, wirken sich die Verluste nicht aus.


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>

  • Hallo Stevie,


    ich bin jetzt mit meiner Anlage im 7. Jahr und möchte diese meinen beiden minderjährigen Kindern überschreiben.
    - Was ist hierbei zu beachten (Schenkungsvertrag, jeweils ein eigenes Konto für Kinder)?



    Vielen Dank, Hannes

  • Hallo Hannes,


    ein paar der wichtigsten Fragen:


    1) Was passiert mit den Verbindlichkeiten, wenn welche da sind? Werden die übernommen, oder bleibst Du Schuldner?


    Davon ist vieles weitere abhängig, insbesondere, ob ein Ergänzungspfleger bestellt werden muss.


    2) Du sprichst von mehreren Kindern: Werden die Gesellschafter einer GbR? Das wäre zwar am saubersten, aber auch ziemlich aufwendig. Denn Du müsstest als erstes eine GbR gründen, mit der Du dann weiteren Aufwand hättest (gesonderte und einheitliche Feststellung)-


    Viele Grüße



    Stevie

    <p>Dr. Stefan Rode</p>
    <p>Rechtsanwalt und Steuerberater</p>

  • Hallo Stevie,


    vielen Dank für Deine Rückmeldung.
    Es soll die einfachste mögliche Umsetzung (ohne Ergänzungspfleger, falls möglich) angedacht werden!


    - Anlage ist im 7. Jahr
    - Restverbindlichkeiten würde ich weiter übernehmen
    - Um eine GbR zu umgehen, wäre auch denkbar, dass die Anlage nur 1 Kind (der 9-Jährige) erhält


    Beste Grüsse, Hannes.