Anlage erden????

  • Hallo,
    ich weiß das dieses Thema schon etliche Mal diskutiert wurde, aber leider habe ich keine eindeutige Meinung gefunden.
    Folgende Anlage: 45 Module SW 220 P/ 1 SMA 5000 / 1 SMA 3800 auf Ziegeldach 35°
    Es handelt sich um ein öffentliches Gebäude ohne bestehende Blitzschutzanlage.


    1) Muss die PV Anlage hier geerdet werden???????
    2) Wenn ja, reicht es aus nur das Gestell zu erden, oder muss jedes Modul geerdet werden?


    Die Versicherung fordert keinen Blitzschutz und auch keine Erdung...


    MfG

    10,00 KWp Solar World 35° SSO
    50 x SW 200 P
    1 x SB 5000TL HC/Dis/ESS
    1 x SB 2100TL D ESS
    1 x SB 1100 K7 D

  • Eine Erdung ist bei einer qualitativ hochwertigen Installation auf jeden Fall erforderlich. Diese sollte dann noch per Messung protokolliert werden.


    Im Grunde darf man, wenn man die VDE wörtlich auslegt, die Erdung nicht über Befestigungsschrauben herstellen. Ich würde aber auch sagen, dass der Stand der Technik die Erdung der UK ist.


    Gruß

  • Hallo.


    Wenn es sich um einen SMA 5000A und einen 3800 er handelt muss die Anlage nicht geerdet werden, da die Geräte Trafos haben.
    Wenn es ein SB 5000TL20 ist muss die Anlage geerdet werden, da bei einem trafolosen WR eine Erdung vorzusehen ist.
    Es reicht wenn das Gestell geerdet ist. Wird ein einlagiges Gestell verwendet müssen alle Schienen geerdet werden.
    Bei Kreuzlage und tragenden Verbindungen muss nur an einer Stelle geerdet werden.


    Gruß
    Frank

    Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.
    Wer mehr zum DC Speicher wissen will erreicht mich per PN !

  • Hallo,


    Zitat von letsdoit


    Wenn es ein SB 5000TL20 ist muss die Anlage geerdet werden, da bei einem trafolosen WR eine Erdung vorzusehen ist.


    Sollte SMA die Aufbauvorschriften geändert haben? Bislang habe ich sowas noch nie gesehen, gibt es eine Quelle dafür?


    Bislang habe ich immer diesen Sachverhalt angenommen:
    Die Solarmodule besitzen die Schutzklasse 2 und müssen nicht geerdet werden. Die Schienenkonstruktion kann in den Potentialausgleich aufgenommen werden, muss aber nicht.


    Gruß


    Andreas

  • Moin,
    spätestens, wenn z.B. ein Handwerker (Dachdecker), der eine Reparatur auf dem Dach ausführt, infolge der Berührungsspannung unfreiwillig das Dach verlässt, ist die Sachlage klar.
    TL WR ---> unbedingt erden.


    Ich wünsche sowas keinem!!

    Sonnige Grüße von 100% Solar (Michael)

  • Hallo,


    "auf jeden Fall erforderlich"


    "muss die Anlage geerdet werden"


    "unbedingt erden"


    Das klingt so, als wäre das vorgeschrieben. Meines Wissen nach ist es das aber nicht. Ob nun Gürtel und Hosenträger besser ist oder nicht war ja auch gar nicht die Frage, sondern:


    "Muss die PV Anlage hier geerdet werden?"


    Gruß


    Andreas

  • Teilweise schreiben die Modulhersteller die Erdung vor.


    Bei eloxiertem Alurahmen müssen diese gesondert geerdet werden.


    Schletter hat dafür spezielle Erdungsklemmen.


    Selbst SMA hat das mal eingefordert, scheint aber jetzt ein wenig waschiger in den Formulierungen.


    Vielleicht will man die Solateure nicht verprellen, da gerade der Potentialausgleich wenig beachtung findet.


    Vielleicht noch einige Auszüge:


    Solon


    Sollten die Gegebenheiten es erfordern, z.B. als Personenschutzmaßnahme bei Einsatz von trafolosen
    Wechselrichtern nach Hinweisen des Wechselrichterherstellers, bieten die SOLON-Module mit den
    4,5 mm Bohrungen in allen 4 Holmen die Möglichkeit, Potentialausgleichsleitungen zur Erdung aller
    metallischen Teile einer elektrischen Anlage (jedes einzelnen Modulrahmens) anzubringen.
    Alternativ können dafür auch die Bohrungen für die Abrutschsicherung genutzt werden, wenn diese
    nicht benötigt werden (z.B. in Einlegesystemen).



    SMA


    Erdung des PV-Generators
    Beachten Sie die örtlichen Vorschriften für die Erdung der Module und des PV-Generators.
    SMA Solar Technology empfiehlt das Generatorgestell und andere elektrisch leitende
    Flächen durchgängig leitend zu verbinden und zu erden, um einen möglichst hohen Schutz
    für Anlagen und Personen zu erhalten.


    Schletter


    1 Vorbemerkungen
    Die Berührungssicherheit elektrischer Anlagen hat insbesondere auf dem Dach
    eine hohe Bedeutung. Primär-Schädigungen durch elektrischen Schlag sind gerade
    auf Dächern sehr gefährlich, da sie sehr leicht zu sehr schweren Sekundärschäden
    (Sturz vom Dach) führen können.
    Eine konsequente Erdung aller metallischen Teile einer elektrischen Anlage ist
    gemäß DIN VDE 0100, Teil 712 in jedem Falle zwingend vorgeschrieben.
    Insbesondere bei Verwendung trafoloser Wechselrichter ist eine kapazitive Aufladung
    auf hohe Gleichspannungen am Modul nicht auszuschließen. Die Folge
    können hohe Berührungsspannungen am Modul sein.
    Die Hersteller trafoloser Wechselrichter schreiben aus diesem Grunde eine Erdung
    der Modulrahmen verbindlich vor (Beispiel Bedienungsanleitung SMA):
    Beim Aufbau von PV-Anlagen wird diese vorgeschriebene Erdung der Module in
    der Praxis oft außer acht gelassen. Die Module werden mit ihren eloxierten Rahmen
    lediglich auf das Montagegestell geklemmt. Die in diesem Bericht gezeigten
    Messungen zeigen, dass damit eine zuverlässige Erdung in keinem Falle erreicht
    werden kann!
    Mit den neuen Erdungsmittelklemmen kann gemäß den Messungen eine zuverlässige
    Erdung nachgewiesen werden.



    Gruß


    E_T

  • Hallo,


    bitte nicht missverstehen, ich bin ebenfalls der Meinung, dass ein zusätzlicher Potentialausgleich der Befestigungskonstruktion nicht schadet und ggf nützlich ist.


    Dieser Potentialausgleich muss(!) aber nicht hergestellt werden. Es besteht die Gefahr, dass jemand auf Grund von Forenmeinungen irrtümlich einen Anspruch auf Mangelbeseitigung gegenüber seines Installateurs geltend macht und vor Gericht dann kostspielig eines Besseren belehrt wird. Aus diesem Grund möge man mir mein Beharren verzeihen.


    Die Rahmen der Module sind durch Schutzklasse 2 geschützt und brauchen nicht geerdet werden.


    SMA empfiehlt, schreibt also nicht vor.


    Schletter schreibt:


    Eine konsequente Erdung aller metallischen Teile einer elektrischen Anlage ist
    gemäß DIN VDE 0100, Teil 712 in jedem Falle zwingend vorgeschrieben.


    Das ist so m.M. nach nicht richtig, das steht in dieser Vorschrift schlicht nicht.


    Ebenso das angebliche Zitat von SMA der verbindlichen Vorschrift, es existiert nicht.


    Gruß


    Andreas

  • Das habe ich im Netz gefunden:


    DIN VDE 0100-712(VDE 0100-712):2006-06 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 7-712:




    Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art Solar-Photovoltaik-(PV)-Stromversorgungssysteme


    Die neu herausgegebene Norm behandelt die speziellen Anforderungen, die für elektrische Anlagen von PV-Stromversorgungssystemen, einschließlich von Systemen mit AC-Modulen, anzuwenden sind.


    Schutz gegen elektrischen Schlag


    Bei der Anwendung von SELV- oder PELV-Systemen darf die erzeugte Gleichspannung einen Wert von 120 V nicht übersteigen. Der Schutz durch eine automatische Abschaltung der Stromversorgung erfordert auf der Gleichspannungsseite spezielle Maßnahmen, die sich noch in der Beratung befinden. Vorzugsweise ist deshalb auf der Gleichspannungsseite die Schutzklasse II (Schutzisolierung) anzuwenden.


    Die Schutzisolierung die Modulhersteller angeben, bezieht sich meines erachtens nur auf den Stromkreis (Zellen + Dose) des Modules. Der Alurahmen erfüllt diese Anforderungen nicht. Wenn nun durch einen Defekt oder wie hier beschrieben wird durch kapazitive Aufladungen der Wert von 120 V überschritten werden kann, müssen Maßnahmen ergriffen werden, damit der Grenzwert eingehalten wird.


    Hinzu kommt, dass bei TL-Wechselrichtern zum AC-Netz keine Schutzklasse II gibt.


    So wie ich es deute, müssen also zwingend Maßnahmen ergriffen werden, um den Grenzwert von 120 V einzuhalten.


    Gruß


    E_T

  • Hallo,


    ich meine mich zu erinnern, dass diese Fragestellung hier im Forum an anderer Stelle bereits ausdiskutiert wurde, deshalb nur kurz.


    Die zitierte Vorschrift sagt:


    Es gibt unterschiedliche Arten, für Sicherheit zu sorgen, zum Beispiel:


    Sorge dafür, dass die zu bändigende Spannung klein genug bleibt, wir sind uns aber immer noch nicht einig, ob es da was zu verbessern gibt -> SELV PELV.


    Oder viel besser:


    Sperre sie sicher ein -> Schutzklasse 2


    Die Schutzisolierung bezieht sich auf die Module und damit auf die gesamte Gleichspannungsseite. Der Alurahmen ist Teil der Schutzart und somit durch konstruktive Massnahmen besonders geschützt. Schau dir einen elektrischen Rasierapparat an, das ist ebenfalls ein elektrisches Betriebsmittel der Schutzklasse 2, und das metallene Scherblatt wird trotzdem nicht zusätzlich in eine weitere Schutzmassnahme einbezogen.


    Man muss einen weiteren Defekt nicht betrachten, es genügt Gürtel oder Hosenträger. Beides schadet natürlich nicht, was m.M. nach falsch ist, ist das Wort "muss".


    Die Schutzart des Wechselrichters spielt für die Schutzart der Module keine Rolle.


    Gruß


    Andreas