Stromschlag durch PV-Anlagen z.B. bei Feuerwehreinsätzen

  • Hallo,


    in den letzten Tagen gab es im Forum ein Thread über Feuerwehreinsätze an Häusern mit PV-Anlagen und deren Gefahren. Ich bin zu folgender Überlegung gekommen und würde mich gerne darüber austauschen:
    Wenn man sich das Konzept und den Aufbau einer PV-Installation anschaut, so komme ich zur folgender theoretischer Erkenntnis:
    Bei einer PV-Anlage ist die DC-Seite in den meisten Fällen ein nicht geerdetes System. Das heißt, um einen Stromschlag zu bekommen,
    muss man beide Spannungpotentiale in die Hand bekommen, nämlich die DC+ und die DC. Erst dann wird damit der Stromkreis geschlossen und Strom fließen kann.
    Es ist doch eigentlich vergleichbar mit einem IT-Netz. Das bedeutet in der Theorie weiter, dass ich als Feuerwehrmann bei einem Löschangriff eigentlich keinen Stromschlag erhalten kann!?!


    Sollte die DC-Seite geerdet sein (Funktionserede), die bei sehr wenigen Modultypen zur Anwendung kommt, wird zwischen dem zu erdenden Pol und der Schutzerde eine Sicherung von 1A eingesetzt.
    Sprich, sollte ein Strom größer als 1A fließen, löst diese Sicherung aus und die Funktionserde wird unterbrochen und wir haben dann den technischen Aufbau wie oben ausgeführt. Befindet sich diese Erde (Sicherung) nach dem DC-Trenner, so ist durch dessen ausschalten ebenfalls die Funktionserde aufgehoben.


    Gruß Elektron

  • Hallo Elektron,


    das sehe ich genau so.
    Vor kurzem gab es bei uns in der Feuerwehr eine ähnliche Diskussion über dieses Thema. Da kamen auch Ideen auf wie die PV Module mit dunklem Schaum besprühen. Ich denk mal in der heißen Phase in der mit dem Strahlrohr gespritzt wird kann nicht viel passieren. anders aber wenn danach nach Glutnestern gesucht wird und man per Hand ran muss. Gefährlicher wird es meiner -meinung, wenn große Dachflächen Brennen und sich die PV Module in Rauch auflösen und die Rauchwolke über die Einsatzpersonen zieht. Da tut man gut daran mit Atemschutz zu arbeiten.


    Gruss Thomas

  • Hallo,
    kann ich nicht zustimmen.
    Das Gestell jeder PV Anlage ist geerdet, bei einem Brand kann man davon ausgehen, dass die Isolation der Stringkabel nicht mehr funktionsfähig ist.
    Berührt ein Stringkabel mit defekter Isolation das Gestell, ist DC Seitig auch geerdet.


    Abgesehen davon, wie soll die Feuerwehr bei jedem Brand prüfen ob es sich um DC seitig geerdete oder nicht geerdete Module handelt.


    Da wird wohl eine Änderung auf Seiten der Löschtechnik nötig sein, modulierter Strahl oder was auch immer.


    Gruß
    Manfred

  • Ich sehe das auch gleich kritisch wie der sonnenmelker,

    Im Brandfall können sich neue, unvorhergesehene Situationen einstellen. Es gab mal die Überlegung (Mustermodule) mit einem Bimetal, welches bei zu hoher Temperatur das Modul ausschaltet. Finde ich nicht so schlecht, nur halt eine neue Ströquelle.
    Ich persönlich bin auch ein Fan vom s.g. AC Modul, da kann man dann einfach die Spannung am Netz freischalten und das war es dann



    Gruß

  • Moin Manfred,

    Zitat von Sonnenmelker

    ...Das Gestell jeder PV Anlage ist geerdet, ....


    Diese Aussage bezweifle ich energisch :roll:
    Ich möchte gar nicht genau wissen, wieviel Anlagen auf privaten Gebäuden -die grundsätzlich erst mal -nur im Bedarfsfall- keinen äußeren BS benötigen- potentialmäßig "frei floaten". Noch dazu, wenn TL WR im Spiel sind :cry:

    Sonnige Grüße von 100% Solar (Michael)

    Einmal editiert, zuletzt von hundertprosolar ()

  • Es gibt ja momentan auch schon einzuhaltende Abstände Bei Löscharbeiten, die Verschieden Strahlrohre und Spannungen betreffen, da muss man halt für GLeichspannung neue Richtlinien erarbeiten

  • Hallo Thomas,


    da stellen sich mir die Haare zu Berg. Ihr DISKUTIERT bei der Feuerwehr darüber, wie man da löschen könnte??? Hallo, da läuft doch was schief. Ihr hab doch sicher eine Landesfeuerwehrschule oder Ausbildungszentren, die diese Problematik erforschen und mit den Ergebnissen die Feuerwehr geschult wird/sollte. Ich nehme an, dass du auch eine Anlage auf dem Dach hast. Was hast du eigentlich unternommen um hier Klarheit zu bekommen?????????


    Stell Dir doch mal vor, DEIN Haus brennt, DEINE Kameraden kommen zum löschen und wissen nicht was sie tun sollen, bzw. wie der Löschangriff optimal durchzuführen ist. DEIN Haus brennt komplett ab, weil selbst DU nur mal gelegentlich mit diesen, deinen Kameraden, über die Problematik diskutiert hast und nicht mehr.


    Gruß Pennyman


    Zitat von Europaadcon

    Hallo Elektron,


    das sehe ich genau so.
    Vor kurzem gab es bei uns in der Feuerwehr eine ähnliche Diskussion über dieses Thema. Da kamen auch Ideen auf wie die PV Module mit dunklem Schaum besprühen. Ich denk mal in der heißen Phase in der mit dem Strahlrohr gespritzt wird kann nicht viel passieren. anders aber wenn danach nach Glutnestern gesucht wird und man per Hand ran muss. Gefährlicher wird es meiner -meinung, wenn große Dachflächen Brennen und sich die PV Module in Rauch auflösen und die Rauchwolke über die Einsatzpersonen zieht. Da tut man gut daran mit Atemschutz zu arbeiten.


    Gruss Thomas

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  • Hallo beisammen,


    mein Schreiben an die Landesfeuerwehrschule des Landes Baden Württemberg


    Sehr geehrte Damen und Herren,


    ich bin Betreiber eine Photovoltaikanlage (PA) auf dem Dach meines Wohnhauses. Weiterhin bin ich im Internetforum http://www.photovoltaikforum.com In diesem Forum sind über 30.000 User registriert. Eine Vielzahl der User hat ebenfalls eine PA auf dem Dach.


    Aufgrund eines Berichtes in der Ostfrieser Zeitung über einen Wohnhausbrand file:///C:/Dokumente%20und%20Einstellungen/Kurt/Desktop/Ostfriesen-Zeitung%20%20Nachrichten%20im%20Detail.htm kam eine Diskussion über Brandeinsätze der Feuerwehr in einem solchen Fall.


    Da auch aktive Feuerwehrmänner in diesem Forum Mitglieder sind, bin ich schockiert, über die Unwissenheit wie bei einem Brandeinsatz an einem Wohnhaus mit PA zu verfahren ist. Zitat aus einem Mitgliedsbeitrag:


    „Vor kurzem gab es bei uns in der Feuerwehr eine ähnliche Diskussion über dieses Thema. Da kamen auch Ideen auf wie die PV Module mit dunklem Schaum besprühen. Ich denk mal in der heißen Phase in der mit dem Strahlrohr gespritzt wird kann nicht viel passieren. anders aber wenn danach nach Glutnestern gesucht wird und man per Hand ran muss. Gefährlicher wird es meiner -meinung, wenn große Dachflächen Brennen und sich die PV Module in Rauch auflösen und die Rauchwolke über die Einsatzpersonen zieht. Da tut man gut daran mit Atemschutz zu arbeiten.“ Zitat Ende.


    Da es eine starke Zunahme von Photovoltaikanlagen auf Dächern gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Brandeinsatz dieser Art kommen wird.


    Meine Frage an die Leitung der Landesfeuerwehrschule des Landes Baden-Württemberg:


    1.Wurde seitens der Feuerwehrschule bereits erforscht, wie im Brandfall unter den gegebenen Umständen zur Tageszeit bei der Produktion von Solarstrom ein Löschvorgang stattfinden muss, ohne dass Einsatzkräfte zusätzlich durch elektrischen Strom gefährdet sind?


    2. Wurden die Feuerwehren des Landes geschult, um solche Einsätze optimal gestalten zu können.


    Über eine baldige Antwort würde ich mich freuen und würde diese mit ihrem Einverständnis ins Forum stellen, um einer dort entstehende Verunsicherung entgegenwirken zu können.


    Sobald ich eine Antwort bekomme, werde ich berichten.


    Gruß Pennyman

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  • Hallo alle,


    erst mal gibt es schon Richtlienien zum Verhalten im Feuerwehreinsatz bei Gleichspannung. Diese werden bei jedem Truppmannlehrgang eingebunden.


    Zum andernen zur Erdung, kann man sagen, dass der Ansatz von Elektron schon richtig ist, allerdings kann es im Feuerwehreinsatz immer zu ungewohnten Situationen kommen die keiner vorhersehen kann. Deshalb gibt es in diesem Bereich nur die Schulung von Feuerwehrdienstleistenden.


    Ein einspritzen mit Schaum ist nicht möglich, außer wir führen ein neues PV-Fahrzeug ein, dass nur den speziellen Schaum mitführt. :-)


    Eine Gefahr möchte ich hier noch nennen:


    Es ist nicht immer nur auf die Gebäude zu achten, die direkt betroffen sind. Es kann ja auch mal vorkommen, dass das Wohnhaus brennt und die PV - Anlage auf der Scheune ist. Der Hausanschluß ist bestimmt dann im Wohnhaus. Hier muss daran gedacht werden, dass der Strom abgeschalten wird, da sich irgendwo im Haus die Zuleitung zur PV - Anlage befinden kann und diese eventuell freibrennt. Hier können dann bis zu 400 V AC anliegen.


    Grüße aus Bayern


    CET

  • Hallo Manfred,


    danke für Deine Ausführungen, die ich bei meiner Annahme nicht berücksichtigt habe.
    Der von Dir geschilderte Fall könnte eintreten, müsste nach meiner Meinung aber eine Reihe von Bedingungen erfüllt werden:


    • Montagesystem muss geerdet sein (Pflicht nur bei Verwendung von trafolosen WR)
    • eine der beiden Stringleitung (z.B. die Plus-Leitung) muss elektrischen Kontakt zum geerdeten Montagesystem haben (Niederohmigkeit)
    • die Erdungsleitung (wohl meistens zur PA-Schiene führend) darf nicht beschädigt sein und in Funktion sein
    • die zweite Stringleitung (z.B. die Minus-Leitung) darf keinen Kontakt zum Montagesystem haben (Hochohmig)
    • der Feuerwehrmann muss mittel seinem Wasserstrahl die im Beispiel aufgeführte Minus-Leitung treffen ohne dass eine direkte weitere Verbindung zur Plus-Leitung hergestellt wird
    • der Kontaktpunkt (wasserstrahl) muss an der Stelle des Strangs geschehen, an dem eine ausreichende Anzahl von Modulen noch in Reihe geschalten sind um eine gefährliche Spannungshöhe noch zu erreichen
      die Übergangswiderstände zwischen Strahlrohr/Handschuhe/Schuhe etc. müssen entsprechend klein sein, um einen Stromfluss entstehen zu lassen


    Nach meiner Ansicht schon sehr viele Einzelpunkte die erreicht werden müssen um einen Feuerwehrmann in eine solche Gefahr zu bringen.
    Ich will nicht abstreiten, dass von einer PV-Anlage ein erhöhte elektrische sowie mechanische Gefahr ausgeht.


    Gruß Elektron