Verlust bei Hitze?

  • Ein kluger Kopf hat kürzlich behauptet, dass die Erträge der Photovoltaikanlagen bei Hitze geringer werden.
    Sprich die Module arbeiten im Frühjahr und Herbst effektiver als im Hochsommer.
    Kann mich mal jemand schlau machen?
    Wie kommt das, ist dieser Verlust wirklich messbar (ich hab mal ein paar online Daten angesehen, da war der Ertrag im August immer noch am höchsten), oder bin ich nur einem Gerücht aufgesessen?


    Gruß Emma

    Viel glauben müssen die, die wenig wissen!

  • 1. Im Winter sind die Tage klarer als im Sommer. Dadurch kommen die Sonnenstrahlen auch besser durch.


    2. Die Module werden im Sommer erheblich heiß.
    Gemessen werden Module bei 26° C. Gib mal bei Google KWp ein. Das sind die Leistungsdaten für Photovoltaik. Im Sommer hast du bestimmt 100° auf deinen Modulen. Dementsprechend ist der Ertrag niedriger. das Ganze wird aber wieder wettgemacht durch den faktor Zeit. Im Sommer wird es früher Tag und später Nacht. Dadurch machst du im Winter erheblich weniger Strom als im Sommer.
    Gute Module haben sogenannte Kühlflächen, die sind weiß. Je mehr weiß du drin hast, umso effektiver können die Module arbeiten. Ob das gut ist weiß ich nicht, da diese Module auch mehr Fläche brauchen. das heißt ohne Kühlflächen bekommst du mehr kwp aufs Dach. Diese können den Vorteil der Kühlflächen wieder wettmachen.


    Ist alles ne Glaubensfrage, und ne Frage was du ausgeben willst, besser gesagt was du angeboten bekommst.

  • Also alle Werte aus dem Datenblatt eines Solarmoduls beziehen sich auf Standardtestbedingungen ( STC = 25°C , 90° Lichteinfall , Luftmasse 1,5 und 1000W/m² Einstrahlung ). Kristalline Silizium-Solarzellen haben von diesen Werten ausgehend einen Leistungsverlust von ca. 0,35-0,5 %/K. Im Sommer können Module bei direkter Einstrahlung bis zu 30K über Umgebungstemperatur heiß werden. Bei einem Sommertag mit 30°C sind also durchaus 60°C , vielleicht sogar 70°C Modultemperatur realistisch. Das würde dann einem Leistungsverlust von ca. 20% ggü. der Nennleistung entsprechen. Amorphe Silizium-Module haben einen besseren Temperaturkoeffizienten und nur ca. 0,1%/K Leistungsverlust. Nun könnte man meinen das die Module im Winter wegen den niedrigeren Temperaturen mehr Ertrag bringen. Dummerweise ist die Strahlungsintensität im Winter aber nur etwa halb so groß wie im Sommer , die Erträge im Winter also entsprechend geringer ( dazu kommen noch die kürzeren Tage im Winterhalbjahr ... ).

  • Ganz herzlichen Dank für die ausführliche Auskunft.
    Mann kann wohl einfach nicht Alles haben.


    Emma

    Viel glauben müssen die, die wenig wissen!

  • Hallo auch mal,


    kann mich den Vorrednern nur anschließen. Bei den Modulen gibt es diesbezüglich aber auch Unterschiede: Z. B. rühmt sich Sanyo mit 10% mehr Leistung bei hohen Temperaturen als Standardmodule.
    Hier ein Link in deutsch, für den den es interessiert: http://www.hawi-energietechnik.de/de/pdf/my_d_180ne1_d.pdf


    Außerdem kommt im Sommer noch hinzu, daß die Sonne Mittags steiler steht, was dann auch wiederum im Zusammenhang mit der Dachneigung eine gewisse Rolle spielt. Meine Dachneigung ist z. B. 45° also 15° über Optimal, was dann bedeutet, daß die Leistungskurve zur Mittagszeit im Sommer generell niedriger ist. Ich denke mal daß die 30° Empfehlung eben für die Sommermonate gilt, da diese am ertragsreichsten sind.
    Ist aber nur meine Überlegung und laß mich da gerne belehren!


    Martin

    Anlage 1: 5,04 kWp; 28 x Sanyo HIT 180 (HIP-J54BE2), SMA SB 5.0, 91710, 45° DN, 15° SW, Aufdach, seit: 07.01.2004
    Anlage 2: 20,35 kWp: 110 x Trina TSM-DC01 185, 1 x Huawei Sun2000-17KTL , 91719, 45° DN, 15° SW, Aufdach, seit : 20.04.2009

  • in unseren breiten wird die meiste solarstrahlung indirekt genutzt ("diffuse strahlung"), daher ist , vor allem unter der vorraussetzuung, dass morgens und abends die sonne flacher steht, ein winkel von 45°C ideal...


    desweiteren bietet es sich an, eine pv-anlage mit einem erdwärmetauscher-wärmepumpensysthem zu verbinden, d.h. die bekannten gummirohrabsorber für schwimmbäder, als kühlrippen unter die pv-anlage zu legen und damit im sommer den erdspeicher zu laden, allerdings ist dies nur ein vorschlag meinerseits und nicht überprüft ;)

  • Ich will nicht unbedingt widersprechen, aber ich glaube dass es hier einen Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie gibt. Nach meinem Wissen ist nur bei der Solarthermie der 45°-Ansatz gut. Hier will man ja über den ganzen Tag etwas Warmwasser haben und nicht hauptsächlich mittags wo eh keiner duscht, außer zur Zeit vielleicht doch! Bei der PV ist es aber gerade umgekehrt, da sind die Erträge um die Mittagszeit am höchsten und die möchte man doch gerne optimieren.


    Martin :lol:

    Anlage 1: 5,04 kWp; 28 x Sanyo HIT 180 (HIP-J54BE2), SMA SB 5.0, 91710, 45° DN, 15° SW, Aufdach, seit: 07.01.2004
    Anlage 2: 20,35 kWp: 110 x Trina TSM-DC01 185, 1 x Huawei Sun2000-17KTL , 91719, 45° DN, 15° SW, Aufdach, seit : 20.04.2009