Finanzamt - Einkommenssteuer - Umsatzsteuer

  • Hallo,


    ich bin Privatperson (Beamter im öffentlichen Dienst) und zahle Einkommenssteuer.


    Ich beabsichtige bei meinem Eigenheim eine Photovoltaikanlage mit 8,1 kWp zu errichten.


    Da ich steuerrechtlich ein vollkommener Laie bin, bitte ich um Beantwortung folgender Fragen:


    1. Die Anlage kostet mit Montage 39.354,31 Euro (ohne Mehrwertsteuer). Ist das teuer?


    2. Verwendet werden Solarmodule ASE-100-GT-FT und Kaco Powador Netzwechselrichter. Was haltet Ihr davon?


    3. Alternativ können Solarmodule Conergy C185M verwendet werden. Was haltet Ihr davon?


    4. Die Einnahmenschätzung geht von 7700 kWh/a (Startwert) aus und soll eine jährliche Einspeisung von ca. 4.178,00 Euro erzielen. Auf 20 Jahre soll die Anlage (nach Abzug der Alterung) eine Einspeisung von insgesamt 80.122 Euro erzielen.
    Demgegenüber stehen die Kosten der Anlage von ca. 40.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer). Diesen Betrag würde ich in voller Höhe über die Umweltbank finanzieren. Dabei würde ich an Zins (2,85 %Nominal) monatlich 95,00 Euro (jährlich 1140,00 Euro) zahlen und an Tilgung monatlich 316,23 Euro (jährlich 3794,72 Euro) zahlen.
    Rendiert sich die Anlage?


    5. Ich habe einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bekommen. Wie muß ich diesen ausfüllen. Wer kann mir ein Muster schicken oder wo kann ich ein Muster einsehen. Was muß ich bei der Ausfüllung beachten? Wo muß ich welche Daten einfügen?


    6. Bekomme ich die Mehrwertsteuer auch wieder raus. Was muß ich dazu machen und was muß ich dazu beachten?


    7. MUß ich die Einnahmen aus der Einspeisung einkommensrechtlich versteuern? Was und in welcher Höhe kann ich dazu alles absetzen? Rendiert sich das alles, wenn ich als Privatperson fast nichts abzusetzen habe? Wer kann das bei meinen obigen Angaben an einen Beispiel aufzeigen? Was ist, wenn die Einnahmen irgendwann die Ausgaben übersteigt, dann muß ich versteuern und zahle doch drauf? Oder irre ich?


    8. Was ist als Privatperson bei mir besser? Die lineare Abschreibung oder die degressive Abschreibung? Warum? Wo liegen die Vorteile, wo die Nachteile? Wer kann das bei meinen o.g. Angaben als Beispiel aufzeigen?


    9. Kann man die Tilgungsleistungen für das Dalehen auch absetzen?


    10. Setzt man die ersten jährlichen Zinsbelastungen für das Darlehen jeweils ab oder nach Verringerung durch die Tilgungen nur die tatsächlichen Zinsbelastungen pro Jahr?


    11. Ist es besser dem Finanzamt auf die 20 Jahre einen Gewinn oder einen Verlust nachzuweisen? Warum? Wo liegen die Vorteile, wo die Nachteile?


    12. Kann ich Verluste aus einem Jahr mit Gewinnen in den Folgejahren bei der Einkommenssteuerveranlagung gegenrechnen?


    13. Brauche ich für den Gebrauch der o.g. Photovoltaikanlage eine Gewerbeanmeldung?


    14.Ist die Verzichtserklärung, daß Kleinunternehmer nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, besser oder schlecher? Warum? Wo liegen die Vorteile, wo die Nachteile?


    15. Wie oft muß ich die Umsatzsteuervoranmeldung machen? Was muß ich dazu beachten? Welche Formblätter nehme ich dazu her? Was muß ich da monatlich eintragen? Wer kann mir ein Muster oder Beispiel schicken? Was kann ich da alles absetzen?


    16. Wer bietet außer der Umweltbank und der Kfw bank noch zinsgünstige Darlehen für Photovoltaikanlagen an?


    17. Was muß man bei den Versicherungen für Photovoltaikanlagen, gegenüber dem Finanzamt, gegenüber dem Stromunternehmen alles beachten? Was ist wichtig?


    18. Wäre es z.B. besser, wenn meine im Eigenheim wohnende Mutter (Gewerbetreibende und Selbständige mit Friseurgeschäft im Haus) die Photovoltaikanlage betreibt? Warum? Oder ist das egal?


    Ich bitte um schnelle und vollständige (falls möglich) Rückantwort zu meinen Fragen.


    Vielen Dank!

  • Viele Fragen :shock:


    Ich beantworte mal ein paar.


    Die Anlage kostet unter 5000 € und ist daher zur Zeit als üblich einzuschätzen. Günstig würde für mich anders aussehen.


    Die Komponenten sind akzeptabel, obwohl ich persönlich einen anderen Wechselrichterhersteller bevorzuge. :twisted: Aber ist absolut i.O.


    Deine Erträge wurden künstlich hochgerechnet. 950 kw/kwp sind möglich aber für einen Zeitraum von 20 Jahren nicht realistisch. Falls dann noch was dazwischenkommt, ist Schluß mit Lustig.
    das EVU zahlt zwischen 750 kw im Norden und 850 kw im Süden. Der Rest geht über Jahresrechnung. Schönrechnen kann ich mir alles.
    Du bekommst die MWST auch zurück, wenn du das beantragst. dann mußt du aber auch monatlich deine Einkommensteuer für deine PV machen. :P


    Aber Steuer können andere besser erklären.

  • Danke Walter für deine schnelle Rückantwort!


    Welcher Durchschnittspreis inkl. Montage wäre deiner Meinung nach dann angemessen und derzeit günstig?


    An alle anderen: Wer kann auch noch meine Fragen (oben 1 - 18) erklären.


    Bitte um zahlreiche Antworten.


    Vielen Dank!

  • Hallo Starmanu und willkommen im Forum,


    Mich irritiert etwas deine amtliche Fragestellung und ein Beamter, der seine Steuer nicht nachrechnen kann, ist mir bis eben noch nicht untergekommen ;-)
    Deshalb auch eines gleich vorab, damit du am Ende nicht enttäuscht bist vom Ergebnis deiner Anfrage. Alle Antworten, die du hier im Forum kriegst sind MEINUNGEN und als HILFEN zu verstehen, die in erster Linie aus persönlichen Erfahrungen, Kenntnissen und Erkenntnissen der Poster resultieren. Sie stellen immer nur die ganz privaten Ansichten dar und dienen alleine dazu KLARHEIT zu bestimmten Dingen rund um PV zu kriegen und sind deshalb bestenfalls Empfehlungen und schon gar nicht verbindlich. Sie müssen bei dir nicht passen!!!


    Meine erste Empfehlung: Melde dich bei deiner Familie für längere Zeit zwecks ungestörter Arbeit ab. Stelle dir jede Menge Speisen und Getränke in der Nähe deines PCs bereit und verbringe dieses wahrscheinlich verregnete Wochenende im Internet. Versuche dir zuerst mal grundlegende Fragen selber zu beantworten. Google und Yahoo helfen dir gerne.
    Wer lesen kann, ist im klar Vorteil. Da gibt es eine Menge Stoff in den inzwischen fast 2000 Postings hier. Es geht schließlich um DEIN Geld.


    1. bis 3.


    Keine Ahnung, ob das für dich teuer ist. Preiswert ist das Angebot sicher nicht. Hängt auch von den Umständen ab, wie wo wer baut und was so nebenbei bei der Installation außergewöhnliches zu beachten ist. Das kann bei einer Zählerplatzerweiterung anfangen und bei einem zusätzlichen Kabelkanal quer durchs Haus noch nicht mal aufhören. Von dem Material hier sollte es aus meiner Sicht keine Probleme geben, aber man steckt eben nicht drin.
    Sieh aber dir vorher genau das Dach an, auf das die Anlage rauf soll!
    Wenn du aus idealistischen Gründen und im Interesse der Umwelt etwas tun willst, ist es nie zu teuer. Wenn mit deiner Anlage reich werden willst, lass es - das funktioniert nicht. Wenn du es als eine Form der Altersvorsorge siehst – mach es, aber rechne genau!!!


    4.


    Diese Rechnung mach mal lieber selber. Das ist nicht kompliziert und dein Solarteur, wird dir ganz sicher Rede und Antwort stehen. Das Forum hier gibt es zusätzlich.
    Guck mal hier:
    http://www.sfv.de/lokal/mails/wvf/erstinf2.htm
    http://www.sfv.de/lokal/mails/wvf/schwarz1.htm


    Es gibt eine Reihe von Hilfsmitteln, die in der Anwendung nicht sehr kompliziert sind, die du in Zukunft sowieso anwenden wirst. Das kannst du ruhig glauben.
    Zuerst lass mal eine Ertragsrechnung für deinen Standort machen. Die kriegst du hier VERBINDLICH aber kostenlos (!) mit den präzisen Wetterdaten von deinem Standort: https://www1.meteocontrol.de/pv-calculator/index.php
    Alle anderen Schätzungen oder Hochrechnungen kannst du getrost vergessen.


    Wenn du selber rauf und runter rechnen willst – einschließlich Finanzierung usw. kriegst du den hier für knapp 20 Euro: http://www.rw-c.de/PV-Kalk.htm
    Du wirst sehen, dass wichtige Nebenkosten, wie Versicherung, Reparaturen, Revisionen, Ableseentgelte des Versorgers, zwischenzeitlich notwendige Erneuerungen z. B. von Wechselrichtern u.s.w. bei deiner bisherigen Musterkalkulation mit hoher Sicherheit fehlen dürften. Das ist das was Lothar mit ... was dazwischen kommen ... meinte.
    Wenn alles optimal läuft, sollte mit dem Auslaufen der Fremdfinanzierung ein regelmäßiger jährlicher Gewinn entstehen. Klappt das nicht, ist das Finanzierungsmodell falsch!!!


    5. bis 17.
    Du wirst, wenn dein Dienstherr es erlaubt, Unternehmer. Das ist vom Finanzministerium so verfügt, wenn du deinen selber erzeugten Strom dauerhaft und nicht nur gelegentlich verkaufst.
    Im steuerrechtlichen Sinn bedeutet das für dich eine vereinfachte Buchführung mit Einnahme-Überschussrechnung, monatliche Umsatzsteuervoranmeldung für die nächsten zwei Jahre und noch anderer Papierkram, aber auch ein paar wesentlichen Vorteile bei der Einkommenssteuer.


    Wenn du das alleine machen willst, kommst nicht drum herum, dir geeignete Hilfsmittel zu besorgen. Ich empfehle dir von der Akademischen Arbeitsgemeinschaft die „Steuertipps - Das Handbuch für Selbständige“ und die Software „Steuersparerklärung 2005“ - bestellbar unter http://www.steuertipps.de bzw. http://www.akademische.de . Da ist die komplette Buchführung bis zur monatlichen Umsatzsteueranmeldung und der EÜR und auch die gesamte Einkommensteuerberechnung dabei. Du findest hier in den Foren auch noch eine Reihe Alternativen.
    Wenn dir das zu stressig ist oder du keine Zeit hast, bleibt natürlich der Steuerberater erste Adresse.


    Vielleicht noch zur Finanzierung etwas. Die Umweltbank bietet schon die besten Konditionen. Aber du kriegts bei KEINER Bank ein PV-Darlehen ohne Sicherheiten. Deine Anlage ist zu klein, um selber als Sicherheit plus Abtretung der Einspeisevergütung zu genügen. Du musst wahrscheinlich eine Grundschuld oder andere Sicherheiten nachweisen, sonst gibt’s keinen müden Cent. Die PV-Darlehen werden sowieso von der KfW finanziert. Ich glaube keinem Bänker, der da was anderes erzählt. Interessant wäre noch die Verwendung von Bausparmitteln aus einem alten Vertrag. Billiger und kurzfristiger geht’s dann nimmer.


    18.
    Weiter oben hatte ich geschrieben, dass es auf den Zweck deines Vorhabens ankommt. Deine Mutter hat sicherlich einen Steuerberater, der die steuerliche Situation ihres Unternehmens beurteilen kann. Vielleicht kommt sie ja auf die Idee, dir ein Privatdarlehen gegen Abtretung der Anlage und der Einspeisevergütung anzubieten. Wenn das alles notariell wasserdicht gemacht wird und das Geld tatsächlich bewegt wird, muss sogar das Finanzamt mitspielen. Was anderes sinnvolles kann ich mir nicht vorstellen.


    Das war es fürs Erste. Naja, vielleicht etwas anders als von dir erwartet, aber hoffentlich genauso hilfreich.


    Tschüss
    Doris


    P.S.
    Danke für die PM. Muss ich da noch mal extra antworten?
    D.

    Ein positiv denkender Mensch weigert sich nicht, das Negative zur Kenntnis zu nehmen. Er weigert sich lediglich, sich ihm zu unterwerfen. (Norman-Vincent Peale 1898-1993)

  • Hallo Starmanu,


    ich möchte Doris's Ausführungen in wenigen Punkten noch ergänzen.
    Ich stand vor kurzer Zeit vor dem gleichen Problem, den ganzen Papierkram zu bewältigen.
    Was auf jedenfall wichtig ist, ist die Formulare in Ruhe auszufüllen und sich auch wirklich Zeit dafür zu nehmen. Wenn man mal einen Nacht über den ganzen Papierkram geschlafen hat, wird man am nächsten Tag feststellen, dass alles gar nicht so schlimm ist.


    zu 5.
    In meinem Falle waren die Punkte A-G auszufüllen. Ich denke anhand der Überschriften ist selbsterklärend, was in die entsprechenden Felder einzutragen ist. Dein zustäniger Sachbearbeiter beim Finanzamt gibt auf Nachfrage vielleicht auch gerne Auskunft.


    zu 6.
    Mwst. solltest Du normalerweise schon zurückbekommen können.
    Um die Mwst. erstattet zu bekommen, mußt Du jedenfalls eine Umsatzsteuererklärung beim FA einreichen.
    Erfahrungen und auch Tips anderer 'Leidensgenossen' findest Du hier im PV-Forum oder auch im 'rosafarbenen' Forum. Einfach mal ein wenig Zeit investieren und die Suchfunktion benutzen.


    zu 11.
    Nach meinem Wissen ist es sogar zwingend, dass irgendwann Gewinn ausgewiesen wird. Dein zustäniger Sachbearbeiter beim Finanzamt gibt auf Nachfrage vielleicht auch gerne Auskunft.


    zu 13.
    Gewerbeanmeldung war in unserem Falle ebenfalls nicht erforderlich.
    Wg. Gewerbeanmeldung solltest Du Dich mal mit dem zuständigen Sachbearbeiter vom Ordnungsamt in Verbindung setzen, ob Gewerbeanmeldung überhaupt erforderlich ist.
    In unserem Falle war keine Gewerbeanmeldung erforderlich. Im Falle einer Gewerbeanmeldung wäre Meldung bei insgesamt 18 !!! verschiedenen Behörden - Berufsgenossenschaft, IHK und wie sie alle heissen mögen, so die Aussage des Sachbearbeiters im Ordnungsamt, erfolgt. Die Warscheinlichkeit ist groß, dass auch die eine oder andere Behörde auch die Hand aufhält, was dann die Kosten in die Höhe treibt und die Rendite weiter schmälert.


    zu 17.
    Wir haben keine separate PV-Versicherung abgeschlossen.
    Bei uns ist die Anlage im Rahmen der Wohngebäudevesicherung mit abgesichert gegen Gefahren wie Sturm/Hagel, Blitzschlag, Elementarschäden ..... Die Versicherungsprämie richtet sich nach Anlagenpreis (in unserem Falle 23,-€ bei Anlagenpreis ca. 18.000,-€).
    Sollte diesbzgl. jemand Tips für mich haben, was man besser machen könnte, bin ich ebenfalls sehr dankbar.


    Der Vollständigkeit halber muss Doris zitieren, dass hier nur meine persönlichen Erfahrungen wiedergegeben werden, welche nicht unbedingt auf Deinen Fall zutreffen müssen.


    Sonnige Grüße und den Kopf nicht hängen lassen
    Stefan

  • Hallo Starmanu,


    hab' ich noch vergessen.


    Hast Du denn schon bei Deinem Versorger angefragt, dass es von deren Seite keinerlei Einwände gegen die Errichtung der PV-Anlage auf Deinem Hausdach geben wird?


    Stefan

  • Eine günstige Anlage zu kaufen ist die eine Sache. eine gute gut funktionierende Anlage zu bekommen ein andere.


    Das funktioniert nur wenn du alles selber projektierst oder die Arbeit deines Solateurs schrittweise begleitest und überwachst.


    Das beginnt mit der überprüfung von Neigung und Ausrichtung, und endet, tja mit was, :twisted: Nie.


    War ein Scherz. Was ich damit eigentlich sagen wollte, ist eigentlich dass auch Günstig teuer sein kann. Du mußt wie schon Doris sagte, mit herz und Seele dabei sein, und damit ein funktionierendes System gewährleisten.


    Ein wichtiger Punkt ist ein Datenlogger. Nur damit kannst du über einen zeitraum von mehr als 20 Jahre den Verlauf dokumentieren und überprüfen.