"PV Anlage mittels kaufmännisch bilanzierter Durchleitu

  • Hallo Experten,


    nachdem nun meine Anlage mit 81kw/p bald ans Netz gehen soll hat mich heute meine EVU angerufen und mir anschließend nachstehendes per Mail mitgeteilt.


    Kann von euch einer was damit anfangen und mir einen entsprechenden Rat geben?




    Was ist jetzt besser, höhere Zählermiete und exakte Abrechnung oder weniger Zählermiete und Abrechnung nach diesem Monatsprofil, welches als Anhang im obigen Schreiben geschickt wurde.




    So wie ich das sehe, kann ich es mir raussuchen.
    Verstehe aber leider nur Bahnhof.


    Kann mir jemand erklären was für meinen Fall besser wäre?
    Mein jetziger Bezug liegt bei ca. 34 kva


    Als Beispiel wurde gebracht, das wenn ich den billigen Zähler (Standarteinspeiseprofil) nehme und meine Anlage an einem Augusttag wegen Regens nichts einspeist, muß ich den vollen Wirkstrom also den sowieso Anfallenden und den der PV Anlage bezahlen, obwohl sie praktisch nichts einspeist. Dies gilt dann für jeden Monat im Jahr, weil die höchste Wirkleistung hierfür zu Grunde gelegt wird.


    Danke
    Grüße
    Mike

    81 kw mit 360 aleo S18 225w an 5 Danfos TLX 15k
    Dachneigung 24° Ausrichtung Süd 170°
    Seit September 2009 am Netz

  • Hallo!
    Ich will versuchen, das System der "Kaufmännisch Bilanziellen Durchleitung" (KBD) einfach zu beschreiben.
    Es gibt dort der Zähler 1, der die Gesamte Menge des erzeugten Stromes an der PV Anlage misst. Dieser Zähler hat bis 500kW gem. EEG nur ein einfaches Zählwerk. Diesen erzeugten und gemessenen Strom speist Du in ein beliebiges "Hausnetz" (z.B. Wohnung) ein.
    Nun gibt es an der Übergabe zum Öffentlichen Netz einen Zähler 2; dieses ist i.d.R. ein sog. 2 Energierichtungszähler. Dieser mist alle ein / und ausgehenden Energiemengen.
    Bei Null Bezug und voller Einspeisung zählt nun der Zähler 2 die Mengen des Zähler 1 abzüglich der "Hausnetzverluste".
    Bei Null Einspeisung werden die vollen Bezüge gemessen.
    Bei Teillasten kann man entsprechend der gezählten Mengen errechnen, wie groß der Bezug nach Abzug der Einspeisemengen war.


    Soweit alles klar?
    Nach dem Schreiben zu urteilen hast Du folgende Situation:
    1) 1/4h Leistungsmessung.
    2) Mehrtarif Bezugszähler an der Netzübergabe.
    3) PV Anlage speist Irgendwo in das "Hausnetz" ein (Richtiger Netzanschluss wurde aus Kostengründen gespart).
    4) PV Strommengen werden über 1 Tarif Zähler ohne Leistungsmessung an den WR gemessen.
    Ergebnis:
    Zähler 2 als sog. "registrierende Leistungsmessung" stellt in 1/4h Abschnitten fest, welche Bezugsleistung Du fährst (danach ergibt sich der Leistungspreis der gemessenen Leistung). Um nun Deinen Leistungsbezug sauber zu ermitteln während Deine Anlage munter Strom ins "Hausnetz" einspeist (welcher zur Gänze oder Teilweise gleich wieder Hausintern verbraucht wird) gibt es 2 Varianten:
    1) Der PV Zähler erhält ebenfalls eine "registrierende Leistungsmessung"; die Zähler sind jedoch in Miete oder Kauf nicht ganz billig. Hier kann der Netzbetreiber dann die beiden 1/4h messwerte der Zähler gegeneinander legen und die bezogene Leistung errechnen.
    2) Anstatt einer gemessenen leistungskurve gibt es für diverse Gewerke bei den Netzbetreibern sog. "Gewerksbezogene Standardlastprofile". Hier hat man aus gemessenen Referenzbetrieben entsprechende Abrechungskurven im Anrechnungssystem hinterlegt. So kann man mit einem relativ einfachem Messaufwand vernünftig abrechen - wenn das angebotene Profil zu Deinem Bezug / Deiner Einspeisung passt.
    Hier hat der Netzbetreiber eine fiktive Sonnenkurve hinterlegt, um die letztendliche Bezugsleistung zu ermitteln.
    Die Kurven sind übrigens recht genau und werden meines Wissens beimBDEW (Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft) verfasst.


    Ist halt ein trockenes Thema. Ich empfehle Dir mal einen Termin mit den Netzabrechnern des Netzbetreibers zu vereinbaren - die sollen Dir das mal in Worten und bestimmt vorhandenen Beispielen zu erklären.
    Eigendlich sollten das auch Dein Stromhändler erklären können.


    Und überhaupt - Stromeinspeisevertrag - was soll das denn?

  • Hallo maulwurf4me,


    vielen Dank für deine Erklärung. Soweit habe ich das verstanden.
    Was ich nicht verstehe ist wie mann das rechnet, bzw mit welcher Lösung ich besser stehe.
    Ich meine wenn es so ist das die Standartprofile relativ genau sind gebe es ja keinen Grund mehr Kosten für einen teuren Zähler zu schlucken.


    Anders gesagt bei welchen (Wetter)Bedingungen (siehe auch mein beispiel) stehe ich schlechter mit dem Standartprofil.


    Sind immerhin 120Euro Mietunterschied im Jahr.


    Mit diesem Stromeinspeisevertrag habe ich hier so einiges schon gelesen. Soll man den akzeptieren oder nicht? Wie ich deine aussage verstehe eher nicht.


    Deine Darstellung zur Situation ist übrigens genau getroffen.
    Wir haben eine eigene Trafostation und werden Mittelspannungsseitig (20kv) über einen Lastgangzähler gemessen. Das blöde daran ist, das immer die höchste Last auch wenn sie nur einmal im Jahr kurz vorkommt, dann über das ganze Jahr abgerechnet wird.


    Nach installation der PV Anlage soll dieser Lastgangzähler durch einen 2 richtungslastgangzähler ersetzt werden.
    Unsere PV Anlage speist Niederspannungsseitig ein und hier habe ich nun die Wahl zwischen einem 2 Richtungszähler mit Lastgangmessung (ab 100kw vorgeschrieben) für 188 Euro Miete im Jahr oder eben einem 2 Richtungszähler ohne Lastgangmessung für ca. 65 Euro Miete im Jahr.



    Anders gefragt: welchen würdest du nehmen und warum ?


    Tausend Dank schonmal.


    Aber Leute, ehrlich gesagt würde ich dieses PV Abenteuer nicht mehr machen, wenn ich das alles schon vorher gewußt hätte, was da auf einen zukommt. (Dachsanierung, Anlagenwahl usw.


    Trotzdem Danke an alle, die mir hier helfen und schon geholfen haben dieses Vorhaben fachgerecht fertig zustellen.


    Viele Grüße
    mike

    81 kw mit 360 aleo S18 225w an 5 Danfos TLX 15k
    Dachneigung 24° Ausrichtung Süd 170°
    Seit September 2009 am Netz

  • Hallo Mikeb40 !
    Ich werde Dich Zitieren und versuchen zu antworten.
    vielen Dank für deine Erklärung. Soweit habe ich das verstanden.
    -Klasse


    Was ich nicht verstehe ist wie mann das rechnet, -
    -willst Du Berechnungsformeln wie die Abrechnung erstellt wird?


    bzw mit welcher Lösung ich besser stehe.
    - kommt auf Das Wetter bei Euch an - bei mehr Sonne stehst Du Dich schlechter (Kurven müßten dann breiter sein.


    Ich meine wenn es so ist das die Standartprofile relativ genau sind gebe es ja keinen Grund mehr Kosten für einen teuren Zähler zu schlucken.
    - wie schon erklärt; ein Tageslastprofil besteht aus 96 1/4h Werten; die werden bei 2 solchen Zählern "aufeinandergelegt" und sind dadurch halt so genau, wie die Zählereichung (zwischen 0,5 und 1%).


    Anders gesagt bei welchen (Wetter)Bedingungen (siehe auch mein beispiel) stehe ich schlechter mit dem Standartprofil.
    -siehe oben.


    Sind immerhin 120Euro Mietunterschied im Jahr.
    - komisch, dass Dein Netzbetreiber bei Anlagen unter 100kW soviel Kohle haben will. Hier oben bei EON-Hanse zahlt man für die Einspeiserichtung fast gar nichts - nur die Bezugsseite kostet (Preisblatt 9).
    http://eon-hanse.com/pages/eha_de/Netz/Stromnetz/Entgelte/Preislisten12852/_documents/2009-03-01_Preisblaetter_Gesamtversion_S_EHA_2009-06-03.pdf
    Schätze, da ist ein ausführliches Beratungsgespräch das sinnvollste.


    Mit diesem Stromeinspeisevertrag habe ich hier so einiges schon gelesen. Soll man den akzeptieren oder nicht? Wie ich deine aussage verstehe eher nicht.
    - hier bei der EON-Hanse hatte ich ein Netzanschluss-und Inbetriebsetzungsangebot. da war dann beschrieben, mit was & wieviel ich wo ins Netz einspeisen darf. Kosten = 120€ bei Inbetriebsetzung. Dazu hatte ich die Wahl, ob EON die Messung und/oder Abrechnung (analog wie Bezugsvertrag) für jeweils schlappe 14 Euronen/a machen darf - Klar, so habe ich Verantwortung delegiert. Alles in allem hat der Ganze Vorgang bei mir 14 Tage gedauert - Klasse!!


    Deine Darstellung zur Situation ist übrigens genau getroffen.
    Wir haben eine eigene Trafostation und werden Mittelspannungsseitig (20kv) über einen Lastgangzähler gemessen. Das blöde daran ist, das immer die höchste Last auch wenn sie nur einmal im Jahr kurz vorkommt, dann über das ganze Jahr abgerechnet wird.
    - Das ist nun mal so - schon mal über ein Lastregelmanagement nachgedacht? Hier würde eine Elektronik die Z1/4h Zählerimpulse auswerten und ggf. rechtzeitig bei der programmierten Höchstlast entbehrliche Verbraucher abschalten.


    Nach installation der PV Anlage soll dieser Lastgangzähler durch einen 2 richtungslastgangzähler ersetzt werden.
    - Jep - Standard


    Unsere PV Anlage speist Niederspannungsseitig ein und hier habe ich nun die Wahl zwischen einem 2 Richtungszähler mit Lastgangmessung (ab 100kw vorgeschrieben) für 188 Euro Miete im Jahr oder eben einem 2 Richtungszähler ohne Lastgangmessung für ca. 65 Euro Miete im Jahr.
    Anders gefragt: welchen würdest du nehmen und warum ?
    - Frag mal, ob Du nach 1 Jahr Testphase mit Std.LP ggf auf den Zähler wechseln kannst (ohne Montagekosten versteht sich) So würde ich vorgehen - nach dem o.a. Beratungsgespräch.


    Aber Leute, ehrlich gesagt würde ich dieses PV Abenteuer nicht mehr machen, wenn ich das alles schon vorher gewußt hätte, was da auf einen zukommt. (Dachsanierung, Anlagenwahl usw.
    -Nicht verzagen - die erste Anlage ist immer die schwerste :idea:

  • Hallo,


    ich baue auch gerade ein Anlage mit 68kW mit kaufmännisch bilanzierter Einspeisung, allerdings will der Netzbetreiber auf jeden Fall eine Leistungsmessung mit einem Summationsgerät machen. Das kostet dann insgesamt etwa 500 €/Jahr Miete. Kannst du mir sagen, wer dein Netzbetreiber ist, damit ich mich auf diese Einspeisung mittels Standardlastprofils beziehen kann?


    Viele Grüße


    Friedrich

  • Hallo Friedrich,


    bei mir ist es die ENBW. An dieser Stelle ein großes Lob an meinen Netzbetreiber, hat alles reibungslos geklappt.


    Nachdem ich im Forum über rießige Wartezeiten und sonstige Bedingungen von mancher EVU gelesen habe, bekam ich es ja schon fast mit der Angst zu tun.


    Habe mich jetzt zu der teureren Version mit Lastgangmessung durchgerungen und speise mittlerweile seit nachmittags den 1.9.09 ein.


    Grüße
    Mike

    81 kw mit 360 aleo S18 225w an 5 Danfos TLX 15k
    Dachneigung 24° Ausrichtung Süd 170°
    Seit September 2009 am Netz

  • Hallo,


    ich habe jetzt die Vereinbarung für die Messung von N-Ergie-Netz bekommen. Demnach soll ich einmalig 3291,78 € für Umbauten an den Messeinrichtungen und Inbetriebnahme, sowie 758,05 € jährlich für die Messung bezahlen.


    Kannst du mir vielleicht deine Angebote von EnBW zukommen lassen, damit ich sie mal der N-Ergie-Netz zeigen kann? Das wäre eine große Hilfe.


    friedrich.beckmann (att) gmx.de


    Viele Grüße


    Friedrich

  • Da ich gerade einen ähnlichen Fall habe, wärme ich diesen Thread nochmal auf.


    Ist es möglich, den Solarzähler mit Lastgangmessung und Modem als Anlagenbetreiber selbst zu stellen?
    Die EnBW hat hier http://www.enbw.com/content/de…EG-MSB_MDLab07-2011V3.pdf entsprechende Zähler/Modems aufgeführt. Alerdings ist hier auch vom Messtellenbetreiber die Rede. Kann ein MSB auch im Falle der kfm.-bilanziellen Weitergabe für den Generatorzähler gefordert werden?

  • Hallo Jon,


    bei mir war der Wechsel des MSB problematisch, da meine Anlage auf einer Schule ist, d.h. das Gebäude gehört der Stadt. Bei der kaufmännisch bilanzierten Durchleitung wird mit einem Messaufbau der Verbrauch der Schule und meine Einspeisung berechnet. Dies lässt sich technisch nicht ganz einfach trennen und der Netzbetreiber wollte einen Messstellenbetreiber. Messstellenbetreiber ist jetzt der Netzbetreiber b.z.w. eine Tochterfirma des Netzbetreibers und die haben das technisch umgesetzt und mir die zusätzlichen Kosten für die Messung der Einspeisung berechnet, d.h. die Schule zahlt genau das gleiche wie vorher für die Messung ihres Verbrauchs. Deshalb hat sich bei mir nie die Frage gestellt, ob ich selbst z.B. die Zähler kaufen und selbst Messstellenbetreiber werden kann, oder eine Firma das machen muss. Soweit ich weiss, kann man bei einer 08/15 Anlage ohne kaufmännisch bilanzierte Durchleitung den Zähler selbst betreiben (steht glaube ich beim SFV).


    Wenn du die Anlage z.B. auf deiner Firma hast, dann liegt es natürlich in deiner Hand, da der Stromverbraucher und der Einspeiser dieselbe Person ist.


    Ich hätte mit der Stadt über einen Wechsel des MSB verhandeln müssen und das habe ich gelassen.


    Viele Grüße


    Friedrich

  • Hallo friwi,


    danke für die Antwort. Bei mir handelt es sich auch um DIE Stadt als Dacheigentümer. Ich wusste nicht dass die Zweirichtungsmessung und der Generatorzähler über dasselbe System abgefragt werden müssen - dann müssen die Zähler ja auch räumich beieinander sein...