Renditenlügen??

  • Hallo zusammen,
    woher nehmen die Leute die hohen Renditen für PV-Anlagen?


    Habe ein konkretes Angebot auf dem Tisch das wie folgt lautet:


    10,98 KW/p x 3500€ = 38.430,- € Investment
    Diese Anlage soll in 20 Jahren ca. 85.000€ (10,98x900kw/Hx0,43€x20J.) erwirtschaften.


    Die Umstellung der Zinseszinsformel nach dem Zinssatz ergibt hierbei eine Rendite von genau 4%.


    Dabei sind keinerlei Kosten oder Einkommenssteuernachzahlungen berücksichtigt.
    Auch die so viel gepriesene Abschreibung ändert nichts an dem Tatbestand, da sie nur die Einkommenssteuerlast aus den Erträgen der PV-Anlage mindert. Zahlen muss ich trotzdem



    Über eine fundierte Antwort würde ich mich freuen.


    Spory


  • Das ist schonmal falsch! Aus der Einnahmen Überschussrechnung in der die Abschreibung der PV Anlage berücksichtigt wird, ergibt sich in den ersten Jahren wahrscheinlich ein Verlust. Dieser ist Steuermindernd auf alle Deine Einkünfte.
    Über Deine Zinseszinsrechnung möchte ich mich nicht äußern, kommt mir nur falsch vor. In 20 Jahren aus 38.430€, 85000€ zu machen und auch noch was gutes für die Umwelt gemacht zu haben ohne dafür auch nur einen Schweißtropfen geopfert zu haben, erscheint mir überaus lukrativ.
    Jedoch reich wird man davon nicht...das stimmt.



    Gruß
    Alex

  • Keine Ahnung,


    aber oftmals werden ja tatsächlich zum Teil sogar deutlich mehr als 900 kWh produziert. Allerdings Wetter- und Lageabhängig sowie Degration. Finde es daher gut, dass Du konservativ rechnest.


    Zum Thema Steuern:
    Ich würde auch immer die Rendite zunächst vor Steuer (also Nachzahlungen oder auch Erstattungen) berechnen. Vergleicht man dann mit ner Kapitalanlage, muss man natürlich die Steuern schon mit berücksichtigen. Vorteil: Kapitalanlage: 25 % Abgeltungssteuer
    Vorteil: Photovoltaik: Man kann durch degressive AfA und Sonder-AfA gerade in den Anfangsjahren die Höhe der Einkünfte steuern (Verluste erzielen) und Steuererstattungen erzielen, die man wiederrum anlegen kann. Insgesamt wird man bzw. sollte man natürlich auf einen Totalgewinn kommen, und dementsprechend auch Steuern zahlen müssen.


    Was Du noch nicht berücksichtigt hast, ist, dass man nach 20 Jahren ne Anlage hat, die immer noch Strom produziert.


  • Das mit der Einkommenssteuerminderung solltest du noch mal nachlesen.
    Ich sehe das so wie V_Strom111 und ganz praktisch wird bei mir jedenfalls dadurch auch die Steuerlast der Einkünfte aus abhängiger Beschäftigung gemindert.
    Wüsste jetzt nicht, warum das bei dir anders sein soll.


    Ansonsten zur Renditebetrachtung vor Steuer, kannst du dir mal diesen Beitrag durchsehen.
    Bei einem prognostizierten Ertrag von 900 kWh/akWp und einem Invest von 3500 EUR/kWp sollten da auf jeden Fall mehr als die von dir wie auch immer errechneten 4% Rendite anfallen.


    Keine Ahnung, ob das deinen Anforderungen nach einer fundieren Antwort genügt.
    Kannst ja ansonsten ja auch mal entsprechende fundierte Renditerechner bemühen: einige davon findest du auf SolAces Website; auch mein Favorit ist der LBW-Rechner.
    Der ist auf jeden Fall um Längen fundierter als dein Zinsumstellungsansatz. :wink:

  • Hallo Spory,


    ganz so einfach ist es nicht.


    Mein Tip: lad Dir mal einen Renditerechner aus dem Internet, z.B.


    http://www.test.de/themen/umwe…renergie/1391893/1391893/
    Voraussetzung: mind. Excel 97 oder äquivalentes Programm
    (Open Office funktioniert auch, aber nicht 100%ig.)


    oder den Rechner PV Rendite hier im Downloadbereich des Forums (letzteren hab ich noch nicht getestet).


    Da kannst Du dann alle Eingaben machen und bekommst die genaue Antwort.


    Übrigens, selbst wenn es stimmen würde: Wo bekommst Du heute sichere 4 Prozent Zinsen über 20 Jahre lang und hast nach dieser Zeit noch einen (fast) kostenlosen Stromgenerator auf dem Dach? Denk auch mal an den steigenden Strompreis und die Möglichkeit des Eigenverbrauchs plus 25 Cent Einspeisevergütung obendrauf - das ist im Renditerechner noch nicht berücksichtigt.


    Sonnige Grüße - Ralf

    CARPE SOLEM !

  • vielen Dank für die Tipps.
    Das mit dem Renditerechner war eine gute
    Idee. Er hat mir die 4% bestätigt.


    4% sind ja auch eine gute Sache und wenn man wie Ralf sagt, damit die Umwelt schont natürlich noch besser.
    Mir ging es eigentlich um die Frage warum selbst seriöse Nachrichten von 7% und mehr Prozent berichten.


    Nochmal ein Wort zu den Abschreibungen. Natürlich kann man am Anfang etwas zurück bekommen, dafür zahle ich aber später mehr Steuern.
    Da die Abschreibung nur in Höhe der Anschaffungs-bzw.Herstellungskosten erfolgen kann, ist es über die Gesamtdauer der Abschreibung völlig unerheblich wie ich die Beträge auf die Nutzungsdauer verteile.


    Erlös 85.000,- €
    -AfA 38.430,-€
    =Steuerpflichtiges Einkommen 46.570,-€ x 40% Grenzsteuersatz
    =zu zahlen an das Finanzamt 18.628,-€


    Voraussetzung: die individuellen Einkommensverhältnisse bleiben über Nutzungsdauer gleich.


    Rendite = 2,4% nach Steuern.


  • die Rechnung ist ziemlich vereinfacht und kann das Ergebnis ziemlich verfälschen.
    Das zu versteuernde EK durch die PV-Anlage muß du durch 20 teilen, also jedes jahr kommen auf dein anderes Einkommen 46.570/20=2328,50 EUR/Jahr hinzu.
    Außerdem hat du alle Kosten im Zusammenhang der PV-Anlage unter den Tisch fallen lassen.


    Wenn dein Grenzwertsteuersatz 40% beträgt, müßte dein jetzt zu versteuerndes EK ca. 100.000 EUR (Splittigtabelle), bzw. ca. 50.000 EUR (Grundtabelle) sein.
    https://www.abgabenrechner.de/…1&in_jahr=2009&berechnen=


    Vorher würde ich jedoch ermitteln ob die 900 kWh/kWp für deine PLZ, Dach ... realistisch sind, könnten genauso gut 850 oder 1050 werden.


    Welche PLZ hast du, welches Dach, Ausrichtung , DachNeigung.
    Soll die Anlage fremdfinanziert werden .... ???
    Erst wenn diese Parameter bekannt sind, kann man eine seriöse Aussage über die Rendite treffen.


    Wenn du einen Grenzsteuersatz von 40% hast, würde ich überhaupt nicht lange überlegen und die PV-Anlage realisieren (Grundlage 900 kWh/kWp), egal ob es 1% oder 5% Rendite wären.

  • Zitat von Spory

    10,98 KW/p x 3500€ = 38.430,- € Investment
    Diese Anlage soll in 20 Jahren ca. 85.000€ (10,98x900kw/Hx0,43€x20J.) erwirtschaften.


    Die Umstellung der Zinseszinsformel nach dem Zinssatz ergibt hierbei eine Rendite von genau 4%.


    passt schon ....



    Sonnenfinsternis

  • PV-Anlagen werden immer wieder mit dem Argument zu verkaufen versucht, sie böten eine "sichere Rendite" über einen langen Zeitraum. Eine "sichere Rendite" bieten allerdings eher Staatsanleihen, Pfandbriefe oder über den Einlagensicherungsfonds geschützte Spareinlagen. Diese rentieren momentan bei einer 20-jährigen Laufzeit bei rd. 4,5 bis 5 %. 10-jährige Laufzeiten liegen kaum niedriger (z. B. Pfandbriefe 10 Jahre momentan rd. 4,30 %).


    Für eine Bundesanleihe oder einen Pfandbrief muss ich allerdings nichts tun. Die Rendite ist garantiert, ohne dass ich mich in irgendeiner Weise darum kümmern muss.


    Ganz anders sieht es bei einer Photovoltaikanlage aus. Dabei handelt es sich um eine unternehmerische Aktivität mit allen Risiken. Man hat einen hohen Aufwand beim Kauf und der Installation der Anlage, man hat laufende Kosten und laufend Arbeit (Überwachung, evtl. Pflege, steuerliche Abrechnungen). Darüber hinaus bestehen die bei jeder unternehmerischen Aktivität bestehenden Verlustrisiken, die sich aus Vertragsfehlern (Versicherung), eigener Fahrlässigkeit, vorzeitigem Verschleiß der Anlage und z. B. Verlust der Garantie aufgrund der Insolvenz von Solarteuer oder Hersteller ergeben.


    Vor diesem Hintergrund ist der Renditevergleich mit einer sicheren Geldanlage wie einem Pfandbrief oder einer Bundesanleihe vollkommen verfehlt. Der Maßstab können nur andere unternehmerische Aktivitäten sein - und diese finden normalerweise nicht statt, wenn sich nicht zweistellige Renditen erzielen lassen, weil man das Risiko und das eigene Engagement durch eine entsprechende Prämie ausgleichen muss. Wer eine Solaranlage mit 4 % Vorsteuerrendite errichtet, tut dem Solarteur einen großen Gefallen, geht aber selbst ein hohes Risiko.


    Übrigens: Gem. meinen Berechnungen kommt man bei 900 KWH/KWp und einem All-In-Preis von 2.800,- EUR/KWP auf rd. 10 % Vorsteuerrendite ...

  • Hallo Spory
    Bei Deiner Rechnung hast Du nicht berücksichtigt, daß die Stromeinnahmen auch Zinsen bringen.
    Zum Thema Steuer meine ich, wer seine Abschreibung gleich aufbraucht, wird später (bei höheren Steuern und vielleicht Bürgerversicherung) um so mehr zahlen. Kommt auf die persönliche Situation an. Kinder nicht mehr auf der Steuerkarte, Frau arbeitet voll.
    Ein Steuersparmodell ist PV nicht.
    Durch Fremdfinanzierung kann ich eine hohe Eigenkapitalrendite erreichen. Das Risiko wird aber größer


    Gruß Rolf