Strom handeln - PV Anlage und Speicher nutzen !

  • Guten Tag,

    ich fasse mich kurz:


    Ich habe 35kwp am Dach und brauche "nur" 8000kwh im Jahr.

    Speicher haben wir 12,8kwh, das ist für uns sehr perfekt. Im Winter natürlich etwas Netzbezug, aber ist halt so.


    Idee war jetzt:

    Wir haben in Deutschland enorme Schwankungen im Stromnetz. Ein interessante Folge von "Geladen - der Batteriepodcast" Namens "Brauchen wir Großbatterien als Stromspekulanten"

    Ich habe darüber selber schon nachgedacht. Mit einem IMSys kann man die schwankenden Strompreise nutzen. Wie wäre es, wenn ich meinen Speicher enorm vergrößere (Diy: 60kwh) und


    Idee 1:

    Den PV Strom in der Nacht verkaufe


    Idee 2:

    Strom Tagsüber kaufen und Nachts verkaufen


    Was haltet ihr von den Ideen


    Ich freue mich auf den Austausch !

  • Idee 1:

    Den PV Strom in der Nacht verkaufe


    Idee 2:

    Strom Tagsüber kaufen und Nachts verkaufen


    Idee 1: Es ist verboten, aus dem Speicher ins Netz einzuspeisen. Es lohnt sich auch finanziell nicht, da Du eine nach dem EEG garantierte Einspeisevergütung hast, die nicht strompreisabhängig und nicht tageszeitabhängig ist. Du minderst Deine Einspeisevergütung nur um die Verluste beim Laden und entladen des Speichers.


    Idee 2: Es ist erlaubt, tagsüber den Speicher aus dem Netz zu laden, jedoch verboten, diesen nachts wieder zu verkaufen (siehe Idee 1). Denke auch daran, dass Du beim Strombezug Netzentgelte, Strom- und Umsatzsteuer in Höhe von ca. 19 Cent je kWh zahlen musst, die sind weg.


    Warum ist die Einspeisung verboten? Mit Deiner Idee 2 könntest Du ja Strom aus nicht erneuerbaren Quellen oder Strom aus erneuerbaren Quellen, der aber bereits nach dem EEG gefördert wurde beziehen, und diesen Strom dann bei der Einspeisung noch einmal nach dem EEG fördern lassen.


    Also, wenn Du das ernsthaft machen willst, was Du beschrieben hast, dann musst Du:

    • Auf die EEG-Förderung verzichten und in die Direktvermarktung wechseln (deshalb hast Du es vermutlich auch hier gepostet, weil Du das schon weißt).
    • Das Ganze als Gewerbe betreiben und umsatzsteuerpflichtig werden, damit Du beim Strombezug auch die Vorsteuer ziehen kannst. Auf den verkauften Strom musst Du natürlich Umsatzsteuer entrichten.
    • Du musst Deinen Batteriespeicher beim Zoll als netzdienlichen Batteriespeicher nach §5 (4) Stromsteuergesetz anmelden, damit auf den zu speichernden Strom keine Stromsteuer entrichtet werden muss. Dazu wird der Zoll verlangen, dass Dein Hausnetz/Eigenverbrauch/Stromerzeugung mit einer entsprechenden Zählerkaskade von der Speicherung im Batteriespeicher getrennt wird. Das bedeutet auch, dass Entnahmen aus dem Batteriespeicher, die für Dich privat erfolgen, dann wieder der Stromsteuer unterliegen. Du musst damit auch regelmäßig Steuererklärungen zur Stromsteuer abgeben.

    Ab welcher Größe sich der Aufwand lohnt, weiß ich nicht. Wenn es größer wird, muss auch Dein Stromanschluss auf größere Leistungen und Wandlermessung umgebaut werden.

  • Es ist verboten, aus dem Speicher ins Netz einzuspeisen

    Falsch: solange der gespeicherte Strom ausschließlich aus der EE Anlage kommt, kannst du diesen als EE Strom einspeisen.


    Lediglich…

    …Strom aus nicht erneuerbaren Quellen oder Strom aus erneuerbaren Quellen, der aber bereits nach dem EEG gefördert wurde beziehen, und diesen Strom dann bei der Einspeisung noch einmal nach dem EEG fördern lassen…

    …ist nicht zulässig.


    Aber prinzipiell kann ich nur zustimmen: in der von dir angedachten Größe ist das Vorhaben völlig unwirtschaftlich bzw. Du wirst niemanden finden, der dir den Strom nachts abnimmt.

  • Vielen Dank für die interessanten Gedanken ! Dann werden wir einfach mal ein paar Jahre warten. Könnte mir vorstellen, dass sich daran noch was ändern wird, stichwort Bidirektionales Laden und Netzstabilität. Technisch relativ einfach machbar den E-Auto Akku zu z.b 10% dem Netzbetreiber zur Verfügung zu stellen. Wenn man einsteckt und eine Verbindung zum Netz besteht, dann taucht der Akku und die z.b 9kwh Speicher auf der Karte vom Netzbetreiber auf und er kann diesen als Puffer oder Momentanreseve nutzen. Sowas muss irgendwann kommen. Wir können nicht unendlich PV Anlagen bauen, die dann alle Mittags gedrosselt werden und somit nur von 7-11 und 16-20 Uhr geld verdeinen können. Dezentrale Speicher sind unfassbar wichtig fürs Stromnetz, ich bin gespannt was da kommt :)

  • Falsch: solange der gespeicherte Strom ausschließlich aus der EE Anlage kommt, kannst du diesen als EE Strom einspeisen.

    Ich muss mich einfach entscheiden: Entweder ich darf den Speicher aus dem Netz laden, aber nicht aus dem Speicher ins Netz einspeisen. Oder die Anlage ist so gebaut, dass ich den Speicher nur aus der PV laden kann, dann darf ich auch ins Netz einspeisen.

    Wenn man einsteckt und eine Verbindung zum Netz besteht, dann taucht der Akku und die z.b 9kwh Speicher auf der Karte vom Netzbetreiber auf und er kann diesen als Puffer oder Momentanreseve nutzen.

    Ja, auch das muss dann vernünftig gemessen werden. Derzeit fließt ja auch der Strom zum Laden durch den normalen Haushaltszähler. Und wenn ich mir die Reichweitenangst vieler Leute so anschaue, dann werden diese auch nicht unbedingt so begeistert einen Teil ihrer Auto-Kapazität dem Netzbetreiber zur Verfügung stellen.

    Wir können nicht unendlich PV Anlagen bauen, die dann alle Mittags gedrosselt werden und somit nur von 7-11 und 16-20 Uhr geld verdeinen können. Dezentrale Speicher sind unfassbar wichtig fürs Stromnetz, ich bin gespannt was da kommt :)

    Es gibt so einige, die netzdienliche Speicher (ganz ohne PV) bauen. Gerade erst wieder von einem Projekt von Elli (dem Ladestromanbieter von VW) gehört. Da werden dann sowohl ausgediente, wie auch neue, gelagerte, Ersatz-Autobatterien zum Zwischenspeichern verwendet. Da sind dann aber Regale mit mehreren 100 Akkus die jeweils 75 kWh haben im Einsatz.


    Generell müssen wir uns aber daran gewöhnen, dass wir bei EE immer "Überkapazitäten" benötigen, da wir weder Windkraftanlagen noch PV-Anlagen auf Kommando mit der vollen Nennleistung laufen lassen können. Es gibt auch schon einige Ansätze, wie z. B. PV-Anlagen auf Flachdächern eher in Ost-West-Ausrichtung zu bauen, weil da die Erträge eher dann gut sind, wenn auch der Bedarf vorhanden ist.

  • …Dezentrale Speicher sind unfassbar wichtig fürs Stromnetz…

    Das haben schon einige behauptet.


    Fakt ist: Heimspeicher sind zu klein und der Aufwand zu groß.


    Quartiersspeicher in der Mittelspannung sind da deutlich attraktiver, denn man muss sich nicht mit 1000den Betreibern rumschlagen, die Netznutzungsgebühren sind deutlich geringer, das Netz ist besser ausgebaut,…

  • Dann werden wir einfach mal ein paar Jahre warten. Könnte mir vorstellen, dass sich daran noch was ändern wird, stichwort Bidirektionales Laden und Netzstabilität.

    Hallo nach Bayern, wir hier in Österreich hätten in diesem Zusammenhang ein paar Werkzeuge:

    - Einspeisung nach Börsenpreis, z. B.: Spotty

    - Bürger-Energiegemeinschaften, wo es explizit gewünscht ist, dass sich die Teilnehmer einen Speicher teilen = einer speist nachts ein damit ein anderer innerhalb der Gemeinschaft beziehen kann


    Musst vielleicht nicht lange warten bis ihr in DE auch so manche Möglichkeit bekommt...


    Technisch relativ einfach machbar den E-Auto Akku zu z.b 10% dem Netzbetreiber zur Verfügung zu stellen

    Die Frage ist, ob Du das willst - denn "zur Verfügung stellen" bedeutet für mich, dass Du nichts dafür bekommst - außer vielleicht ein kleines pauschales Dankeschön.


    Ein interessante Folge von "Geladen - der Batteriepodcast" Namens "Brauchen wir Großbatterien als Stromspekulanten"

    Habe mir das Video reingezogen, beachte: hier geht es um pure Speicher. Keine PV, keine Verbraucher. Dafür von der Netzgebühr befreit, sonst macht das keinen Sinn.


    Entweder reiner Speicher = Befreiung Netzgebühr

    oder

    Kombi PV/Speicher/Verbraucher = Netzgebühr

  • wem36355 kleiner Tip. Zieh um.

    Pack dein Haus nebst pV und Speicher auf den Rücken oder Laster. In vielen europäischen Nachbarländern ist genau das von dir gewünschte längst möglich und Standard. Dänemark, Niederlande, Spanien, Baltikum. Hier in Deutschland spielen zuviele andere Interessen in das Thema hinein. Ich befürchte das wird wirklich noch einige Jahre dauern. Wir pennen halt gerne etwas länger auf dem Daunenkissen verschiedener Lobbygruppen.