Verständnisfrage zur erwartbaren Ertragskurve der PV Anlage

  • Hallo zusammen.


    Ich habe da mal eine Verständnisfrage dazu, wie viel Ertrag ich von meiner PV Anlage ungefähr erwarten darf und wie die Ertragkurve über den Tag hinweg aussehen sollte.

    Seit letztem September habe ich eine 17,2 kWp PV Anlage installiert bekommen. Flachdach mit Süd – Süd Ost Ausrichtung und 10° Neigung der Module. Angeschlossen an einen SMA Tripower X15 Wechselrichter.


    Ist meine Annahme korrekt, dass ich mit dieser Konstellation derzeit mit der hoch stehenden Sonne bei wolkenfreiem Himmel und voller Sonneneinstrahlung über den ganzen Tag hinweg und ohne Verschattung dann am Wechselrichter eine relativ gleichmäßige Ertragskurve sehen sollte, die in der Spitze ein Plateau bei etwa 15 kW hat?

    Ein Plateau deshalb, weil die Module ja 17 kW in der Spitze leisten können und der Wechselrichter das dann abschneidet.

    Ich sehe hier bei allerbesten Wetter eine Kurve ohne Plateau und der Spitzenwert war noch nie höher als 13.


    Sollte ich da mal reklamieren?


    Mir geht es nicht um akademische Nachkommazahlen beim Ertrag, sondern was Pi mal Daumen da ungefähr vom Dach kommen sollte.

  • Je nachdem wo die Anlage in Deutschland steht, ist heute der Sonnenhöchststand zwischen 55°und 61°. Wäre Deine Anlage exakt nach Süden ausgerichtet, hättest du trotzdem um 13 Uhr keine senkrechte Sonne auf den Modulen, sondern eine Abweichung von mindestens 19°. Diese Abweichung verringert die Leistung schon um mindestens 5%. Dazu kommt die SSO-Ausrichtung. Wenn du die Ausrichtung genau kennst, kannst du auf Internet-Seiten wie z.B. sonnenverlauf.de für Deinen Standort exakt die Winkelabweichung zu Deiner Modulausrichtung und damit die zu erwartende Leistung ausrechnen.

    Dazu kommt, dass zumindest auf meiner Anlage noch sehr viel Sahara-Staub liegt. Das mindert die Leistung zusätzlich. Ich habe gestern an meiner Anlage bei ungefähr senkrechter Sonne 88% der Peakleistung gemessen und nehme an, das liegt an dem Dreck auf den Modulen.

  • Hinzu kommt noch, das Module sich bei Sonnenseinstrahlung erwärmen. Den Temperaturkoefizienten kann man im Datenblatt der Module nachschauen. Zusätzlich kommt noch die solare Einstrahlung dazu. 1000W/m2 hatte ich nur kurz an einem Tag im Mai.

    HM 600, Shelly 1PM, 2x Trina Vertex S+ 425Wp Azimut -10°, 2x Trina Vertex S+ 425Wp Azimut 80°, alle Module Senkrecht an der Fassade montiert. Inselanlage 2 x 30 Wp, Laderegler 12V, 4A, Bleiakku 12V 50Ah, Wechselrichter 12V/230V/125W.

  • wie viel Ertrag ich von meiner PV Anlage ungefähr erwarten darf

    der Ertrag misst sich in Kwh.

    Entscheidend ist wieviel du davon selbst verbrauchen kannst.

    deine Anlage läuft prima... :)

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Okay. Vielleicht habe ich mich nicht verständlich ausgedrückt. Und den falschen Begriff verwendet. Leider kann ich den Betreff dieses Topics nicht mehr ändern.


    Es geht mir um die typische hier bei mir erwartbare Leistungskurve über den Tag. So zumindest heißt es im SMA Sunny Portal.

    Meine Leistungskurve vom 11. Mai


    Hier ein Screenshot aus dem Internet, der etwa zeigt, was ich meine:

    Link


    Meine Frage ist, ob ich da nicht bei optimalen Wetterbedingungen und einer 17.220 kWp Anlage und 15kW Wechselrichter nicht auch Kurven sehen sollte, die an der 15 "kratzen" oder sogar ein kleines Plateau (wie auf dem zweiten Bild) auftaucht, weil der WR ja nur 15 bringt, wärend die Anlage in der Spitze gute 2 kW drüber liegt (zumindestens nominal).


    Azimut meiner Anlage ist -20°. Modul-Neigung 10°


    Und/oder weiter überlegt: an den SMA Tripower X15 darf man gemäß Spezifikation bis zu 22 kWp anschließen. Wäre theoretisch bei optimaler Modulausrichtung und Wetterlage da ein Plateau in der Spitze bei 15 zu sehen, weil der WR nicht mehr durchläßt?

  • Meine Frage ist, ob ich da nicht bei optimalen Wetterbedingungen und einer 17.220 kWp Anlage und 15kW Wechselrichter nicht auch Kurven sehen sollte, die an der 15 "kratzen" oder sogar ein kleines Plateau (wie auf dem zweiten Bild) auftaucht, weil der WR ja nur 15 bringt, wärend die Anlage in der Spitze gute 2 kW drüber liegt (zumindestens nominal).

    Wahrscheinlich nicht bei einer Anlage mit 10° Modulneigung und -20° Azimut. Hängt evtl. davon ab, ob die Anlage in Nord- oder Süddeutschland ist.

    Durch die flachen Module wird die Sonne nie senkrecht auf die Module scheinen. Die kWp-Leistung bezieht sich auf STC (standard test conditions). Die 1000W/m² solare Einstrahlung erreichst du in Deutschland auch nicht an jedem Tag und sie setzen senkrechte Einstrahlung voraus. Dazu kommen die bereits genannten weiteren Faktoren, die die Leistung mindern: Modultemperatur (STC gilt bei 25°C - bei meinen Modulen fehlt bei 50°C Modultemperatur schon fast 10% der Leistung), Modulverschmutzung und zuletzt Alterung der Module.

    Alles zusammen ist es unwahrscheinlich, dass du über 87% der STC-Nennleistung von Deinen Modulen bekommst, was 15kW von 17,22kW entspricht.

    Vielleicht passiert das für einen kurzen Moment an einem kalten bewölkten Sommertag, wo bei dem besten Sonnenstand ggü. deinen Modulen mal kurz die Wolkendecke aufreißt und die Module daher noch recht kalt sind.

  • >>Alles zusammen ist es unwahrscheinlich, dass du über 87% der STC-Nennleistung von Deinen Modulen bekommst, was 15kW von 17,22kW entspricht.


    Na aber das meine ich doch: 15 würde ich verstehen, aber ich sehe nie mehr als 12-13

    Und die Anlage ist jünger als ein Jahr.

  • Meine Ost-West-Anlage in Berlin hat Dachneigung 54° und Azimut (First) 67°. Gestern um 9:42 Uhr stand die Sonne nahezu senkrecht auf der unverschatteten Ostseite.

    Sonnenverlauf.de sagt

    Sonnenhöhe:39.08°
    Sonnenrichtung:111.50°


    Die Winkelabweichung zur Senkrechten meiner Ost-Module betrug daher <4°. Cos(4°) ist > 0,99, also weniger als 1% Abweichung.


    Lufttemperatur war 20°C, also relativ kühl. Die Ostseite war seit Sonnenaufgang im wesentlichen unverschattet, konnte sich also trotzdem schon etwas aufheizen. Auf den Modulen ist liegt etwas Sahara-Staub und Blütenpollen. Die Anlage ist jünger als ein Jahr.

    Gemessen habe ich auf der Ostseite zu dem Zeitpunkt 88,8% der STC-Nennleistung.


    Bei deiner Anlage, von der du uns noch nicht verraten hast, wo sie sich ungefähr befindet, erreichst du die geringste Winkelabweichung erst später.

    Für Berlin gerechnet um 12:14 Uhr mit


    Sonnenhöhe:54.79°
    Sonnenrichtung:160.19°


    Damit beträgt die Winkeldifferenz zur senkrechten Deiner Module (10° DN) 25,21°. Cos(25,21°) ist ungefähr 0,90.

    Wenn ich davon ausgehe, dass deine Module ähnlich schmutzig sind wie meine, wären insgesamt 0,90*0,89 von 17,22 kWp zu erwarten. Das wären 13,8 kW.Nun waren Deine Module aber bereits 2,5 Stunden länger in der Sonne und auch die Lufttemperatur in Berlin lag gestern um 12:14 bei 25°. Die höhere Modultemperatur wird dich dann wahrscheinlich weitere 10% Leistung gekostet haben, so dass deine Anlage nicht über 13 kW hinausgekommen ist.

    Eine weitere Erklärung könnte sein, dass auf Deinen Modulen mehr Staub liegengeblieben ist als auf meinen. Bei meinen 54° DN ist der Selbstreinigungseffekt höher als bei DN 10°. Kannst Du prüfen, wie sauber deine Module sind?

  • Mein Standort ist Saarbrücken. Die Module habe ich vor knapp zwei Wochen gereinigt.


    Mein Nachbar gegenüber hat eine 15 kWp Anlage mit selbem Azimut, aber ca. 30-40 Grad Dachneigung, auch ohne Verschattung. Im Winter und Übergangszeiten hat er immer mehr Leistung vom Dach als ich, aber mich wundert etwas, dass es selbst jetzt, mit hoch stehender Sonne, maximal Gleichstand ist. Ich hätte erwartet, dass meine Anlage so allmählich in der Spitze von guten Tagen auf 14-15 kWh kommen sollte.

  • "...guten Tagen auf 14-15 kWh kommen sollte." <- Das wäre aber ein geringer Ertrag.

    Du meinst "...guten Tagen auf 14-15 kW kommen sollte." <- Leistung


    😉 Korrekte Einheiten sind wichtig.