Mikrowechselrichter PV Anlage am Dach??

  • Hallo an alle.


    Ich bin neu hier im Forum und möchte mich vorab recht herzlich für die Aufnahme bedanken.

    Im Grunde habe ich mich angemeldet, weil ich nicht weiter weiß.


    Mikrowechselrichter, das lese ich immer wieder wenn es um Balkonanlagen geht.


    Vor kurzen hat mich jemand angesprochen und meinte, dass eine Mikrowechselrichter Anlage am Dach viel besser ist, als eine herkömmliche Anlage.

    Mit hoymiles Wechselrichter, Schletter Montage Material und trina Vertex ist man top ausgestattet.


    Im Grunde klang das alles supper, aber mir sagt das alles nichts.

    Sind das gute marken??


    Ist das System für Dachanlagen ausgereift?


    Würde mich über eure Meinungen sehr freuen


    LG an alle

  • Ich hatte das tatsächlich auch mal vor mit mehreren HM1500 von Hoymiles, da ich mit dem HM800 als BKW gute Erfahrungen gemacht hatte (und weiterhin tue). Vorteil ist auf jeden Fall, dass man solche hohe Spannungen wie bei einem String-WR nicht hat. Aber es gibt halt (aus meiner Sicht) zwei große Nachteile:


    a) Die WR hocken oben auf dem Dach und werden sau heiß im Sommer. Speziell zum HM1500 gibt's dazu auch eine Reihe von Diskussionen. Das hat natürlich auch einen Grund: Vom Wirkungsgrad liegen die normalerweise so bei 95 %. Das können String-WR besser: Da hat man bei höheren Leistungen gerne >=98 %.


    b) Wenn so ein Teil auf dem Dach verreckt, dann musst auf's Dach hoch. Das alleine mag nicht schocken, aber lass das mal irgendwo in der Mitte in einem Modulfeld sein. Also da musst du halt erstmal drankommen. Hatte ich hier gedanklich auch erst als fadenscheiniges Argument abgetan, aber nachdem ich meine Dach-PV selbst gebaut habe, muss ich eindeutig sagen: Dieser Einwand ist total berechtigt! Klar, umgekehrt hast du natürlich den Vorteil, dass in einem solchen Fall der Rest der Anlage noch funktioniert. Geht's allerdings um sowas wie eine Garage, dann mag das wieder total gut passen.


    Ist das System für Dachanlagen ausgereift?

    Tja, das wird man wohl erst in ein paar Jahren wissen. Machen kann man das schon, ich habe mich letztlich aus den beiden o.g. Gründen dagegen entschieden. Mein String-WR hockt jetzt im Keller und ist heißer als 68 °C noch nicht geworden. Ich denke beim HM1500 auf dem Dach würden im Hochsommer wohl 80 Grad nicht reichen. Das mögen die aushalten, aber ich bin der Meinung, dass es der Lebensdauer nicht zuträglich ist.


    Sind das gute marken??

    Sind auf jeden Fall etablierte Marken. Von Hoymiles habe ich den HM800 und den HM300 da - würde ich jederzeit wieder kaufen. Auf dem Gartenhaus habe ich drei Module, davon zwei Trina und zwei Jinko. Da fällt mir auf, dass die Trina ganz leicht durchhängen. Gab hier vereinzelt Stimmen, dass Trina bisschen billig produziert seien und Probleme machen. Also meine sind ok soweit, aber wie gesagt, sie hängen ganz leicht ggü denen von Jinko durch.

    Schletter ist auf jeden Fall ein etablierter dt. Hersteller; ich denke da gibt's nix zu meckern.

  • Natürlich kann man auch große Anlagen mit Modulwechselrichtern bauen. In anderen Ländern (z.B. Spanien, USA) sehr weit verbreitet.


    Ich habe selbst zwei Anlagen (10,2kWp und 29,95kWp) mit Hoymiles Modul WR. Laufen beide hervorragend.


    Zu den Vor- und Nachteilen:


    Vorteile:

    - Keine hohen DC Stringspannungen

    - Optimale Ausnutzung bei teilweiser Verschattung

    - Kein lärmender WR im Keller

    - Sehr niedrige Startspannung da jedes Modul einzeln betrachtet wird

    - Überwachung auf Modulebene

    - Kein Single point of failure

    - Unterschiedliche Ausrichtungen der Module problemlos möglich


    Nachteile:

    - WR sitzen auf dem Dach

    - DC Verkabelung aufwendiger

    - Batterie nur AC gekoppelt möglich


    Der häufig genannte Wirkungsgrad spielt in der Praxis überhaupt keine Rolle. Das macht die genauere MPPT Regelung (pro Modul oder Modulpaar) locker wieder wett. Es gibt hier im Forum ein paar Leute, die gemischte Anlagen betreiben. Da liefern die Modul WR regelmäßig den besseren Ertrag.

    Wenn es Verschattungen gibt, läuft die Anlage selbst dann, wenn nur ein einziges Modul in der Sonne liegt. Ein String WR mit Schattenmanagement kann problemlos ein oder zwei Module im Schatten "ausblenden". Liegt aber der halbe String im Schatten, wird oft die Startspannung nicht mehr erreicht.

    Bei String WR werden für Verschattungen oft Optimierer empfohlen. Da hat man dann aber genauso Leistungselektronik auf dem Dach und der Wirkungsgrad ist ebenfalls schlechter. Außerdem kostet das dann deutlich mehr als Modul WR.


    Meine große Anlage mit knapp 30kWp läuft mit 13 HM-2250 Drehstrom WR auf einem großen O/W Dach, das je nach Jahreszeit halb im Schatten liegt. Da wäre eine sinnvolle Stringaufteilung sehr schwierig geworden.


    Der größte Nachteil ist der Aufwand bei der DC Verkabelung - vor allem wenn man es ordentlich machen will. Ich habe die Module bei den WR dann auch noch jeweils O/W verteilt, um die Maximalleistung optimal zu nutzen.

  • Ich habe die Module bei den WR dann auch noch jeweils O/W verteilt,

    Das interessiert mich - hast du da ein Beispielschaltbild wie die verschiedenen Module an die einzelnen Modulanschlüsse verknüpft sind?


    Ich will demnächst mehrere HMT-1600-4T auf einem NNW-und SSO-Dach montieren - Die Module werden so um die 430 W haben, also wäre es schlecht 4 Süd-Module auf einen WR zu hängen da er die Maximalleistung nicht ausreizen kann.

    Wenn ich nun jeweils 2 von Nord und 2 von Süd verwende - was ist besser:

    N1+S1-> MPPT1 (Eingang 1 und 2) + N2+S2-> MPPT2 (Eingang 3 und 4)

    oder

    N1+N2-> MPPT1 (Eingang 1 und 2) + S1+S2-> MPPT2 (Eingang 3 und 4)


    Ist es nicht so daß jeder MPPT genau die Hälfte der Leistung vom WR erzeugen kann? Demnach wäre Version 1 wohl besser auch in Hinblick auf die Wärmeentwicklung?

  • Das Schaltbild ist rel. groß bei 71 Modulen.


    Ist aber einfach erklärt: Ich habe auf jeder Dachseite (O/W) je 2 Reihen Module übereinander. Die WR sind auch abwechselnd auf der O/W Seite montiert. An jedem O Wechselrichter hängen 4 Module auf der O Seite und 2 Module auf der W Seite. Die 2 Module einer Seite hängen jeweils an einem MPPT. An jedem W WR hängen 4 Module W und 2 Module O.


    Ich habe mir vorher einen Plan gemalt und dann die Kabelsätze nach Position der WR und der Module vorbereitet. Da die Kabel z.T. über den First auf die andere Seite wandern, sind alle Kabel paarweise (+/-) in Wellrohre gepackt. Die Kabel, die auf der gleichen Seite bleiben, sind mit Kabelbindern an der UK befestigt. Bei denen, die über den First laufen geht das natürlich nicht.

    Die Vorbereitung und Installation der DC Kabel war natürlich viel Arbeit.


    Für die AC Verkabelung sind jeweils 3 bzw. 2 WR (auf dem Dach sitzen 11WR + 2 auf der Garage) mit 5x4mm² H07RN-F und den originalen HM Trunk Verbindern angeschlossen. Die AC Kabel sind ebenfalls in Wellrohren an der UK entlang geführt. Die 4 Quadranten sind ins Dach geführt. Auf dem Dachboden werden jeweils 2 Quadranten zusammengefasst und dann mit 5x6mm² durch vorhandene Leerrohre in den Keller geführt.


    Durch die gute Vorbereitung konnten wir 71 Module in 1 1/2 Tagen montieren. Wir hatten dazu allerdings einen großen Schrägaufzug.

  • Ist es nicht so daß jeder MPPT genau die Hälfte der Leistung vom WR erzeugen kann? Demnach wäre Version 1 wohl besser auch in Hinblick auf die Wärmeentwicklung?

    Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ich habe jeweils eine Seite an einen MPPT gehängt. Ist bei der Verteilung u.U. etwas schlechter, dafür ist die MPPT Regelung optimal.

    Am Ende dürfte es egal sein. Ich habe 425W Trinas dran. Theoretisch verliere ich da pro WR 300W Peak. In der Praxis wird man davon eh nichts merken. Das sind gut 10%. Bei der früheren 70% Abriegelung ist man von 3-5% Verlusten übers Jahr ausgegangen. 10% in der Spitze sind vielleicht 1-2% übers Jahr.

  • Aus oben genannten Gründen, habe ich bei mir ebenfalls "Mikro" WR verwendet. Wenn alles fertig ist, ist die 30kwp Grenze erreicht und es werden 12 HMT 2250/1800 ihren Dienst tun.

    Aufteilung pro Dachfläche und dann in jeweils 6er Blöcken.

    Montage der WR in Firstnähe, so brauche ich bei einem Defekt nur ein Modul hochklappen/rausnehmen (oder: rausnehmen lassen wenn es bei mir nicht mehr geht) und kann da austauschen.

    Nachteil den ich (berechtigt?) jetzt schon sehe-die neuen HMT haben nur noch vier Anschlüsse, die vorherigen 6. Grundsätzlich kein Problem, lässt sich lösen, doch die Verbindungsstücke sind im Preis echt unterirdisch....

    Die Temperaturen erreichen im Sommer locker 80°C, dann wird abgeregelt.

  • Nachteil den ich (berechtigt?) jetzt schon sehe-die neuen HMT haben nur noch vier Anschlüsse, die vorherigen 6. Grundsätzlich kein Problem, lässt sich lösen, doch die Verbindungsstücke sind im Preis echt unterirdisch....

    Ist am Ende egal - es gibt ja die 6 Fach WR noch. Schön wäre natürlich ein HMT-2700-6T. Am Ende macht es aber eh keinen Unterschied. Ich habe 72/144 Zellen Trinas verbaut, die harmonieren auch mit dem 2250 sehr gut.


    Die Temperaturen erreichen im Sommer locker 80°C, dann wird abgeregelt.

    Die großen 3 Phasen WR sind da nicht so empfindlich wie z.B. ein HM-1500. Ich habe auf Grund der Schneelasten bei mir eine recht hohe UK mit 60mm Schienen (Schletter). Dadurch ist der Abstand der WR vom Dach ziemlich groß. Mal sehen, wie im Sommer die Temperaturen aussehen.

  • Super Bilder, die Stützen sind erste Sahne :)

    Wir hatten dazu allerdings einen großen Schrägaufzug

    Den hab ich mir jetzt selbstgebaut.. ist sehr angenehm mit E-Motor und Seilwinde auf einer Leiter:

    Temperaturen erreichen im Sommer locker 80°C, dann wird abgeregelt

    Für das Problem hatte ich mir gedacht ich häng jeweils einen Lüfter unter die WR, der muss natürlich IP68 sein bzw. für draußen geeignet. Geregelt über PWM oder Spannung zentral von einem ESP32, der gleichzeitig Ahoy-DTU spielt am Kamin. Der weiß ja auch die Temperatur der WR.

    Die Frage habe ich mir auch gestellt.

    Ich glaub das teste ich mal, einen verkabelt als Version 1 und den anderen Version 2. Kann das dann genau am Ertrag auswerten und auch leicht wieder ändern.