Mieterstrom - Hilfe aus der Sicht eines Mieters (Vollversorung, Abrechnung & Kündigung)

  • Liebes Forum,

    ich bin neu hier im Forum und möchte mich etwas in das Thema PV einlesen. Außerdem hoffe ich, dass mir hier geholfen werden kann im großen Dschungel des „Mieterstroms“ aus Mietersicht. Vor allem, da ich als Mieter naturgemäß weniger Erfahrungen mit der Materia Strom, PV und Co habe.


    Wir haben dieses Jahr unseren ersten Stromliefervertrag über Mieterstrom erhalten. Diesen mussten wir im ersten Jahr beziehen, können aber in diesem Jahr nun frei wählen, ob wir ihn kündigen oder nicht. Um diese Entscheidung etwas zu festigen, würde ich mir bei folgenden Punkten ein paar Antworten erhoffen:


    1. Wir haben keinen weiteren, eigenen Vertrag mit einem Stromanbieter abgeschlossen. Es gibt lediglich den Vertrag mit dem Vermieter (Lieferanten). Damit bin ich, soweit ich verstanden habe, in einer Vollversorgung - korrekt?

    2. In meinem Vertrag ist ausdrücklich drauf hingewiesen, dass der Zusatzstrom über den Grundversorger nicht Bestandteil des Vertrages ist, sondern nur der Strom aus der PV-Anlage. Das spricht für mich irgendwie wieder gegen eine Vollversorgung? Wie gesagt, wir haben keinen Vertrag jemals abgeschlossen und uns wurde auch nie die Möglichkeit aufgezeigt, dass dies gehen würde - im Gegenteil.

    3. In meinem Vertrag steht momentan kein Preis pro kw/h, sondern nur, dass der Preis sich am Netto-Preis des Zusatzstroms des Kunden richtet und keine Steuern etc. anfallen. Ich kenne den Grundversorger Preis nicht, die haben ja auch mehrere Tarife. Daher ist es für mich sehr undurchsichtig, was ich im Moment zahle und ob es günstigere Stromanbieter geben würde.

    4. Ich habe gelesen, dass eventuell Kosten anfallen, falls wir den Vertrag kündigen, wenn durch das momentane Abrechnungskonzept eine physische Umstellung erfolgen müsste. Kann mich der Vermieter mit diesen Kosten belasten und von welchen Summen spricht man da?


    Grundsätzlich:

    Ich dachte eigentlich, dass ich zu einem bestimmten Festpreis Strom vom Vermieter beziehe, egal ob PV oder Netz, da ich ja keinen eigenen Vertrag habe. Für mich zeigt sich das aber jetzt eher so, dass ich für den PV Anteil einen Preis zahle und für‘s Netz einen anderen. Ist das so überhaupt rechtens?


    Ich bedanke mich vorab sehr herzlich bei denjenigen, die mir evtl. weiterhelfen können.

    Viele Grüße

  • . Ich kenne den Grundversorger Preis nicht, die haben ja auch mehrere Tarife.

    Es gibt an jedem Standort genau einen Grundversorger, und der hat genaueinen Grundversorgerpreis. Alles andere sind Stromverträge außerhalb der Grundversorgung.


    Frag doch einfach mal Deinen Vermieter wie sich dein Strompreis zusammensetzt.

    Auch ob und welche Kosten anfallen wenn Du aussteigst.

    Ich gehe davon aus dass Stromzähler zumindest umgeklemmt evtl. auch neue gesetzt werden müssen.

  • hier erklärt die bundesnetzagentur.de Mieterstrom.

    Wenn du Energierecht kennenlernen möchtest,
    dann empfehle ich dir die Links in meiner Signatur.

  • Ich würde wohl nicht hier schreiben, wenn dies von Erfolg gekrönt gewesen wäre. :)


    „Kann er auch noch nicht sagen wie sich der dann zusammensetzt, ist auch sein erstes Jahr mit Mieterstrom.“

    Grundsätzliche Aussagefreude = 0 und natürlich sagt der, dass ein Ausstieg super teuer und nachteilig für mich wäre. Wer nimmt denn dann seinen Strom…? Es gibt auf dem Markt einfach zig Angebote, die deutlich unter dem Netto-Preis des Grundversorgers liegen.



    Wieso kann ich, da ich ja verpflichtet dazu bin, einen Stromzähler vom Netzbetreiber außerhalb des Stromliefervertrags zu übernehmen, dann hier nicht meinen eigenen Anbieter dann wählen?

    Ich dachte immer entweder es ist Mieterstrom mit Vollversorgung und der Vermieter gibt mir einen Preis, den ich zu bezahlen habe (egal ob PV oder aus dem Netz) oder ich habe eine Teilversorgung, wo der Vermieter den Preis für den PV Strom aufruft, ich aber zusätzlich einen eigenen Vertrag für Netzstrom habe.


    Daraus werde ich auch mit den Links und weiteren Informationen im Netz nicht schlau.

  • Wie groß ist die Wohnanlage, Anzahl der Wohnungen? Du hast eine große Wohnungsgesellschaft als Vermieter oder einen mutigen Privatvermieter? Welches Mieterstrommodell wird praktiziert?

    Erstere wollen dir Mieterstrom nicht erklären, zweiterer kann es wahrscheinlich wirklich nicht. Wenn ich mir die Grafiken der Bundesnetzagentur anschaue ist es nicht einfach. Ich kenne mich auch nicht im Detail aus, es gibt so viele Modelle. @ bundesnetzagentur.de_Mieterstrom @ bundesnetzagentur.de_Mehrparteien Deshalb mache ich was anderes. Deshalb bist du hier.

    • geförderter Mieterstrom ist im EEG geregelt, du kannst alles irgendwo finden
    • Der Preis ist frei nach unten, aber oben gedeckelt bei max. 90 % des Grundversorgertarifs.
    • Jeder Mieter hat das Recht auf freien Marktzugang.
      Bei Stromverkauf ist das immer ganz wichtig.

    Aus Vermietersicht: Wenn du dabei bleibst bekommt der Vermieter mehr für den von dir verbrauchten Strom. Wechselst du zu einen "anderen (bunteren)" Stromlieferanten bekommt der Vermieter weniger, die Einspeisevergütung (bei einer neuen Anlage irgendeinen nicht ganz zweistelligen Cent-Betrag/kWh und knapp 3 ct Mieterstromzuschlag fallen weg). Die Einspeisevergütung gibt es für den gesamten Überschuss aus der PV-Anlage.

    (Disclaimer: Wie gesagt, genau weiß ich es nicht. Du hast das Modell nicht genannt. Es interessiert mich auch nicht, es ist mir zu kompliziert / zu viel gesetzlich geregelt. Vielleicht hat aber jemand hier Lust es dir noch besser zu erklären. Bitte gerne.)


    Aus Mietersicht: Nutzt du den freien Marktzugang und gehst zu einem bunten Lieferanten, bekommt der Vermieter weniger. Du verbrauchst physikalisch den gleichen PV-Strom (tagsüber) und bezahlst halt an den bunten Lieferanten (etwas weniger) - aber dein Vermieter bekommt viel viel weniger. Das sind die orangen Pfeile bei der Bundesnetzagentur. Die fallen beim Lieferanten an, weil dein PV-Strom jetzt (kaufmännisch-bilanziell) "das öffentliche Netz benutzt".


    Erkundige dich nach den Kosten bei einem Lieferantenwechsel.

    Wenn es das erste Jahr auch für den (privaten) Vermieter ist, sind vermutlich schon überall mME's verbaut (ab 2025 Pflicht) und im Messkonzept gibt es einen "physischen oder virtuellen Summenzähler".

    Die Kosten sollten gering sein, weil es durch den Messstellenbetreiber MSB rechnerisch (kaufmännisch-bilanziell) umgesetzt wird. Früher musste der Elektriker umklemmen.


    Das Wichtigste überhaupt:

    Frag' deine neuen Nachbarn. Das ist deine neue Hausgemeinschaft.


    >Akzeptanzstudie "Mieterstrom aus Mietersicht" : eine Untersuchung verschiedener Mieterstromprojekte in NRW< vom 09.07.2019, hier das PDF.


    Bei einer Rückfrage, bitte alle Fragezeichen beantworten.

  • Bitte mal Butter bei die Fische. Was zahlst Du und was ist eigentlich Dein Problem mit dem Mieterstrom?


    Ich biete selbst Mieterstrom an und alle meine Mieter haben sich dafür entscheiden. Zwei haben sogar geholfen die PV-Anlage auf dem Dach zu installieren. Wenn einer nicht mehr mitmachen wollen würde, dann würde ich gerne wissen, warum?


    Mir macht der ganze Mieterstrom viel Arbeit und bringt eigentlich nichts. Also der Ertrag ist genau gleich, wie bei einer Volleinspeisung, nur die hat halt weniger Bürokratie und weniger Technik. Wenn damit nun jemand unzufrieden ist soll er ziehen. Aber wenn ich 1-2 solche Mieter hätte, dann würde ich den anderen auch kündigen und auf Volleinspeisung ummelden.

  • was ist eigentlich Dein Problem mit dem Mieterstrom?

    Die Frage stelle ich mir gerade, wenn ich noch folgendes lese ...

    Ich biete selbst Mieterstrom an und alle meine Mieter haben sich dafür entscheiden. ...
    Mir macht der ganze Mieterstrom viel Arbeit und bringt eigentlich nichts. ...

    Aber wenn ich 1-2 solche Mieter hätte, dann würde ich den anderen auch kündigen und auf Volleinspeisung ummelden. ...

    Volleinspeisung ist so schlecht nicht, dazu habe ich meine Meinung inzwischen geändert.

    ... meinen VNB nach der Mieterstromvergütung gefragt.

    Schwierig, weil ich keinen Generatorzähler habe.

    ... ich dafür rund 90€ Mieterstromvergütung bekommen müsste.

    Was meint ihr? Gibt es Präzedenzfälle? Für die paar Euro lohnt doch jetzt kein weiterer Zähler. :rolleyes:

    Aber wenn schon alle Hausbewohner mitmachen, warum macht ihr dann nicht "Eigenstrom für alle im MFH", anstatt dich mit mit 90 € vom VNB zu beschäftigen.


    Du solltest die "gute" Hausgemeinschaft mit der "atmenden Pauschale" bekannt machen, dann deinen VNB informieren, wir machen jetzt alle Eigenstrom, er möge bitte kommen die 7 Mieterzähler abbauen.


    Meine Mieterstromanlage läuft prächtig.

    hier nicht so dolle?

    Richtige Wut bekommt man übrigens, wenn man nach monatelanger VNB-Wichtigtuerei dann am Ende sieht, dass eine Mieterstromanlage mit 4 Wohnungen weniger als 50% eines einzigen Durchlauferhitzers ausmachen:


    Lies ein wenig in meiner Signatur zu Eigenstrom und "atmender Pauschale", z.B. den Baustein. Könnte für dich interessant sein, wenn du deine Mieter nicht fürchtest, wie hier manch' andere.

  • Wie groß ist die Wohnanlage, Anzahl der Wohnungen? Du hast eine große Wohnungsgesellschaft als Vermieter oder einen mutigen Privatvermieter? Welches Mieterstrommodell wird praktiziert?

    Hallo,

    leider kann ich (noch) nicht all deine Fragezeichen beantworten. Ich habe diese aber angefragt.


    1. Es handelt sich um einen kompletten Neubau (Ersteinzug) mit lediglich drei Wohnungen. ca 15-20 kWp auf dem Dach.

    2. Es ist von einem Privatvermieter vermietet, es gibt keine Hausverwaltung.

    3. Wie ich es verstehe ist es eine Vollversorgung, da ich keinerlei anderen Stromvertrag habe. Ich musste laut Vertrag des Mieterstrommodells einen Zähler vom Grundversorger übernehmen (der Vermieter übernimmt einen für den Hausstrom, steht drin). Mehr kann ich dazu leider noch nicht sagen. Ich habe angefragt hierzu. Ob und wann ich eine Auskunft bekomme kann ich nicht sagen. Deshalb bin ich ja hier.


    Ich habe auch nachgefragt, ob bereits MMEs verbaut sind und welches Mieterstrommodell wir haben.



    Zitat

    Das Wichtigste überhaupt:

    Frag' deine neuen Nachbarn. Das ist deine neue Hausgemeinschaft

    Alle sind gleichzeitig eingezogen, keiner hat einen Plan und keiner bekommt bisher eine verlässliche Auskunft. Sonst wär ich wohl auch nicht hier.. ;)

    Zitat

    Bitte mal Butter bei die Fische. Was zahlst Du und was ist eigentlich Dein Problem mit dem Mieterstrom?

    Das kann ich dir ganz einfach erklären. Wenn ich den Mieterstrom kündigen würde und selber einen (momentan) für die nächste Periode abschließe, spare ich mir (Stand momentan) ca. 10-13 Cent / kWh, weil der Grundversorger im Vergleich hier wirklich teuer ist.


    Zitat

    Ich biete selbst Mieterstrom an und alle meine Mieter haben sich dafür entscheiden. Zwei haben sogar geholfen die PV-Anlage auf dem Dach zu installieren. Wenn einer nicht mehr mitmachen wollen würde, dann würde ich gerne wissen, warum?

    Du verstehst mich wohl nicht. Ich habe überhaupt nichts gegen Mieterstrom - im Gegenteil. Ich würde sehr gerne erneuerbare Energien direkt von hier nutzen als mich selbst um Verträge zu kümmern.

    Leider ist das im Moment bei dem Preis überhaupt nicht gegeben und es profitiert nur der Vermieter. Wieso sollte ich das akzeptieren?


    Nochmal: Ich verstehe nicht (trotz Lesens aller Links), wieso ich nicht einfach einen Preis habe, für den ich Strom vom Vermieter beziehe. Wieso habe ich einen Preis für PV Strom und einen Preis für zugekauften Strom?

    Solange der Preis (sowohl PV + GV) nicht an die Marktverhältnisse angepasst ist in meinem nächsten Vertrag, sehe ich eine Lose-Lose Situation für beide am Ende (wenn ich kündigen würde).



    Ich behaupte nicht, dass das Model an sich Murks ist, sondern eher, dass der Vertrag hier in meiner Situation + der Auskunftswille und evtl auch die Mächtigkeit nicht gegeben sind.


    Hauptsächlich möchte ich verstehen, was auf mich zukommen könnte, wenn ich nun wirklich wechsle (was den Vermieter ganz sicher nicht happy macht), aber aus meiner Situation heraus wohl nachvollziehbar wäre. Weil diese Info werde ich möglicherweise nie verlässlich und glaubwürdig von meinem Vermieter bekommen.

    Und ich möchte wissen, ob es nicht einen Preis im Mieterstromvertrag gibt, egal wo der Strom herkommt, wenn es sich um eine Vollversorgung handelt.

    P.S. Ist es normal, dass der Mieterstrom von der PV Anlage in Verträgen auf eine gewisse kWh Zahl gedeckelt ist?

  • Danke für deine Angaben. Wenn ihr alle nicht so Recht wisst was passiert. Lies einfach die Links in meiner Signatur. Es schadet nicht und zeigt eine praktikable Alternative, natürlich nach meiner Einschätzung.. Die müssen alle wollen. Wechseln könnt ihr jederzeit alle gemeinsam.

    Bzgl. Der Kapazitäten den Anlage passt die "atmende Pauschale" nicht perfekt. Wenn der Vermieter die Anlage teilt, ca. 15kWp Volleinspeiser (er alleine), Rest ca. 5kWp mit dier Pauschale für alle passt es womöglich für alle besser. Oder 10/10.

  • Nochmal: Ich verstehe nicht (trotz Lesens aller Links), wieso ich nicht einfach einen Preis habe, für den ich Strom vom Vermieter beziehe. Wieso habe ich einen Preis für PV Strom und einen Preis für zugekauften Strom?

    Solange der Preis (sowohl PV + GV) nicht an die Marktverhältnisse angepasst ist in meinem nächsten Vertrag, sehe ich eine Lose-Lose Situation für beide am Ende (wenn ich kündigen würde).

    1.Was ist denn Dein PV Preis?

    2. Was ist denn Dein Grundversorger und seine Preise?


    Dein Vermieter kann Dir vermutlich kein Mischpreis anbieten, weil er damit zum gewerblichen Stromanbieter würde. Außerdem müsste er Annahmen zu Eurem Nutzungs und Verbrauchsverhalten machen und damit ein Risiko eingehen für das er im Normallfall keine Gegenleistung erhält. Deshalb muss meinem Verständnis nach (ich bin aber kein Mieterstromexperte) eine Komponente aus dem direkt verkauften PV Strom und eine aus dem extern hinzugekauften Netzstrom bestehen.