Photovoltaikanlage

  • Hallo,


    ich bin seit kurzem stolzer Besitzer einer Photovoltaikanlage. In diesem
    Zusammenhang muß ich mich als "Steuerlaie" auch mit dem Thema Umsatzsteuervoranmeldung und Einkommensteuererklärung, hier insbesondere die Gewinn- und Verlustrechnung, beschäftigen. Nach einigen Recherchen im Internet hoffe ich, daß ich die Verfahrensregelungen verstanden habe? Könnten Sie mir bitte mitteilen, ob meine Vorgehensweise so richtig ist:


    Umsatzsteuervoranmeldung:
    Monatlich erhaltene Stromvergütung (Netto) eintragen in das Feld 51 der Umsatzsteuervoranmeldung und Abgabe bis zum 10. des Folgemonats per "ELSTER" an das Finanzamt. Die MwSt aus dem Stromverkauf wird vom Finanzamt abgebucht. Die in der von mir bezahlten Rechnung für die Anschaffung der Anlage enthaltene MwSt, werde ich beim Finanzamt zurückfordern. Umsatzsteuervoranmeldung=Feld 66. Ebenso werde ich die MwSt aus der Zählermiete, Versicherungen, Reparaturen in das Feld 66 eintragen und zurückfordern. Ist dies so OK?


    Jährliche Umsatzsteuermeldung:
    Welche Felder muß ich hier ausfüllen?


    Einkommensteuer(AnlageGSE)/Gewinn- und Verlustrechnung:
    Betriebseinnahmen:
    Erhaltene Stromvergütung (einschl MwSt) in 2005
    Vom Finanzamt erhaltene MwSt aus dem Kauf der Anlage
    Betriebsausgaben:
    Abschreibung der Anlage AfA (degressiv)
    Bezahlte Betriebskosten in 2005 (Versicherung einschl. MwSt, Fachzeitschrift, Fachbuch, Reparaturen, Zählergebühr).
    Zinsen aus Darlehen.
    Für die Anlage gezahlte MwSt
    An das Finanzamt gezahlte UST/MwSt aus dem Stromverkauf (erhaltene und an das Finanzamt weitergeleitete MWST)
    Ist die so OK? Beim letzten Punkt bin ich mir überhaupt nicht sicher!!
    Gibt es ggf eine Excel-Tabelle oder ein einfaches Programm um diesse Daten für die Gewinn- und Verlustrechnung einzutragen?


    Über entsprechende Mitteilungen zu dem vorgen. Sachverhalt würde ich mich sehr freuen!


    Horst

  • Guten Tag Horst,


    soweit du das dargestellt hast, sollte das so hinkommen.


    Allerdings sind die 16% bei den Versicherungen keine Mehrwertsteuer, sondern Versicherungssteuer und die kriegste nicht wieder. Das ist Betriebsausgabe mit MWST 0%. Die 16% stimmen nur zufällig überein.


    Um die Sache mit der Ust.-Voranmeldung etwas in die Länge zu ziehen, stelle bitte einen Antrag auf Dauerfristverlängerung. Dann hast du einen Monat mehr Zeit. Also ist die Ust.-Voranmeldung für Juli dann erst am 10. September dran.


    Einen Vorschlag hätte ich, wie du die Sache insgesamt sehr zeitsparend organisieren kannst. Ein Steuerberater wird dann u. U. entbehrlich.
    Sieh dir mal ein Steuerprogramm an. Z. B. das Steuerprogramm von der Akademischen Verlagsgesellschaft an. Das ist das Komplettpaket schlechthin für den Kleinunternehmer, lohnt aber nur, wenn du deine Einkommenssteuererklärung selber machst. Dieses Programm nehme ich auch. Da ist von Gewinnermittlung, Umsatzsteuer bis Einkommenssteuer, EÜR, Abschreibung, Anlagenaufstellung, Verlustrücktrag, Formbriefe, Elster usw. alles dabei – für wenig Geld.
    Das Programm wird ständig gepflegt. Z. B. findet vor der Übertragung der Umsatzsteuervoranmeldung mit ELSTER jedes Mal eine automatische Versionsprüfung statt und viele andere Dinge. Alle Formulare können mit automatischen Eintrag an der richtigen Stelle auch ausgedruckt werden.


    Du glaubst gar nicht, wie schnell du mit diesem Programmchen immer neue Möglichkeiten findest, dein PV-Unternehmerdasein mit Hilfe des Finanzamtes und der deutschen Steuergesetzgebung zu versüßen. Z. B. Reisekosten nach Freiburg zur Messe, Möbel und PC und Arbeitszimmer, Internet- und Telefonkosten. Du darfst da kein schlechtes Gewissen haben. So lange der Bezug zu PV und die Verhältnismäßigkeit und Plausibilität gewahrt bleiben, ist so ziemlich alles möglich, da KEINER mehr richtig durchsieht.
    Luxus- oder Lustreisen nach Brasilien oder ein neues Auto zur Betreuung deiner Hausdachanlage kriegst du eh nicht unter. Das dürfen nur die, die Hartz 4 predigen und so oder so ähnlich heißen.
    Als Steuerverminderer bist du denen egal. Als Steuerzahler bist du aber die melkende Kuh.
    Selber Schuld, wenn du diesbezüglich noch nicht trocken stehst.


    Tschüss
    Doris


    P.S.
    .... und sie sägten an den Ästen, auf denen sie saßen
    Und sie schrien sich zu, dass man viel schneller sägen müsste.
    Und sie fuhren krachend in die Tiefe.
    Die anderen sahen zu.
    Und sägten weiter.


    (unbekannt)

    Ein positiv denkender Mensch weigert sich nicht, das Negative zur Kenntnis zu nehmen. Er weigert sich lediglich, sich ihm zu unterwerfen. (Norman-Vincent Peale 1898-1993)

  • Hallo zusammen,


    also ich muss Doris wirklich loben. Sie haben hier und auch in anderen Foren immer gute, konstruktive Beiträge parat - vor allem auch im steuerlichen Bereich ;-)


    Haben Sie auch einen Link zu dem genannten Programm.


    Gruß

  • Hallo Robert,


    --> http://www.steuertipps.de


    Im Shop gibt es die "Steuersparerklärung".
    Ist nicht schlecht, ich nutze die sowohl für meine private Einkommenssteuererklärung als auch für meine gewerbliche Steuervoranmeldung.


    Gruß,
    Michael

    Gruß Michael Z.
    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    "Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat"

  • P.S.: Da gibt es auch eine kostenfreie Demo zum Download ...........

    Gruß Michael Z.
    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    "Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat"

  • Danke Michael,
    genau dieses Programm meine ich. Sinnvoll sind auch die beiden Bände Steuertipps für Selbständige ==> alles Betriebsausgaben ;-)


    Doris

    Ein positiv denkender Mensch weigert sich nicht, das Negative zur Kenntnis zu nehmen. Er weigert sich lediglich, sich ihm zu unterwerfen. (Norman-Vincent Peale 1898-1993)

  • Hallo Doris,


    vielen Dank für die konstruktiven und ausführlichen Hinweise. Die Tipps haben mir sehr weitergeholfen.


    Sonnige Grüße


    :P Horst :P

  • Hallo,


    bei der Einahmeüberschussrechnung bin ich gerade dabei, die Betriebsausgaben zu "optimieren". Ich denke in diesem Zusammenhang an folgende Punkte:


    Abschreibung AfA (degressiv)
    Zinsen/Darlehen
    Für die Anlage gezahlte MwSt
    An das Finanzamt gezahlte MwSt aus dem Stromverkauf
    Betriebskosten (Versicherung einschl. Versicherungssteuer, Fachzeitschrift, Fachbuch, Reparaturkosten, Wartungskosten, Zählergebühr, Telefonkosten u. Reisekosten geschätzt)


    Da ich bei der Variante "degressive Abschreibung" wahrscheinlich ab dem Jahre 2011 in die Gewinnphase komme und sich somit mein zu versteuerndes Einkommen erhöht, würde mich interessieren welche Kosten ich ggf noch geltend machen kann? Welche Auswirkungen hat ggf. eine zu diesem Zeitpunkt eintretende Stellenlosigkeit auf meine zu zahlende Einkommensteuer? Bei dem Arbeitszimmer und den Internetkosten habe ich so meine Zweifel. Eine Anfrage beim Finanzamt bezüglich des Arbeitszimmers brachte keinen Erfolg, da der Zeitaufwand als Photovoltaikanlagenbetreiber nur geringfügige Zeit, bezüglich des Verwaltungsauwandes, beanspruche.


    Für entsprechende Tipps wäre ich sehr dankbar.


    :P Sonnige Grüße :P


    Horst

  • Einen schönen Sonntag,
    guten Tag Horst,


    in Kürze hier der Versuch einer Antwort. Nochmal sicherheitshalber der Hinweis: Meine Tipps und Erfahrungen zu PV, Steuern, Finanzen usw. resultieren aus eigenem Erleben oder aus Schlussfolgerungen aus den jeweils gegebenen Anlässen. Ich bin weder Steuerspezialist noch PV-Fachmann. Wenn es anderweitig nicht so funktioniert – sorry. Ich lasse mich nicht darauf festnageln. Bestenfalls habe ich die reine Lehre verbreitet, im ungünstigsten Fall habe ich mich geirrt. Alles klar?


    Was die Abschreibungsart betrifft, solltest du darauf achten, in welchem Jahr die lineare Abschreibung die degressive übersteigt. Dann wechseln. Du kriegst sonst die Anlage in den 20 Jahren nicht vollständig abgeschrieben.
    Wenn du PV-Existenzgründer bist, solltest du dich mal mit intensiv mit der Ansparabschreibung beschäftigen. Das ist m. E. zwar eine reine Zahlenschieberei bei den Betriebsausgaben und -einnahmen. Aber zusammen mit dem „horizontalen Verlustausgleich“ und dem Verlustrücktrag kriegst du die Einkommenssteuer des letzten und vorletzten Jahres (2003, 2004) auf ein Minimum gedrückt und der Rest geht in das aktuelle Jahr oder noch weiter nach vorne. Für die ASA genügt die reine Absichtserklärung in den nächsten zwei Jahren erneut in irgend etwas zu investieren. Allerdings muss der Zusammenhang zu deinem PV-Unternehmen gewahrt bleiben (neuer Geschäftswagen geht bei einer Dachanlage auf dem eigenen Wohnhaus schlecht). Als Existensgründer wirst du nicht mit Strafzinsen belegt, wenn aus der Investition nichts wurde. Die Ansparabschreibung wird dann einfach aufgelöst und wieder als Betriebseinnahme gebucht und fertig. Es ist völlig legal, wenn du das jedes Jahr wieder neu machst und du das plausibel erklären kannst (z. B. neuer PC, Erweiterung der PV-Anlage, Wechselrichter mit höherem Wirkungsgrad, Kühlanlage für deine Module ;-) , ...). Allerdings ist davon auszugehen, dass an dieser Steuerschraube bald gedreht werden dürfte. Aber bis dahin....


    Achso. Wenn du zusammen veranlagt wirst, rechne mal die getrennte Veranlagung aus und nimm die mit der höheren Steuererstattung. Wenn sich das im nächsten Jahr oder auch zwischendurch als nachteilig herausstellt, änderst du einfach wieder. Das Finanzamt MUSS da mitspielen, weil Steuerminimierung auf de §14 des Grundgesetz zurück geführt wird und das Einkommensteuergesetz noch vor der Bibel des Finanzamtes (Abgabenordnung) kommt.


    Was das Arbeitszimmer betrifft, würde ich auch keinen schlafenden Finanzbeamten wecken wollen. Das ist nämlich deren Hobby.
    Aber du brauchst selbstredend für dein PV-Unternehmen einen eigenen (zweiten) PC mit eigenen Softwarelizenzen, Monitor, Drucker, Scanner, Telefon usw. und die stehen natürlich auf einem Schreibtisch. Davor ein geeigneter Sessel. Die Technischen Beschreibungen, die Steuerunterlagen und den ganzen Papierkram legst du natürlich nicht auf dem Fußboden ab, sondern in einem Aktenschrank oder Rollcontainer. Das nun noch eine Schreibtischlampe und ein Locher gebraucht wird, ist logisch. Das alles kann neu angeschafft werden oder du nimmst es als Sacheinlage aus deinem privaten Beständen. Dazu ist aber kein als Arbeitszimmer definierter Raum notwendig - kannste auch im Keller machen - in der Küche besser nicht, wegen möglichem Ärger von den dort anderweitig Beschäftigten ;-).
    Wichtig ist, für jedes Teil einen eigenen Beleg machen, und darauf achten, dass es immer geringwertige Wirtschaftsgüter bleiben und gleich abgeschrieben werden können.
    Das geht problemlos durch jede Betriebsprüfung durch, wenn denn wirklich mal eine kommt. Bei deinen – Entschuldigung – eher mickrigen Umsätzen und Gewinnen aus der PV-Stromerzeugung ist das zwar unwahrscheinlich, weil die Reisekosten des Betriebsprüfers erheblich höher sein dürften, als das, was du zum Nachteil des Finanzamtes falsch machen kannst. Aber unmöglich ist es nicht und ich würde es auch nicht herausfordern. Wenn du unsicher bist, dann nimm lieber einen Steuerberater, bei dem du dann auch die Schuld für Fehler abladen kannst. Ansonsten gehe ruhig großzügig ran. Der Abschreibungszeitraum der PV-Anlage ist auch für das Finanzamt eine Art Gewährleistung der Existenz des Unternehmens über diese Zeit und solange brauchst du das ganze Zeug auch. Wenns nicht hält – neu kaufen. Das ein PV-Unternehmen nicht Liebhaberei werden kann, hat der Finanzminister schon erklärt. Und steuerlicher Gewinn im Jahre 19 nach der Gründung kommt immer noch zurecht.
    Da hätten wir dann das Jahr 2025 und wer weiß ....


    Telefon und Internet. Da gibt es gar keine Probleme. Besorge dir einen ISDN-Anschluss. Da bekommst du neben der alten Rufnummer noch mindestens zwei weitere dazu. Eine der neuen Nummern ordnest du deinem PV-Unternehmen und dem Internet zu. Da es nur eine Rechnung vom Telefonanbieter gibt, nimmst du diese voll in die Betriebsausgaben rein. Gleichzeitig buchst du eine Betriebseinnahme für den privaten Telefonanteil. In welchem Verhältnis du das aufteilst unterliegt deinem Gewissen oder wenn du sehr genau arbeiten willst, dem Einzelverbindungsnachweis. Ich habe einfach erklärt, das 50% Privatanteil sind. So gebe ich das auch in das Steuerprogramm ein und glaube daran, dass das Programm diese Kosten schon an den richtigen Stellen einträgt. Internet ist da gleich mit drin. Korrekt wird das alleine schon dadurch, dass neben deiner Nachfrage hier im Forum und jeglicher Recherche im Netz, die Kommunikation per E-Mail usw. absolut zeitgemäß sind und der Bezug zum Geschäft offensichtlich ist. Wenn du Briefmarken als Betriebsausgabe buchst, kommt normalerweise auch kein Finanzbeamter auf die Idee von dir einen Nachweis zu verlangen, ob du diese tatsächlich allein für deine Geschäftspost verwendet hast. Es wird unterstellt, dass es eben so ist.
    Naja, vielleicht ändert sich das ja auch noch.


    Was die steuerliche Entwicklung im Falle von Stellen- oder Arbeitslosigkeit oder Pension oder Rente betrifft, kannst du deiner Phantasie freien Lauf lassen. Davon dürfte mit einiger Sicherheit nichts eintreffen, weil du so quer gar nicht denken kannst – es sei denn, du bist Politiker. Verlasse dich also alleine auf dein Bauchgefühl. Wenn von da so eine Ahnung kommt, dass irgendwie alles nicht mehr zusammenpasst, war deine Entscheidung mit der PV-Anlage goldrichtig, weil sie nachhaltig wirksam ist.
    Die Energie dürfte immer teurer werden. Die Gründe kennt jeder. Eine dicke Wirtschaftskrise gab es regelmäßig alle 50 bis 60 Jahre. Inflation mit nachfolgender Währungsreform noch öfter. Dein Sparbuch und deine Lebensversicherung hat dann den Wert von Papier. Dein Strom ist aber eine Tauschwährung von unschätzbarem Wert – egal ob die Definition in Euro, Dollar oder Rubel oder eine Mischung davon ist. Bis 2011 kann sich noch viel ändern. Wenn es soweit ist, sollte deine Anlage noch mindestens 20 Jahre leben. Die Sonne scheint bis dahin unter Garantie regelmäßig. Wenn es soweit ist, dann bezahl doch einfach deine Steuern und erfreue dich daran, 2005 fast alle Vergünstigungen und Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben und verschwende dann keine weiteren Gedanken daran. Schlimmer kann es kaum noch werden mit dem Steuerchaos und wenn daraus wieder eine Ordnung wird, ist das doch auch nicht schlecht. Oder?


    Alles Gute und schöne Grüße
    Von Doris

    Ein positiv denkender Mensch weigert sich nicht, das Negative zur Kenntnis zu nehmen. Er weigert sich lediglich, sich ihm zu unterwerfen. (Norman-Vincent Peale 1898-1993)