Neubau DHH auf PV Ertrag optimieren - Raum München, Pult-/Flachdach

  • Guten Abend,


    wir werden ein Grundstück mit einer Doppelhaushälfte bebauen (PLZ 853XX).

    Aktuell führen wir erste Gespräche mit Baufirmen. Der Bebauungsplan gibt sehr vieles vor. Vieles davon ist leider nicht ideal für eine PV Nutzung.

    Wir möchten aber unbedingt so bauen, dass wir eine PV Anlage wirtschaftlich nutzen können. Entsprechend früh beschäftigen wir uns mit dem Thema. Wir hoffen hier Anregungen und Feedback zu bekommen.


    Daten Haus:

    • Pultdach 0 - 12° Neigung
    • Dachausrichtung Nord (Drehung nach Süd ist für PV erlaubt, wenn Nachbar mitspielt)
    • Dachfläche ca. 60 qm.
    • Als Heizungssystem wird es eine Wärmepumpe und die Anschaffung eines E-Autos ist später geplant.
    • Keine Aussage im Bebauungsplan zum Aufständern.

    Unsere Überlegungen:

    Dachdrehung nach Süden und 12° Neigung, um den Ertrag zu maximieren.

    Laut Online Rechner (https://re.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools/de/) ist der Ertrag im Süden um 2600 kW höher (Annahme Dach ist voll, 12,5 kWp).

    Machen diese Werte so Sinn? Gibt es bessere Rechner (von PV*Sol habe ich gelesen. Hier hoffe ich später mit dem Testzeitraum zurecht zu kommen)

    Außerdem wäre bei einer Nordneigung die Eigennutzung noch schwieriger, oder (In der Früh wird weniger Strom verbraucht)?

    Wie ist hier das richtige Vorgehen, um den Ertrag zu optimieren?

    Gibt es noch irgendwelche kreative Lösungen?

    Was haben wir nicht berücksichtigt?



    Problematik bei der Dachdrehung:

    Das Haus hat eine Dachterrasse und diese soll selbstverständlich im Süden bleiben (siehe Bild aus dem Bebauungsplan). Problematisch ist dann der niedrige Kniestock von nur 2 m für die Balkontür.

    Jetzt haben wir hier unterschiedliche Aussagen bekommen:

    • Fertighaus 1 Vertriebler: Das ist kein Problem
    • Fertighaus 2 Erstgespräch Architektin: Das ist möglich. Wir müssen hier nur eine kleinere Tür verbauen und können nichts zum verschatten vorsehen.
    • Massivbau 1 Erstgespräch Bauingenieur: Das wird schwierig. Das Flachdach des Anbaus / Dachterrasse muss thermisch entkoppelt werden. Dadurch wird die Dachterrasse um ca 15 cm höher. Dann bleibt für eine Tür nur noch <185 cm.


    Hat jemand schon zufällig eine ähnliche Fragestellung gehabt? Fallen euch Lösungen ein?


    Schonmal vielen Dank für Eure Unterstützung!


    Viele Grüße

    Tobias

  • ist der Ertrag im Süden um 2600 kW höher (Annahme Dach ist voll, 12,5 kWp).

    Machen diese Werte so Sinn?

    Nein, 12,5 kWp werden kaum mehr als 12,5 kW für paar Minuten im Jahr liefern - wenn überhaupt.

    Was du meinst ist kWh, dann stimmt es.


    Passiv solare Architektur beachten! Bei ElektroZW in den Beiträgen lesen.

  • Hallo tobkra ,


    wenn Du teuer und fehlerträchtig (Abdichtungsthematik!) bauen willst, nimm die Dachterrasse!


    Ansonsten gilt es die heißeste Seite eines Hauses - eben das Dach - an keiner Stelle durchdringen, sondern komplett mit PV belegen und das Pult selbstverständlich nach Süden drehen!



    Geöffnet wird der Baukörper in den senkrechten Südflächen (alles bodentiefe Fenster, die West-, Ost- und Nord-Fenster weitgehend entbehrlich machen!), die statisch sehr elegant mit einem thermisch entkoppelten, vorgesetzten Leicht-Balkon mit 1,2m Maximaltiefe abgeschattet werden.


    Gruß


    ElektroZW


    P.S. Gehe mal bitte nach fünf bis zehn Jahren durch die (ehemaligen) Neubaugebiete und schaue, was mit den ach so tollen Südterrassen passiert ist; bei einer Dachterrasse ist das Überhitzungsproblem ganztägig, also gegenüber Süd quadriert. Die grünen Blätter der Weinrebe sind eine sehr viel angenehmerer Schatten, als die Terrassenüberdeckungen, die für viel Geld von den Neubau-Besitzern eben nach durchschnittlich 5...10 Jahren nachgerüstet werden.

  • Hallo pflanze ,

    Hallo ElektroZW ,

    vielen Dank für eure Beiträge.


    ich habe versucht mich mit deinen Beiträgen ElektroZW einzulesen und bin auch auf Seiten zur passiven solaren Architektur gekommen. Das ist aber ein ordentlicher Block an Informationen. Entsprechend hab ich mich sehr gefreut, dass du deine Gedanken nochmal zu dem Hausprofil geschrieben und eingezeichnet hast.

    Wir können nicht ohne Dachterrasse bauen.


    Wenn ich deine Skizze mal zusammenfasse, dann heißt das:

    Wir sollten Fenster im Norden und Westen vermeiden bzw. reduzieren und verschattbar gestalten.

    Im Norden sogar eine Haustür ohne Fenster, richtig?

    Gleichzeitig auf der Südseite die Fensterfläche zu "maximieren". Kann man so seinen Heizungsenergiebedarf reduzieren?

    Wo sollen die Weinreben wachsen? Auf dem Balkon? Als Terassenüberdachung?


    Wenn ich dich richtig verstehe, dann haben wir durch die DAchterasse zumindest im Geschoss darunter ein "Hitzeproblem", richtig?


    Gruß Tobias

  • Hallo,


    was heißt hier konkret, dass man eine Dachterrasse bauen muss?


    Stelle doch mal die Außenansichten des jetzigen (bebauungsplan-konformen) Bauplans und den Grundriss hier rein, dann kann man gemeinsam überlegen, ob ggf. das ganze zwar optisch angedeutet aber jetzt oder später einfach überbaut wird.


    Rahmentür heißt günstige PH-taugliche "Tür mit viel Glas", damit im Norden kein zusätzliches Fenster den Eingangs/Treppenbereich erforderlich wird. Auch auf die teuren Seitenelement neben der Haustür kann man dann verzichten.


    Süd bringt im Kernwinter entscheidend mehr Solargewinne als Ost oder West (siehe nachstehenden Vergleich Satteldach versus Zeltdach; bei einem Pultdach gegen Süden ist es noch viel besser, da eher 2facher Ertrag im Kernwinter.)


    Auch sieht man im zweiten Diagramm "Globalstrahlung" sehr schön, das Nordfenster im Sommer fast so heiss wie die Südwand sind.


    174669-pasted-from-clipboard-png


    99641-93c4a0279d-jpg


    Ach ja, und die Dachterrasse - siehe Flachdach - ist sogar doppelt so heiss, wie Süd- oder Nord. Acht Monate - vier im Sommer mit Überhitzung und vier im zu kalten Winter ) im Jahr hält man es dort nicht aus!


    Die Rebe wächst im gehörigen Abstand vom Haus in der EG-Erde beim Balkon. Es gibt Sorten, die wachsen fünf Meter im Jahr und machen sehr schnell die Verschattung im Sommer komplett. Die Ernte der sehr gesunden, da immer hinterlüfteten Trauben erfolgt vom Balkon und der EG-Terrasse aus.

    147312-weinrebe-an-suedbalkon-jpg


    Gruß


    ElektroZW

  • Hallo,


    der Anbau ist prinzipiell optional. Der Bebauungsplan kann hier abgerufen werden.

    Allerdings müssen wir

    1. profilgleich mit dem Nachbarn bauen (Doppelhaushälfte).
      1. Der hat ein paar Kinder
      2. Die Garage im Haus und wird den Platz entsprechend voll ausnutzen.
      3. Wir wollen aufgrund der Größe auf einen Keller verzichten
      4. Den Erker beim Eingang möchten wir nicht bauen
    2. Die "maximale" Grundfläche für die Außenmauern beträgt "nur" 91 qm (max 8 x 8,5 m, plus 2,5m im EG und OG Anbau). Entsprechen wäre der Grundriss pro Stockwerk noch sehr klein. Wir sind derzeit noch auf der Suche nach Jemanden der uns eine Entwurfsplanung macht.


    Interessant ist sicher der Abschnitt aus dem Bebauungsplan:

    Die bauliche Umsetzung der Anbauzone (...) Die Integration von Energiegewinnungsanlagen ist zulässig.


    Die Grafik mit der Globaleinstrahlung finde ich sehr interessant. Gibt es die Grafik auch im Vergleich zu einem Dach?

    Hier werden ja Wände mit einem Flachdach verglichen.


    Mit dem was ich über die passive solare Architektur gelesen habe, scheint ein Massivhaus Vorteile (Wärmespeicherung in den Wänden) gegenüber einem Holzhaus (Fertighaus) zu haben. Ist meine Schlussfolgerung richtig?


    In der Familie haben wir ein Haus mit verkommenem Efeu an der Wand. Das scheußlich aussieht. Ich finde die Idee mit den Weinreben aber großartig. Insbesondere da die heißen Tage ja noch mehr werden und so wie ich es verstehe, diese auch nicht an der Wand wachsen.


    Ich hatte jetzt noch eine weitere Idee:

    Im Ort gibt es bereits den gleichen Haustyp. Hier hat einer eine Verschattung in einem steilen Winkel über der Dachterrasse. Darauf sind PV-module installiert.

    Ich habe mit dem Solarstromrechner von IBC Solar dann etwas gespielt. Wenn das Pultdach nach Norden ausgerichtet ist, dann müsste ich auf einer Verschattung im 30° Winkel "nur" 3 Module in Südausrichtung anbringen, um auf den gleichen Ertrag zu kommen. So würde ich auch mehr Solarzellen auf das Dach bringen, wie nur mit der Pultdachfläche. Gleichzeitig ich das Problem mit einer schwierigen Verschattung und einer tendenziell sehr kleinen Terassentüre nicht.

    Macht dieser Gedankengang Sinn oder ist das Käse?


    Gruß

    Tobias

  • Hallo,


    spiele doch selbst mal mit den verschiedenen Dächern im PVGIS rum:


    Also ich würde immer, neben den passivsolaren Gewinnen - die Südverglasung sind die billigsten und auch bei Schnee/Rauhreif sofort verfügbaren Solarkollektoren schlecht hin, die PV auf den Kernwinter optimieren.


    Und vorallem die Schneetag auf einem flachen Norddach sind sehr ungünstig, wie an unseren N-S-Dachhälften-Erfahrungen auch ersichtllich.photovoltaikforum.com/core/attachment/250586/

    Gruß


    ElektroZW


    P.S. S bei uns allerdings 38° geneigt, N 22°, beide Hälften nahezu gleich groß bzgl. installierter kWp