Dimensionierung unserer PV Anlage bei Ost/West Ausrichtung, Bedeutung der Scheinleistung

  • Hi zusammen,


    darf ich Euch mal bitten, meinen Gedankengängen zu folgen und mir zu sagen, ob und wo ich falsch denke ? Dankeschön :) Also, ich plane gerade für unser EFH folgende PV-Anlage:


    18 Module auf Ost (-94°), 20 Module auf West (+86°) => 6,66 + 7,4 = 14,06 kWp, Wechselrichter Fronius Symo Gen24 10.0 plus, DN einheitlich 38°, 70% hart


    Das Verhältnis PV-Generatoren zu WR-Nennleistung liegt bei ca, 140% oder andersherum ausgedrückt ist der WR mit ca. 71% unterdimensioniert, was für Ost/West erstmal nicht so ganz verkehrt sein sollte. Nun mal 2 Rechnungen A und B:


    (A) Bei 14,06 kWp und 70%-Regelung bleiben also theoretisch 9842 W übrig. Nun muss ja noch Blindleistung berücksichtigt werden und zwar bei Anlagen > 13,8 kWp mit cos phi 0,9. Das macht 9842 / 0,9 = 10936 W Scheinleistung. Die max. Scheinleistung des Gen24 10.0 liegt aber nur bei 10000 VA. Das heißt, die tatsächliche Wirkleistung wird auf 9000 Watt gedrosselt, um noch 1000 Watt Blindleistung bereitstellen zu können. Korrekt ?


    (B) Wenn ich aber ein Modul mit 370W herausnehme, wäre die Rechnung wie folgt: 13,69 kWp * 70% = 9583 W. Nun ist cos phi aber 0,95 und die rechnerische Scheinleistung ist 9583 / 0,95 = 10087 W. Nun wird wegen der WR-Begrenzung zwar wieder gedrosselt, aber nur auf 9500 Watt, da nur 500 Watt Blindleistung bereitgestellt werden muss. Nun meine Fragen:


    - Ist es wirklich so, dass ich an "guten" Tagen mit (B) und einem Modul weniger rund 500 Watt mehr einspeisen könnte oder wo ist hier der Denkfehler ?

    - Habt Ihr Erfahrungswerte, ob und wie oft ich mit o.g. Belegung und unserer Ost/West-Ausrichtung (Raum FFM) pro Jahr an die 9000/9500 W kommen würde und diese Fragestellung überhaupt relevant ist ?

    - Wäre die Anlage bei (A) mit "realen" 64% (9000 / 14060) nicht vielleicht doch zu deutlich unterdimensioniert .... im Gegensatz zu (B) mit realen 69,4% ?


    Ich freue mich auf die Meinungen von Euch Experten .... ich will auch mal einer werden :)


    Andy

  • Deine Anlage wird etwa 12000 kWh pro Jahr erzeugen. An den "guten" Tagen, 100 im Jahr, nochmal für 2 Stunden 500 W mehr, also vielleicht 100 kWh oder etwa 1% des Jahresertrags zusätzlich. Glaubst du, den vermeintlichen Mehrertrag kann man am Ende des Jahres noch irgendwo erkennen?

  • Nein, es geht nicht um die 1% mehr oder weniger - es geht zunächst mal darum, alle Zusammenhänge zu verstehen und die Komponenten in Ihrer Größe möglichst gut aufeinander abzustimmen. Ich habe bisher verstanden, dass dies tendenziell der Fall ist, wenn an einigen wenigen "sehr guten" Tagen im Jahr gedeckelt wird. Und da ist mir einfach noch nicht klar, wie oft dieser Fall bei (A) und (B) zu erwarten wäre. Im Moment ist ja offensichtlich der WR der limitierende Faktor, aber vielleicht ist das auch nicht weiter schlimm, da wir mit unserer Ost-West-Verteilung ohnehin nicht an die 9kW bzw. 9,5kW herankommen werden ... ?

  • Das hängt natürlich stark von deiner Dachneigung ab ob du was verlierst... Bei meinem steilen Dach hab ich die harte Abregelung bei 70% noch so gut wie nie gesehen. Vielleicht mal an nem kalten Apriltag für wenige Minuten, kurz nachdem die Sonne hinter Wolken vorguckte.

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Bitte mit PVSol für deinen Standort und dein Dach berechnen. Und 70 % hart baut man so gut wie gar nicht mehr, da es einfach keinen Vorteil bringt...

  • Ist jetzt nicht soweit von meinen 45Grad weg... Auf 64% würde ich aber doch eher nicht gehen. Monetär macht es wohl nicht soviel aus, aber psychologisch schon...


    Kannst dir ja mal bei PVGIS die clear sky Einstrahlunsleistungsdiagramme mittags angucken, wieviel bei 38Grad mehr kommt als bei 45Grad.

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Und da ist mir einfach noch nicht klar, wie oft dieser Fall bei (A) und (B) zu erwarten wäre. Im Moment ist ja offensichtlich der WR der limitierende Faktor, aber vielleicht ist das auch nicht weiter schlimm, da wir mit unserer Ost-West-Verteilung ohnehin nicht an die 9kW bzw. 9,5kW herankommen werden ... ?

    Du bist zu der richtigen Erkenntnis gelangt. :)

    Ich dachte, ich hätte das klar gemacht , wie oft dieser Fall eintritt. Und bei mir ist es ein O/W-Dach mit 15 Grad Dachneigung. Selbst da habe ich schon großzügig geschätzt.

  • Das ist ja fast ein Flachdach und da schaffst du es nicht die 70% mittags für 1-2 Stunden zu überschreiten?

    Ein Kostenfaktor ist das nicht unbedingt, mich würds einfach nur nerven das nicht nutzen zu können... 😉 aber da is jeder anders gestrickt.


    Ich bin halt regelmässig überrascht wieviel mehr Ertrag als ich (ca. 15%), selbst nur 30Grad Dächer haben und ich hab in sehr guten Jahren 900kWh/kWp (in SW-Deutschland).


    OK,... Da man sagt selbst bei Südanlagen machen die 70% im schlimmsten Fall nur 5% Ertrag aus, machen die flachen O/W-Dächer den Mehrertrag zu meinem steilen wohl nicht (nur) Mittags... Und ich hab morgends/abends im Sommerhalbjahr ein kleines Schattenproblen (kostet auch 5%).:/

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Das ist ja fast ein Flachdach und da schaffst du es nicht die 70% mittags für 1-2 Stunden zu überschreiten?

    Doch, aber an weniger als 100 Tagen im Jahr. Im Juli und August ist mittags die Modultemperatur so hoch, dass die Leistung deutlich geringer ist als an kühleren Tagen des Jahres.